Finis' Gerechtigkeitssinn Leben wir in einer Bulettenrepublik?

Wer eine Frikadelle stiehlt, bedient sich morgen vielleicht am Lippenstiftstand, übermorgen an Steuergeldern. Die Bagatellisierung von Straftaten muss aufhören!

Anne Will brüstete sich damit, den sogenannten Bulettenstreit beigelegt zu haben. Eine Sekretärin hatte nach 34 Jahren Dienstzeit in ihrem Betrieb unrechtmäßig eine Bulette verspeist, eine Bulette nämlich, die nicht ihr zugedacht war, sondern ihrem Chef. Ihr wurde folgerichtig, nämlich den Gesetzen gemäß, gekündigt, was zu den üblichen heuchlerischen Solidaritätsbekundungen in allerlei Medien führte. »Wegen Frikadelle gefeuert – gnadenlose Arbeitswelt?«, fragte auch Frau Will zur Verwunderung aller, die noch einen Funken Rechtsempfinden in sich tragen, in ihrer Sendung. Gnadenlosigkeit wurde hier unterstellt, wo doch nur der Rechtsstaat griff. Gerade so, als sei Diebstahl eine Bagatelle, als könne jeder zulangen und zugreifen, wo und wie es ihm gerade passt. Als lebten wir in Burkina Faso, wo derlei, wie jeder weiß, Landessitte ist.

Jedwedes Übel ist ein Zwilling. War es gestern noch die Frikadelle, die man gewissenlos verschlang, bedient man sich heute diebisch in der Drogerie am Lippenstiftstand. Morgen schon feilt man beim Ausfüllen der Formulare an der Steuerhinterziehung. Bis auch noch Mord und Totschlag zu Bagatellen erklärt werden. Ist es schon wieder so weit?

Anzeige

Die fortschreitende Bagatellisierung entspringt dem Geist jener Vetternwirtschaft und Korruption, wie man sie hinlänglich aus sozialistischen Ländern kennt, deren Niedergang wir gerade gedenken. Da war auch alles immer eine Kleinigkeit – die kleine Datsche dem fleißigen Sekretär, dem Spitzel die kleine Westreise, die Raketa-Armbanduhr aus der Sowjetunion dem Arbeiter der Woche, der besonders emsig seine hässlichen Berichte schrieb.

Stolz verkündete Frau Will, der Chef vom Bauverband Westfalen und Oberchef der mundräuberischen Sekretärin habe kurz vor Ausstrahlung der Sendung eingelenkt. Der Sekretärin werde doch nicht gekündigt! Sie erhalte, zur vollständigen Wiedergutmachung, einen Bonus und immer montags einen Strauß Blumen auf den Schreibtisch gestellt. Und auch, großes Augenzwinkern, einen Korb frischer Buletten und einen Piccolo. Kurz darauf dann die eilige Meldung des Bauverbandes, die uns freudig aufatmen ließ: Man entschuldige sich zwar, die Kündigung bleibe aber bestehen. Um ein Haar wäre aus der Bananenrepublik eine Bulettenrepublik geworden.

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    genau!

    und milchtinker müssen mindestens zwei jahre in vorbeugehaft und umerziehungsanstalt!!!
    denn wer mich trinkt, trinkt wahrscheinlich auch cola. und wer cola trinkt, trinkt wahrscheinlich auch bier. und wer bier trinkt, raucht wahrscheinlich auch zigaretten. und wer zigaretten raucht, kifft wahrscheinlich auch. und wer kifft, spritzt sich wahrscheinlich auch heroin. und wer heroin spritzt, verkauft wahrscheinlich auch welches.
    und wer heroin verkauft, verkauft wahrscheinlich auch waffen. und wer waffen verkauft, tötet wahrscheinlich auch menschen. und wer menschen tötet....usw....

    könnte man nicht diesen miesen dieben die hände abhacken?
    klauen können sie dann nichts mehr und deutschland ist wieder sicherer geworden!!!!
    warum ist deutschland nur so rückständig, andere länder machen das längst????

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...für diese Ausführung.
    Laut dem Artikel,müsste jeder Bürger irgendwas kriminelles gemacht haben und gehört somit weggesperrt.
    Das ist doch gerecht, oder?

    Die richtigen Kriminellen lässt mensch natürlich laufen und das sind die Finanzbosse, die sich auf Kosten seiner Arbeiter bereichert.
    Aber Finis Gerechtigkeitsinn ist wohl etwas anders...daher sollte Jeder eingesperrt werden und fangen wir bei ihm an...so ein Artikel ist schon kriminell genug...

    ...für diese Ausführung.
    Laut dem Artikel,müsste jeder Bürger irgendwas kriminelles gemacht haben und gehört somit weggesperrt.
    Das ist doch gerecht, oder?

    Die richtigen Kriminellen lässt mensch natürlich laufen und das sind die Finanzbosse, die sich auf Kosten seiner Arbeiter bereichert.
    Aber Finis Gerechtigkeitsinn ist wohl etwas anders...daher sollte Jeder eingesperrt werden und fangen wir bei ihm an...so ein Artikel ist schon kriminell genug...

  2. Finis hinterlässt mich Sprachlos.

    Offensichtlich hatte Herr Schulte-Hiltrop andere Vorstellungen was die qualitäten seiner Sekretärin angeht.

    Welche das sind kann man hier gut sehen:
    http://www.bauverbaende.d...
    Seine neue? Chefsekretärin scheint ja die richtigen Qualitäten zu haben. ...

    Magdalene H. 59 aber hat diese wohl nicht mehr erfüllt. Also wurde ein Fadenscheiniger Grund gefunden um sie Los zu werden.

    Diebstahl muss bestraft werden, aber wer wie Finis Argumentiert lässt alle Arbeitnehmerrechte fallen. Irgendeine Bulette findet sich dann immer um die Kündigung vor Gericht durchzudrücken.

    Die Verhältnismässigleit muss teil jeder Gesetzlichen Ordnung sein. Rechtstaatlichkeit gibt auf wer die Verhältnissmässigkeit ausser acht lässt. An alle mitarbeiter der Zeit: Bitte Meldet euch falls ihr Finis mal bei einem Privaten Telefongespräch auf Kosten der Redaktion erwischt habt.

    Vielleicht hat er ja auch mal einen Kugelschreiber aus der Redaktion mit nach hause genommen. Wenn das so ist, keine Gnade für Finis. [...]

    [Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  3. ...für diese Ausführung.
    Laut dem Artikel,müsste jeder Bürger irgendwas kriminelles gemacht haben und gehört somit weggesperrt.
    Das ist doch gerecht, oder?

    Die richtigen Kriminellen lässt mensch natürlich laufen und das sind die Finanzbosse, die sich auf Kosten seiner Arbeiter bereichert.
    Aber Finis Gerechtigkeitsinn ist wohl etwas anders...daher sollte Jeder eingesperrt werden und fangen wir bei ihm an...so ein Artikel ist schon kriminell genug...

    Antwort auf "Kommentar Nr. 1"
  4. 4.

    Ich kann den Artikel nur als bös' sarkastisch interpetieren...sollte ich mich irren tut es mir um die Zeit leid.

  5. Mann kann nur hoffen, dass dieser Artikel sakastisch gemeint ist. Wenn nicht, so sollte man doch alle Artikel des werten Finis nach Rechtschreibfehlern durchsuchen, und die gefundenen als Rufschädigung gegenüber Zeit.de ansehen. Ich denke doch, dass wäre ein Kündigungsgrund oder?

    • Spez
    • 15.10.2009 um 15:53 Uhr

    Ein bisschen Spaß muss sein, aber zum Glück brauch man zwei.
    So oder so ähnlich hätte es Roberto gesagt.
    Wenn ihn viele nicht verstehen wollen, dann lacht man allein oder mit finis.

  6. Ja ok.
    Ich sehe ich war zu voreilig und sollte mir mir mehr Zeit lassen bevor ich einen Kommentae verfasse.

    Also sorry Finis.

    Eine weitere Bemerkung meinerseits machts vielleicht noch schlimmer.
    Ich denke aber, das es Menschen (und Journalisten) in diesem Land gibt, deren geschreibsel die hier sarkastisch formulierten Ansichten an Menschenverachtung durchaus noch überbietet.

    Gerade im Internet stösst man regelmässig auf (nicht sarkastische) schlimmere Äusserungen.
    Vielleicht stumpft deshalb der Ironiesinn online etwas ab.

  7. es heißt frikadelle, nicht bagatelle!
    ;-DDD

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service