Wenn es vor fünfzig Jahren schon eine globale Klimapolitik gegeben hätte, ...
Wenn es vor fünfzig Jahren schon eine globale Klimapolitik gegeben hätte, wären Europäer und Amerikaner dabei unter sich gewesen, weil sie allein industrialisiert waren; inzwischen geht nichts mehr ohne China oder Indien. Noch beim Irakkrieg von 2003, als George W. Bush auf dem Höhepunkt seiner Macht stand, war es letztlich gleichgültig, was der Rest der Welt darüber dachte; die USA machten am Ende doch, was sie wollten. Heute, beim Thema Iran, wird bis zur Erschöpfung um alle geworben, um Moskau und Peking und um die Internationale Atomenergiebehörde in Wien auch. Und so überall – vom Mittleren Osten, wo Israelis und Saudis gleichermaßen ihren amerikanischen Gönnern den Gehorsam verweigern, bis zur Weltwirtschaftskrise, für deren Überwindung man auf Geld und Wachstum aus Asien vertrauen musste.
Es ist reine Fantasie, dass ein amerikanischer Präsident nur mit der Faust auf den Tisch schlagen müsste, um diese Machtverschiebungen rückgängig zu machen. Glaubt man im Ernst, dass ein »entschiedenerer« Präsident McCain oder eine mehr auf »Taten statt Worte« ausgerichtete Präsidentin Clinton den Wahlbetrüger Ahmadineschad aus dem Amt gedrängt oder die Olympischen Spiele doch noch nach Chicago geholt hätte? Diese ganze »Führungs«-Rhetorik ist ein Herumfuchteln mit Plastikschwertern. Für Limbaugh, Krauthammer und ihre Freunde in den Vereinigten Staaten geht es dabei um Verdrängung: Barack Obama, seine Ideen und sein Sozialmilieu sollen für die Krise verantwortlich sein, damit man der bitteren geschichtlichen Realität des Abstiegs nicht ins Auge sehen muss. Dass viele in der übrigen Welt sich die Perspektive im Grunde zu eigen machen, überrascht dagegen.
Enttäuschung über einen »schwachen«, nicht »liefernden« Obama? Da wird ein bisschen schnell vergessen, was für Hoffnungen man eigentlich in ihn gesetzt hatte. Nämlich nicht, wie die Verächter der »Obamanie« gern behaupten, dass er als Messias alle Übel auf Erden heilen würde. Sondern dass mit dem neuen US-Präsidenten wieder ein Mindestmaß an Vernunft in die Weltverhältnisse einziehen könnte, dass die globale Krisentemperatur sinken würde und die Vereinigten Staaten sich auf die veränderte Realität des 21. Jahrhunderts einstellen würden – auf die Realität ihres eigenen Machtverlusts.
Es war ja gerade eine Präsidentschaft für das nachamerikanische Zeitalter, die die Welt sich von Barack Obama wünschte; und eine solche Präsidentschaft bekommt sie nun tatsächlich. Über das Schicksal dieses »Führers der freien Welt« wird anders entschieden als früher, es wird von allen darüber mitentschieden – auch deshalb, weil nur internationale Erfolge ihn gegen die Ausverkaufsvorwürfe der heimischen Opposition schützen können. Es ist keine Redensart, wenn Obama davon spricht, die Vereinigten Staaten könnten die Lasten der Gegenwart und der Zukunft nicht allein schultern und seien auf Hilfe angewiesen. Was die Zeit und die Obama-Präsidentschaft brauchen, ist globales Teamwork.
- Datum 17.10.2009 - 12:28 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.10.2009 Nr. 43
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Ich verstehe nicht, was man an Obama auszusetzen hat. Dass er eine marode Wirtschaft mit halsbrecherischen Paketen rettet? Oder etwa, weil er ein Gesundheitssystem renovieren möchte? Oder gar, weil er die festgefahrene internationale Gerüchteküche neu entfacht?
Zwar kommt der Preis überraschend, aber nicht unberechtigt. Obama hat in seiner kurzen Zeit doch bereits mehr geleistet, als die meisten Politiker in ihrer ganzen Legislaturperiode. Ein Blick auf die seltsamen Verhandlungen über Wahlgeschenke hierzulande in Zeiten der Haushaltskonsolidierung, zeigen doch gut, wie groß die Differenz ist. Es ist schade, dass wir bis heute keine gute Theorie ausweisen für den Multiplikatorwert eines Obamas, der eine neue politische Ära anzustoßen vermag. Dann verstünde man vielleicht besser, welche internationale Kraft diesem Mann innewohnt.
Mir scheint, gerade die Journalisten und Medienmenschen schießen sich auf jeden Pups ein, der aus dem konservativen Lager kommt. Aber wahrscheinlich sind gar nicht die Versprechen, die er macht, hoch, als vielmehr die Erwartungen, die man an ihn heranträgt. Deswegen proben die öffentlichen Akteure schon mal den Verlust oder die Desillusionierung. Meines Erachtens sollte man ihn erstmal arbeiten lassen, die zweite Legislaturperiode abwarten, und überhaupt beobachten, bevor man die Abgesänge seiner Gegner analysiert.
Thank you for the positive comments regarding our President.
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Schade, auch Jan Ross kann und will nicht begreifen, dass die Kritik, an der Friedensnobelpreisverleihung in erster Linie nicht gegen Barak Obama, sondern gegen das Komitee gerichtet ist. Die dort zu Tage tretende Naivität, eine Verleihung könnte in der US-Politik etwas bewirken, macht einen so ratlos, aber auch wütend.
Wer genau hinschaut, merkt doch wie in den USA Wasser auf die Mühlen seiner Gegner gegossen wurde.
Nicht die Kritik in Europa wie Marcia Pally, Robert Misik und andere Jubler uns glauben machen wollen, wirken sich kontraproduktiv auf das Gelingen der Politik Obamas aus, nein es ist die Überhöhung einer Person zum Messias, die eigentlich "nur" erkannt hat, dass ein zivilisiertes Auftreten in der jetzigen schwierigen Situation erfolgeicher sein könnte, als das rabaukenhafte, aber ur-amerikanische Aufteten seines Vorgängers.
Da ich ja kein politisches Süppchen kochen will oder muss, nehme ich mir die Freiheit heraus und äußere mein Unverständnis über diese Entscheidung.
Dennoch hoffe ich, wie jeder vernünftig denkende Mensch, dass der Politikansatz von Barak Obama Erfolg hat.
Nur wenn dem so ist, wie wollen wir dann diesen Mann angemessen ehren, wenn der Erfolg eintritt? Doch nicht etwa dadurch, in dem wir in HEILIGSPRECHEN?
...die Vereinigten Staaten könnten die Lasten der Gegenwart und der Zukunft nicht allein schultern und seien auf Hilfe angewiesen. Was die Zeit und die Obama-Präsidentschaft brauchen, ist globales Teamwork."
Wie wahr! Das wissen wir aber seit geraumer Zeit. Die USA fordern Mithilfe seit dem ich denken kann. Früher nannte man es Burden Sharing. Deutschland verweigerte sich stets und hielt moralisierend den belehrenden Finger in die Höhe und tat so, als wäre Entwicklunghilfe eine adäquate Alternative zu Importen aus armen Ländern, die man bspw mit Subventionierter Landwirtschaft verhinderte und Dialog immer ein Substitut für Sanktionen, die man laufend mit eigennützigem Handel wie im Kalten Krieg mit der Sovietunion oder wie bis vor Kurzem mit Iran unterlief.
So trägt das Land die Kosten internationaler Sicherheit kaum, profitiert aber in hohem maße vom Handel, der von der Sicherheit abhängt. Ein Indikator sind die Ausgaben für das Militär. Deutsche Ausgaben sind bei ca 0,8% des BIP. Frankreich hingegen trägt 2,5% und England 2,75% mit ihren Militärausgaben zur Sicherheit bei. Dies wird zunehmend auch kritisiert von Ländern wie England, Holland, Kanada oder Australien. Diese Kritik wird härter mit zunehmend nationalistisch begründete Politik der deutschen Regierung in Dingen wie der Ostsee Pipeline oder der Vorgehensweisen bei Opel und gegen seine Niedrigsteuernachbarn. Forderungen nach einem dritten Sicherheitsratssitz für Europa wird in diesem Zusammenhang gesehen.
Ich muß sagen, ich finde das keinen Abstieg der USA.
Selbst wenn sie um Chinas Zustimmung werben usw..
Ich finde, das ist eher eine andere Art von Führung.
Es gibt sicher eine Führung, die aus innerer Stärke heraus geschieht, und nicht aus äußerer, die eigentlich tönern und falsch ist wie der Sozialismus in der DDR mit der Notwendigkeit äußerer Mauern.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig die amerikanische Rechte dazugelernt hat. Dass sie zu der momentanen Situation des Machtverlustes maßgeblich beigetragen hat, indem Bündnis- und potentielle Partner vergrätzt wurden, würde anscheinend als Selbstkritik zu viel vom Pathos der eigenen Herrlichkeit abverlangen. Denn: "Wie soll einem Land, das sich seiner Geschichte und womöglich seines Wesens schämt, die Zukunft gehören?"
Für mich ist ein weiterer Punkt entscheident: Die Stilisation Obamas zu einem politischen Messias, was auch seinen Ausdruck in der Verleihung des Nobelpreises findet, ist vielleicht eine der größten Merkwürdigkeiten seiner Kandidatur und Präsidentschaft. Soweit man Obamas Leitgedanken in den Reden verfolgt, behauptet er nicht, die Probleme der Welt kraft seiner eigenen Person lösen zu können, sondern ermahnt die amerikanische sowie globale Öffentlichkeit zu einem neuen Denken und Handeln. Erst daraus kann sich eine andere Politik ergeben.
Man gewinnt den Eindruck, von Obama enttäuschte Kritiker hätten nicht verstanden, dass "real change" nicht von einem einzigen Mann ausgehen kann, sondern ein Umdenken des politischen Personals und der Bevölkerung erfordert. Und damit ist jeder Einzelne gefragt und auch verantwortlich, wenn sich angeblich zu wenig tut. Nur einen anderen Präsidenten ins Oval Office zu wählen und sich dann zufrieden zurückzulehnen reicht nicht.
Ich finde es deprimierend, wie die eigenen Staatsmänner Obama für alles verantwortlich machen und dabei nicht bedenken, dass er die wahre Schmach Amerikas, die Regierung Bush, geerbt hat - Obama hat eine riesige Bürde bekommen, die von Monat zu Monat schwerer wurde, da er nicht wirklich unterstützt wurde. Für soziale Pläne wie seine braucht er die volle Unterstützung Amerikas. Doch wenn viele ihm diese nicht gönnen wollen, aus reinem Trotz gegen die Veränderung und des sicherlich nicht durch Obama ausgelösten Machtverlusts, wird er scheitern. Wenn ich die vielen Anschuldigungen höre, von den Rechten, Demonstrierend die Obama mit Hitler vergleichen, wird mir einfach nur schlecht.
Wenn us-"freedom" u.a. darin besteht staatliche krankenversicherung paranoisch als sozialismus zu verbrämen zeigt sich im alltag neben der vermeintlichen ausnahme guantanamo wie degeneriert eine menschheit sein muß die diese nation als weltmacht nr 1 darstellt.Keine grund zu euro-optimismus - "wir" versinken in anachronistischem nationalismen und werden immmer häufiger in scheindemokratien von kryptofaschisten regiert...
Richtungsänderung auferlegt und gleichzeitig Tempo nimmt, hat für diese Entscheidung schon der Besatzung Lob verdient, weil Wachheit lobenswert ist.
Wer nicht schon diesen entscheidenden Moment erkennt, dessen Lob wird immer zu spät kommen.
Darum ist das Komitee nicht Schuld, sondern in entscheidendem Moment sehend zu nennen.
Es bleibt zu hoffen, das das Riff, wenn überhaupt noch berührt, dann mit so wenig wie möglich Blessuren für den Tanker und die Flotte, die diesem in der Regel folgt.
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