Martenstein Der Sozi-ReigenSeite 2/2
Unsere Familie hat früher immer SPD gewählt. Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten, Kinder. 100 Prozent SPD. Die ganzen fünfziger, sechziger und siebziger Jahre hindurch. Am Samstag wäscht man das Auto, am Sonntag grillt man, am Wahltag wählt man SPD. Dann hat es nachgelassen. Bei den letzten Wahlen hat die SPD auch in meiner Familie nur noch 20 Prozent bekommen. Aber es liegt nicht an Müntefering.
Die SPD sagt: "Wir sind die Partei der Solidarität." Gleichzeitig feuern sie einen Vorsitzenden nach dem anderen. Sobald er nicht erfolgreich ist oder eine Schwäche zeigt, wird er in Hinterzimmer-Kungelrunden abgesägt. Die SPD ist nicht solidarisch und nicht authentisch. Wenn die SPD irgendwas sagt oder irgendwas fordert, denke ich nie: "Aha, die SPD will dieses oder jenes." Stattdessen denke ich: "Die SPD will nur gewählt werden. Die sagen das, was sie sagen, nur, um meine Stimme zu kriegen, darauf falle ich nicht herein." Nur an Müntefering habe ich immer noch geglaubt.
Müntes Comeback: Not very long.
Die SPD kennt kein Pardon.
Auf "halb erloschne rote Glut"
reimt sich am besten "Eisbär Knut".
Knuts Patenonkel Gabriel
ist Nummer elf, falls ich recht zähl.
Der Mensch und auch das liebe Vieh
preist die Sozialdemokratie!
Ich schwöre: Wenn mein Nachbar Müntefering Parteivorsitzender bleibt, wähle ich, aus Solidarität, wieder SPD. Ich wasche dann auch wieder samstags das Auto.
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- Datum 15.10.2009 - 18:49 Uhr
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- Serie Martenstein
- Quelle ZEITmagazin, 15.10.2009 Nr. 43
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ein gedicht sondergleichen. vlt. lehne ich mich zu weit aus des versmaßes fenster, aber ich seh in ihren schilderungen direkte parallelen zur situtation der sozialdemokraten in österreich und deren sinkenden wählerzahlen. besonders dieses sprechen in ausschließlich "sozialen floskeln" um wähler zu gewinnen, kommt mir immer verbreiterter vor und warum ehrlichkeit oder offenheit bei polit. problemen vom wähler als misstrauen schaffend interpretiert werden sollen, werd ich wohl auch nie verstehen. oder warum sonst traut sie uns nichts mehr zu? don't you cry, sozialdemokratie.
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