Neues Buch von Botho Strauß Der Mönch am MeerSeite 3/3

In dieser Hinsicht ist Botho Strauß seinem Altersgenossen Peter Handke ganz ähnlich, und beider Karriere gleicht sich darin, dass sie in jungen Jahren zu Ruhm kamen, schon früh in der Mitte der literarischen Bewegung standen und sich immer mehr daraus entfernten. Einst waren die Bücher von Handke oder Strauß Ereignisse der Saison und meist auch Bestseller. Das ist vorbei.

Wirft man einen Blick auf die Älteren, auf die Generation von Walser, Grass, Lenz, Enzensberger (um lediglich die noch Lebenden zu nennen), so sieht man, wie die Gründerfiguren der Nachkriegsliteratur ein gewaltiges Feld bestellt und besetzt haben. Mit ihrem erzählerischen Werk prägten sie die Selbstwahrnehmung der Gesellschaft, mit ihren Interventionen wirkten sie mit am politischen Prozess.

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Die Frage, warum ihre Nachfolger, allen voran Handke und Strauß, ihnen darin nicht nachgefolgt sind, bleibt unbeantwortet. Mag sein, dass ihr beharrender, entschleunigender Blick in der rasenden Moderne keinen Ort mehr hat; mag sein, dass ihr Hochmut, der letztlich nur darin besteht, sich nicht gemein zu machen, uns bequem gewordene Leser abschreckt. Sie weigern sich, »Lesefutterknechte« (Handke) zu sein, und verlangen von uns, sie auf ihren nicht selten steinigen Pfaden zu begleiten. Die überwiegende Menge dessen aber, was gegenwärtig an deutscher Literatur gelobt und gelesen wird, folgt dem triadischen Glaubensbekenntnis: Bekömmlichkeit, Zugänglichkeit, Wiedererkennbarkeit. Das muss noch kein Fehler sein, aber dass Literatur sich darauf nicht beschränkt, sondern den Blick öffnen kann für das nie Gesehene, nie Gedachte, so wie Kleist über den Mönch am Meer bemerkte, es sei, wenn man das Bild betrachte, als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären, das immerhin könnte man bei Botho Strauß erfahren.

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Leser-Kommentare
  1. der entfernte Botho Strauß. Entfernt von Wir?
    Mir wird er zusehends näher. Ich bin zu nachgeboren um den frühen Ruhm, ja gar die Feuilletondebatten der Nachwendejahre erlebt zu haben.
    Was bleibt ist ein Roman, ein Fragment, ein Satz, ein Wort. Gleich Primärerfahrungen der Natur ist seine Sprache. Wütet und ruht. Ein Sehnsuchtsort des freien Beobachtens.
    Einsamer, der den Samen sät
    dessen
    Frucht ich.

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