20 Kinder pro Klasse + Einzelunterricht
Nicht alles muss neu erfunden werden. Vorbild sind gute Schulen, sei es in Helsinki oder in Hamburg. Ein besonderer Maßstab sind solche, die in den vergangenen Jahren mit dem deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden. Zum Beispiel die Max-Brauer-Schule in Hamburg, wo in der fünften und sechsten Klasse die Fächer zugunsten von Lernbüros und Projekten aufgelöst wurden.
Mit Helga Boldt wurde schließlich eine hervorragende Schulleiterin gefunden Die Lehrerin hat Projekte bei der Bertelsmann Stiftung geleitetet, wurde als Grüne in Münster Schuldezernentin der schwarz-grünen Stadtregierung und hat zuletzt für den Deutschen Schulpreis nominierte Schulen begutachtet.
Nun steht sie von 7.30 Uhr an im Foyer der Schule und empfängt die Kinder. Jeden Morgen. Die Lehrer sind zu dieser Zeit schon in der Klasse. Wie Gastgeber erwarten sie die Kinder, die Schüler kommen, bevor es eigentlich losgeht. Sie sehen sich um, plauschen miteinander und fangen an zu arbeiten. Einfach so. Helga Boldt ist von dieser großen Ruhe am Tagesanfang ganz beglückt. In der Selbstlernzeit am Morgen haben sich zum Beispiel Kinder mit Spanisch oder Englisch als Muttersprache schon ihre eigenen Lerngruppen organisiert. Erste Puzzleteile einer Schule, in der Vielfalt und Verschiedenheit kein Nachteil sind, sondern ein Kapital des Lernens. Ein Kind aus der ersten Klasse, das noch gar kein Deutsch kann, bekommt Einzelunterricht. Natürlich sind die Bedingungen gut. Die jetzt aufgenommenen beiden ersten und vier fünften Klassen haben jeweils nur 20 Kinder. Der Andrang war groß, die Bewerber wurden ausgelost. Ein kompliziertes Verfahren soll garantieren, dass sich in der sozialen Zusammensetzung der Schüler die Stadt Wolfsburg widerspiegelt.
Auffällig ist bereits wenige Wochen nach Schulanfang die Selbstständigkeit der Kinder, nicht nur im eigens eingerichteten Selbstlernzentrum. Ein Forscherpavillon wird demnächst gebaut. »Da werden die Kinder mit Feuer, Wasser, Luft und Erde experimentieren«, kündet die Schulleiterin an. Ebenso wichtig ist ihr Musik, vor allem das gemeinsame Singen. Kinder bringen ihre Instrumente mit und beginnen zusammen mit dem Musiklehrer in der Freizeit der Ganztagsschule ihre ganz anderen Experimente.
Der Begabungsforscher Christian Fischer hat für alle Kinder eine Eingangsdiagnose erstellt. Was die 15 Lehrer damit anfangen werden, ist noch offen. Die Schule verstehe sich als eine lernende, als »ein Kraftfeld«, sagte eine Lehrerin. Dafür will sie sich erfahrene Pädagogen als Mitarbeiter und Mentoren holen, auch aus anderen Ländern. Der erste wird ein Finne sein.
Was ist nun aber das ganz Besondere dieser Schule? »Dass sie lernen darf und wir die Freiheit haben, aus unseren Erkenntnissen schon am nächsten Tag Konsequenzen zu ziehen«, sagt die Schulleiterin. »Kommen Sie in einem Jahr wieder.« Abgemacht.
Reinhard Kahl war Mitglied der Errichtungskommission der Neuen Schule Wolfsburg, die das Konzept entwickelte
- Datum 26.10.2009 - 16:24 Uhr
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- Serie Bildungskolumne
- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
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und ist mit Sicherheit für die Kinder förderlicher als das alte System. Individueller, auch einzeln, kleine Klassen und Selbstlernausrichtung. Genau das, was Kinder wollen... http://viereggtext.blogsp...
Die hier beschriebene Schule hätte die niedersächsische Landesregierung einem öffentlichen Schulträger niemals genehmigt. Im Kultusministerium lässt man sich mehr von Quantität denn von Qualität leiten. So muss ein öffentlicher Schulträger, will er eine Integrierte Gesamtschule einrichten, dem Kultusministerium nachweisen, dass mind. 130 Schüler pro Jahrgang (fünf Parallelklassen) diese Schule besuchen werden. Und das für die nächsten 14 Jahre. Eigentlich wäre es Sache der Landesregierung, die Einrichtung derartiger Schulen durch öffentliche Schulträger zuzulassen. Stattdessen überlässt man dies der potenten Wirtschaft. Ein ziemlich beschämendes Bild, oder nicht?
Zu diesem Schluss muss man im Übrigen auch bei VW gekommen sein. Denn sähe die allgemeine Schullandschaft so rosig aus, bräuchte man sich nicht selber um die "Nachzucht" zu kümmern. Das klingt böse? So ist es auch gemeint.
Wieso wird dermassen herausgestrichen, dass die Klassen 20 Schüler haben? Ich hoffe sehr, dass dies nicht bedeutet, dass die durchschnittliche Klassengrösse in den deutschen Schulen gross darüber liegt? Ich dachte nämlich immer, dass 20 Schüler in etwa eine normale Klassengrösse seien. Wir waren anfang Primarschule mal 24 Schüler in eine Klasse und das war eindeutig schon oberste Grenze.
"Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, betrug im Jahr 2006 die durchschnittliche Klassengröße im Primarbereich (Klassen 1 bis 4) in Deutschland genau wie im OECD-Durchschnitt jeweils 22 Schülerinnen und Schüler."
Quelle:
http://www.destatis.de/je...
Scheint also nicht so aussergewoehnlich zu sein.
"Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, betrug im Jahr 2006 die durchschnittliche Klassengröße im Primarbereich (Klassen 1 bis 4) in Deutschland genau wie im OECD-Durchschnitt jeweils 22 Schülerinnen und Schüler."
Quelle:
http://www.destatis.de/je...
Scheint also nicht so aussergewoehnlich zu sein.
Leider kann man die Grundschule nicht mit der Sekundarstufe vergleichen. Die Zahlen stimmen, allerdings haben die für die Sekundarstufen (sprich alle Schulen nach der Grundschule) keine Relevanz. Ich arbeite an einer Gesamtschule in NRW; Unsere Klassen haben alle mindestens 28 Schüler, lediglich in den Differenzierungskursen kann es sein, dass man mal den paradisischen Zustand von nur 20-25 SuS hat, das hat jedoch Seltenheitswert. In vielen Realschulen werden häufig 32 Kinder in einer Klasse unterrichtet. Für eine Gesamtschule sind 20 Kids pro Klasse also doch etwas Außergewöhnliches- leider!
Für niedersächsische Gymnasien liegt der Klassenteiler bei 34. Da das Land 20 % an VW hält und damit Geld gebunden ist, ist die Bevorzugung Wolfsburger Kinder rechtlich fragwürdig.
Und natürlich wird diese Modellschule in Zukunft den Staatsschulen vorgehalten.
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