Der Zeppelin
Der Zeppelin
Über Kabul schwebt ein Zeppelin der amerikanischen Armee. Er glitzert und leuchtet in der Sonne wie ein silbriger Wal. Der Zeppelin ist angeblich mit 14 Kameras ausgestattet, und es lässt sich nur ahnen, was er alles sehen kann. Zum Beispiel soll er den Weg des Autos eines Selbstmordattentäters aufgezeichnet haben, der vor wenigen Wochen sechs italienische Soldaten und zehn afghanischen Zivilisten tötete. Jedenfalls wird das behauptet. Sicher ist nur, die Einwohner Kabuls werden überwacht. Ob das zu ihrem Gefühl der Sicherheit beiträgt? Palowan Aziz behauptet, dass dieser Zeppelin eine ganz tolle Sache sei. Aziz ist Vorsteher des Altstadtviertels Murad Khane. »Ja, ich kann immer mal rüber zur Polizeistation gehen und mir am Bildschirm anschauen, was meine Leute treiben.« Das stimmt natürlich nicht, in der betreffenden Polizeistation gibt es keinen Bildschirm. Der Zeppelin schickt seine Bilder in die USA, und so weit ist Aziz in seinem Leben nicht gekommen. Nein, Aziz hat nicht die Wahrheit gesagt. Warum sollte er auch? Er war, als er gefragt wurde, auf dem Weg zu einem Begräbnis und hatte es daher eilig. Außerdem, warum sollte er dem Fragenden vertrauen? Warum sollte er ihm sagen, was er denkt? Ein anderer, älterer Herr aus der Altstadt drückt das mit folgenden Worten aus: »Wir wissen ja nicht mehr, wer wer ist. Wem sollen wir vertrauen?«
Die Verwirrung lässt sich auch mit Zahlen beschreiben. Im Oktober 2008 gab es 67250 US-Soldaten in Afghanistan, 72500 Angestellte privater Sicherheitsfirmen vom Schlage des übel beleumundeten US-Unternehmens Blackwater, 27400 Nato Soldaten aus 41 Ländern, 90000 Soldaten der ANA, aus denen 134000 werden sollen, 70000 Polizisten, 80000 Bereitschaftspolizisten, ungezählte Taliban, ungezählte Al-Qaida-Terroristen, ungezählte Selbstmordattentäter, ungezählte Milizionäre der Kriegsherren. Möglich, dass der Zeppelin den Überblick behält.
- Datum 16.10.2009 - 14:19 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.10.2009 Nr. 43
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Mit Waffen und Soldaten gewinnt man Schlachten. Den Krieg hat man erst gewonnen, wenn der Feind überzeugt wurde, das kämpfen einzustellen und sich mit den neuen Herren zu arrangieren. "Neue Herren" können hier durchaus Ideologien sein (Demokratie, Aufklärung, Menschenrechte statt Taliban-Islamismus). Genau so wie die Deutschen nach 1945 entnazifiziert wurden, so müssen die Afghanen "enttalibanisiert" werden. Sonst wird das nichts.
Die Menschheitsgeschichte lehrt, dass es dafür im Wesentlichen 2 Komponenten braucht:
1. Angst bzw. Respekt!
Jeder Afghane muss wissen, dass er es nicht überlebt, wenn er sich mit der Nato anlegt. Ein bisschen Krieg geht nicht. Die Nato hat in Afghanistan faktisch das staatliche Gewaltmonopol übernommen, dann muss sie das auch wahrnehmen. Unmittelbarer Zwang muss also immer möglich sein. Robert Gates und Stanley A. McChrystal haben das erkannt. Daher fordern sie die Truppen, die sie dafür benötigen.
2. Eine Zukunftsperspektive!
Die Menschen müssen eine (schönere) Zukunft absehen können und brauchen die Sicherheit, dass die neuen Herren auch bleiben. Nur dann werden sie sich mit den neuen Herren arrangieren. Berichte über Abzugspläne konterkarieren das. Zudem muss endlich ein intelligent organisierter Marshall- Plan für Afghanistan durchgeführt werden, nicht von NGOs und Gutmenschen, sondern faktisch von Nachrichtendiensten. Denn man muss erreichen, dass den Richtigen Ressourcen gegeben werden. Dafür bedarf es HUMINT und IMINT.
"Den Krieg hat man erst gewonnen, wenn der Feind überzeugt wurde." Genau das ist ja das Problem. Die Deutschen hatten eine demokratische Tradition, die zwar kurz war, aber dafür eine umso längere Anlaufphase hatte. Vor den Taliban, die ebenso wie die Nazis eine eher kurze Episode darstellen, war in Afghanistan Krieg. Und vor dem Krieg war Krieg und davor war Krieg. Die einzige Konstante sind die Clanstrukturen.
Für Afghanen bedeutet "eine schönere Zukunft" deshalb nicht das, was sich ein Mitteleuropäer darunter vorstellt, sondern etwas anderes. Etwas, das der westlichen Demokratie wahrscheinlich nicht sehr ähnlich ist und deshalb können sie den richtigen Adressaten für Gelder wahrscheinlich lange suchen.
Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde.
"Enttalibanisieren" reicht nicht aus. Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. Das ist aber ein Ding der Unmöglichkeit und war von vorne herein zum Scheitern verurteilt, aber das wollten die Gutmenschen unter Führung von Bush ja niemals wahrhaben. Einige träumen bis heute.
"Den Krieg hat man erst gewonnen, wenn der Feind überzeugt wurde." Genau das ist ja das Problem. Die Deutschen hatten eine demokratische Tradition, die zwar kurz war, aber dafür eine umso längere Anlaufphase hatte. Vor den Taliban, die ebenso wie die Nazis eine eher kurze Episode darstellen, war in Afghanistan Krieg. Und vor dem Krieg war Krieg und davor war Krieg. Die einzige Konstante sind die Clanstrukturen.
Für Afghanen bedeutet "eine schönere Zukunft" deshalb nicht das, was sich ein Mitteleuropäer darunter vorstellt, sondern etwas anderes. Etwas, das der westlichen Demokratie wahrscheinlich nicht sehr ähnlich ist und deshalb können sie den richtigen Adressaten für Gelder wahrscheinlich lange suchen.
Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde.
"Enttalibanisieren" reicht nicht aus. Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. Das ist aber ein Ding der Unmöglichkeit und war von vorne herein zum Scheitern verurteilt, aber das wollten die Gutmenschen unter Führung von Bush ja niemals wahrhaben. Einige träumen bis heute.
"Den Krieg hat man erst gewonnen, wenn der Feind überzeugt wurde." Genau das ist ja das Problem. Die Deutschen hatten eine demokratische Tradition, die zwar kurz war, aber dafür eine umso längere Anlaufphase hatte. Vor den Taliban, die ebenso wie die Nazis eine eher kurze Episode darstellen, war in Afghanistan Krieg. Und vor dem Krieg war Krieg und davor war Krieg. Die einzige Konstante sind die Clanstrukturen.
Für Afghanen bedeutet "eine schönere Zukunft" deshalb nicht das, was sich ein Mitteleuropäer darunter vorstellt, sondern etwas anderes. Etwas, das der westlichen Demokratie wahrscheinlich nicht sehr ähnlich ist und deshalb können sie den richtigen Adressaten für Gelder wahrscheinlich lange suchen.
Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde.
"Enttalibanisieren" reicht nicht aus. Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. Das ist aber ein Ding der Unmöglichkeit und war von vorne herein zum Scheitern verurteilt, aber das wollten die Gutmenschen unter Führung von Bush ja niemals wahrhaben. Einige träumen bis heute.
Zitat:" Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. "
Da muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Die Geschichte lehrt, dass es auch anders geht.
Das Denken, ein Volk könne sich nicht ändern, lebe in einer undemokratischen Struktur, werde nie Demokratie und Menschenrechte erlernen und sei so vom Krieg geprägt, dass es nie Teil der Weltgemeinschaft werden könne, ist nicht neu.
Genau das wurde ca. 1943 unter Alliierten über Deutschland gesagt und gedacht, aus dieser Denkschule erwuchs der Morgenthau- Plan, der Deutschland zersplittern, deindustrialisieren und zum Agrarland auf niedrigem technischen und gesellschaftlichen Niveau machen wollte.
Ich bin sehr froh, dass man sich gegen diesen Zerschlagungsplan entschieden hat und ambitioniert mit dem Marshallplan und einem bis 1990 existierenden alliierten Kontrollrat Deutschland in die Demokratie führte. Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?
Auch Afghanistan hatte schon bessere Tage. So ist z.B. die konstitutionelle Monarchie von 1933 bis 1973 vielen in glorreicher Erinnerung. Auch wenn da vieles Mystifizierung sein mag, es ist eine Basis. Auch Deutschlands "demokratische Erfahrung" bis 1945 in Form der Weimarer Republik war mehr Schein als Sein.
Zitat: "Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde."
Sie missverstehen mich. Robustes dominantes Auftreten und Durchsetzung des Gewaltmonopols sind kein Terror.
Dominanz durch Terror kommt immer dann, wenn die Besatzungsmacht nicht die Ressourcen hat, die öffentliche Ordnung mit genug Truppen bereitzustellen. Auch deshalb bedarf es ja dringend einer Nato-Truppenaufstockung, um öffentliche Ordnung und Sicherheit mit legitimen Mitteln ohne Menschenrechtsverletzungen sicherzustellen.
Gerade die gegenwärtige Situation artet ja für die Zivilbevölkerung faktisch all zu oft in Terror aus, weil die Nato-Truppen nicht stark genug sind und auftreten. Denn nur dann können Taliban vorübergehend Dörfer übernehmen, mit all den fatalen Folgen für Zivilisten.
Zitat:" Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. "
Da muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Die Geschichte lehrt, dass es auch anders geht.
Das Denken, ein Volk könne sich nicht ändern, lebe in einer undemokratischen Struktur, werde nie Demokratie und Menschenrechte erlernen und sei so vom Krieg geprägt, dass es nie Teil der Weltgemeinschaft werden könne, ist nicht neu.
Genau das wurde ca. 1943 unter Alliierten über Deutschland gesagt und gedacht, aus dieser Denkschule erwuchs der Morgenthau- Plan, der Deutschland zersplittern, deindustrialisieren und zum Agrarland auf niedrigem technischen und gesellschaftlichen Niveau machen wollte.
Ich bin sehr froh, dass man sich gegen diesen Zerschlagungsplan entschieden hat und ambitioniert mit dem Marshallplan und einem bis 1990 existierenden alliierten Kontrollrat Deutschland in die Demokratie führte. Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?
Auch Afghanistan hatte schon bessere Tage. So ist z.B. die konstitutionelle Monarchie von 1933 bis 1973 vielen in glorreicher Erinnerung. Auch wenn da vieles Mystifizierung sein mag, es ist eine Basis. Auch Deutschlands "demokratische Erfahrung" bis 1945 in Form der Weimarer Republik war mehr Schein als Sein.
Zitat: "Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde."
Sie missverstehen mich. Robustes dominantes Auftreten und Durchsetzung des Gewaltmonopols sind kein Terror.
Dominanz durch Terror kommt immer dann, wenn die Besatzungsmacht nicht die Ressourcen hat, die öffentliche Ordnung mit genug Truppen bereitzustellen. Auch deshalb bedarf es ja dringend einer Nato-Truppenaufstockung, um öffentliche Ordnung und Sicherheit mit legitimen Mitteln ohne Menschenrechtsverletzungen sicherzustellen.
Gerade die gegenwärtige Situation artet ja für die Zivilbevölkerung faktisch all zu oft in Terror aus, weil die Nato-Truppen nicht stark genug sind und auftreten. Denn nur dann können Taliban vorübergehend Dörfer übernehmen, mit all den fatalen Folgen für Zivilisten.
Es deutet sich bereits an, dass nach Afghanistan nun mit dem Jemen ein weiterer Staat scheitern wird: dort siedelt sich Al Qaida an und arbeiten schiitische Rebellen am Aufbau eines islamischen Emirats - mit direkter Hilfe der Hisbollah und des Iran. Mehr hier: http://oppositeeditorial....
Zitat:" Man müsste bei der kompletten Bevölkerung praktisch format c: eingeben und anschliessend ein neues Betriebssystem mit westeuropäisch demokratischer Tradition einspielen. "
Da muss ich Ihnen entschieden widersprechen. Die Geschichte lehrt, dass es auch anders geht.
Das Denken, ein Volk könne sich nicht ändern, lebe in einer undemokratischen Struktur, werde nie Demokratie und Menschenrechte erlernen und sei so vom Krieg geprägt, dass es nie Teil der Weltgemeinschaft werden könne, ist nicht neu.
Genau das wurde ca. 1943 unter Alliierten über Deutschland gesagt und gedacht, aus dieser Denkschule erwuchs der Morgenthau- Plan, der Deutschland zersplittern, deindustrialisieren und zum Agrarland auf niedrigem technischen und gesellschaftlichen Niveau machen wollte.
Ich bin sehr froh, dass man sich gegen diesen Zerschlagungsplan entschieden hat und ambitioniert mit dem Marshallplan und einem bis 1990 existierenden alliierten Kontrollrat Deutschland in die Demokratie führte. Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?
Auch Afghanistan hatte schon bessere Tage. So ist z.B. die konstitutionelle Monarchie von 1933 bis 1973 vielen in glorreicher Erinnerung. Auch wenn da vieles Mystifizierung sein mag, es ist eine Basis. Auch Deutschlands "demokratische Erfahrung" bis 1945 in Form der Weimarer Republik war mehr Schein als Sein.
"Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?" Der grosse Unterschied ist, dass es in Deutschland lange vor 1945 bereits eine demokratiefähige Gesellschaft gab. Deutschland stellt zwar einen Sonderfall in Europa dar was die Abschaffung der Monarchie angeht, die Entwicklung einer modernen Gesellschaft verlief aber mehr oder weniger parallel zu den Nachbarstaaten und ist nicht auf die Zeit der Weimarer Republik beschränkt. Das können Sie beispielsweise in der Kunstgeschichte sehen. Deutschland war hochindustrialisiert und technisch vorne mit dabei. Das haben die Amis schnell erkannt und den Morgenthauplan zu den Akten gelegt, ansonsten würden wir uns jetzt wahrscheinlich mit Rauchzeichen verständigen.
Der Vergleich Deutschland 45 und Afghanistan hinkt deshalb. Ich meine nicht, dass sich ein Volk nicht ändern kann. Nur braucht es dafür Zeit, mehr als ein oder zwei Legislaturperioden. Ausserdem müsste man sich erst einmal fragen ob es sich unbedingt ändern muss und wenn ja warum dann von aussen mit Gewalt. Afghanische Zivilisation sieht anders aus als unsere.
"Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?" Der grosse Unterschied ist, dass es in Deutschland lange vor 1945 bereits eine demokratiefähige Gesellschaft gab. Deutschland stellt zwar einen Sonderfall in Europa dar was die Abschaffung der Monarchie angeht, die Entwicklung einer modernen Gesellschaft verlief aber mehr oder weniger parallel zu den Nachbarstaaten und ist nicht auf die Zeit der Weimarer Republik beschränkt. Das können Sie beispielsweise in der Kunstgeschichte sehen. Deutschland war hochindustrialisiert und technisch vorne mit dabei. Das haben die Amis schnell erkannt und den Morgenthauplan zu den Akten gelegt, ansonsten würden wir uns jetzt wahrscheinlich mit Rauchzeichen verständigen.
Der Vergleich Deutschland 45 und Afghanistan hinkt deshalb. Ich meine nicht, dass sich ein Volk nicht ändern kann. Nur braucht es dafür Zeit, mehr als ein oder zwei Legislaturperioden. Ausserdem müsste man sich erst einmal fragen ob es sich unbedingt ändern muss und wenn ja warum dann von aussen mit Gewalt. Afghanische Zivilisation sieht anders aus als unsere.
Zitat: "Angst ja, die könnte man natürlich mit entsprechender Brutalität verbreiten, aber bitte nicht in meinem Namen. Ich bin ausserdem überzeugt, dass keine westliche Regierung Säuberungsaktionen und KZs in Afghanistan politisch überleben würde."
Sie missverstehen mich. Robustes dominantes Auftreten und Durchsetzung des Gewaltmonopols sind kein Terror.
Dominanz durch Terror kommt immer dann, wenn die Besatzungsmacht nicht die Ressourcen hat, die öffentliche Ordnung mit genug Truppen bereitzustellen. Auch deshalb bedarf es ja dringend einer Nato-Truppenaufstockung, um öffentliche Ordnung und Sicherheit mit legitimen Mitteln ohne Menschenrechtsverletzungen sicherzustellen.
Gerade die gegenwärtige Situation artet ja für die Zivilbevölkerung faktisch all zu oft in Terror aus, weil die Nato-Truppen nicht stark genug sind und auftreten. Denn nur dann können Taliban vorübergehend Dörfer übernehmen, mit all den fatalen Folgen für Zivilisten.
Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt. Die Rede ist immer von den Taliban, mitlerweile ist es aber die Dorfjugend, die in der NATO den Feind sieht. Gegen Partisanen, die unerkannt in der Bevölkerung leben können, hilft leider nur Terror, "Gewaltmonopol durchsetzen" heisst unter diesen Umständen leider genau das. Für jeden Angriff eine Strafaktion gegen die Zivilbevölkerung, an Menschenrechtsverletzungen kommt man da leider nicht vorbei. Vor allem aber wäre es tödlich für die Gesellschaft, die unter einer solchen Gewaltherrschaft mit Sicherheit keine positive Entwicklung nehmen wird.
Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt. Die Rede ist immer von den Taliban, mitlerweile ist es aber die Dorfjugend, die in der NATO den Feind sieht. Gegen Partisanen, die unerkannt in der Bevölkerung leben können, hilft leider nur Terror, "Gewaltmonopol durchsetzen" heisst unter diesen Umständen leider genau das. Für jeden Angriff eine Strafaktion gegen die Zivilbevölkerung, an Menschenrechtsverletzungen kommt man da leider nicht vorbei. Vor allem aber wäre es tödlich für die Gesellschaft, die unter einer solchen Gewaltherrschaft mit Sicherheit keine positive Entwicklung nehmen wird.
"Und wenn wir zivilisatorische Errungenschaften erlernen konnten, warum sollten das die Afghanen nicht können?" Der grosse Unterschied ist, dass es in Deutschland lange vor 1945 bereits eine demokratiefähige Gesellschaft gab. Deutschland stellt zwar einen Sonderfall in Europa dar was die Abschaffung der Monarchie angeht, die Entwicklung einer modernen Gesellschaft verlief aber mehr oder weniger parallel zu den Nachbarstaaten und ist nicht auf die Zeit der Weimarer Republik beschränkt. Das können Sie beispielsweise in der Kunstgeschichte sehen. Deutschland war hochindustrialisiert und technisch vorne mit dabei. Das haben die Amis schnell erkannt und den Morgenthauplan zu den Akten gelegt, ansonsten würden wir uns jetzt wahrscheinlich mit Rauchzeichen verständigen.
Der Vergleich Deutschland 45 und Afghanistan hinkt deshalb. Ich meine nicht, dass sich ein Volk nicht ändern kann. Nur braucht es dafür Zeit, mehr als ein oder zwei Legislaturperioden. Ausserdem müsste man sich erst einmal fragen ob es sich unbedingt ändern muss und wenn ja warum dann von aussen mit Gewalt. Afghanische Zivilisation sieht anders aus als unsere.
Dass ein Wiederaufbau Zeit braucht, ist selbstverständlich. Dass es Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland 1945 gibt, auch.
Die Bundesrepublik Deutschland stand z.B. bis 1990 über den alliierten Kontrollrat faktisch unter alliierter Kontrolle. Zwar gewährten die Alliierten weitgehende Selbstbestimmung, wenn das Land sich innerhalb eines akzeptablen Korridors befand, aber z.B. ein Bundeskanzler Schmidt hätte nicht die Möglichkeit gehabt, gegen einen Nato-Doppelbeschluss zu stimmen.
So weit ging die Souveränität der BRD dann doch nicht und ein Verlassen des von den Alliierten vorgegebenen Handlungsspielraums hätte unverzüglich alliierte Intervention nach sich gezogen.
Ähnlich sieht das gegenwärtig in Afghanistan aus. Das dortige Volk soll möglichst selbst entscheiden, wie es seine Belange organisiert. Entscheidet es sich aber grundlegend falsch, greift die Besatzungsmacht ein.
Dass ein Wiederaufbau Zeit braucht, ist selbstverständlich. Dass es Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland 1945 gibt, auch.
Die Bundesrepublik Deutschland stand z.B. bis 1990 über den alliierten Kontrollrat faktisch unter alliierter Kontrolle. Zwar gewährten die Alliierten weitgehende Selbstbestimmung, wenn das Land sich innerhalb eines akzeptablen Korridors befand, aber z.B. ein Bundeskanzler Schmidt hätte nicht die Möglichkeit gehabt, gegen einen Nato-Doppelbeschluss zu stimmen.
So weit ging die Souveränität der BRD dann doch nicht und ein Verlassen des von den Alliierten vorgegebenen Handlungsspielraums hätte unverzüglich alliierte Intervention nach sich gezogen.
Ähnlich sieht das gegenwärtig in Afghanistan aus. Das dortige Volk soll möglichst selbst entscheiden, wie es seine Belange organisiert. Entscheidet es sich aber grundlegend falsch, greift die Besatzungsmacht ein.
Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt. Die Rede ist immer von den Taliban, mitlerweile ist es aber die Dorfjugend, die in der NATO den Feind sieht. Gegen Partisanen, die unerkannt in der Bevölkerung leben können, hilft leider nur Terror, "Gewaltmonopol durchsetzen" heisst unter diesen Umständen leider genau das. Für jeden Angriff eine Strafaktion gegen die Zivilbevölkerung, an Menschenrechtsverletzungen kommt man da leider nicht vorbei. Vor allem aber wäre es tödlich für die Gesellschaft, die unter einer solchen Gewaltherrschaft mit Sicherheit keine positive Entwicklung nehmen wird.
Zitat: "Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt."
Das ist schlicht falsch. Die Geschichte der Menschheit ist übersät von Beispielen, in denen der Sieger dem Besiegten seinen Willen aufgezwungen hat.
Glauben Sie etwa, die Deutschen hätten die Alliierten 1945 als "Befreier" begrüßt?
Wie fast immer nach militärischen Auseinandersetzungen haben sie sich dem Sieger unterworfen, weil dieser ihnen zum einen gedroht hat, jeglichen Aufstand, Sabotage etc. sofort niederzuschlagen, zum anderen aber Vertrauen bildete indem die Besatzungsmacht die öffentliche Ordnung wieder herstellte und für Lebensmittel und Wiederaufbau sorgte.
Zugespitzt läuft eben die Befriedung eines besiegten Landes immer auf die Kombination aus Angst und Zukunftsperspektive heraus. Diese Erkenntnis ist im Übrigen nichts Neues. Schon Alexander der Große hat seine Befehlshaber angewiesen, nach diesem Prinzip zu handeln.
Es ist ein Paradoxon und eine Tragödie der neuzeitlichen Humanität, das freundlicheres und friedliebenderes Verhalten der Nato in Afghanistan nach 2002 vom Besiegten als Schwäche ausgelegt wurde und die Situation der Taliban- Aufstände herbeiführte, die für die Bevölkerung Terror und Tod brachte.
Höchst wahrscheinlich wäre Afghanistan heute befriedet, wenn die Nato unmissverständlich eine Linie vorgegeben und notfalls auch mit Zwang durchgesetzt hätte.
Wieder einmal ist eine Politik des Appeasement gescheitert. Leider.
Zitat: "Sie können die öffentliche Ordnung nicht mit Gewalt herbeiführen wenn die Bevölkerung nicht mitspielt."
Das ist schlicht falsch. Die Geschichte der Menschheit ist übersät von Beispielen, in denen der Sieger dem Besiegten seinen Willen aufgezwungen hat.
Glauben Sie etwa, die Deutschen hätten die Alliierten 1945 als "Befreier" begrüßt?
Wie fast immer nach militärischen Auseinandersetzungen haben sie sich dem Sieger unterworfen, weil dieser ihnen zum einen gedroht hat, jeglichen Aufstand, Sabotage etc. sofort niederzuschlagen, zum anderen aber Vertrauen bildete indem die Besatzungsmacht die öffentliche Ordnung wieder herstellte und für Lebensmittel und Wiederaufbau sorgte.
Zugespitzt läuft eben die Befriedung eines besiegten Landes immer auf die Kombination aus Angst und Zukunftsperspektive heraus. Diese Erkenntnis ist im Übrigen nichts Neues. Schon Alexander der Große hat seine Befehlshaber angewiesen, nach diesem Prinzip zu handeln.
Es ist ein Paradoxon und eine Tragödie der neuzeitlichen Humanität, das freundlicheres und friedliebenderes Verhalten der Nato in Afghanistan nach 2002 vom Besiegten als Schwäche ausgelegt wurde und die Situation der Taliban- Aufstände herbeiführte, die für die Bevölkerung Terror und Tod brachte.
Höchst wahrscheinlich wäre Afghanistan heute befriedet, wenn die Nato unmissverständlich eine Linie vorgegeben und notfalls auch mit Zwang durchgesetzt hätte.
Wieder einmal ist eine Politik des Appeasement gescheitert. Leider.
Dass ein Wiederaufbau Zeit braucht, ist selbstverständlich. Dass es Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland 1945 gibt, auch.
Die Bundesrepublik Deutschland stand z.B. bis 1990 über den alliierten Kontrollrat faktisch unter alliierter Kontrolle. Zwar gewährten die Alliierten weitgehende Selbstbestimmung, wenn das Land sich innerhalb eines akzeptablen Korridors befand, aber z.B. ein Bundeskanzler Schmidt hätte nicht die Möglichkeit gehabt, gegen einen Nato-Doppelbeschluss zu stimmen.
So weit ging die Souveränität der BRD dann doch nicht und ein Verlassen des von den Alliierten vorgegebenen Handlungsspielraums hätte unverzüglich alliierte Intervention nach sich gezogen.
Ähnlich sieht das gegenwärtig in Afghanistan aus. Das dortige Volk soll möglichst selbst entscheiden, wie es seine Belange organisiert. Entscheidet es sich aber grundlegend falsch, greift die Besatzungsmacht ein.
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