School of life Wie ich in 36 Stunden lernte, gut zu leben
Der Philosoph und Bestsellerautor Alain de Botton hat in London eine "Schule des Lebens" gegründet. Jürgen von Rutenberg hat sie ein Wochenende lang besucht
Im Londoner Stadtteil Bloomsbury residiert die britische Hochkultur: Die Bombastbauten der University of London reihen sich aneinander; das British Museum protzt mit der größten kulturgeschichtlichen Sammlung der Welt, und die British Library liegt gleich um die Ecke, die zweitgrößte Bibliothek der Welt. Mitten in dieser respektheischenden Gegend, in der Marchmont Street 70, hat sich ein kleiner Laden eingenistet, über dessen Eingangstür in gelben Blockbuchstaben "The School of Life" steht: die Schule des Lebens.
Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass hier etwas Eigenartiges, womöglich Einzigartiges vor sich geht – aber was? Im Schaufenster stehen vier Birkenstämme, angestrahlt von Deckenlampen und der Nachmittagssonne. An der hinteren Wand: ein ausgestopfter Rabe, daneben noch mehr Birkenstämme. Links prangen die Wörter "ARBEIT, FAMILIE, LIEBE, POLITIK, SPIELEN". Ist das eine Galerie? Ein Buchladen? Ein Designshop? Oder sollte man hier tatsächlich etwas Lebenswichtiges lernen können?
Drinnen liegen ein Paar Dutzend Bücher aus, die Schulbücher des Lebens, auf Miniregalen nach existenziellen Herausforderungen sortiert: "Mit anderen Leuten klarkommen", "Wie man kreativ wird", "Für jene, die verliebt sind". Zu den Büchern gehören philosophische Klassiker wie Ralph Waldo Emersons Self-Reliance von 1841, Ratgeber aus den 1950ern und einige wenige Neuerscheinungen mit Titeln wie "Der Sinn des Lebens". Auf einem Plakat steht Anton Tschechows wahrer Satz: "Jeder Idiot kann eine Krise meistern. Es ist der Alltag, der uns fertigmacht."
Um zu lernen, diesen Alltag zu meistern, bin ich hier. Ich habe mich für ein Wochenendseminar angemeldet, das 195 Pfund kostet, etwa 210 Euro ("inklusive Abendessen und Arbeitsmaterial"), jetzt ist es Samstag, kurz vor zehn, und zwischen den Birkenstämmen hinten im Laden drängeln sich schon ein gutes Dutzend Frauen (und ein bärtiger Mann), die wie ich erfahren wollen, wie das geht: sinnvoll leben. Die meisten meiner Mitschüler sind zwischen Mitte zwanzig und Ende fünfzig. Ich stelle mich zu ihnen, als sei es die normalste Sache der Welt, zwischen Birkenstämmen und einem ausgestopften Raben mit wildfremden Menschen zu plaudern.
Schnell ist klar, dass niemand so recht weiß, was ihn hier erwartet. Aber immerhin wissen wir, dass über dieser Schule gute Geister schweben. Mitbegründer und Spiritus Rector der Lehranstalt ist Alain de Botton, 39, Autor mehrerer philosophischer Bestseller über Glück und Architektur , die Kunst des Reisens, den Trost der Philosophie . Im August verbrachte er eine Woche auf dem Flughafen Heathrow und schrieb auch darüber ein Buch. In England kennt ihn das größere Publikum der Nichtleser aus populärphilosophischen Fernsehsendungen, die er produziert hat. De Botton ist eine Institution, sogar für diejenigen, die ihn verachten – der Independent behauptete einmal: "In Großbritannien ist Alain-de-Botton-Attackieren zu einem Nationalsport geworden."
Angriffsflächen bietet de Botton mit so ziemlich allem, was er sagt, schreibt und tut – seit Jahren und mit wachsendem Vergnügen. Die Grundlage für seine späteren Erfolge legte er 1997 mit einem kühnen Büchlein namens Wie Proust Ihr Leben verändern kann . Darin zerrte er einen der komplexesten Kunstheiligen des 20. Jahrhunderts auf den Boden unseres heutigen Alltags, indem er ausgerechnet den 5000-Seiten-Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit als praktischen Ratgeber auslegte. Seither durchforstet de Botton die Philosophie- und Literaturgeschichte auf der Suche nach der verborgenen Lebensweisheit, stets liest er die großen Werke konsequent auf ihren Alltagsnutzen hin – mit so viel Unverfrorenheit und Erfolg, dass es Hüter der akademischen Tradition immer wieder zur Weißglut treibt. Und so erscheint die School of Life als weitere Eskalation einer schon seit Platons Zeiten erbittert geführten Schlacht: zwischen Theorie und Praxis, Lebensferne und Lebensnähe.
Unsere Lehrerin ist Sophie Howarth, eine lebensfroh wirkende Brünette Anfang dreißig. Sie arbeitete am Londoner Tate Museum, als sie die Idee hatte, eine Schule zu gründen für die Kunst, das Leben und die Kunst des Lebens. Gemeinsame Freunde stellten sie Alain de Botton vor, die beiden fanden Investoren, und seit der Eröffnung im September 2008 ist Sophie Howarth Schuldirektorin. Gelegentlich leitet sie auch selbst Seminare. So wie an diesem Wochenende, Fachbereich: Spielen.
- Datum 16.10.2009 - 09:45 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 15.10.2009 Nr. 43
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Nur wie hat ihnen das alles nun geholfen, besser zu leben?
Zu verstehen wie man gut lebt, etwas Sinnvolles aus seinem Leben zu machen, erfordert manchmal ein ganzes Leben. Entscheidend ist ein Moment, indem einem klar wird, dass man etwas ändern MUSS. Wann dieser Moment zu einem kommt, kann niemand wirklich vorherbestimmen, wie es quasi die "Schule des Lebens", die 36 Stunden (!!!!) dauert, bezweckt. Wahrscheinlich sind es die Kosten der Teilnahme an dieser Schule, die einen darüber grübeln lassen, so eine Schule nie wieder besuchen zu müssen. Das Geld dafür hätte jeder der Teilnehmer sinnvoller ausgeben können!
Mich interessiert ebenfalls, warum der Autor nun besser lebt als vorher. Was hat er wirklich gelernt? Und vor allem: Wirkt das Gelernte heute im Alltag noch nach?
Zu verstehen wie man gut lebt, etwas Sinnvolles aus seinem Leben zu machen, erfordert manchmal ein ganzes Leben. Entscheidend ist ein Moment, indem einem klar wird, dass man etwas ändern MUSS. Wann dieser Moment zu einem kommt, kann niemand wirklich vorherbestimmen, wie es quasi die "Schule des Lebens", die 36 Stunden (!!!!) dauert, bezweckt. Wahrscheinlich sind es die Kosten der Teilnahme an dieser Schule, die einen darüber grübeln lassen, so eine Schule nie wieder besuchen zu müssen. Das Geld dafür hätte jeder der Teilnehmer sinnvoller ausgeben können!
Mich interessiert ebenfalls, warum der Autor nun besser lebt als vorher. Was hat er wirklich gelernt? Und vor allem: Wirkt das Gelernte heute im Alltag noch nach?
hier beschrieben:
http://wortpong.wordpress...
Hier hatte ich bereits einen Kommentar geschrieben.Irgendwie ist er abhanden gekommen.Woran es liegt?Ich weiß es nicht.Das Eingabefeld hat sich geändert.Keine "Vorschau" kein " Sichern" mehr - nur "Abschicken".Eine Schule fürs Leben einzurichten, halte ich für eine originelle Idee.Da lernt man sicher auch, die Tücken des Alltags zu meistern. Spielend,klar.Immer wieder in "Good Old London" finden sich Querdenker, die neue Wege wagen.Alte Ratgeber liegen aus:Questions about philosophy,science and religion? Die Suche nach truth,knowledge and opinion by the way? Spiel ist hier Experiment.
Be actor or actress.Finde ich nicht schlecht.Knüpft doch an Shakespeare
an: Wir sind die Schauspieler - die Welt ist die Bühne.Vielleicht ist die Formel:PLAY der richtige Rat.Seminar im Laden.Dann wieder hinaus in die Welt - das Spiel geht weiter.
Noch besser ist es allerdings, selbst drauf zu kommen, wie man gut lebt.
Schon meine Grandma ( aus Kanada) sagte immer: "Help yourself
and God helps you". Hilfe zur Selbsthilfe oder wie Socrates es so schön formulierte. " Wills Du die Welt ändern - ändere Dich zunächst selbst" als weiterführende Erkenntnis.Ein Seminar -wie in dieser Form - gibt Anstöße.Den Blickwinkel einmal wechseln.So ein Modell wie oben geschildert, sollte im wörtlichen Sinn " Schule machen ". " The reverse method ", wie die Engländer sagen.Unkonventionell lernen, hilft das Bewußtsein aber auch das Unterbewußtsein zu fördern.
Schon meine Grandma ( aus Kanada) sagte immer: "Help yourself
and God helps you". Hilfe zur Selbsthilfe oder wie Socrates es so schön formulierte. " Wills Du die Welt ändern - ändere Dich zunächst selbst" als weiterführende Erkenntnis.Ein Seminar -wie in dieser Form - gibt Anstöße.Den Blickwinkel einmal wechseln.So ein Modell wie oben geschildert, sollte im wörtlichen Sinn " Schule machen ". " The reverse method ", wie die Engländer sagen.Unkonventionell lernen, hilft das Bewußtsein aber auch das Unterbewußtsein zu fördern.
Sehr unterhaltsam geschrieben. De Botton hat auch einige interessante Filme zum Thema Philosophie gemacht und alles gut verständlich erklärt.
Aber der Punkt ist:
Was bleibt nach dem Seminarbesuch?
Was bleibt nach dem Buchgenuss?
Ich trage neuerdings Schlüsselanhänger mit meinen Lebenszielen durch die Gegend...Allein die neugierigen Blicke meiner Mitmenschen erinnern mich jetzt immer daran und ein Vergessen wird unmöglich. Wer mal sehen mag:
[entfernt. Bitte beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke. Die Redaktion/vv]
Liebe Grüße aus Idaho,
Oliver
Ich kenne nicht Ihre Methode. Aber die Memotechnik im Mentaltraining ist eine überzeugende Praktik. Mit Hilfe von Affirmationen - dazu werden auch symbolische Zeichen genutzt -
wird optisch e r i n n e r t. Auch wenn dahinter sich etwas scheinbar "Magisches" verbirgt, es ist "Fingerzeig".
Ich kenne nicht Ihre Methode. Aber die Memotechnik im Mentaltraining ist eine überzeugende Praktik. Mit Hilfe von Affirmationen - dazu werden auch symbolische Zeichen genutzt -
wird optisch e r i n n e r t. Auch wenn dahinter sich etwas scheinbar "Magisches" verbirgt, es ist "Fingerzeig".
Schon meine Grandma ( aus Kanada) sagte immer: "Help yourself
and God helps you". Hilfe zur Selbsthilfe oder wie Socrates es so schön formulierte. " Wills Du die Welt ändern - ändere Dich zunächst selbst" als weiterführende Erkenntnis.Ein Seminar -wie in dieser Form - gibt Anstöße.Den Blickwinkel einmal wechseln.So ein Modell wie oben geschildert, sollte im wörtlichen Sinn " Schule machen ". " The reverse method ", wie die Engländer sagen.Unkonventionell lernen, hilft das Bewußtsein aber auch das Unterbewußtsein zu fördern.
Ich kenne nicht Ihre Methode. Aber die Memotechnik im Mentaltraining ist eine überzeugende Praktik. Mit Hilfe von Affirmationen - dazu werden auch symbolische Zeichen genutzt -
wird optisch e r i n n e r t. Auch wenn dahinter sich etwas scheinbar "Magisches" verbirgt, es ist "Fingerzeig".
"It doesn’t have to be fun to be fun", Spaß muss nicht unbedingt Spaß machen.
Der Satz ist genau falsch übersetzt. Richtig muß es heißen: "Es muß kein "Spaß" sein, damit es Spaß macht". Oder vllt anschaulicher "Es muß nicht lustig sein, um Spaß zu machen".
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