Buchhandel Bund der Qualität

Zur Buchmesse: Ein Gespräch über die Zukunft des Lesens. Fünf deutsche Buchhandlungen schließen sich zusammen.

Besucher auf der Buchmesse vor den zahlreichen Leseexemplaren

Besucher auf der Buchmesse vor den zahlreichen Leseexemplaren

DIE ZEIT: In den Vereinigten Staaten gibt es noch ungefähr 800 unabhängige Buchhandlungen. In Deutschland sind es an die 4000. Der Markt in den USA wird beherrscht von Buchketten wie Barnes & Noble. Fürchten Sie eine ähnliche Entwicklung auch in Deutschland?

Michael Lemling: Nein. Man sieht ja inzwischen, dass die großen Flächenkonzepte – allen voran Hugendubel – im Buchhandel an den Endpunkt gekommen sind. Man wird in diesen Riesenbuchhandlungen massiv Personal abbauen.

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ZEIT: Warum?

Lemling: Früher hieß es: »Ich gehe zu Hugendubel, die haben ja alles.« Inzwischen konzentrieren sich die Großbuchhandlungen auf Unterhaltung, Kinderbuch und ein Programmfeld namens »Besser leben«. Da stehe ich in meinem kleinen Geschäft daneben und sage Danke schön! Die reden von Unterhaltung, wir reden von Literatur.

Klaus Bittner: Auch die anderen deutschen Buchhandelsketten haben Umsatzprobleme. Sie leiden unter horrenden Mieten, die sie offensichtlich über den Umsatz nicht mehr finanzieren können.

ZEIT: Ihr Verbund von fünf doch eher kleinen Qualitätsbuchhandlungen scheint nicht aus der Not geboren zu sein. Ist diese Aktion also kein Rückzugsgefecht?

David gegen Goliath: Wie der Buchhandel kämpft

Die Buchhändler Klaus Bittner aus Köln, Michael Lemling, Geschäftsführer von Lehmkuhl in München, und Wilfried Weber, Inhaber der Hamburger Buchhandlung Felix Jud, haben gemeinsam mit der Autorenbuchhandlung Berlin und der Buchhandlung zum Wetzstein (Freiburg) eine Marketing-Allianz gegründet.

Sie treten unter dem Titel » Die Fünf+« auf. Die Händler reagieren mit ihrer Initiative auf die Entwicklung des Buchmarktes. Dieser ist geprägt durch die wachsende Macht großer Buchhandelsketten und des Internets. Die zehn größten Unternehmen werden ihren Marktanteil Prognosen zufolge bis 2010 auf 29 Prozent erhöhen. Im Jahr 2000 lag ihr Anteil noch bei 13 Prozent.

Bittner: Im Gegenteil. Wir haben jahrelang viel zu intensiv auf die Großbuchhändler gestarrt, haben geschimpft, gestaunt und kopiert. Wir haben uns die Erregungen über die Zukunft des E-Books angehört, statt uns um unsere eigene Kompetenz zu kümmern und unseren ästhetischen Anspruch, unsere inhaltliche Kompetenz herauszustellen.

Wilfried Weber: Wir fünf kämpfen nicht gegen die Riesenbuchhandlungen, sondern für uns selber und für die Autoren und unsere Leser. Wir leisten Orientierungsarbeit. In den Großbuchhandlungen werden massenhaft Bücher bei den Verlagen bestellt, die dann auf Gedeih und Verderb verkauft werden müssen. Das gibt es bei uns nicht.

ZEIT: Abgesehen von den Buchhandelsketten gibt es ja auch die Konkurrenz von Amazon – wie wirkt sich das auf Ihre Umsätze aus?

Bittner: Wir in Köln haben die Erfahrung gemacht, dass es uns überhaupt nicht schadet. Unsere Umsätze sind, ganz im Gegenteil, überproportional gestiegen.

ZEIT: Wie erklären Sie sich das?

Bittner: Wir haben unser eigenes Profil erarbeitet, Geisteswissenschaften und Literatur und die gesamte Bühnenkunst. Wir haben also keine Lifestyle-Ecke.

Weber: Die fünf Buchhandlungen unserer Gruppe in fünf Städten verfügen über eine je eigene Strategie, die auf der eigenen Geschichte aufbaut. Gemeinsam pflegen wir einen sehr aktiven Dialog mit unseren Kunden, aber auch mit unseren Autoren.

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