Staatsaufbau Obamas Retter

Afghanistans Soldaten und Polizisten sollen bald die Nato ersetzen. Können sie das? Ein Besuch bei General Hoschmand und Buchhalter Nuri

Ausbildung afghanischer Soldaten auf einem Übungsgelände nahe Kabul

Ausbildung afghanischer Soldaten auf einem Übungsgelände nahe Kabul

Der Staatsdiener

Gibt es das überhaupt? Einen Staatsdiener in Afghanistan? Wir haben uns daran gewöhnt zu sagen, dass Afghanistan nie einen funktionierenden Staat hatte, vielmehr immer nur aus einer sehr prekären Balance unterschiedlicher Stämme und Ethnien bestand. Schon allein deshalb, so das Argument, sei es eine Illusion, einen Staat aufbauen zu wollen. Auch der mächtigste Mann der Welt, Barack Obama, werde daran scheitern.

Doch dann sitzt da General Hoschmand hinter seinem Schreibtisch, schnauzbärtig, umgebundene Krawatte, sorgfältig gekämmtes Haar, und sagt mit leisem Stolz in der Stimme: »Ich bin seit 31 Jahren Polizist!« Klar, dieser Staat, dem er diente, wechselte die Farben, mal war er kommunistenrot, mal gotteskriegergrün, mal talibanschwarz, und jetzt ist er bunt, zerzaust und struppig wie die Demokratie in Afghanistan. Doch Hoschmand ist geblieben, was er war, ein Hüter des Gesetzes – auch wenn es mitunter höchst fragwürdige Gesetze waren, die er da hütete. Bürgerkriege – es blieb immer etwas über, eine Uniform, eine Polizeistation, eine Armeekaserne, und wenn sie auch leer waren, so lebte darin doch eine Erinnerung daran weiter, was es bedeutet, einen Staat zu haben, wie es ist, zu leben, wenn die Gewalt in der Hand einer einigermaßen legitimierten Regierung konzentriert ist. Es gab nach dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 davon noch einen kümmerlichen Rest, mit dem etwas anzufangen war. Hoschmand ist der lebende Beweis dafür. Auf die Frage, wie er denn all die Wechsel schadlos überlebt habe, sagt er: »Ich war in den schwierigen Jahren nur eine kleine Nummer. Da ist das Überleben einfacher.« Als General, der er heute ist, hätte er keine Chance gehabt. Er hätte seine Position verloren, wahrscheinlich auch seinen Kopf.

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Es mag sein, dass Hoschmands Polizistenkarriere bedeutungslos war, doch allein die Tatsache, dass es sie gibt, bot den Ausbildern, die nach dem Sturz der Taliban aus dem Ausland kamen, die Gelegenheit, irgendwo anzuknüpfen, an einem einmaligen Wissens- und Erfahrungsschatz. Hoschmand dient heute als Chef der Antidrogeneinheit Kabuls, der CNPA, einem Staat, der, wie er sagt, auf der Koexistenz ehemaliger Feinde aufgebaut ist. Zum Beweis dafür ruft er Kommandant Sorob in das Büro. Sorob trägt eine Anzugjacke, die sich an den Hüften von den gewaltigen Pistolen, die an seinem Gürtel hängen, ausbeult und ihn viel dicker erscheinen lässt, als er ist. »Kommandant Sorob«, sagt Hoschmand, »war ein Mudschahed der Nordallianz. Heute arbeiten wir blendend zusammen.« Die Kämpfer der Nordallianz waren die Todfeinde der Taliban, denen Hoschmand als Polizist diente. Um die blendende Kooperation zu demonstrieren, schickt General Hoschmand seine Gäste mit Sorob zur Kontrollstelle, an der nördlichen Zufahrtsstraße Kabuls. Sie sollen es sehen, das neue Afghanistan, das im Werden ist!

Kabul hat sechs große Zufahrtsstraßen und 26 kleinere. Über diese Straßen kommen täglich Zehntausende Menschen in die Stadt, es kommen Waren, Waffen, Bomben und Drogen. Sorob ist nur für die Drogen zuständig und sucht deshalb nur nach ihnen. An diesem Morgen findet er sofort welche, in einem Bus, der aus der nördlich gelegenen Metropole Masar-i-Scharif kommt. Neun Kilo Opium, verstaut in einer Sporttasche unter einem Sitz. Sorob lässt den ganzen Bus auseinandernehmen, um zu demonstrieren, was seine Männer unter der Obhut ihrer europäischen Ausbilder gelernt haben. Mehr als neun Kilo finden sie nicht. Nun stellt sich noch die Frage, wem die Tasche gehört. Der Fahrer zeigt mit dem Finger auf einen Passagier, der Passagier zeigt auf den Fahrer. Sorob kennt das. »Es leugnen immer alle«, sagt er und lacht dabei ein Lachen, das aus dunkleren Regionen kommt. Er wird beide zum Richter schicken. Der soll es entscheiden. Es ist schließlich seine Aufgabe, und Afghanistan ist kein Staat, in dem die Willkür herrscht. Jedenfalls nicht unter den Augen westlicher Besucher.

Der Soldat

Wenn ein Staat neu aufgebaut wird, türmen sich neue Abkürzungen in gefährliche Höhen. CSTC-A heißt so viel wie Combined Security Transition Command Afghanistan. Mit anderen Worten: Hier wird die afghanische Armee ausgebildet, die ANA. Sie soll das Kernstück dessen sein, was Angela Merkel »selbsttragende Sicherheit« nennt. Wenn die Soldaten der ANA in der Lage sind, die Taliban in Schach zu halten, braucht das Land die Nato-Truppen nicht mehr, jedenfalls nicht mehr in so großer Zahl. Dieser schlichte Gedanke ist zwar schon seit sieben Jahren Allgemeingut, doch so richtig vorangekommen ist man mit der ANA nicht. Warum? Darauf eine Antwort zu finden ist nicht einfach. Offensichtlich konnten bisher andere violence provider (»Gewaltversorger«), wie es im Englisch der UN Bürokraten so schön heißt, bessere Angebote machen. Zwischen sieben und zwanzig Prozent der ausgebildeten Soldaten verließen die Armee bald, um sich nach einem anderen Arbeitgeber umzusehen, zum Beispiel den Taliban. Doch jetzt im Jahr acht des Krieges soll alles ganz anders werden. »Wir müssen den Schutz der afghanischen Bevölkerung in das Zentrum stellen« – predigt der Befehlshaber der Nato-Truppen, Stanley McChrystal, seinen Leuten.

Keine Kungelei mehr mit Kriegsherren, alles nur für das Volk und durch das Volk. Hier im CSTC-A haben sie diese Lektion in sich aufgesogen. Oberst Spurlock sagt, zu Hause, in den USA, fragten ihn immer wieder Leute, wie viele Taliban er denn umgebracht habe, immerhin sei es ja schon sein dritter Einsatz in diesem Land. »Ich sage ihnen aber: Fragt mich nicht, wie viele Taliban ich umgebracht habe, fragt mich, wie viele Freunde ich hier gewonnen habe. Ich bringe die Taliban um, indem ich Freunde gewinne. Das ist der bessere Weg.«

Spurlock ist ein »Mentor« der afghanischen Ausbilder. Das bedeutet, er hilft den Afghanen bei ihrer Arbeit. Zu sagen, sagt er, habe er nichts. Er bemüht sich ganz offensichtlich, unauffällig hinter den Afghanen zu verschwinden. Das ist schwierig, denn Oberst Spurlock ist größer und breiter als der größte und der breiteste Afghane. Das CSTC-A residiert wenige Kilometer außerhalb von Kabul, an der Straße nach Dschalalabad. Das Übungsgelände ist 20000 Hektar groß, ein ganzer Bergzug mit inbegriffen. Früher war dieses Gebiet eine Basis der Sowjetarmee, davon geblieben ist, was die Amerikaner »das Monument« nennen. Ein Friedhof aus Panzern, Mannschaftswagen und Kanonen, der von Weitem aussieht wie eine vielköpfige Schildkröte, die in der Glut der Sonne hier verendet ist. »Das Monument« erinnert daran, dass in Afghanistan schon einmal eine Supermacht Schiffbruch erlitten hat. 25000 ausgebildete Soldaten sollen dieses Gelände jedes Jahr verlassen. Bis 2011 soll die ANA dann 134000 Mann stellen, nach den Berechnungen des Pentagons genug, um der Taliban Herr zu werden. Aber Zahlen sind verführerisch, auch die Sowjets haben sich darauf verlassen – und sich damit eine Welt der Illusionen gebaut.

Hinter den Zahlen stehen Männer wie Major Burnahuddin, ein 40-Jähriger von kräftiger Statur. Seine Soldaten lässt er gerade über das baumlose Gelände spurten. Sie sollen lernen, wie man im offenen Feld einen Angriff führt. Burnahuddin versteht das Kriegshandwerk. Mit 16 Jahren, sagt er, wurde er Mitglied der Miliz des Kriegsherren Abdul Rasul Sayyaf, eines muslimischen Fundamentalisten. Sayyafs Männer haben während des Bürgerkrieges besonders unter der schiitischen Bevölkerung Kabuls grausam gewütet.

Warum, fragen wir ihn, sollten die Schiiten ihm, Burnahuddin, dem Mann Sayyafs, trauen? Nur weil er eine Uniform der Afghanischen Armee trägt? »Ja!«, sagt der Major, »Es ist eine neue Zeit!«

Das stimmt. Der Kriegsherr Sayyaf sitzt im Parlament. Er spricht zwar etwas sanfter als früher, aber er kann schnell in alte Gewohnheiten verfallen. Als die Parlamentarierin Malalai Joya ihn vor nicht allzu langer Zeit im Parlament wegen seiner Verbrechen bloßstellte, bedrohte er sie in aller Öffentlichkeit mit dem Tod. Wenn Sayyaf die Fassung verliert, nur weil er mit Worten attackiert wird, wie ist es dann mit seinem ehemaligen Milizionär Burnahuddin? Die Schiiten Kabuls werden sich diese Frage stellen.DFie 

Die Regierung

Es gibt sie immer noch, irgendwo in den weiten Fluchten und inzwischen schon erkaltenden Büros der Ministerien werkelt sie vor sich hin, ohne zu wissen, wer nun eigentlich ihr Chef ist. Denn am 20. August ist ein neuer Präsident gewählt worden, doch immer noch ist nicht klar, wer die Wahl gewonnen hat. Nur eines ist gewiss. Die Wahlfälschungen sind massiv. Selbst der ansonsten so vorsichtige UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Kai Eide, gibt es inzwischen zu. Lange hat Eide den Deckel draufgehalten, denn wie sollte man den Nato-Ländern erklären, dass ihre Soldaten für eine Regierung sterben, die Wahlen fälscht? Das ist politisch nicht durchzuhalten, schon gar nicht für den Friedensnobelpreisträger Obama.

In diesen Tagen trat Mustafa Baraksai, der afghanische Vertreter in der Wahlbeschwerdekommission, zurück – sie ist das einzige Instrument, das die Wahlen noch irgendwie retten könnte. Baraksai beklagte die »ausländische Einmischung«. Überhaupt, die Ausländer. Der amtierende Präsident Hamid Karsai, der die Wahlen mit 54 Prozent gewonnen haben will, sagte in diesen Tagen, das Wahlchaos sei das Resultat »ausländischer Propaganda«. Kann sein, dass Karsai, dessen Beziehungen zum einstigen Schutzherren längst erkaltet sind, bald von ausländischen Besatzern spricht – so, wie es die Taliban schon tun. Damit spielte er seine letzte Karte aus, die alles entscheidende. Denn was soll die Nato tun, wenn ein gewählter Präsident sie als Besatzer beschreibt? Bleiben? Das ginge nicht. Also gehen, möglichst, wenn es bereits eine afghanische Armee in der gewünschten Truppenstärke gibt. Aber die Ausbildung dieser Armee kostet jetzt schon acht Milliarden Dollar im Jahr, und die Regierung Karsai hat gerade mal eine Jahresbudget von 600 Millionen Dollar. Ein Afghanistan mit »selbsttragender Sicherheit« wird ein Klientelstaat bleiben – aber was ist, wenn der Klient aufmüpfig wird?

Bagram

Rafiullah Nuri ist 28 Jahre alt, er ist Buchhalter und arbeitet für das Finanzministerium. Er ist, wie er selber sagt, ein überzeugter Diener des Staates. Mitglieder seiner Familie arbeiten in der einen oder anderen Form für den Staat, als Lehrer, als Verwalter, sogar als Distriktvorsteher. Nuri stammt aus der Provinz Paktia und ist Paschtune, was von Bedeutung ist, weil man Paschtunen gern nachsagt, sie stünden diesem afghanischen Staat von Amerikas Gnaden besonders misstrauisch gegenüber. Aber Nuri hält diesem Afghanistan die Treue, auch wenn das gefährlich und frustrierend ist. Nuri lebt in Kabul, im 12. Bezirk, einem neuen Stadtviertel im Osten. Hier wohnen viele Paschtunen, sehr viele sind aus dem Süden und dem Osten des Landes geflüchtet, weil sie ihres Lebens dort nicht mehr sicher sind. Kabul wächst auch deswegen so rasant, weil auf dem Land der Krieg herrscht. Auch Nuri und seine Familie sind in die Hauptstadt geflohen, nachdem sie in Paktia Besuch von den Taliban bekommen hatten. Die fragten ihn, warum er nicht auch gegen die Besatzer kämpfe. Da packte er die Koffer.

Die Taliban sind die eine Seite, die andere sind die Amerikaner. Vor sieben Jahren haben sie seinen Onkel, Dr. Hafisullah, per Hubschrauber entführt. Danach saß er sechs Jahre lang in Guantánamo, schließlich kam er frei. Sechs Monate später entführten ihn die Amerikaner wieder, diesmal landete er in Bagram, der Militärbasis im Norden Kabuls. Seit einem Jahr sitzt Dr. Hafisullah dort, ohne Anklage, bis auf einen dünnen Brief ohne Kontakt zur Familie, weil er – wie Nuri sagt – von einem ihm feindlich gesinnten Informanten denunziert worden sei. Nuri ist nach Paktia gefahren und hat Unterschriften gesammelt. Er kam guten Mutes zurück. Die Alten des Bezirkes hatten unterschrieben, der Bezirksvorsteher, der Distriktvorsteher, zwei Parlamentsabgeordnete. Sie sagten in diesem Brief, dass sie persönlich für Dr. Hafisullah haften würden. Mit diesem Brief lief Nuri in verschiedene Ministerien. Überall sagte man ihm dasselbe: »Bagram? Da sind wir machtlos!« Er hat auch versucht, den Brief bei den Amerikanern abzugeben, aber die haben ihn verscheucht. Er ist bis auf zehn Meter an das Tor herangekommen. »Sie wollen uns gar nicht sehen. Sie haben Angst vor uns!«

Und was will Nuri jetzt machen? »Was soll ich tun. Ich habe auch eine Arbeit, ich kann nicht so viel Zeit aufwenden!«

Jeden Morgen bringt ein Kleinbus des Finanzministeriums Nuri und seine Arbeitskollegen ins Ministerium, das im Zentrum Kabuls liegt. Die Fahrt dauert – je nach Verkehr – rund 20 bis 40 Minuten. In dieser Zeit hält Nuri Todesangst aus, denn Attentäter haben es auf Regierungsbeamte abgesehen. Ein ungeschützter Kleinbus ist ein leichtes Ziel.

Der Zeppelin

Über Kabul schwebt ein Zeppelin der amerikanischen Armee. Er glitzert und leuchtet in der Sonne wie ein silbriger Wal. Der Zeppelin ist angeblich mit 14 Kameras ausgestattet, und es lässt sich nur ahnen, was er alles sehen kann. Zum Beispiel soll er den Weg des Autos eines Selbstmordattentäters aufgezeichnet haben, der vor wenigen Wochen sechs italienische Soldaten und zehn afghanischen Zivilisten tötete. Jedenfalls wird das behauptet. Sicher ist nur, die Einwohner Kabuls werden überwacht. Ob das zu ihrem Gefühl der Sicherheit beiträgt? Palowan Aziz behauptet, dass dieser Zeppelin eine ganz tolle Sache sei. Aziz ist Vorsteher des Altstadtviertels Murad Khane. »Ja, ich kann immer mal rüber zur Polizeistation gehen und mir am Bildschirm anschauen, was meine Leute treiben.« Das stimmt natürlich nicht, in der betreffenden Polizeistation gibt es keinen Bildschirm. Der Zeppelin schickt seine Bilder in die USA, und so weit ist Aziz in seinem Leben nicht gekommen. Nein, Aziz hat nicht die Wahrheit gesagt. Warum sollte er auch? Er war, als er gefragt wurde, auf dem Weg zu einem Begräbnis und hatte es daher eilig. Außerdem, warum sollte er dem Fragenden vertrauen? Warum sollte er ihm sagen, was er denkt? Ein anderer, älterer Herr aus der Altstadt drückt das mit folgenden Worten aus: »Wir wissen ja nicht mehr, wer wer ist. Wem sollen wir vertrauen?«

Die Verwirrung lässt sich auch mit Zahlen beschreiben. Im Oktober 2008 gab es 67250 US-Soldaten in Afghanistan, 72500 Angestellte privater Sicherheitsfirmen vom Schlage des übel beleumundeten US-Unternehmens Blackwater, 27400 Nato Soldaten aus 41 Ländern, 90000 Soldaten der ANA, aus denen 134000 werden sollen, 70000 Polizisten, 80000 Bereitschaftspolizisten, ungezählte Taliban, ungezählte Al-Qaida-Terroristen, ungezählte Selbstmordattentäter, ungezählte Milizionäre der Kriegsherren. Möglich, dass der Zeppelin den Überblick behält.

 
Leser-Kommentare
  1. Mit Waffen und Soldaten gewinnt man Schlachten. Den Krieg hat man erst gewonnen, wenn der Feind überzeugt wurde, das kämpfen einzustellen und sich mit den neuen Herren zu arrangieren. "Neue Herren" können hier durchaus Ideologien sein (Demokratie, Aufklärung, Menschenrechte statt Taliban-Islamismus). Genau so wie die Deutschen nach 1945 entnazifiziert wurden, so müssen die Afghanen "enttalibanisiert" werden. Sonst wird das nichts.

    Die Menschheitsgeschichte lehrt, dass es dafür im Wesentlichen 2 Komponenten braucht:

    1. Angst bzw. Respekt!
    Jeder Afghane muss wissen, dass er es nicht überlebt, wenn er sich mit der Nato anlegt. Ein bisschen Krieg geht nicht. Die Nato hat in Afghanistan faktisch das staatliche Gewaltmonopol übernommen, dann muss sie das auch wahrnehmen. Unmittelbarer Zwang muss also immer möglich sein. Robert Gates und Stanley A. McChrystal haben das erkannt. Daher fordern sie die Truppen, die sie dafür benötigen.

    2. Eine Zukunftsperspektive!
    Die Menschen müssen eine (schönere) Zukunft absehen können und brauchen die Sicherheit, dass die neuen Herren auch bleiben. Nur dann werden sie sich mit den neuen Herren arrangieren. Berichte über Abzugspläne konterkarieren das. Zudem muss endlich ein intelligent organisierter Marshall- Plan für Afghanistan durchgeführt werden, nicht von NGOs und Gutmenschen, sondern faktisch von Nachrichtendiensten. Denn man muss erreichen, dass den Richtigen Ressourcen gegeben werden. Dafür bedarf es HUMINT und IMINT.

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    "Den Krieg hat man erst gewonnen, wenn der Feind überzeugt wurde." Genau das ist ja das Problem. Die Deutschen hatten eine demokratische Tradition, die zwar kurz war, aber dafür eine umso längere Anlaufphase hatte. Vor den Taliban, die ebenso wie die Nazis eine eher kurze Episode darstellen, war in Afghanistan Krieg. Und vor dem Krieg war Krieg und davor war Krieg. Die einzige Konstante sind die Clanstrukturen.
    Für Afghanen bedeutet "eine schönere Zukunft" deshalb nicht das, was sich ein Mitteleuropäer darunter vorstellt, sondern etwas anderes. Etwas, das der westlichen Demokratie wahrscheinlich nicht sehr ähnlich ist und deshalb können sie den richtigen Adressaten für Gelder wahrscheinlich lange suchen.
    Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde.
    "Enttalibanisieren" reicht nicht aus. Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. Das ist aber ein Ding der Unmöglichkeit und war von vorne herein zum Scheitern verurteilt, aber das wollten die Gutmenschen unter Führung von Bush ja niemals wahrhaben. Einige träumen bis heute.

    "Den Krieg hat man erst gewonnen, wenn der Feind überzeugt wurde." Genau das ist ja das Problem. Die Deutschen hatten eine demokratische Tradition, die zwar kurz war, aber dafür eine umso längere Anlaufphase hatte. Vor den Taliban, die ebenso wie die Nazis eine eher kurze Episode darstellen, war in Afghanistan Krieg. Und vor dem Krieg war Krieg und davor war Krieg. Die einzige Konstante sind die Clanstrukturen.
    Für Afghanen bedeutet "eine schönere Zukunft" deshalb nicht das, was sich ein Mitteleuropäer darunter vorstellt, sondern etwas anderes. Etwas, das der westlichen Demokratie wahrscheinlich nicht sehr ähnlich ist und deshalb können sie den richtigen Adressaten für Gelder wahrscheinlich lange suchen.
    Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde.
    "Enttalibanisieren" reicht nicht aus. Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. Das ist aber ein Ding der Unmöglichkeit und war von vorne herein zum Scheitern verurteilt, aber das wollten die Gutmenschen unter Führung von Bush ja niemals wahrhaben. Einige träumen bis heute.

  2. 2.

    "Den Krieg hat man erst gewonnen, wenn der Feind überzeugt wurde." Genau das ist ja das Problem. Die Deutschen hatten eine demokratische Tradition, die zwar kurz war, aber dafür eine umso längere Anlaufphase hatte. Vor den Taliban, die ebenso wie die Nazis eine eher kurze Episode darstellen, war in Afghanistan Krieg. Und vor dem Krieg war Krieg und davor war Krieg. Die einzige Konstante sind die Clanstrukturen.
    Für Afghanen bedeutet "eine schönere Zukunft" deshalb nicht das, was sich ein Mitteleuropäer darunter vorstellt, sondern etwas anderes. Etwas, das der westlichen Demokratie wahrscheinlich nicht sehr ähnlich ist und deshalb können sie den richtigen Adressaten für Gelder wahrscheinlich lange suchen.
    Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde.
    "Enttalibanisieren" reicht nicht aus. Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. Das ist aber ein Ding der Unmöglichkeit und war von vorne herein zum Scheitern verurteilt, aber das wollten die Gutmenschen unter Führung von Bush ja niemals wahrhaben. Einige träumen bis heute.

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    Zitat:" Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. "

    Da muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Die Geschichte lehrt, dass es auch anders geht.

    Das Denken, ein Volk könne sich nicht ändern, lebe in einer undemokratischen Struktur, werde nie Demokratie und Menschenrechte erlernen und sei so vom Krieg geprägt, dass es nie Teil der Weltgemeinschaft werden könne, ist nicht neu.

    Genau das wurde ca. 1943 unter Alliierten über Deutschland gesagt und gedacht, aus dieser Denkschule erwuchs der Morgenthau- Plan, der Deutschland zersplittern, deindustrialisieren und zum Agrarland auf niedrigem technischen und gesellschaftlichen Niveau machen wollte.

    Ich bin sehr froh, dass man sich gegen diesen Zerschlagungsplan entschieden hat und ambitioniert mit dem Marshallplan und einem bis 1990 existierenden alliierten Kontrollrat Deutschland in die Demokratie führte. Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?

    Auch Afghanistan hatte schon bessere Tage. So ist z.B. die konstitutionelle Monarchie von 1933 bis 1973 vielen in glorreicher Erinnerung. Auch wenn da vieles Mystifizierung sein mag, es ist eine Basis. Auch Deutschlands "demokratische Erfahrung" bis 1945 in Form der Weimarer Republik war mehr Schein als Sein.

    Zitat: "Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde."

    Sie missverstehen mich. Robustes dominantes Auftreten und Durchsetzung des Gewaltmonopols sind kein Terror.

    Dominanz durch Terror kommt immer dann, wenn die Besatzungsmacht nicht die Ressourcen hat, die öffentliche Ordnung mit genug Truppen bereitzustellen. Auch deshalb bedarf es ja dringend einer Nato-Truppenaufstockung, um öffentliche Ordnung und Sicherheit mit legitimen Mitteln ohne Menschenrechtsverletzungen sicherzustellen.

    Gerade die gegenwärtige Situation artet ja für die Zivilbevölkerung faktisch all zu oft in Terror aus, weil die Nato-Truppen nicht stark genug sind und auftreten. Denn nur dann können Taliban vorübergehend Dörfer übernehmen, mit all den fatalen Folgen für Zivilisten.

    Zitat:" Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. "

    Da muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Die Geschichte lehrt, dass es auch anders geht.

    Das Denken, ein Volk könne sich nicht ändern, lebe in einer undemokratischen Struktur, werde nie Demokratie und Menschenrechte erlernen und sei so vom Krieg geprägt, dass es nie Teil der Weltgemeinschaft werden könne, ist nicht neu.

    Genau das wurde ca. 1943 unter Alliierten über Deutschland gesagt und gedacht, aus dieser Denkschule erwuchs der Morgenthau- Plan, der Deutschland zersplittern, deindustrialisieren und zum Agrarland auf niedrigem technischen und gesellschaftlichen Niveau machen wollte.

    Ich bin sehr froh, dass man sich gegen diesen Zerschlagungsplan entschieden hat und ambitioniert mit dem Marshallplan und einem bis 1990 existierenden alliierten Kontrollrat Deutschland in die Demokratie führte. Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?

    Auch Afghanistan hatte schon bessere Tage. So ist z.B. die konstitutionelle Monarchie von 1933 bis 1973 vielen in glorreicher Erinnerung. Auch wenn da vieles Mystifizierung sein mag, es ist eine Basis. Auch Deutschlands "demokratische Erfahrung" bis 1945 in Form der Weimarer Republik war mehr Schein als Sein.

    Zitat: "Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde."

    Sie missverstehen mich. Robustes dominantes Auftreten und Durchsetzung des Gewaltmonopols sind kein Terror.

    Dominanz durch Terror kommt immer dann, wenn die Besatzungsmacht nicht die Ressourcen hat, die öffentliche Ordnung mit genug Truppen bereitzustellen. Auch deshalb bedarf es ja dringend einer Nato-Truppenaufstockung, um öffentliche Ordnung und Sicherheit mit legitimen Mitteln ohne Menschenrechtsverletzungen sicherzustellen.

    Gerade die gegenwärtige Situation artet ja für die Zivilbevölkerung faktisch all zu oft in Terror aus, weil die Nato-Truppen nicht stark genug sind und auftreten. Denn nur dann können Taliban vorübergehend Dörfer übernehmen, mit all den fatalen Folgen für Zivilisten.

  3. Es deutet sich bereits an, dass nach Afghanistan nun mit dem Jemen ein weiterer Staat scheitern wird: dort siedelt sich Al Qaida an und arbeiten schiitische Rebellen am Aufbau eines islamischen Emirats - mit direkter Hilfe der Hisbollah und des Iran. Mehr hier: http://oppositeeditorial....

  4. Zitat:" Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. "

    Da muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Die Geschichte lehrt, dass es auch anders geht.

    Das Denken, ein Volk könne sich nicht ändern, lebe in einer undemokratischen Struktur, werde nie Demokratie und Menschenrechte erlernen und sei so vom Krieg geprägt, dass es nie Teil der Weltgemeinschaft werden könne, ist nicht neu.

    Genau das wurde ca. 1943 unter Alliierten über Deutschland gesagt und gedacht, aus dieser Denkschule erwuchs der Morgenthau- Plan, der Deutschland zersplittern, deindustrialisieren und zum Agrarland auf niedrigem technischen und gesellschaftlichen Niveau machen wollte.

    Ich bin sehr froh, dass man sich gegen diesen Zerschlagungsplan entschieden hat und ambitioniert mit dem Marshallplan und einem bis 1990 existierenden alliierten Kontrollrat Deutschland in die Demokratie führte. Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?

    Auch Afghanistan hatte schon bessere Tage. So ist z.B. die konstitutionelle Monarchie von 1933 bis 1973 vielen in glorreicher Erinnerung. Auch wenn da vieles Mystifizierung sein mag, es ist eine Basis. Auch Deutschlands "demokratische Erfahrung" bis 1945 in Form der Weimarer Republik war mehr Schein als Sein.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 2"
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    "Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?" Der grosse Unterschied ist, dass es in Deutschland lange vor 1945 bereits eine demokratiefähige Gesellschaft gab. Deutschland stellt zwar einen Sonderfall in Europa dar was die Abschaffung der Monarchie angeht, die Entwicklung einer modernen Gesellschaft verlief aber mehr oder weniger parallel zu den Nachbarstaaten und ist nicht auf die Zeit der Weimarer Republik beschränkt. Das können Sie beispielsweise in der Kunstgeschichte sehen. Deutschland war hochindustrialisiert und technisch vorne mit dabei. Das haben die Amis schnell erkannt und den Morgenthauplan zu den Akten gelegt, ansonsten würden wir uns jetzt wahrscheinlich mit Rauchzeichen verständigen.
    Der Vergleich Deutschland 45 und Afghanistan hinkt deshalb. Ich meine nicht, dass sich ein Volk nicht ändern kann. Nur braucht es dafür Zeit, mehr als ein oder zwei Legislaturperioden. Ausserdem müsste man sich erst einmal fragen ob es sich unbedingt ändern muss und wenn ja warum dann von aussen mit Gewalt. Afghanische Zivilisation sieht anders aus als unsere.

    "Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?" Der grosse Unterschied ist, dass es in Deutschland lange vor 1945 bereits eine demokratiefähige Gesellschaft gab. Deutschland stellt zwar einen Sonderfall in Europa dar was die Abschaffung der Monarchie angeht, die Entwicklung einer modernen Gesellschaft verlief aber mehr oder weniger parallel zu den Nachbarstaaten und ist nicht auf die Zeit der Weimarer Republik beschränkt. Das können Sie beispielsweise in der Kunstgeschichte sehen. Deutschland war hochindustrialisiert und technisch vorne mit dabei. Das haben die Amis schnell erkannt und den Morgenthauplan zu den Akten gelegt, ansonsten würden wir uns jetzt wahrscheinlich mit Rauchzeichen verständigen.
    Der Vergleich Deutschland 45 und Afghanistan hinkt deshalb. Ich meine nicht, dass sich ein Volk nicht ändern kann. Nur braucht es dafür Zeit, mehr als ein oder zwei Legislaturperioden. Ausserdem müsste man sich erst einmal fragen ob es sich unbedingt ändern muss und wenn ja warum dann von aussen mit Gewalt. Afghanische Zivilisation sieht anders aus als unsere.

  5. Zitat: "Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde."

    Sie missverstehen mich. Robustes dominantes Auftreten und Durchsetzung des Gewaltmonopols sind kein Terror.

    Dominanz durch Terror kommt immer dann, wenn die Besatzungsmacht nicht die Ressourcen hat, die öffentliche Ordnung mit genug Truppen bereitzustellen. Auch deshalb bedarf es ja dringend einer Nato-Truppenaufstockung, um öffentliche Ordnung und Sicherheit mit legitimen Mitteln ohne Menschenrechtsverletzungen sicherzustellen.

    Gerade die gegenwärtige Situation artet ja für die Zivilbevölkerung faktisch all zu oft in Terror aus, weil die Nato-Truppen nicht stark genug sind und auftreten. Denn nur dann können Taliban vorübergehend Dörfer übernehmen, mit all den fatalen Folgen für Zivilisten.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 2"
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    Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt. Die Rede ist immer von den Taliban, mitlerweile ist es aber die Dorfjugend, die in der NATO den Feind sieht. Gegen Partisanen, die unerkannt in der Bevölkerung leben können, hilft leider nur Terror, "Gewaltmonopol durchsetzen" heisst unter diesen Umständen leider genau das. Für jeden Angriff eine Strafaktion gegen die Zivilbevölkerung, an Menschenrechtsverletzungen kommt man da leider nicht vorbei. Vor allem aber wäre es tödlich für die Gesellschaft, die unter einer solchen Gewaltherrschaft mit Sicherheit keine positive Entwicklung nehmen wird.

    Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt. Die Rede ist immer von den Taliban, mitlerweile ist es aber die Dorfjugend, die in der NATO den Feind sieht. Gegen Partisanen, die unerkannt in der Bevölkerung leben können, hilft leider nur Terror, "Gewaltmonopol durchsetzen" heisst unter diesen Umständen leider genau das. Für jeden Angriff eine Strafaktion gegen die Zivilbevölkerung, an Menschenrechtsverletzungen kommt man da leider nicht vorbei. Vor allem aber wäre es tödlich für die Gesellschaft, die unter einer solchen Gewaltherrschaft mit Sicherheit keine positive Entwicklung nehmen wird.

  6. "Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?" Der grosse Unterschied ist, dass es in Deutschland lange vor 1945 bereits eine demokratiefähige Gesellschaft gab. Deutschland stellt zwar einen Sonderfall in Europa dar was die Abschaffung der Monarchie angeht, die Entwicklung einer modernen Gesellschaft verlief aber mehr oder weniger parallel zu den Nachbarstaaten und ist nicht auf die Zeit der Weimarer Republik beschränkt. Das können Sie beispielsweise in der Kunstgeschichte sehen. Deutschland war hochindustrialisiert und technisch vorne mit dabei. Das haben die Amis schnell erkannt und den Morgenthauplan zu den Akten gelegt, ansonsten würden wir uns jetzt wahrscheinlich mit Rauchzeichen verständigen.
    Der Vergleich Deutschland 45 und Afghanistan hinkt deshalb. Ich meine nicht, dass sich ein Volk nicht ändern kann. Nur braucht es dafür Zeit, mehr als ein oder zwei Legislaturperioden. Ausserdem müsste man sich erst einmal fragen ob es sich unbedingt ändern muss und wenn ja warum dann von aussen mit Gewalt. Afghanische Zivilisation sieht anders aus als unsere.

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    Dass ein Wiederaufbau Zeit braucht, ist selbstverständlich. Dass es Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland 1945 gibt, auch.

    Die Bundesrepublik Deutschland stand z.B. bis 1990 über den alliierten Kontrollrat faktisch unter alliierter Kontrolle. Zwar gewährten die Alliierten weitgehende Selbstbestimmung, wenn das Land sich innerhalb eines akzeptablen Korridors befand, aber z.B. ein Bundeskanzler Schmidt hätte nicht die Möglichkeit gehabt, gegen einen Nato-Doppelbeschluss zu stimmen.
    So weit ging die Souveränität der BRD dann doch nicht und ein Verlassen des von den Alliierten vorgegebenen Handlungsspielraums hätte unverzüglich alliierte Intervention nach sich gezogen.

    Ähnlich sieht das gegenwärtig in Afghanistan aus. Das dortige Volk soll möglichst selbst entscheiden, wie es seine Belange organisiert. Entscheidet es sich aber grundlegend falsch, greift die Besatzungsmacht ein.

    Dass ein Wiederaufbau Zeit braucht, ist selbstverständlich. Dass es Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland 1945 gibt, auch.

    Die Bundesrepublik Deutschland stand z.B. bis 1990 über den alliierten Kontrollrat faktisch unter alliierter Kontrolle. Zwar gewährten die Alliierten weitgehende Selbstbestimmung, wenn das Land sich innerhalb eines akzeptablen Korridors befand, aber z.B. ein Bundeskanzler Schmidt hätte nicht die Möglichkeit gehabt, gegen einen Nato-Doppelbeschluss zu stimmen.
    So weit ging die Souveränität der BRD dann doch nicht und ein Verlassen des von den Alliierten vorgegebenen Handlungsspielraums hätte unverzüglich alliierte Intervention nach sich gezogen.

    Ähnlich sieht das gegenwärtig in Afghanistan aus. Das dortige Volk soll möglichst selbst entscheiden, wie es seine Belange organisiert. Entscheidet es sich aber grundlegend falsch, greift die Besatzungsmacht ein.

  7. Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt. Die Rede ist immer von den Taliban, mitlerweile ist es aber die Dorfjugend, die in der NATO den Feind sieht. Gegen Partisanen, die unerkannt in der Bevölkerung leben können, hilft leider nur Terror, "Gewaltmonopol durchsetzen" heisst unter diesen Umständen leider genau das. Für jeden Angriff eine Strafaktion gegen die Zivilbevölkerung, an Menschenrechtsverletzungen kommt man da leider nicht vorbei. Vor allem aber wäre es tödlich für die Gesellschaft, die unter einer solchen Gewaltherrschaft mit Sicherheit keine positive Entwicklung nehmen wird.

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    Zitat: "Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt."

    Das ist schlicht falsch. Die Geschichte der Menschheit ist übersät von Beispielen, in denen der Sieger dem Besiegten seinen Willen aufgezwungen hat.

    Glauben Sie etwa, die Deutschen hätten die Alliierten 1945 als "Befreier" begrüßt?
    Wie fast immer nach militärischen Auseinandersetzungen haben sie sich dem Sieger unterworfen, weil dieser ihnen zum einen gedroht hat, jeglichen Aufstand, Sabotage etc. sofort niederzuschlagen, zum anderen aber Vertrauen bildete indem die Besatzungsmacht die öffentliche Ordnung wieder herstellte und für Lebensmittel und Wiederaufbau sorgte.

    Zugespitzt läuft eben die Befriedung eines besiegten Landes immer auf die Kombination aus Angst und Zukunftsperspektive heraus. Diese Erkenntnis ist im Übrigen nichts Neues. Schon Alexander der Große hat seine Befehlshaber angewiesen, nach diesem Prinzip zu handeln.

    Es ist ein Paradoxon und eine Tragödie der neuzeitlichen Humanität, das freundlicheres und friedliebenderes Verhalten der Nato in Afghanistan nach 2002 vom Besiegten als Schwäche ausgelegt wurde und die Situation der Taliban- Aufstände herbeiführte, die für die Bevölkerung Terror und Tod brachte.

    Höchst wahrscheinlich wäre Afghanistan heute befriedet, wenn die Nato unmissverständlich eine Linie vorgegeben und notfalls auch mit Zwang durchgesetzt hätte.

    Wieder einmal ist eine Politik des Appeasement gescheitert. Leider.

    Zitat: "Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt."

    Das ist schlicht falsch. Die Geschichte der Menschheit ist übersät von Beispielen, in denen der Sieger dem Besiegten seinen Willen aufgezwungen hat.

    Glauben Sie etwa, die Deutschen hätten die Alliierten 1945 als "Befreier" begrüßt?
    Wie fast immer nach militärischen Auseinandersetzungen haben sie sich dem Sieger unterworfen, weil dieser ihnen zum einen gedroht hat, jeglichen Aufstand, Sabotage etc. sofort niederzuschlagen, zum anderen aber Vertrauen bildete indem die Besatzungsmacht die öffentliche Ordnung wieder herstellte und für Lebensmittel und Wiederaufbau sorgte.

    Zugespitzt läuft eben die Befriedung eines besiegten Landes immer auf die Kombination aus Angst und Zukunftsperspektive heraus. Diese Erkenntnis ist im Übrigen nichts Neues. Schon Alexander der Große hat seine Befehlshaber angewiesen, nach diesem Prinzip zu handeln.

    Es ist ein Paradoxon und eine Tragödie der neuzeitlichen Humanität, das freundlicheres und friedliebenderes Verhalten der Nato in Afghanistan nach 2002 vom Besiegten als Schwäche ausgelegt wurde und die Situation der Taliban- Aufstände herbeiführte, die für die Bevölkerung Terror und Tod brachte.

    Höchst wahrscheinlich wäre Afghanistan heute befriedet, wenn die Nato unmissverständlich eine Linie vorgegeben und notfalls auch mit Zwang durchgesetzt hätte.

    Wieder einmal ist eine Politik des Appeasement gescheitert. Leider.

  8. Dass ein Wiederaufbau Zeit braucht, ist selbstverständlich. Dass es Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland 1945 gibt, auch.

    Die Bundesrepublik Deutschland stand z.B. bis 1990 über den alliierten Kontrollrat faktisch unter alliierter Kontrolle. Zwar gewährten die Alliierten weitgehende Selbstbestimmung, wenn das Land sich innerhalb eines akzeptablen Korridors befand, aber z.B. ein Bundeskanzler Schmidt hätte nicht die Möglichkeit gehabt, gegen einen Nato-Doppelbeschluss zu stimmen.
    So weit ging die Souveränität der BRD dann doch nicht und ein Verlassen des von den Alliierten vorgegebenen Handlungsspielraums hätte unverzüglich alliierte Intervention nach sich gezogen.

    Ähnlich sieht das gegenwärtig in Afghanistan aus. Das dortige Volk soll möglichst selbst entscheiden, wie es seine Belange organisiert. Entscheidet es sich aber grundlegend falsch, greift die Besatzungsmacht ein.

    Antwort auf ""Und wenn wir"

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