Österreichs Unis Nachbarschaftsstreit
Österreich hat einen Sündenbock für die Probleme seiner Hochschulen gefunden: Die deutschen Studenten, die so zahlreich in das kleine Nachbarland zum Studieren gehen.
Es ist die übliche Misere: Zu viele Studenten wollen an Hochschulen mit zu wenigen Studienplätzen, die Unis platzen aus allen Nähten. Doch diesmal ist nicht die Rede von irgendeinem deutschen Bundesland, sondern von Österreich. Um mehr als ein Fünftel könnte die Zahl der Studenten dort in diesem Winter höher liegen als im Jahr zuvor; das wären bis zu 60.000 Neueinschreibungen auf einen Schlag. Schuld an der extremen Entwicklung ist vor allem, dass das Alpenland seine Studiengebühren abgeschafft hat.
Was das mit uns zu tun hat? Österreichs Bildungspolitiker haben für die heillose Überfüllung ihrer Hochschulen einen Sündenbock gefunden: die Deutschen. Tatsächlich fliehen die zurzeit in Scharen ins Nachbarland – vor Studiengebühren und, noch wichtiger, vor dem fast flächendeckenden Numerus clausus, der hier oft den Zugang zu ihren Wunschfächern versperrt.
Anders in Österreich, wo die Barrieren niedriger sind – so niedrig, dass sich die Zahl der deutschen Studenten seit dem Jahr 2000 verdreifacht hat. Österreichische Hochschulrektoren und Bildungspolitiker fordern schon, die Bundesrepublik solle einen Ausgleich zahlen für die »deutsche Studentenflut«.
Mit diesem Schüren deutschlandfeindlicher Gefühle lenken sie indes von der Tatsache ab, dass die Misere vor allem von den Österreichern selbst verursacht wurde: Um die 90 Prozent der zusätzlichen Studenten stammen nämlich gar nicht aus Deutschland. Das populistische Manöver scheint dennoch zu gelingen: Die Zeitungen zwischen Innsbruck und Wien überschlagen sich mit Berichten über österreichische Steuergelder, die für deutsche Studenten draufgehen.
Um es klar zu sagen: Als EU-Land wird Österreich den Zustrom hinnehmen müssen, neue einseitige Zugangsbarrieren nur für Deutsche sind rechtlich ebenso wenig durchsetzbar wie die Forderung von Ausgleichszahlungen. Dahinter könnte sich Deutschland erfolgreich verstecken. Sollte es aber nicht: Ein großes Land muss Rücksicht auf kleinere Nachbarn nehmen. Vor allem aber müssen die deutschen Bundesländer endlich ihrer Verpflichtung nachkommen und selbst genügend Studienplätze schaffen.
Die dafür gezahlten Bundeshilfen kassieren sie längst. Dann werden die Hochschulen anfangen können, ihre völlig inakzeptablen Zugangsbarrieren abzubauen. In der Folge würden jene Studenten zurückkehren, die ihr akademisches Glück notgedrungen in Österreich, aber auch in der Schweiz oder den Niederlanden gesucht haben. Und Österreichs Bildungspolitiker müssten sich eine neue Strategie ausdenken, um von ihren eigenen Problemen abzulenken.
- Datum 29.10.2009 - 16:22 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
- Kommentare 11
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Obwohl ich selbst aus Österreich komme und hier - damals noch MIT Studiengebühren - studiert habe, kann ich mich dem Inhalt des Artikels nur voll und ganz anschließen.
Eine Zugangsregelung rein für deutsche Studenten löst das Problem in keinster Weise und auch Zahlungen Deutschlands an österreichische Unis wären nur ein minimaler Tropfen auf einen verdammt heißen Stein.
Wissenschaftsminister Dr. Hahn von der ÖVP, der selbst für die Wiedereinführung der Studiengebühren ist, hat sich ja bereits gegen ebensolche Zahlungen ausgesprochen. Was hier fehlt, ist eine völlige Umstrukturierung des universitären Betriebs sowie die Zusicherung, dass das Geld aus den Studiengebühren tatsächlich auch den Studierenden selbst zugute kommt.
Beispielsweise durch mehr geförderte Auslandsaufenthalte und Erasmus-Studienplätze. Fest steht: Eine Regelung muss in jedem Fall her, doch durch das alleinige Fernhalten von deutschen Studenten ist es mit Sicherheit nicht getan.
Die Hoheschulen in Wallonië und Brüssel mussen auch viele Franzözischen Studenten annehmen. Weil di Srpache ist die Grensubergang lichitg.
Können wir dann bitte in Deutschland auch eine Autobahnmaut nur für Österreicher einführen?
Für solche Dinge wie Hochschulpolitik oder Verkehr sollten wir wenn überhaupt eine gemeinsame europäische Lösung finden, wobei die EU sich im Moment erstmal selbst finden muss und durchdachte, gemeinschaftliche Lösungen für solche Probleme somit nicht in Sicht sind.
Hier trifft wieder zu "Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich!".
Ich finde die Art der Debatte als Österreicher, das heißt als Einwohner eines kleinen EU Landes sehr kritisch!
Die Uni-Debatte wird hier bei uns in der Öffentlichkeit eher belanglos geführt. Das wir grundsätzlich mehr Platz an den Unis brauchen ist allgemein bekannt. Aber offensichtlich fehlt hier, wie so oft in der EU, ein Grundverständnis für kleine EU Länder.
Ich darf hier meinen Standpunkt eventuell am Beispiel der zitierten Maut darstellen. Das wird offensichtlich verstanden:
Österreich hat 927 Dreitausender, 60% der Gesamtfläche sind alpin.
Deutschland ist für unsere Begriffe flach. Kosten für den Straßenbau in Österreich mit denen in Deutschland zu vergleichen ist daher eher nicht zielführend. Weiters greift jeder Transitfahrer das vitale Tourismuszentrum des Landes an.
Das soetwas geregelt werden muß ist ja wohl verständlich.
Um ein vernünftiges miteinander zu garantieren sollte auch der Unizugang geregelt werden.
Wintersemester 2007/08 waren in den 21 Ö. Unis 227.247 Studenten inskripiert. 10.000 mehr, merkt man da sofort!
Grundsätzlich wäre hier mehr Respekt vor anderer Leute Eigentum/Steuerleistung angebracht!
Hier trifft wieder zu "Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich!".
Ich finde die Art der Debatte als Österreicher, das heißt als Einwohner eines kleinen EU Landes sehr kritisch!
Die Uni-Debatte wird hier bei uns in der Öffentlichkeit eher belanglos geführt. Das wir grundsätzlich mehr Platz an den Unis brauchen ist allgemein bekannt. Aber offensichtlich fehlt hier, wie so oft in der EU, ein Grundverständnis für kleine EU Länder.
Ich darf hier meinen Standpunkt eventuell am Beispiel der zitierten Maut darstellen. Das wird offensichtlich verstanden:
Österreich hat 927 Dreitausender, 60% der Gesamtfläche sind alpin.
Deutschland ist für unsere Begriffe flach. Kosten für den Straßenbau in Österreich mit denen in Deutschland zu vergleichen ist daher eher nicht zielführend. Weiters greift jeder Transitfahrer das vitale Tourismuszentrum des Landes an.
Das soetwas geregelt werden muß ist ja wohl verständlich.
Um ein vernünftiges miteinander zu garantieren sollte auch der Unizugang geregelt werden.
Wintersemester 2007/08 waren in den 21 Ö. Unis 227.247 Studenten inskripiert. 10.000 mehr, merkt man da sofort!
Grundsätzlich wäre hier mehr Respekt vor anderer Leute Eigentum/Steuerleistung angebracht!
Zahlen die Österreicher auch dafür, dass sie deutsches Fernsehen gucken? Während der ORF sich per Verschlüsselung abschottet (und deswegen günstige Rechte bekommt), müssen ARD und ZDF immer auch für Österreich (Luxemburg, Schweiz, deutschsprachigen Raum) die Rechte dazukaufen.
Die Autobahnmaut wurde ja schon genannt. Und es gibt noch hundert andere Dinge. Alles in allem lächerlich ;)
Die Leistungen des ORF sind bereits für eine wachsende Zahl der Fernsehkonsumenten hier in Österreich der Grund, sich ausschliesslich mit analogen Satellitenprogrammen zu versorgen.
So kann man keinen ORF empfangen, muss ergo auch keine Rundfunkgebühren bezahlen.
Die Leistungen des ORF sind bereits für eine wachsende Zahl der Fernsehkonsumenten hier in Österreich der Grund, sich ausschliesslich mit analogen Satellitenprogrammen zu versorgen.
So kann man keinen ORF empfangen, muss ergo auch keine Rundfunkgebühren bezahlen.
Den Unmut vieler Österreicher aus Steuergeldern das Studium für eine steigende Anzahl deutschstämmiger Studierender finanzieren zu müssen kann ich durchaus nachvollziehen.
Kompensationszahlen an Österreich sind unsinnig, da man dann die Studienplätze möglicherweise gleich in Deutschland zu Verfügung stellen und finanzieren könnte.
Praktikabel wäre daher eine Vorgabe, dass EU-Mitglieder verpflichtet sein sollten, jeweils die selbe Anzahl an Studienplätzen dem anderen Mitglied zur Verfügung stellen zu müssen, wie eigene Studierende diese im anderen Land nutzen können.
Bedenkenswert ist jedoch auch die Tatsache, dass in Deutschland z.B. 25.000 (!) chinesische Staatsbürger studieren.
Ein Reduzierung dieses, aus meiner Sicht unangemessen grossen, Angebots - zulasten des deutschen Steuerzahlers - würde dem einen oder anderen Studien- Emmigranten eine Ausbildung im eigenen Land ermöglichen!
Heyho,
bei uns in den Niederlanden ist es so dass Studenten aus Nicht-EU-Ländern nicht staatlich bezuschusst werden. Während Europa also nicht mehr als 1700€ bezahlen betragen die Studiengebühren für den Rest der Welt bis zu 8000€ pro Jahr.
Mein Zeitungslesergedächtnis sagt mir dass das in Deutschland genauso geregelt ist - den Steuerzahler braucht die Anzahl der Chinesen an deutschen Unis (und 25000 ist jetzt für so ein großes Land nicht wirklich ungewöhnlich mörderviel) nicht zu stören.
Heyho,
bei uns in den Niederlanden ist es so dass Studenten aus Nicht-EU-Ländern nicht staatlich bezuschusst werden. Während Europa also nicht mehr als 1700€ bezahlen betragen die Studiengebühren für den Rest der Welt bis zu 8000€ pro Jahr.
Mein Zeitungslesergedächtnis sagt mir dass das in Deutschland genauso geregelt ist - den Steuerzahler braucht die Anzahl der Chinesen an deutschen Unis (und 25000 ist jetzt für so ein großes Land nicht wirklich ungewöhnlich mörderviel) nicht zu stören.
Heyho,
bei uns in den Niederlanden ist es so dass Studenten aus Nicht-EU-Ländern nicht staatlich bezuschusst werden. Während Europa also nicht mehr als 1700€ bezahlen betragen die Studiengebühren für den Rest der Welt bis zu 8000€ pro Jahr.
Mein Zeitungslesergedächtnis sagt mir dass das in Deutschland genauso geregelt ist - den Steuerzahler braucht die Anzahl der Chinesen an deutschen Unis (und 25000 ist jetzt für so ein großes Land nicht wirklich ungewöhnlich mörderviel) nicht zu stören.
Seit dem Nachmittag halten tausende Studierende aller Nationen das Audimax der Uni Wien besetzt. Gemeinsam fordern sie einen freien Hochschulzugang ohne Studiengebühren und Gespräche mit dem Rektor. Wäre super, wenn die Zeit das Bild von den vielen Kontroversen zwischen ÖsterreicherInnen und Deutschen mit einem Bericht über diese friedlichen und gemeinsamen Proteste ein wenig ins richtige Licht rückt!
http://freiebildung.at/wo...
Hier trifft wieder zu "Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich!".
Ich finde die Art der Debatte als Österreicher, das heißt als Einwohner eines kleinen EU Landes sehr kritisch!
Die Uni-Debatte wird hier bei uns in der Öffentlichkeit eher belanglos geführt. Das wir grundsätzlich mehr Platz an den Unis brauchen ist allgemein bekannt. Aber offensichtlich fehlt hier, wie so oft in der EU, ein Grundverständnis für kleine EU Länder.
Ich darf hier meinen Standpunkt eventuell am Beispiel der zitierten Maut darstellen. Das wird offensichtlich verstanden:
Österreich hat 927 Dreitausender, 60% der Gesamtfläche sind alpin.
Deutschland ist für unsere Begriffe flach. Kosten für den Straßenbau in Österreich mit denen in Deutschland zu vergleichen ist daher eher nicht zielführend. Weiters greift jeder Transitfahrer das vitale Tourismuszentrum des Landes an.
Das soetwas geregelt werden muß ist ja wohl verständlich.
Um ein vernünftiges miteinander zu garantieren sollte auch der Unizugang geregelt werden.
Wintersemester 2007/08 waren in den 21 Ö. Unis 227.247 Studenten inskripiert. 10.000 mehr, merkt man da sofort!
Grundsätzlich wäre hier mehr Respekt vor anderer Leute Eigentum/Steuerleistung angebracht!
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