Impfung gegen die Schweinegrippe

Erstklassig geschützt

Aller Aufregung zum Trotz: Die Impfung gegen die Schweinegrippe hilft – und die angeblich schlechtere ist die bessere.

Noch in diesem Monat werden in Deutschland die ersten Menschen gegen die Amerikagrippe H1N1 geimpft

Noch in diesem Monat werden in Deutschland die ersten Menschen gegen die Amerikagrippe H1N1 geimpft

Lange Zeit sah es so aus, als sei Deutschland auf eine mögliche Schweinegrippeepidemie bestens vorbereitet. Scheinbar weitsichtig, orderten die Bundesländer große Mengen Impfstoff, Experten klärten die Bevölkerung über die Grippegefahr auf, allen Unkenrufen zum Trotz wurde der Impfstoff rechtzeitig fertig. Seitdem aber bekannt wurde, dass für Bundeswehrsoldaten, Spitzenpolitiker und hohe Beamte 200.000 Dosen eines Sonderimpfstoffs bestellt wurden, ist alle Besonnenheit dahin.

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Die Bürger sind zu Recht verunsichert, es scheint, als ob für die herrschende Klasse nur das Beste, für die Massen das Zweitbeste gut genug sei. Dass unter solchen Umständen viele an der Impfung zweifeln, ist nur zu verständlich.

Damit ist all das in Gefahr, worauf Institutionen wie das Berliner Robert Koch-Institut oder das für Impfungen zuständige Paul-Ehrlich-Institut hingearbeitet haben: eine Impfkampagne, mit der sich zum ersten Mal ein Grippesturm im Ansatz stoppen ließe. Zwar ist es zurzeit noch relativ ruhig an der deutschen Grippefront. Aber in Ländern wie Argentinien und Australien konnte man bereits beobachten, wie heftig das neuartige Grippevirus H1N1/09 zuschlagen kann, wenn die Temperaturen sinken. Eine präventive Impfung wäre da der beste Weg, um eine Erkrankungswelle zu verhindern.

Nun jedoch wird in Deutschland weniger über eine drohende Grippeepidemie, als vielmehr über eine Zweiklassenmedizin debattiert. Doch so nachvollziehbar der Vorwurf ist, so falsch ist er. Zunächst ist keineswegs klar, ob der für Politiker georderte Impfstoff, der keine sogenannten Wirkstoffverstärker enthält, wirklich der bessere ist. Es stimmt zwar, dass ein reiner Impfstoff ohne Verstärker auch weniger Nebenwirkungen hat; er ruft seltener Schmerzen an der Impfstelle, Schwellungen oder Fieber hervor. Doch die bessere Verträglichkeit wird mit einem schwerwiegenden Nachteil erkauft: Der angebliche »Premiumimpfstoff« führt zu einem schwächeren Impfschutz.

Der Massenimpfstoff mit den Wirkverstärkern dagegen, das legen Tierversuche nahe, schützt nicht nur vor H1N1/09, sondern voraussichtlich auch vor dessen Varianten. Sollte das zirkulierende Grippevirus tatsächlich eines Tages mutieren – was viele Experten befürchten –, wären gerade Soldaten, Politiker und Beamte, in deren Adern das Ausnahmevakzin zirkuliert, schutzlos.

Dazu kommt ein weiterer Aspekt: Ohne die viel geschmähten Zusatzstoffe wäre eine flächendeckende Impfung in Deutschland im Übrigen schlicht nicht realisierbar gewesen. Die Wirkverstärker dienen nämlich dazu, wie ihr Name sagt, die Wirkung des Impfstoffs zu verstärken. Erst durch ihren Einsatz ließen sich innerhalb von fünf Monaten weltweit 440 Millionen Impfdosen herstellen – ohne Zusatz wären es nur 110 Millionen gewesen.

All das geht in der jetzigen Aufregung über die angebliche Zweiklassenmedizin unter. Kaum Gehör findet auch das Argument, dass es in solchen Fragen immer auch um die feine Balance zwischen individuellen Interessen und dem Wohl aller geht. Diese Grippe trifft, anders als die übliche Wintergrippe, vor allem die Jüngeren, die dann ein bis zwei Wochen im Beruf ausfallen. In Mexiko sank wenige Wochen nach Ausbruch von H1N1/09 das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent. Je früher viele Menschen geimpft werden, desto besser. Davon profitieren letztlich auch jene, die sich der Impfung verweigern.

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Leser-Kommentare

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  1. sondern um das Bruttoinlandsprodukt.
    Unglaublich. Aber wenigstens wird das hier ehrlich gesagt.

    Ansonsten gibt's da nicht mehr viel zu sagen. Die Leute sollen sich irgendeinen komischen Stoff in die Adern spritzen, der sie krank macht. In Schweden gibt's angeblich schon erste Tote. Von der Impfung. Das alles, nur um eine weltweite Testaktion für neue Impfstoffe zu bewerkstelligen. Die Pharmaindustrie hat einen echten Sieg davongetragen.

    http://www.theflucase.com...

  2. Die Wirkung der Impfstoffe ist unklar, die Nebenwirkungen sind unklar, der Schutz gegen mutierte Viren ist unklar.
    Die Impfstoffe sind unter höchstem Zeitdruck entstanden. Mit dem Ergebnis müssen wir im Augenblick leben.
    Ich lasse mich jedenfalls erst impfen, wenn das Virus wirklich zu einem gefährlicheren mutieren sollte und wenn es klar ist, welcher der Impfstoffe vor dem mutierten Virus hilft.
    Bis dahin gibt es vielleicht auch Fortentwicklungen. Die Nebenwirkungen der verschiedenen Impfstoffe sind besser bekannt. Auf Privatrezept kann man bei Selbstbezahlung jeden zugelassenen Impfstoff bekommen.
    Warten wir also in Ruhe die nächste Zeit ab. So wie der Hype der Schweinegrippe abnahm, wird auch der Hype der Impfdiskussion abnehmen.

  3. ... bei solchen "Artikeln" müßte entweder "Anzeige" obendrüber stehen, oder es müßte als Abbinder zu lesen sein: "Dieser Beitrag wurde Ihnen präsentiert vom Bundesverband der pharmazeutischen Industrie e. V."

    • 23.10.2009 um 10:37 Uhr
    • mexi42

    Interessen vertritt der Verfasser?
    In den USA ist der Impfstoff nicht zugelassen.
    Wir sind hier Testfeld.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    haben sich von allen Regress-Forderungen
    frei stellen lassen.
    Das sagt doch alles.

    • 23.10.2009 um 10:43 Uhr
    • mexi42

    haben sich von allen Regress-Forderungen
    frei stellen lassen.
    Das sagt doch alles.

    Antwort auf "Wessen ..."
    • 23.10.2009 um 10:44 Uhr
    • db72

    Wenn die Impfstoff wirklich so unbedenklich ist, warum hat sich Glaxosmithkline dann vertraglich von jedweder Haftung ausnehmen lassen ?
    Vielleicht könnte uns Harro Albrecht ja darüber aufklären wer denn in diesem Fall Schadensersatz leistet sollte es in Einzelfällen zu dauerhaften Schädigungen oder dem Tod kommen .
    Diese Wirkstoffverstärker werden schon eingesetzt , allerdings nur bei Tieren. Wie wäre es denn mit Informationen darüber wie Blauzungen auf den Wirkstoffverstärker reagieren , gerade im Bezug auf Schädigung des Nachwuchses ?
    Wieso redet neimand darüber das die angeblichen Schweinegrippefälle in Mexiko sowie den USA vom CDC nicht als gleich, sondern nur als ähnlich eingestuft wurden ?
    Und warum mussten die Pandemiestufen im April unbedingt geändert werden, und welche Pandemiestufe gäbe es für die Schweinegrippe nach der alten Definition ? ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Wenn die Impfstoff wirklich so unbedenklich ist, warum hat sich Glaxosmithkline dann vertraglich von jedweder Haftung ausnehmen lassen ?"
    Weil die Testzeit zu kurz ist um nach den Regeln des Arzeneimittelrechts gerichtsfest Unbedenklichkeut zu garantieren.

    "Vielleicht könnte uns Harro Albrecht ja darüber aufklären wer denn in diesem Fall Schadensersatz leistet sollte es in Einzelfällen zu dauerhaften Schädigungen oder dem Tod kommen ."
    Den Schadenersatz leistet die Bundesrepublik Deutschland.

    "Diese Wirkstoffverstärker werden schon eingesetzt , allerdings nur bei Tieren. Wie wäre es denn mit Informationen darüber wie Blauzungen auf den Wirkstoffverstärker reagieren , gerade im Bezug auf Schädigung des Nachwuchses ?"
    Warum ist er wohl für Schwangere nicht zugelassen ?

    "Wieso redet neimand darüber das die angeblichen Schweinegrippefälle in Mexiko sowie den USA vom CDC nicht als gleich, sondern nur als ähnlich eingestuft wurden ?
    Und warum mussten die Pandemiestufen im April unbedingt geändert werden, und welche Pandemiestufe gäbe es für die Schweinegrippe nach der alten Definition ? "
    Bitte näher erklären, ich versteh die Frage nicht.

  4. nicht zu fassen, wofür sie diese Zeitung mittlerweile hergibt

    Im Schweinsgalopp ins Impfchaos

    http://www.heise.de/tp/r4...

    "IMPFUNG GEGEN SCHWEINEGRIPPE: ALLES IM GRIFF? (II)
    FEHLEINSCHÄTZUNGEN, HAFTUNGSFREISTELLUNG UND VIEL GELD"

    http://www.arznei-telegra...

  5. ...in den letzten 10 Jahren gesagt hat war für die Bevölkerung hilfreich.

    Zitat:
    "Wenig hilfreich ist es, wenn ausgerechnet in dieser emotional angespannten Lage der Bundesinnenminister laut darüber nachdenkt, dass er sich vielleicht lieber nicht impfen lassen wolle. Das mag ihm zwar Sympathiepunkte bei den Impfgegnern einbringen, beseitigt aber weder das Verteilungsproblem, noch hilft es bei der Bekämpfung einer drohenden Grippeepidemie. Besser wäre es, Wolfgang Schäuble würde sich kundig machen und vor allem den Risikogruppen – Schwangeren, chronisch Kranken und medizinischem Personal – dringend zur Impfung raten.

    Hilfreich wäre es auch, wenn der Verantwortliche für die Innere Sicherheit Deutschlands sich selbst vor der Schweinegrippe schützte – sonst liegt er möglicherweise gerade dann krank im Bett, wenn hierzulande der Notstand ausbricht."

    Es war aber immer (nach seinem Denken) für den Machterhalt seiner Partei hilfreich.

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