Literaturnobelpreis für Herta Müller Ich hatte so viel Glück!Seite 3/3

ZEIT: Also kann man nur versuchen, darauf hinzuwirken, was Sie ja tun, dass dieses Kapitel nicht vergessen wird.

Müller: Man kann es selber nicht vergessen, und wenn man darüber schreibt, dann trägt man notgedrungen dazu bei, dass auch andere das zur Kenntnis nehmen.

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ZEIT: Notgedrungen?

Müller: Ich habe ja keine Mission, ich habe nur ein Problem mit mir, mit dem, was mir angetan worden ist, mir und vielen anderen. Wie viel Unglück habe ich gesehen, wie viele Menschen wurden zerbrochen!

ZEIT: Sie haben gesagt, der Nobelpreis sei eine Belohnung. Ist er auch eine Wiedergutmachung?

Müller: Das kann es nicht geben, aber es ist wichtig, dass man die Diktaturen dieser Welt beobachtet und sie nicht einfach gewähren lässt. Leider gibt es immer noch viel zu viele, das hört ja nicht auf. Denken Sie an China, jetzt Gast auf der Frankfurter Buchmesse. Denken Sie an den Künstler Ai Wei Wei, der von Sicherheitsleuten zusammengeschlagen wurde. Es ist traurig, dass man sich damit arrangiert, es relativiert und versucht, einen Kompromiss zu finden, der China präsentabel macht. Oder denken Sie an Iran, wo die Verbrecher, die selber vor Gericht gestellt werden müssten, andere vors Gericht zerren, ins Gefängnis stecken oder sie sogar umbringen. Wer solche Gesellschaften kennt, der weiß, was das bedeutet, er kriegt wieder dieses Gefühl der Ohnmacht, diesen Zorn.

ZEIT: Wird sich Ihr Leben jetzt verändern?

Müller: Was soll sich verändern? Ich schaue mir eigentlich nur zu, und ich wundere mich. Ich habe so viel Glück gehabt, das verstehe ich oft nicht. Und es tut mir weh, wenn ich an die Freunde denke, die tot sind. Es gibt die guten und die bösen Zufälle, das Leben ist ein Labyrinth.

ZEIT: Haben Sie gute Nerven?

Müller: Ich habe schlechte Nerven, aber ich bin abgebrüht.

ZEIT: Haben Sie eine Idee, was Sie mit dem vielen Geld – fast eine Million – machen werden?

Müller: Nein. Mit Geldhaben habe ich wenig Erfahrung, mit Nichthaben wesentlich mehr.

Das Gespräch führte Ulrich Greiner

 
Leser-Kommentare
    • Lodda
    • 15.10.2009 um 16:42 Uhr

    "Ein Gespräch mit Herta Müller über [...] die schwierige Frage, was genau man mit einer Million Euro macht

    ZEIT: Haben Sie eine Idee, was Sie mit dem vielen Geld – fast eine Million – machen werden?

    Müller: Nein. Mit Geldhaben habe ich wenig Erfahrung, mit Nichthaben wesentlich mehr.

    Ist ja auch eine schwierige Frage. Mein Vorschlag: Wie wäre es mit Spenden? Mit Nichthaben hat Frau Müller ja bereits Erfahrung. Die hat immerhin einen Nobelpreis eingebracht. Und wie lautet noch gleich die Devise: "Never change a winning team!" :-)

  1. Vielleicht sollte Frau Müller die Million nicht behalten wie Günter Grass, sondern wohltätigen Zwecken stiften wie Barack Obama. Aber Geldstifter findet man bekanntlich bei uns eher selten.

  2. Das ist ja wohl ihre Sache. Mit fremdem Geld ist gut spenden, oder wie? Hoffentlich nutzt Frau Müller das Geld, um sich das bisher ja wohl nicht so tolle Leben etwas angenehmer zu machen.
    Was und wieviel davon sie spendet würde ich mir nicht anmassen, hier sagen zu wollen. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch!

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    Herzlichen Glückwunsch Frau Müller!!! Und....die Frage nach dem Geld ist nur peinlich und geht niemanden was an.

    Herzlichen Glückwunsch Frau Müller!!! Und....die Frage nach dem Geld ist nur peinlich und geht niemanden was an.

  3. Herzlichen Glückwunsch Frau Müller!!! Und....die Frage nach dem Geld ist nur peinlich und geht niemanden was an.

    Antwort auf "Geht´s noch?"
    • Karle
    • 16.10.2009 um 4:15 Uhr
  4. Was für eine unpassende Synopse eines nachdenklichen Interviews - “über Versöhnung, schwache Nerven und die schwierige Frage, was genau man mit einer Million Euro macht” - .

    Versöhnung lehnt Herta Müller ausschließlich ab, mit einleuchtender Begündung aus persönlicher Erfahrung, obwohl die Art der Zusammenfassung irgendwie das Gegenteil suggeriert. Die Millionen Euro scheinen vornehmlich einige Kommentatoren und den Author des Artikels zu interessieren, der ja das Thema überhaupt erst selbst anschneidet, während die Synopse auf quälende Gedanken über viel Geld hindeutet. Herta Müllers lapidare Antwort – “Nein. Mit Geldhaben habe ich wenig Erfahrung, mit Nichthaben wesentlich mehr.” – belegt doch wie wenig sie darüber bisher nachgedacht hat und sie betont wiederholt wie wichtig ihr die späte Ehre im Namen verstorbener Leidensgenossen ist. Die ungebetenen Vorschläge zu wohltätigen Spenden grenzen an Respektlosigkeit.

    Wie richtig ist Frau Müllers Beobachtung – “der kommunistische Terror wurde lange nicht wahrgenommen” – dem kann ich nur zufügen: und wird auch heute noch gerne weitgehend verharmlost. Ähnliche Maßstäbe werden nicht an die Opfer des Nazi Terrors gelegt, wie sie trefflich zu – “Autoren wie Primo Levi, Jorge Semprún oder Georges-Arthur Goldschmidt” – kommentiert.

    Ich schließe mich dem Glückwunsch zum Preisverleih für Frau Müller an.

  5. Im deutschen Fernsehen gibt es dann halt Ostalgie-Shows mit Oliver Geißen im FdJ-Hemd als Vergangenheitsbewältigung. Kommentatoren rechnen Opferzahlen des NS-Regimes gegen erschossene Grenzgänger an der Mauer auf, um der Frage nachzugehen, ob in der DDR denn so eine "richtig richtige" Diktatur herrschte oder nicht etwa nur eine "halbe". Manchmal ist es vor allem grausam, wie sich menschliches Versagen hoffnungslos wiederholt.

  6. Im deutschen Fernsehen findet vor allem eine revisionistische Relativierung des wohl größten Terrorregimes der Geschichte statt.Genozide ,Weltkrieg & eine apathische Bevökerung die eben nicht nur unterdrückt wurde sondern aus mindestens 30 Mio. aktiven Nazitätern bestand.Es geht nicht um Rechenaufgaben sondern um deren Resulate.

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