Zu viele Desinformationen
Es sind Geschichten wie die von Eberhard Morawa, der sich mit Attila von Unruh bei den Anonymen Insolvenzlern engagiert. Als kleines Familienunternehmen betrieb er einen Naturkostsupermarkt in Worms, vor der großen Biowelle. Seine Mutter half im Laden, seine Frau erledigte die Buchhaltung, 14 Angestellte arbeiteten bei ihm, die meisten in Teilzeit. 1995 zog Morawa an einen neuen Standort, um zu wachsen, "zwei Jahre lief das gut". Dann geriet ein Lieferant in Schwierigkeiten. Das Problem: Ausgerechnet er hatte Morawa Kredit gegeben – jetzt wollte er sein Geld zurück, das fest im Laden steckte. Morawa machte Geld locker, 1997 hatte er noch vier Angestellte. "Ab 1998 habe ich allein im Laden gearbeitet", mit gleichem Umsatz, mit Tunnelblick und höchstens fünf Stunden Schlaf. Dann musste er aufgeben. Ein Gläubiger hatte einen Insolvenzantrag gestellt, und es war nicht genug Masse da, um alle Forderungen zu erfüllen. Nach und nach versucht Morawa nun, seine Schulden zurückzuzahlen. Noch etwa 190.000 Euro sind offen. 1997 trennte sich seine damalige Frau von ihm. "Ich konnte das verstehen", sagt Morawa. Warum sollte er sie belasten, wenn sie den Druck nicht aushielt.
"Es passiert ganz unterschiedlichen Typen", sagt Olaf Brockmeyer von der Hamburger Firmenhilfe, einem telefonischen Beratungsangebot der Stadt, das vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird. "Den Erfolgreichen, denen nach 30 Jahren Selbstständigkeit plötzlich der größte Kunde verloren geht, und denen, die neu in der Selbstständigkeit sind und ihr Konzept nie geschärft haben." Die Firmenhilfe hat in diesem Jahr bereits 43 Prozent mehr Beratungsgespräche geführt als im Vorjahr. "Die Probleme, mit denen sich Unternehmen bei uns melden, ändern sich inhaltlich nicht", sagt Brockmeyer, in Krisenzeiten kämen Firmen bei Fehlern nur schneller und häufiger in Schieflage. So melden die Betroffenen sich bei Brockmeyer oder bei von Unruh, und beide hoffen, dass durch ihre Arbeit mehr Menschen es schaffen, sich früher Hilfe zu holen. Die meisten, die zu den Anonymen Insolvenzlern kommen, sind mit ihrer Firma in Schwierigkeiten geraten, aber auch überschuldete Privatpersonen melden sich. Viele schweigen zu lange, aus Angst, aus Scham, die Schwierigkeiten zuzugeben – bis es zu spät ist.
Er hat seine Insolvenz über Jahre hinausgezögert
Weil er selbst weiß, wie es ist, zu schweigen, wenn man handeln möchte, will von Unruh Betroffenen nicht nur eine Möglichkeit geben, sich auszutauschen, er möchte auch aufklären. "Es gibt zu viel Desinformation." Buchstäblich existenzielle Fragen bleiben offen: Was bedeutet das Schreiben des Insolvenzverwalters? Bekomme ich jetzt automatisch Hartz IV? Von Unruh kennt sie alle, er hat sie sich selbst gestellt. Zu seinem ersten Termin beim Insolvenzverwalter schleppte er sämtliche Aktenordner mit, um alles beantworten zu können. Er wartete eine halbe Stunde "wie auf heißen Kohlen". Das Gespräch im Anschluss dauerte zwei Minuten. "Der Azubi hat mir erzählt, was ich zu beachten hatte", erinnert sich von Unruh, "das war’s."
Viele Zahlungsunfähige, sagt er, könnten vor dem ersten Termin tagelang nicht schlafen, erwarteten ein Kreuzverhör. Mit welchen Hemmungen die Insolvenzler zu ihm kämen, das wisse der Verwalter oft gar nicht, für ihn handele es sich um eine reine Formalie. Auf der anderen Seite sei der Insolvenzverwalter auch nicht der Interessenvertreter der Schuldner. »Er ist nicht dafür da, die nächste Steuer-erklärung zu machen oder die ungeöffnete Post abzuarbeiten«, sagt von Unruh.
Dass Attila von Unruh gemeinsam mit Eberhard Morawa einmal zum Kämpfer werden würde für diejenigen, die sich zurückziehen, nach denen aber auch so recht niemand fragt, das ist einem Zufall zu verdanken. Noch bevor von Unruh Insolvenz anmeldete, lernten die beiden sich kennen – in einem offenen Seminar, das Eberhard Morawa leitete. Er hatte nach dem Ende seines Ladens eine Fortbildung zum Trainer und Supervisor für Führungskräfte gemacht, spezialisiert auf Konfliktbewältigung. Und von Unruh hatte die eigene Insolvenz über Jahre hinausgezögert, bevor er sich der Wirklichkeit endlich stellte. "Ich bin am Boden", sagte er, als er seinen Fall in dem Kreis vorstellte. Im Gespräch mit Betroffenen erst merkte er, wie viel Kraft es kostete, seine Situation zu verdrängen – anstatt zu akzeptieren, dass er mit seinem alten Leben abschließen müsste, bevor es weitergehen konnte. Er hätte einfach nicht gedacht, dass ein Bankrott auch ihm passieren könnte. "Mich hat die Insolvenz kalt erwischt."
Von Unruh hat Glück gehabt, denn seine Frau wollte nicht für seine Geschäfte bürgen. Was ihn damals vor den Kopf stieß, erwies sich als Segen: Ihre Einkünfte werden nicht angetastet. Sie war es auch, die ihm die Weiterbildung zum Coach finanzierte. Im Juli 2011 wird er schuldenfrei sein.
"Die Kultur des Scheiterns, daraus zu lernen und es besser zu machen, ist in Deutschland nicht ausgeprägt", sagt Olaf Brockmeyer von der Hamburger Firmenhilfe. Etwa 30 Prozent der Ratsuchenden, die bei ihm anriefen, müssten in die Insolvenz gehen. Bankkredite oder privates Kapital gebe es während des Insolvenzverfahrens und mit entsprechenden Schufa-Einträgen in der Regel kaum mehr.
Von Unruh und Morawa sind aus der Anonymität an die Öffentlichkeit gegangen. Jetzt, wo sie ein Verein sind, überlegen sie Spenden zu sammeln, vielleicht irgendwann eine Teilzeitstelle für eine Betroffene zu schaffen. "Nach dem Schock kommt das Verneinen, irgendwann das Einsehen und Akzeptieren", sagt von Unruh: "Und wenn alles gut geht, ist man am Ende wieder handlungsfähig."
- Datum 23.10.2009 - 09:44 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
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Die Kultur des Scheiterns, daraus zu lernen und es beseer zu machen ist in Deustchland nicht ausgeprägt. kann auch nicht sein, denn sie wird verhindert, das das freueíe Unternehmer sein in Deutschland eh anrüchig ist. ...Die wollen ja alle nur Geld verdienen. Klar viele Berufsgruppen in Deutschland, auch die, die das ganze verwalten arbeiten ja nur aus Idealismus eisnchließlich der Insolvenzverwalter.
Insofern ist das Scheitern ein Abstieg für den sich niemand interessiert. Die Gemeinsamkeit: Arbeitslosigkeit, genau so ein Scheitern, ein Versagen, welches behördlicherseits durch Gnadenerweise und schlechte Betreuung zementiert wird.
Zumindest psychologisch interessant ist es doch, dass sich die Anhänger einer Idee, die gut ist und auch Chancen zur Zusammenarbeit bietet, unter dem Teil eines Namens einer Gemeinschaft von Suchtkranken zusammenfinden.
Guter Rat ist teuer.Ein Grund dafür, daß Unternehmen sich nicht vor der Unternehmensgründung sondern erst- leider- nach dem Scheitern(Insolvens)beraten lassen.Unternehmen bedeutet Risiko.Gute Ideen und der Business-Plan reichen in der Regel nicht mehr aus.Vor der Gründung sollte also möglichst mit allen verantwortlich Beteiligten ein umfassendes Projektmanagement verabredet weden.Kooperation statt Einzelkämpfer.Die Gründung eines Projektteams(Qualitäts-Zirkel) steht am Anfang.Aufteilung der Kompetenzen (Experten), die regelmäßig ihre Geschäftsabläufe untereinander abstimmen.Dazu kommt, eine gemeinsame Zielbildung möglichst mit einem
visualisierten,elektronischen Terminsystem auszustatten.Dies erfordert ausreichend Zeit für die seriöse Schulung und Einsatz geeigneter Hilfsmittel.Neben mentaler Schulung ist also die systematische Schulung im Management
v o r dem Projektstart beachtenswert.Geeignete Lektüre,Planungshilfen sollte darüberhinaus für alle sichtbar genutzt werden.(für´s Selbststudium).
Visualisieren,Moderieren,Abstimmen praktiziern in störungsfreien Räumen. Regelmäßige Erfolgskontrolle (Controlling), um rechtzeitig auf Störfälle reagieren zu können.Erfolgreiche Agenturen arbeiten immer wieder nach diesem Prinzip. Sie agieren kreativ.Ein erfolgreiches Unternehmen wird sich hiernach ausrichten müssen - in einem Markt, der immer komlexer und unübersichtlicher wird.Gefahr erkannt - Gefahr gebannt.
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