Tatort Fernsehen »Um jeden Preis«

Der neue Münchner »Tatort« ist ein naives Filmchen von hohem Läppischkeitsgrad. Ödes Skript, öde Figuren, öde Dialoge – und die Kommissare Batic und Leitmayr sehen aus wie Schlossgespenster

Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und sein Kollege Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) treffen die Schwester des des toten Journalisten

Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und sein Kollege Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) treffen die Schwester des des toten Journalisten

Rainer Truss, der gute Mensch von München, hängt unter der Tivolibrücke tot am Strick. Die Kommissare Ivo und Franz stellen fest: Der Junge war ein Talent, der konnte einen perfekten Henkersknoten knüpfen. Zu Lebzeiten wies er sich als ein Journalist aus, den manch ein Konzernchef doch gern bestochen hätte.

Ist dies die Verzweiflungstat eines Idealisten oder der letzte Akt des Idioten, den nichts mehr hält in der erbärmlichen Welt? Schwester Dörte schlägt ihn eindeutig den Großsprechern zu, sie selbst fühlt sich wohl als Sonderling und führt ein Zoogeschäft. Ihr Bruder hat ihr noch vor Tagen verraten, dass er glücklich wäre, er verliebte sich immer in ältere Männer, und kurz vor seinem Tod rief er schluchzend bei einem gewissen Leo Greedinger an.

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SERIE: TATORT FERNSEHEN. Klicken Sie auf das Bild, um alle Besprechungen von Feridun Zaimoglu zu lesen

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Wir rechnen mit einer Charakterstudie des Mannes – und werden natürlich nicht enttäuscht. Er sieht aus wie ein dunkelhaariger Müntefering ohne Brille, vielleicht trägt er auch Kontaktlinsen. Ein bildungsnaher Gewerkschaftsbonze ist er, die Massen anzupeitschen und den Bossen einzuheizen gelingt ihm recht gut. Ivo, der Einwanderer aus Kroatien, kennt ihn als Blutsbruder aus Kindheitstagen. Wer früher derart tolle Bananenflanken schoss, kann sich heut zu Recht als Kumpel der Kumpels rühmen.

Kommissar Franz geht die Begeisterung seines Kollegen mächtig auf die Nerven – uns lähmt allein das öde Skript, die öden Figuren und die öden Dialoge. Da aber hebt der alte Greedinger an, seines Sohnes Affentanz vor den Kapitalisten zu geißeln. Bis dahin haben wir den Film, auf der linken Backe liegend, nur mit dem rechten Auge geschaut, jetzt richten wir uns auf und reiben uns den Abdruck des Sofakissens von der Wange.

Was sagt der Sohn? Er sagt: Bosse nennt man heute Tarifpartner. Er sagt: Realität entsteht aus einer Vision. Er sagt: Neue Ideen haben immer alte Gegner. Die Idealisten sind wortgewandte Egoisten, denken wir, sie sprechen in dunkler Zeit vom Glanz der Zukunft. Leo hat Visionen, er träumt vom globalen Netzwerk der Gewerkschaften, und weil der Arbeiter es gern etwas einfacher hätt, kämpft er erst einmal für das Werk in Ingolstadt. Fünftausend Arbeitsplätze gilt es zu retten – was muss er dafür tun, wie weit wird er gehen? Sein Berater, ein kaltes Narbengesicht, zwingt ihn zu Bündnissen mit den kleinen Teufeln.

Ivo und Franz streifen durch die Münchner Straßen in langen Mänteln, sie sehen aus wie Schlossgespenster, die sich in Opernhäuser und Büros von Bonzen und Bossen verirren. Huuuh, rufen wir aus, huchu, wie wär’s mit Ermitteln? Es hat dem Jungen keiner die Schlaufe um den Hals gelegt, wohl aber sein Herz gebrochen. Schade um ihn, und schade um uns, die wir ein naives Filmchen von hohem Läppischkeitsgrad anschauen mussten. Ivo und Franz müssen zum Friseur, sonst hält sie jeder Streifenpolizist für zwei Hütchenspieler auf der Flucht. Und nie wieder, bitte nicht, wollen wir in einer Nebenrolle einen Italiener erleben, der mit seiner Mama telefoniert.

ARD, Sonntag, 18. Oktober, 20.15 Uhr

 
Leser-Kommentare
    • eolie
    • 18.10.2009 um 17:11 Uhr

    schauen Sie sich am Sonntag Abend doch lieber den Blockbuster auf Pro 7 an und ersparen uns Ihre gelangweilte Berichterstattung.
    Herzlich, S.

  1. ab-, oder zu arte umschalten!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Danke für den Kommentar, er zeigt mir, dass ich in den letzten 20 Jahren, in denen ich keinen Tatort mehr angesehen habe, wohl auch nichts versäumt habe. Der Sonntagabend ist mir einfach zu schade!

    Danke für den Kommentar, er zeigt mir, dass ich in den letzten 20 Jahren, in denen ich keinen Tatort mehr angesehen habe, wohl auch nichts versäumt habe. Der Sonntagabend ist mir einfach zu schade!

  2. Danke für den Kommentar, er zeigt mir, dass ich in den letzten 20 Jahren, in denen ich keinen Tatort mehr angesehen habe, wohl auch nichts versäumt habe. Der Sonntagabend ist mir einfach zu schade!

    • atropa
    • 19.10.2009 um 11:42 Uhr
    4. hm..

    also ich hab seit langem mal wieder einen TO
    jesehen & fand ihn eigentlich ganz geschmeidig,
    das schmankerl mit der presse incl. dieser pressezicke,
    entspannend ditt janze, und der italocommissare war doch voll ok...

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