In fremder Haut
Auch Roland Koch, Ministerpräsident von Hessen, hat mit Vorliebe fremdenfeindliche Affekte bedient, wie zum Beispiel mit seiner Unterschriftensammlung gegen die doppelte Staatsbürgerschaft; an den Ständen der CDU fragten die Leute: "Wo kann man hier gegen Ausländer unterschreiben?" Mit der Kampagne hat er 1999 die Wahlen in Hessen gewonnen. Im Januar 2008 hat er nachgelegt und vorgeschlagen, "ausländische kriminelle Jugendliche" entgegen den gesetzlichen Vorschriften sofort abzuschieben. Auch Teile der CDU kritisierten damals, dass Koch für seinen Wahlkampf eine derartige Stimmungsmache betrieb.
Vor Jahren hatte ich einen ersten Anlauf gemacht, das Vorhaben aber wieder abgebrochen. Nicht weil diese Rolle anmaßend wäre gegenüber schwarzen Migranten oder schwarzen Deutschen. Jede meiner Rollen ist auf eine bestimmte Art anmaßend – aber ohne diesen Schritt auf fremdes Terrain würde ich viel weniger über die Lebenswirklichkeit der Menschen erfahren, in deren Haut ich schlüpfe. Nein, ich zögerte, weil ich befürchtete, dass man mich zu rasch enttarnen könnte. Es gibt nämlich durchaus ein technisches Problem, wenn man sich als Weißer in einen Schwarzen verwandeln will. Theaterschminke reicht da nicht. Vor einiger Zeit machte ich dann die Bekanntschaft einer Maskenbildnerin, die mit einem Sprühverfahren arbeitet, mit dem Weiße "umgefärbt" werden können, sodass es einigermaßen lebensecht wirkt. Endlich konnte ich meinen lang gehegten Plan in die Tat umsetzen. Parallel zu dieser Recherche entstand ein Dokumentarfilm. Ein Kamerateam begleitete mich unauffällig auf den meisten Stationen meiner Reise.
In Wörlitz gleitet der Kahn übers Wasser und gondelt durch die Kanäle. Manchmal nahe dem Ufer, sodass eine Dame die Gelegenheit nutzt, einen Farn abzupflücken. Als unser Ruderer wieder einmal dem Ufer ganz nahe kommt, strecke auch ich die Hand aus und rupfe eine Brennnessel aus. Eine der Damen schwingt sich zur Wächterin der deutschen Fauna auf: "Das machen wir hier nicht! Wir reißen hier nichts ab, sonst sieht das so schlimm aus." Das kategorische "Wir" soll wohl bedeuten: "Du gehörst nicht dazu." Die Frau, die zuvor den Farn gepflückt hat, ist von niemandem gemaßregelt worden. Ich aber habe offensichtlich die Regeln verletzt, ihr Ordnungsprinzip.
Als die Bootsfahrt beendet ist und ich mich erhebe, sieht sich mein Nachbar veranlasst, mich wie ein Kind zu behandeln: "Gemach, gemach! Wir sind die Letzten." Dann will er wissen: "Woher sprichst du so gut Deutsch?" Wir sind uns zwar, was die Distanz auf der Sitzfläche betrifft, näher gekommen, aber warum redet er mich mit Du an? Immerhin stellt er eine persönliche Frage, und das habe ich als Schwarzer in all den Monaten selten erlebt. Ich antworte, dass ich drei Jahre im Goethe-Institut in Daressalam Deutsch gelernt habe. – Ob ich Arbeit habe? – Nein, antworte ich. Da schlägt er mir vor, ich solle es doch als Kuli versuchen, am besten gleich hier: "Rudern, rudern!", ruft er und zeigt auf das Boot, das wir gerade verlassen haben.
Dass die Abneigung gegen Schwarze keine Altersfrage ist, erlebe ich später in einer Fußgängerzone in Cottbus. Ich komme an einem Juweliergeschäft vorbei und erkundige mich nach einer Armbanduhr mit Stoppfunktion. Die junge Verkäuferin behauptet, so etwas führe sie nicht. Ich weise sie darauf hin, dass die Uhr im Schaufenster sehr wohl eine Stoppfunktion hat. Die Frau lässt sich dann doch auf ein Verkaufsgespräch ein und zieht schließlich eine teure goldene Uhr hervor. Als ich sie in die Hand nehmen will, hält die Verkäuferin die Armbanduhr mit verkniffenem Lächeln krampfhaft fest.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Frau schon einmal Erfahrungen – gar schlechte – mit schwarzen Kunden gemacht hat. Aber Fremdenfurcht, genau wie Antisemitismus, hat ja auch nichts mit realen Erfahrungen zu tun, tritt sogar umso häufiger auf, je seltener Menschen Fremden begegnen.
Ein Kollege aus unserem Filmteam, der den Laden betritt, als ich ihn gerade frustriert verlasse, bittet die junge Frau ebenfalls darum, ihm die Uhr über den Tresen zu reichen, und bekommt sie ganz selbstverständlich ausgehändigt. Dann fragt er sie mitfühlend, ob sie gerade Angst gehabt habe um das gute Stück.
Ihre Antwort: "Ja, Sie sehen noch den Angstschweiß."
Wenn ich, selten genug, danach gefragt werde, woher ich komme, dann behaupte ich, ein Flüchtling aus Somalia zu sein, der kein flüssiges Deutsch spricht. Vielleicht erginge es mir als perfekt Deutsch sprechendem schwarzem Arzt, als schwarzem Musiker besser. So aber erlebe ich, dass mich meine Umgebung nur über meine Hautfarbe definiert. Und als ich einmal eine begüterte Familie an ihren Urlaub in Afrika erinnere, führt das zu herablassender Heiterkeit. Das andere immer wiederkehrende Extrem: Mein Erscheinen löst eine unnatürliche, verklemmte Fürsorglichkeit aus.
Für ein paar Wochen siedle ich wieder mal über in den Westen. Während die Aversion im Osten direkter und manchmal aggressiv daherkommt, scheint sie mir im Westen oft latenter und verdruckster zu sein. Manche sind auch zu feige, um einem ins Gesicht zu sagen, was sie wirklich denken. Ein Campingplatz in der Nähe von Minden im Teutoburger Wald: Ich kreuze dort mit Mercedes und Wohnwagen auf, und ich bin nicht allein, sondern trete in Begleitung einer kompletten schwarzen Familie auf: Papa, Mama, zwei Töchter, die eine schon fast erwachsen, die andere süß und klein, alle hübsch angezogen. Die drei sind wirklich schwarz, und sie glauben, dass auch ich ein Schwarzer sei; die kleine Tochter "meiner" Frau adoptiert mich sogar gleich als Ersatzpapa.
Vor der Rezeption des Campingplatzes hocken ein paar Dauercamper, Menschen also, die fast jedes freie Wochenende und ihre Urlaube an diesem Ort verbringen. Und hier stehe ich nun und frage nach einem Dauerplatz für mich und meine Familie. Den Campern, die an ihrem Tisch beim Bier sitzen, fällt fast die Kinnlade herunter. Der Platzwart und Eigentümer, der am Eingang sitzt, verrenkt sich gehörig. "Ob die Sie akzeptieren...", versucht er mir die Idee auszureden, einen Stellplatz zu mieten. "Ich sage das ja bloß, weil das ein kleiner Platz ist."
Ich gebe vor, ihn nicht zu verstehen, und frage, wo denn das Problem sei.
"Ja, Problem... Der Mensch, wo der wegkommt, würde ich sagen."
Ich habe ja gar nicht gesagt, woher wir kommen, ob aus Wanne-Eickel, Hoyerswerda oder Timbuktu, und meinen Pass hat er nicht sehen wollen. Also frage ich, was er meint.
Endlich ringt sich der Platzwart durch: "Ja, wie soll ich sagen. Das ist die Hautfarbe, ob man eben schwarz ist oder weiß. Die werden immer einen Bogen um Sie machen."
Ich lenke ein und schlage vor, dass wir uns erst mal für eine Nacht einquartieren. Der Campingplatzleiter stimmt zu – offensichtlich schweren Herzens.
Einem von unserem Team ins Rennen geschickten weiteren Stellplatzinteressenten klagt er dann sein Leid: "Alle sind Deutsche, Luxemburger, Holländer – aber ich sag mal: Weiße. Mir ist es egal, wo ich mein Geld herkriege, aber die anderen laufen weg. Die haben ganz klar gesagt: Die Zigeuner, lässt du die hier rein, dann packen wir." Eine sonderbare Begriffsverwirrung, aber irgendwo im Unterbewusstsein muss es da eine Verbindung zwischen Schwarzen und "Zigeunern" geben.
Am nächsten Morgen versuche ich noch mal mein Glück. Aber der Herr der Stellplätze dreht uns den Rücken zu und unterhält sich mit den Kollegen des Filmteams. Wir geben auf und packen ein.
Herablassende Behandlung, das erleben viele Migranten auch bei Behördengängen. Im Berliner Stadtteil Marzahn erkundige ich mich nach der Möglichkeit, einen Schrebergarten zu mieten. Die joviale Angestellte auf einer Nebenstelle des Bezirksamtes duzt mich, korrigiert ihre Anrede nach ein paar Sätzen aber, wohl weil sie merkt, dass ich doch gut genug Deutsch spreche, um ein "du" von einem "Sie" zu unterscheiden. Der Rest ist Abwimmeln. Weder will sie mir sagen, ob Gärten frei sind, noch mag sie Auskunft geben, wie viele Menschen in einem Gartenhaus Platz fänden. Sie beendet unsere kurze Unterredung mit dem Satz: "So einfach geht das nicht." Ich solle mich erst mal offiziell bewerben, mit Pass und ausgefülltem Formular. Das hält sie mir vor die Nase, mitnehmen darf ich es nicht.
"Ich würde das Formular gerne mit meiner Frau zusammen ausfüllen", sage ich. "Oder ist das etwa geheim?"
Ja, das ist geheim", erwidert sie trotzig. In der folgenden Woche könne ich ja wiederkommen, dann sei Anmeldetermin.
- Datum 12.11.2009 - 13:44 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 15.10.2009 Nr. 43
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Probieren Sie Ihr Glück doch mal in Südafrika, wenn Sie dort als Weißer außerhalb von sicherheitszonen nur um Ihre Würde gebracht werden, haben Sie Glück gehabt!
Nach vielen Jahren in Afrika als "Auslaender" im Rueckblick- es war eine herrliche
Zeit, mit Menschen, die es zu verstehen galt. Aber, dies ist auch hier so ,Menschen
wollen als solche behandelt werden, ein Lernprozess.
Dank an G.Wallraff
fuer all die gute Arbeit zum Thema.Leider ist das Resultat genau so wie wir es in unseren schlimmsten Befuerchtungen vermuten.Eigentlich schade dass so viele Menschen offensichtlich grosse Angst vor dem "Anders-sein" haben.
schon mal in südafrika gewesen? anscheinend nicht! natürlich gibt es dort eine weiße oberschicht die eine gewisse homophobie inklusive der von dir genannten sicherheitszonen pflegt. die große mehrheit hält dies (zur recht!) nicht für nötig. ich habe gerade längere zeit in kapstadt gewohnt (und zwar nicht in einer "sicherheitszone"). natürlich gibt es kriminalität (auch wenn ich persönlich kein einziges mal schlechte erfahrungen gemacht habe). die richtet sich aber gegen alle, ungeachtet der hautfarbe. aber vielen dank für die bestätigung der von herrn wallraff gemachten beobachtungen.
...gesagt wundere ich mich das Mark83 Südafrika als beispiel nimmt. Etwas mehr Allgemein Bildung, alleine was die Geschichte dieses Landes betrifft, täte dringend not!
Außerdem...wenn das der Maßstab sein soll...oje oje...
@ Lauschepflock
Ich würde den Artikel nochmal lesen und wirklich ein wenig nachdenken worum es geht und welche Erfahrungen gemacht wurden. Falls das zuviel verlangt ist würde ich mich etwas stärker mit Luther Burbank befassen, der sagte: "Wer nicht gerne denkt, sollte wenigstens von Zeit zu Zeit seine Vorurteile neu gruppieren."
Meiner Meinung nach könnte es dafür Zeit werden, vorallem wenn ich z.B. das beispiel mit der Vermieterin heranziehe, sollte jedem klar werden das dies nichts mit Fasching zu tun hat. Im übrigen halte ich den Vergleich mit dem Froschkostüm für geschmacklos.
Soll das ein Eingeständnis sein, dass Deutschland sich auf einem Niveau von Post-Apardheid-Staaten befindet?
By the way: In fast ganz Afrika ist man als Weißer (und daher als reicher Mensch) ein gern gesehener Gast, wird eingeladen (was peinlich ist, weil man sich die 10 cent für den Bus ja wirklich selbst leisten könnte), wird von morgens bis abends freundlich gegrüßt und abgesehen von Heiratsanträgen und Bitten um Hilfe kaum je belästigt, geschweige denn mit dem Leben bedroht.
Ein durch den Kolonialismus oder die Apartheid begründeter Hass auf Weiße ist erstaunlich rar.
dass in Südafrika eine Diskriminierung gegenüber Weißen herrschen soll ist ja auch mal sehr amüsant.Die armen, armen Weißen...womit haben die Buren das nur verdient?
@Mark83: Entweder lügst du, um deutschen Rassismus zu rechtfertigen, oder du hast einfach keine Ahnung. Was trifft eher zu? Ich bin gerade in Johannesburg. Nach meiner Erfahrung verhalten sich die Menschen hier nur nach Hörensagen. Darüber hinaus werden Schwarze hier von Weißen größtenteils immer noch wie Dreck behandelt. Außerdem gilt hier: Egal, ob schwarz oder weiß: Wenn du niemanden in den Hotspots kennst, dann tust du gut daran, deinen Arsch um die Gebiete herumzubewegen.
Toronto21: Was du schreibst, ist einfach nur Humbug. Genau das, was Wallraff schreibt, kenne ich aus meiner täglichen Erfahrung. Die Menschen sind genauso wie beschrieben. Das hat nichts mit Konstruktion zu tun. Ich bewege mich ganz normal im Alltag und erlebe diese Schikanen Tag für Tag für Tag. Also komm mir nicht mit Konstruktionen.
Sehr schön Mark83.
Dein Kommentar bestätigt all das was Herr Wallraff hier beschreibt.
Er drückt eine unterschwellige rassistische Überheblichkeit aus und im gleichen Atemzug eine Rechtfertigung des eigenen Rassismus.
Rassismus lässt sich nur aufrechterhalten wenn man ihn gegenüber sich selbst schönreden kann. Aber leider gibt es keine Rechtfertigung für Rassismus. Nicht hier und nicht in Südafrika.
Ausserdem:
Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in Deutschland eine Phase der Unterdrückung durch Schwarze hinter uns haben. Aber auch das wäre keine Rechtfertigung.
Aber Südafrika hat vor allem ein Problem mit Kriminalität und Stammesfehden als mit Rassismus gegen Weisse. Tasächlich sind rassistisch motivierte Straftaten gegen Weisse eher selten.
Bravo Herr Wallraff. Wieder einmal wird durch ihre Arbeit ersichtlich, wie durch oberflächliche Abwertung anderer Menschen eine eigene Identität konstruiert wird. Ich wünsche meinen Mitmenschen mehr Toleranz und weniger Angst vor "fremden" äußerlichen Merkmalen.
Leider muss 'Mark83' noch viel dahingehend lernen.
als auslaender muss ich leider feststellen, dass auslaenderfeindlichkeit oder aber zumindest vorurteile alltaeglich sind. und zwar in allen laendern, die ich je bewohnt oder besucht habe, von china ueber den mittleren osten bis in die unmittelbare nachbarschaft. dabei habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich oftmals die netten seiten uebersehe. man entwickelt als auslaender eine gewisse paranoia. bei herrn wallraff stelle ich eine aehnliche tendenz fest, die jene der auslaender noch weit uebertrifft. nimmt er eigentlich auch die freundlichen gesten wahr? die sind in deutschland naemlich genauso haeufig anzutreffen wie die unfreundlichen.
Günther Wallraff und seine Aktionen werden irgendwie immer abstruser. Wer braucht sowas eigentlich? Den Wallraff könnte man ja inzwischen fast schon als eine perfekte Karrikatur der berufsempörten Gutmenschen umdeuten. Mal ehrlich: Wenn sich jemand zurechtmacht wie beim Fasching, braucht er sich doch nicht wundern, wenn ihm die junge Frau hinterm Juwelierstresen die teure Uhr nicht gibt. Es ist doch absurd, darin einen Beweis für den allgegenwärtigen latenten Rassissmus zu wittern. Ich meine, er hätte ja auch im Froschkostüm da reinspazieren können - dann wären alle Cottbuser auf einmal ganz klar froschfeindlich eingestellt oder wie? Wallraff reiht wieder einmal nur ein Klischee ans nächste und vergisst dabei, wie lächerlich sein eigenes eigentlich ist.
[Anm.: Bitte bemuehen Sie sich, Ihre Kritik sachlich zu formulieren und auf persoenliche Angriffe zu verzichten. Danke. /Die Redaktion pt.]
Ernsthaft die Frage zu stellen, wer Günter Wallraff eigentlich brauche, offenbart eine antisoziale Einstellung, die begrifflich bis in den Rechtsextremismus ("Gutmenschen") geht.
Offensichtlich haben Sie keine Idee von dem alltäglichen Rassismus in Deutschland, wenn Sie Herrn Wallraffs Arbeit lächerlich zu machen versuchen! Die Verkleidung ist keines Falls lächerlich, sondern sehr professionell, was durch die Reaktionen der Personen, die mit dem verkleideten Herrn Wallraff in Kontakt gekommen sind, unterstützt wird. Wo wird denn die Verkleidung erkannt und dementsprechend darauf reagiert?
Ihre gezielte Diffarmierung der Arbeit von Herrn Wallraff lässt darauf schließen, dass er mit eben dieser Arbeit einen wunden Punkt in der deutschen Gesellschaft getroffen hat. Der alltägliche Rassismus muss endlich als gesellschaftliches Problem erkannt werden, damit er auch bekämpft werden kann!
was an diesem Artikel war ein persönlicher Angriff. Der Kommentar auf Mark83 war für mich eher ein persönlicher Angriff. Könnte die Redaktion das mal bitte transparenter gestalten. M bleibt der bittere Nachgeschmack einer tendenziösen Zensur der Redaktion. Aber vielleicht irre ich mich ja auch.
wenn ich hier lesen muss wie persönlich sich die Kommentatoren angreifen. Inbsbesondere diejenigen die sich auf die Seite von G.W. stellen. Wie kann man auf der einen Seite für Menschenrechte kämpfen und es "im Kleinen" hier selbst nicht "auf die Reihe" bekommen?
Im übrigen habe ich genau zu der Zeit, zu der G.W. in der BASF in Ludwigshafen für sein Buch "recherchiert" hat als Werkstudent genau in den Abteilungen (auch ganz unten, nämlich in der Granulatverpackung) gearbeitet. Leider muss ich sagen, dass die Behauptungen von Hr. W. entweder schlicht erfunden, oder gezielt provoziert wurden. Mein Arbeiterkollegen jedenfalls (auch die "ausländischen") waren stinksauer auf Hr. W.. Eine Vielzahl der Zitate waren aus dem Zusammenhang gerissen oder per Suggestivfragen provoziert. Herr G. W. hätte sich da nicht mehr blicken lassen dürfen. Dann hätten ihm diejenigen, die er angeblich vertritt ordentlich in den H.... ge..ten. Daher habe ich heute so meine Schwierigkeiten einen Bericht von Hr. W. als seriös zu betrachten. Es ist eher Enthüllungsjournalismus auf Stern- niveau. Irgendwie muss sich das Buch (ebenso wie der Stern) ja auch verkaufen. Ich würde es eher als Empörungsjournalismus bezeichnen. Hier werden Menschen (die er vorgibt zu schüzten) auch gezielt missbraucht.
Herr G.W. provoziert gezielt die Effekte, die er nachweisen möchte. Die ist wissenschaftsteheoretisch ein gravierender Fehler. Nicht die Verifikation sondern die Falsifikation ist das wissenschaftliche Maß des Vorgehens. Herr G.W. ist für mich der Erich von Däniken der Sozialforschung. Methodisch unseriös aber sehr unterhaltsam.
Ernsthaft die Frage zu stellen, wer Günter Wallraff eigentlich brauche, offenbart eine antisoziale Einstellung, die begrifflich bis in den Rechtsextremismus ("Gutmenschen") geht.
Offensichtlich haben Sie keine Idee von dem alltäglichen Rassismus in Deutschland, wenn Sie Herrn Wallraffs Arbeit lächerlich zu machen versuchen! Die Verkleidung ist keines Falls lächerlich, sondern sehr professionell, was durch die Reaktionen der Personen, die mit dem verkleideten Herrn Wallraff in Kontakt gekommen sind, unterstützt wird. Wo wird denn die Verkleidung erkannt und dementsprechend darauf reagiert?
Ihre gezielte Diffarmierung der Arbeit von Herrn Wallraff lässt darauf schließen, dass er mit eben dieser Arbeit einen wunden Punkt in der deutschen Gesellschaft getroffen hat. Der alltägliche Rassismus muss endlich als gesellschaftliches Problem erkannt werden, damit er auch bekämpft werden kann!
Es gibt in diesem Land viele Schwarze, die genau die Erfahrungen machen, die Günther Wallraff mit seiner Verkleidung gemacht hat. Diesen Menschen eine Stimme zu geben, sollte wohl eher durch diese Menschen passieren. Ich glaube nicht dass man Rassismus in Kostüm "erleben" muss um ihn wahrzunehmen. Das Einzige was man Wallraff zu Gute halten kann, ist das seine Popularität dieses Thema dann noch mal wieder in die Mainstreammedien bringt.
Ich empfehle sich das Buch "Deutschland Schwarz Weiß" von Noah Sow zu besorgen. Oder sich mal beim Verein Der Braune Mob umzutun. Sehr gut gemacht ist auch der Film "Deutschland - wäre meine Heimat" vom Verein Die Unmündigen. Dort kann man sich genau das anschauen was Wallraff beschreibt. Schade dass solche Produktionen nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekommen.
@Mark83 Sie haben sich mit ihrer Aussage wirksam selbst disqualifiziert. Nur weil es in Südafrika Rassismus und Gewalt gibt, ist das doch kein Freifahrtschein Schwarze in Deutschland zu diskriminieren, egal ob sie in Bayern oder Kamerun geboren sind.
Es gibt in diesem Land viele Schwarze, die genau die Erfahrungen machen, die Günther Wallraff mit seiner Verkleidung gemacht hat. Diesen Menschen eine Stimme zu geben, sollte wohl eher durch diese Menschen passieren. Ich glaube nicht dass man Rassismus in Kostüm "erleben" muss um ihn wahrzunehmen. Das Einzige was man Wallraff zu Gute halten kann, ist das seine Popularität dieses Thema dann noch mal wieder in die Mainstreammedien bringt.
Ich empfehle sich das Buch "Deutschland Schwarz Weiß" von Noah Sow zu besorgen. Oder sich mal beim Verein Der Braune Mob umzutun. Sehr gut gemacht ist auch der Film "Deutschland - wäre meine Heimat" vom Verein Die Unmündigen. Dort kann man sich genau das anschauen was Wallraff beschreibt. Schade dass solche Produktionen nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekommen.
@Mark83 Sie haben sich mit ihrer Aussage wirksam selbst disqualifiziert. Nur weil es in Südafrika Rassismus und Gewalt gibt, ist das doch kein Freifahrtschein Schwarze in Deutschland zu diskriminieren, egal ob sie in Bayern oder Kamerun geboren sind.
Wieder einmal schafft es Wallraff, die Realtität in ihren feinen Nuancen abzubilden. Ich bekomme eine Gänsehaut wenn ich lese, wie weit verbreitet und tiefsitzend Vorurteile und Rassismus in dieser doch eigentlich sehr aufgeklärten Welt noch sind. Und damit meine ich den alltäglichen, den meisten Leuten unbewußten Rassismus, wie er vortrefflich beschrieben wurde.
Aber was mich dann doch erschreckt hat: Von sechs Kommentaren sind zwei dermaßen unqualifiziert, dass sie von Menschen sein müssen, die sich scheinbar wiederfinden in dem Artikel und dies entweder nicht wahrhaben wollen oder gezielt dagegen anstänkern, weil sie ihren Rassismus offen ausleben. Unglaublich.
Nach den Sarrazinschen Ausfällen dieser genaue Blick in die bundesrepublikanisches Wirklichkeit. Das ist intelligente und mutige Recherche. Vielen Dank dafür.
Wenn dem wirklich so wäre, hätten wir längst flächendeckenden Mord und Totschlag und wären kurz davor, die Probleme nicht mehr in den Griff bekommen zu können.
In meinem Umfeld ist die verbale Ausländerfeindlichkeit nicht größer als die Kinderfeindlichkeit. Und wenn ein Seniorenheim gebaut werden werden soll, gibt es Bürgerinitiativen wie gegen Atomkraftwerke.
Aber der Schluss vom Skandal auf den Normalfall ist ja ausserordentlich bequem, lässt aber leider keinen Spielraum für differenzierte Überlegungen, die dazu dienen könnten, den Normalzustand zu verbessern.
Mutig wäre Wallraffs Recherche dann gewesen, wenn er sich spät abends z.B. mal ins Berliner Rollbergviertel oder in die Duisburger Stadtteile Marxloh und Hochfeld begeben hätte. Allerdings ohne seinen grotesken Mummenschanz, sondern für jeden ersichtlich als Nichtaraber, bzw. Nichttürke. Noch tollkühner wäre es, er ginge dabei mit einem anderen Mann Hand in Hand durch die Straßen.
Mir geht es furchtbar gegen den Strich, daß Alltagsrassismus durch Migranten qua Gutmenschenverordnung als nichtexistent weggeleugnet wird und die entsprechenden Fälle unter den Teppich gekehrt werden.
können Sie nicht vergleichen. Die meisten Afrikaner, mit denen ich - in der IT-Weiterbildung - zu tun hatte, können nach 2 Jahren gut deutsch und wollen etwas lernen , etwas werden. Da unterscheiden sie sich nicht von Rumänen oder Argentiniern, die hier leben.
Von Türken und Arabern schon.
@Lobotomie auf Kassenrezept: Aiaiai...Inwiefern relativiert die Tatsache, dass auch Migranten rassistisch sind, die Tatsache, dass Deutsche rassistisch ist? Anstatt angesichts dieser Aktion mal vor seiner eigenen Haustür zu fegen sucht man mal wieder die Schuld bei den Fremden. Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Offenbar Sie.
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