DIE ZEIT: Dem Kalender der Maya zufolge geht am 21.12.2012 angeblich die Welt unter. Sie entziffern die Schrift dieser Kultur. Müssen wir uns fürchten?

Nikolai Grube: Nein, denn diese Prophezeiung gibt es nicht, weder im Maya-Kalender noch an irgendeiner Stelle der Hieroglyphen-Inschriften.

ZEIT: Woher kommt dieser Mythos?

Grube: Der Maya-Kalender besteht aus vielen Zyklen, die sich wiederholen, und im Jahr 2012 endet tatsächlich ein solcher Zyklus. Genauer: der dreizehnte 400-Jahres-Zyklus seit dem Tag, den die Maya für den Beginn des jetzigen Universums halten.

ZEIT: Na bitte!

Grube: Es handelt sich um nicht mehr als das Ende einer Zeitperiode, das zwar wichtig ist, aber keine andere Bedeutung hat als etwa das Jahrtausendende für uns.

ZEIT: Woher wissen Sie das?

Grube: Es gibt mehrere Tausend Hieroglyphenschriften mit Kalendertexten. In den vergangenen 100 Jahren ist es uns gelungen, sie zu entziffern. Das war möglich, weil es noch zur Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert einzelne Maya gab, die den Kalender verstanden und den spanischen Eroberern berichteten, wie er funktioniert.

ZEIT: Was ist an dem Kalender so anders? Auch in Mexiko ist das Jahr 365 Tage lang.

Grube: Das Sonnenjahr wird natürlich überall auf der Welt zur Kenntnis genommen. Die Maya hatten aber, damit gekoppelt, einen Ritualkalender mit 260 Tagen, ein mathematisches Jahr mit 360 Tagen, außerdem 20-Jahres-Zyklen sowie eine Zählung aller Tage, die seit der Erschaffung des Universums vergangen sind – in der Vorstellung der Maya war das im Jahr 3114 vor Christus. Das klingt kompliziert, ist aber nichts anderes als unser Kalender.