Roger Willemsen fragt "Geister haben dieselben Bedürfnisse wie Menschen"
Marisa Cranfill, Amerikanerin und Geschäfsfrau, lebt in Bangkok. Sie arbeitet an einer wissenschaftlichen Abhandlung über Geisterglauben in Thailand.
ZEITmagazin: Was ist ein Geisterhaus?
Marisa Cranfill: Es ist ein Miniaturhaus mit Statuetten und Opfergaben, ein Zuhause der Geister, die auf einer Parzelle leben und sie schützen.
ZEITmagazin: Was bin ich ihnen schuldig?
Cranfill: Sie haben sie zu respektieren. Sie sollten sie wissen lassen, dass Sie Gäste haben oder dass Ihre Tochter heiraten wird.
ZEITmagazin: Wie teile ich das mit?
Cranfill: Man erklärt es im Gebet, opfert, spendet Symbole der Verbundenheit.
ZEITmagazin: Reagieren die Geister anders, ob ich ihnen eine Banane bringe oder eine Diät-Cola?
Cranfill: Nicht unbedingt. Am besten ist, Sie wählen, was die Elemente repräsentiert: Feuer, Rauch, Flüssigkeit und Blumen oder auch Essen.
ZEITmagazin: Die Geister klingen ganz vernünftig.
Cranfill: Sie haben dieselben Bedürfnisse wie Menschen, die ja auch personifizierte Geister sind.
ZEITmagazin: Haben Banken Geisterhäuser?
Cranfill: Natürlich. Die Geister schützen die Geschäfte oder helfen dabei, sie ins Haus zu bringen.
ZEITmagazin: Stellen die Geister in einer Bankenkrise höhere Ansprüche?
Cranfill: Sie sollten ihnen viele Gaben bringen, je mehr, desto besser.
- Datum 13.10.2009 - 10:56 Uhr
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- Serie Roger Willemsen fragt
- Quelle ZEIT Magazin Nr. 43, 15.10.2009
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