Forstwirtschaft Bäume fällen für das Klima
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Wie steht es mit dem Naturerlebnis?

Im Bundesinstitut für Waldökologie und Waldinventuren in Eberswalde stellt Dunger jedes Jahr die zehnseitige Tabelle zusammen, die Deutschland im Rahmen des Kyoto-Protokolls zur Treibhausbilanz des Waldes an die Vereinten Nationen schicken muss. Noch sieht sie – auch ohne Berücksichtigung der Holzernte – ganz gut aus. Seit 1990 hat die Zahl der Bäume leicht zugenommen, fast 32 Prozent unseres Landes sind von Wald bedeckt, etwas mehr als der Weltdurchschnitt. Mit 3,4 Milliarden Kubikmetern lebendiger Holzmasse ist Deutschland sogar Spitzenreiter in Europa.

»Doch in einigen Jahren werden wir statt einer Kohlenstoffsenke eine -quelle melden müssen«, warnt der Waldfachmann. Denn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in Deutschland viel Holz für den Wiederaufbau und als Reparationsleistung geschlagen. Anschließend hat man im großen Stil aufgeforstet.

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Jetzt, 50 bis 60 Jahre später, sind die damals gepflanzten Bäume reif für das Sägewerk. Den gleichen Effekt gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Die reiche Holzernte, die wir unseren Vorfahren verdanken, könnte nun die Atmosphäre entlasten. Doch nach den bisher geltenden Regeln gilt Bäumefällen als Emission – und belastet damit unsere offizielle Klimabilanz.

Im Naturwald werden die jungen Eichen von Hainbuchen überwachsen und wirklich umgebracht

Jens Meier, Revierförster

Diesen Widerspruch könnte ein neues Abkommen in Kopenhagen beseitigen. Es müsste die Nutzung von Holz als Beitrag zum Klimaschutz honorieren – ohne für die Kontrolle eine gewaltige neue Bürokratie zu schaffen.

Unabhängig davon bleibt die Frage nach den Auswirkungen des bereits begonnenen Klimawandels auf den Wald selbst. »Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad werden sie mutmaßlich noch vergleichsweise gering bleiben«, sagt der Dresdener Bodenkundler Franz Makeschin vorsichtig. Einerseits düngt ein höherer Kohlenstoffanteil in der Atmosphäre die Bäume und führt somit zu einer Zunahme der Holzmenge pro Hektar. Andererseits beschleunigen höhere Temperaturen die Zersetzung des Kohlenstoffs im Waldboden. In der Bilanz könnten sich beide Effekte vorerst ausgleichen.

Und noch eine Frage muss beantwortet werden: Wie steht es mit dem Naturerlebnis? Finden wir einen klimaverträglich bewirtschafteten Wald überhaupt noch schön? Das lässt sich bei einem Ausflug in den Hasbruch leicht beantworten. Mitten im Urwald steht dort die Friederikeneiche, mit 1200 Jahren angeblich der älteste Waldbaum Deutschlands.

Doch sie ist auch die Ausnahme der Regel. »Im Naturwald werden die jungen Eichen von Hainbuchen überwachsen und wirklich umgebracht«, sagt Revierförster Meier. Im Wirtschaftswald nebenan hält er dagegen 400 Hektar für Eichen frei. »Das ist ein absolut künstliches Gebilde«, sagt er, »aber ich finde es schöner – und die meisten Besucher finden das auch.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Wie kann eine Tonne Holz fast zwei Tonnen CO2 binden?

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    • jaypee
    • 19.10.2009 um 9:20 Uhr

    darüber bin ich zunächst auch gestolpert. aber im holz ist ja nur das "C" gespeichert. erst bei der verbrennung oder verrottung kommt das "O2" aus der atmosphäre dazu.

    • jaypee
    • 19.10.2009 um 9:20 Uhr

    darüber bin ich zunächst auch gestolpert. aber im holz ist ja nur das "C" gespeichert. erst bei der verbrennung oder verrottung kommt das "O2" aus der atmosphäre dazu.

    • jaypee
    • 19.10.2009 um 9:20 Uhr

    darüber bin ich zunächst auch gestolpert. aber im holz ist ja nur das "C" gespeichert. erst bei der verbrennung oder verrottung kommt das "O2" aus der atmosphäre dazu.

    Antwort auf "Verständnisfrage"
  2. Es gibt Menschen, für die ist eine Ansammlung von Bäumen gleichbedeutend mit einem Wald. Die biologische Vielfalt geht dabei unwiederbringlich verloren. Es ist ein quasi toter Wald. Die Bewirtschaftung einer solchen Ansammlung von Bäumen ist natürlich leichter, als bei einem Wald, da störendes Gebüsch oder stark verzweigte Bäume nicht mehr existieren. Man kennt da ja, alle Bäume in möglichst gleichem Abstand wachsen brav nach oben.

    So eine Ansammlung von Bäumen nützt nur einem: der Deutschen Forstwirtschaft. So geldgierig wie die einstigen Banker von Lehmann Brothers, zerstören sie unsere letzten ursprünglichen Wälder. Auch soll es Kanada und Alaska Leute geben, die sagen, wir reinigen den Boden nur vom giftigen Erdöl. Dafür vernichten sie ganze Landstriche.

    Das nun unserer CO2 Bilanz herhalten muss, um dieses Treiben zu rechtfertigen, ist schlicht armselig. Das auf ZEIT ONLINE zu lesen tut weh. Es gibt bestimmt tausend Mittel die CO2 Bilanz für unser Land oder die ganze Welt zu verbessern. Aber jedes Mittel hat doch seine Nebenwirkungen. Wald Adieu für weniger CO2? Mag es da noch andere Mittel geben? Wer diese Frage für sich selbst nicht beantworten kann, sollte an die Deutsche Forstwirtschaft spenden.

    Da fällt mir doch grad ein: Willst du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten.

  3. 4.

    Aha, jetzt ist also der Wald am Klimawandel schuld ?
    Der Wald setzt eben nicht mehr CO2 frei, als er zuvor gebunden hat. Der Mensch ist es, der in kurzer Zeit das CO2 freisetzt, das in Öl, Kohle und Gas über Millionen Jahre gebunden wurde.
    Daher muß man bei der Bekämpfung des Klimaerwärmung auch da ansetzen.
    Natürlich ist es auch gut, statt fossiler Brennstoffe nachwachsene wie Holz zu verwenden. Aber dies darf nicht auf Kosten von (kaum vorhandenen) "Urwäldern" gehen, die für die Artenvielfalt unersetzlch sind.

    • marxo
    • 19.10.2009 um 10:21 Uhr

    Der Artikel zeigt nur erneut in seiner blanken Bestechlichkeit, wie fehlgeleitet die gesamte Klimadiskussion ist. Aus ökologischer Perspektive kann man sich da nur verzweifelt an den Kopf greifen.
    Klima als einfach zu wiederholende und billig Angst schürende Synthese aller bisherigen Umweltprobleme ermöglicht es den Leuten "Gutes" zu tun ohne zu denken. Alles für oder gegen das Klima.
    So interessiert es immer weniger, wie komplex Ökosysteme sich verhalten und wandeln. Anstatt über Atommüll, Walfang, Überfischung, Versalzung, Wüstenbildung, Entwaldung, Artensterben etc. redet man jetzt immer nur übers Klima und ist stolz darauf, wenn man mit einem 3-Liter-Auto Kröten auf der neuen Autobahn durchs Wachtelkönighabitat überfährt.
    Demnächst werden auch die letzten Hochmoore in Mitteleuropa "fürs Klima" ausgetorft. Und Sümpfe trockengelegt, wegen der Methanproduktion.
    Klar, dass da ein einfaches ästhetisches Privatinteresse an einem Hochmoorgelbling oder einem Dreizehenspecht untergehen muss.

    Was der Artikel verschweigt: Das geerntete Holz wird erstmal um die Welt geschippert. Dabei wird Energie verbraucht. Holz ist ein super Rohstoff. Aber sein Anbau ist nicht unproblematisch - Bäume verbrauchen nämlich in Plantagen durchaus auch Nährstoffe und verarmen den Boden.

    Und noch viel wichtiger: Wälder und insbesondere moosbestandene alte Bäume speichern Wasser. Das ist weitaus bedeutender als irgendeine CO2-Diskussion.

    • Clerk
    • 19.10.2009 um 11:01 Uhr

    Welchen Einfluss hat die Arbeit von PR-Agenturen auf die politische Berichterstattung?

    Albrecht Müller: Ein Redakteur der ZEIT hat letztens in einem Vortrag gesagt, PR-Arbeit sei dann am Besten, wenn sie nicht erkennbar ist. Diese öffentliche Aussage stellt einen absoluten Glücksfall dar, denn normalerweise berichten Journalisten nicht über ihre Nebentätigkeiten . Kein Journalist sagt gerne, dass er für RWE oder die Deutsche Bank, für Violia oder die Deutsche Börse, für den Gesamtverband des Versicherungswesens oder die NATO arbeitet. Public Relations sind dann erfolgreich, wenn man nicht weiß, dass bezahlte Kommunikation dahinter steckt. Vermutlich ist der Anteil von PR sehr groß. In meinem Buch zeige ich auf, dass es große Themenkomplexe und ein ganzes Ensemble von Botschaften gibt, die durch Meinungsmache in die Öffentlichkeit getragen worden sind.

    Auch hier greift der Mechanismus des "Outsourcing". Man belastet den einzelnen Journalisten immer mehr mit Arbeit, es muss innerhalb kürzester Zeit immer mehr geschrieben werden und so greift man immer mehr auf PR-Meldungen zurück...

    Albrecht Müller: Das ist richtig. Es gibt z. B. die sogenannten OTS-Meldungen, deren redaktionelle Verantwortung bei den aussendenden und zahlenden Unternehmen liegt und die von Zeitungen als scheinbar unabhängige Berichterstattung übernommen werden. Viele Journalisten wissen auch genau, dass Anzeigenkunden die Inhalte ihrer Texte bestimmen wollen.

  4. Je mehr man einen Wald sich selbst überlässt, desto mehr gibt man der Natur zurück. Da ist es völlig egal, ob man dadurch die CO2 Bilanz ein wenig aufbessern könnte und natürlich ganz nebenbei ... haha ... die Holzindustrie unterstützt. Was schöner aussieht ist noch lange nicht gesünder. Vor der Industrialisierung gab es noch jede Menge Wälder und schau an, es gab noch kein von Mensch gemachtes Klimaproblem. Heute, schaut nur mal aus dem Flugzeugfenster, ist allein Deutschland übersät mit Ackerflächen. Die paar Wäldchen die hier als Klimasünder betitelt werden sind einer Erhaltung nur recht und sollten auf jeden Fall sich selbst überlassen werden. Was da an Tier- und Pflanzenwelt durch tote Bäume gesundet darf man keinesfalls ignorieren.

    Hier wird so getan als wenn man aus "den Wald "sauber" halten", neben einer guten Tat für Bambi (weil jetzt kann schön zwischen den gesäuberten Eichen herumspringen), auch noch ein bißchen Geld machen könnte und ganz nebenbei das Klima verbessert. Und es wird so dargestellt, als wenn wir wieder viel zu viel Wald hätten.

    Hier werden Tatsachen für eine Geldmache verdreht. Hört sich stark nach Lobbyisten an. Nicht mit mir Freunde. Bäume fällen fürs Klima ... was für Stuss man sich so einfallen lässt um Geld zu machen.

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