Wie weit die Integration in Deutschland in einigen Teilen der Bevölkerung vorangeschritten ist, kann man in diesen Tagen auf der Internetseite des deutschen Nationalspielers Mesut Özil sehen. Ein Fan namens Kenan aus Köln hat Folgendes ins Gästebuch geschrieben: "bin ein riesen 1.Fc Köln Fan. wollte nur sagen das ich als türke super finde das du für deutschland spielst. lass dich nicht von dummen sprüchen runter kriegen mach dein ding jung."

Der Spieler hatte sich erst Anfang des Jahres für die deutsche und damit gegen die türkische Nationalmannschaft entschieden, die ihm ebenfalls ein Angebot gemacht hatte. Von türkischer Seite gab es für die Entscheidung gleichermaßen Kritik und Verständnis, wie der Eintrag des Kölner Fans illustriert; aber in dem Satz steckt viel mehr als nur eine Sympathiebekundung: Er steht für eine zeitgemäße Definition von Identität – einer doppelten Identität.

So weit ist das Land. Aber wie weit wird Schwarz-Gelb gehen?

Als die rot-grüne Regierung 1999 das Staatsangehörigkeitsrecht reformieren wollte, stellte sich die Opposition von CDU/CSU und FDP gegen den Entwurf und trug einen zweifelhaften Sieg davon: In Hessen gewann Roland Koch dank einer Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft die Landtagswahl. Rot-Grün ruderte zurück, und man einigte sich auf die Optionspflicht. Danach müssen sich junge Menschen, die mit zwei Staatsbürgerschaften geboren werden, im Alter zwischen 18 und 23 Jahren für eine entscheiden. Die Überzeugung dahinter: Doppelte Identitäten schaffen halbe Loyalitäten.

Seitdem steht der Optionszwang für eine Atmosphäre des "Wenn ihr nicht für uns seid, dann seid ihr gegen uns". Im vergangenen Jahr sind die ersten etwa 3300 volljährigen Doppelstaatler, die meisten von ihnen türkischstämmig, von den Behörden angeschrieben worden. Wenn sie sich innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht gegen die türkische Staatsangehörigkeit entscheiden, verlieren sie die deutsche. Das ist absurd und hat wenig mit der Realität vieler Einwanderer in Deutschland zu tun. Mittlerweile ist eine Generation von Immigranten herangewachsen, die längst ein bikulturelles Selbstbewusstsein prägt, die quasi einen postintegrativen Zustand erreicht hat und in der Gesellschaft angekommen ist. Aber die Frage ist, ob die Gesellschaft auch bei ihr angekommen ist.