Das wird mit Sicherheit eine Katastrophe geben. Man sieht es schon – da ist noch alles still – an den Baumwollblüten, die auf der Leinwand aufgehen. An einer Landschaft, in die schon viele Rachefeldzüge, Gewaltgeschichten und sogenannte Männermythen eingeschrieben sind. Offen ist nur, wie und wann die Katastrophe eintritt. Denn viel passiert zunächst nicht, ohnehin wird hier im amerikanischen Süden kaum geredet. Langsam, fast unbemerkt, schleicht es sich in den Film hinein – das Unheil.

Die drei Brüder Son, Boy und Kid, Angehörige der weißen amerikanischen Unterschicht, sitzen Bier trinkend auf der Veranda und warten darauf. Sie fahren ihm mit Lastern und Wohnwagen entgegen. Sie fischen es mit Netzen aus dem Wasser, tauschen Blicke und wissen, dass es unaufhaltsam kommen wird. Auch der Zuschauer spürt es, wenn sich auf der Breite des 35-Millimeter-Bildes die Baumwollfelder ausbreiten wie eine große Decke. Wenn die Musik zu flimmern beginnt wie das Licht, das sich hier in Arkansas nur diffus durch die Wolken kämpft.

Hinterwäldlerisch leben Son, Boy und Kid in den Südstaaten der USA: Son, mit der ewigen Kaffeetasse in der Hand, Boy, der in einem heruntergekommenen Wohnwagen am See wohnt und, wann immer er kann, an einem Zigarettenanzünder bastelt. Und der jüngste der Brüder, Kid, der vor dem Haus des älteren Bruders campt. Das Geld verdienen sie beim Fischfang. Es ist eine Welt zwischen Lethargie, Abwarten und einem erstarrten Lebensgefühl, das irgendwie an die achtziger Jahre erinnert. Die Jungs tragen T-Shirts oder beigefarbene Hemden, hören Musik aus den frühen Achtzigern, vor allem aus Alan Parsons Album Pyramid, das die Landschaft zusätzlich mystifiziert.

Auf der Beerdigung des Vaters treffen diese jungen Männer nicht nur ihre drei Halbbrüder aus der zweiten, späteren Familie des Vaters. Es wird auch klar, dass ihre Namen, Son, Boy und Kid, der beschämenden Einfallslosigkeit eines Trinkers, Betrügers, Gammlers entspringen. "Das hier war ein schlechter Mann", sagt Son und spuckt auf das Grab. So beginnt eine Fehde von geradezu archaischer Unausweichlichkeit. Jeff Nichols zeigt in Shotgun Stories, dass seine Helden überwältigt werden von etwas Größerem, von einer gewaltigen Natur und von einem Schicksal. Erstere bestimmt den Alltag, letzteres die Ereignisse. "Du hast uns dazu erzogen, diese Jungs zu hassen, und wir tun es, und jetzt ist es zu all dem gekommen", wirft Son seiner Mutter vor, nachdem sein Bruder Kid erstochen wurde und bevor es zu einer weiteren üblen Schlägerei mit den Halbbrüdern kommt. Son wird ins Koma fallen.

Diesen jungen Männern blitzt der Hass aus den Augen. Es ist ein Hass, der immer schon da war und nie infrage gestellt wurde. Trotzdem kommen sie sich in den Prügel- und Gewehrszenen so fremd vor, dass man förmlich den Wunsch zu hören glaubt, lieber in einem anderen Leben geboren worden zu sein. Da zittern die Hände, wenn ein Gewehrlauf in das Gesicht des anderen gehalten wird, da staunt man über sich selbst, wenn der andere durch den eigenen Schlag bewusstlos zu Boden fällt.

Die Jungs machen das, was sie machen müssen – nämlich das Falsche, weil es das Richtige in diesem Leben nie gegeben hat. Nichols’ zutiefst beeindruckende Geschichte ist auch deshalb eine Tragödie des amerikanischen White Trash. Ein Kampf um Anerkennung, um den eigenen Platz. Eine Geschichte wie ein verzweifeltes, letztes Durchladen der Schrotflinte.