Dalai Lama »Ich bin Marxist«

Der Dalai Lama über die wachsende Ungeduld seiner Landsleute, Chinas Macht und seine eigene Zukunft.

Ein Mann mit zwei Rollen: Der Dalai Lama ist Oberhaupt des tibetischen Buddhismus und Sprecher der tibetischen Autonomiebewegung

Ein Mann mit zwei Rollen: Der Dalai Lama ist Oberhaupt des tibetischen Buddhismus und Sprecher der tibetischen Autonomiebewegung

Die ZEIT: Viele, vor allem junge Tibeter wollen nicht mehr geduldig sein. Sie halten Ihre Politik des Mittelweges, die auf Unabhängigkeit verzichtet, für falsch. Ist Ihre Strategie des Einlenkens gescheitert?

Dalai Lama: Ich habe ja meine Strategie im vergangenen Jahr zur Disposition gestellt. Bei einer Versammlung aller exiltibetischen Gruppen habe ich die Frage gestellt, wie es weitergehen soll. Die Mehrheit hat sich einstweilen für den Mittelweg entschieden. Aber das kann die Mehrheit jederzeit ändern. Ich beuge mich dieser Entscheidung.

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ZEIT: Sie sind gleichzeitig ein religiöser und ein politischer Führer. Eine Errungenschaft der europäischen Aufklärung ist die strikte Trennung von Politik und Religion. Ist das nicht sinnvoll?

Dalai Lama: Oh ja! Politische und religiöse Institutionen sollten getrennt sein. Das ist eine große moralische Herausforderung für mich.

ZEIT: Bei Ihnen ist das tatsächlich schwierig auseinanderzuhalten …

Dalai Lama: …weil ich der Sprecher der Friedensbewegung für die tibetischen Menschen bin. Die Tibeter respektieren mich und vertrauen mir. Daraus resultiert eine moralische Verantwortung, der ich mich stellen muss. Aber alle grundlegenden politischen Entscheidungen werden von gewählten Personen getroffen. Da sind das Parlament und der Premierminister der Boss. Auf der geistlichen Seite bin ich der Boss.

ZEIT: Derzeit finden keine politischen Verhandlungen zwischen den Tibetern und der chinesischen Regierung in Peking statt. Warum nicht?

Dalai Lama: Alle unsere Vorschläge wurden zurückgewiesen. Uns wird vorgeworfen, dass wir für die Unabhängigkeit Tibets kämpfen. Dabei haben die Chinesen im Februar 2006 selbst eingeräumt, dass das nicht der Fall ist. Danach haben sich die Unabhängigkeitsvorwürfe wieder verschärft.

ZEIT: Je mächtiger China wird, desto weniger hat die Führung es nötig, mit Ihnen zu sprechen. China ist ja in der Weltwirtschaftskrise politisch noch stärker geworden. Und die westlichen Politiker sind entsprechend stiller geworden, wenn es um Tibet geht. Haben Sie dafür Verständnis?

Dalai Lama: Manchmal kommt es ihnen politisch ungelegen, klare Worte zu sprechen. Aber sie sollten weiter darauf drängen, dass in China das Recht auf freie Meinungsäußerung etabliert wird und dass die Menschenrechte respektiert werden. Nur so kann China ein respektiertes Land in der Weltgemeinschaft werden. Das darf keine Frage kurzfristiger politischer Abwägungen sein.

Leser-Kommentare
  1. Der Dalai Lama als Oberhaupt einer Weltreligion ist doch ausgefüllt mit seiner Tätigkeit. Der Vatikan mit halb Italien wurde 1871 gezwungen seine weltliche Macht an ein vereintes Italien abzugeben. Das war gut so!
    Der Dalai Lama soll sich auf seine Religion beschränken und nicht ständig
    Weltpolitik betreiben. Tibet ist doch mit China bislang gut gefahren - aus der Steinzeit in die Moderne!

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    Der Dalai Lama gehört der Gelupga Sekte an, eine Untergruppe der tibetische Buddhismus (Vajrayana), diese wiederum machen nur eine ganz geringen Teil der weltweiten, mehrheitlichen Mahayana- und Hinayana-Buddhisten aus. Ihn jetzt als den Oberhaupt einer Weltreligion zu bezeichnen, wäre so, als würde man dies von den Oberhaupt der Zeugen Jehovas oder der Mormonen behaupten.

    PS: Der religiöse Führer der Gelupga Sekte ist übrigens nicht mal der Dalai Lama, sondern der Ganden Tripa.

    Was ist denn das für ein Schwachsinn!
    Ich würde Ihnen empfehlen sich umfassend zu informieren wie es den Tibetern in Tibet wirklich geht und nicht die chinesische Version nachzubeten.

    Manche Kommentatoren haben noch nicht einmal den Artikel aufmerksam gelesen, geschweige denn sich zu Tibet und der chinesischen Politik auch nur ansatzweise informiert. Manchmal sollt man einfach mal die Klappe halten, bzw. die Finger von der Tastatur lassen.

    Das Engagement des Dalai Lama für Tibets kulturelle Autonomie ist doch durchaus legitim. Inwieweit er als religiöses Oberhaupt aller Buddhisten gilt mag dahingestellt sein - er hat auf jedenfall das Recht sich für den Erhalt der tibetischen Kultur auszusprechen. Und er setzt sich friedfertig und unermüdlich für sein Anliegen ein - das allein könnte doch schon als Vorbild dienen.

    Der Dalai Lama gehört der Gelupga Sekte an, eine Untergruppe der tibetische Buddhismus (Vajrayana), diese wiederum machen nur eine ganz geringen Teil der weltweiten, mehrheitlichen Mahayana- und Hinayana-Buddhisten aus. Ihn jetzt als den Oberhaupt einer Weltreligion zu bezeichnen, wäre so, als würde man dies von den Oberhaupt der Zeugen Jehovas oder der Mormonen behaupten.

    PS: Der religiöse Führer der Gelupga Sekte ist übrigens nicht mal der Dalai Lama, sondern der Ganden Tripa.

    Was ist denn das für ein Schwachsinn!
    Ich würde Ihnen empfehlen sich umfassend zu informieren wie es den Tibetern in Tibet wirklich geht und nicht die chinesische Version nachzubeten.

    Manche Kommentatoren haben noch nicht einmal den Artikel aufmerksam gelesen, geschweige denn sich zu Tibet und der chinesischen Politik auch nur ansatzweise informiert. Manchmal sollt man einfach mal die Klappe halten, bzw. die Finger von der Tastatur lassen.

    Das Engagement des Dalai Lama für Tibets kulturelle Autonomie ist doch durchaus legitim. Inwieweit er als religiöses Oberhaupt aller Buddhisten gilt mag dahingestellt sein - er hat auf jedenfall das Recht sich für den Erhalt der tibetischen Kultur auszusprechen. Und er setzt sich friedfertig und unermüdlich für sein Anliegen ein - das allein könnte doch schon als Vorbild dienen.

  2. Der Dalai Lama gehört der Gelupga Sekte an, eine Untergruppe der tibetische Buddhismus (Vajrayana), diese wiederum machen nur eine ganz geringen Teil der weltweiten, mehrheitlichen Mahayana- und Hinayana-Buddhisten aus. Ihn jetzt als den Oberhaupt einer Weltreligion zu bezeichnen, wäre so, als würde man dies von den Oberhaupt der Zeugen Jehovas oder der Mormonen behaupten.

    PS: Der religiöse Führer der Gelupga Sekte ist übrigens nicht mal der Dalai Lama, sondern der Ganden Tripa.

  3. Na, denn eben nicht Oberhaupt. Dreht den Hahn der Spendengelder aus den Westen für den Dalai Lama zu und er schrumpft zu seiner wirklichen Größe. Seine Heiligkeit ist dann ein normaler Mensch.

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    • Sikumu
    • 23.10.2009 um 20:23 Uhr

    Mit allem gebotenen Respekt, in diesem Fall ist ihnen ihr chronischer Mangel an Hintergrundswissen (Profil) wohl zum Verhängnis geworden.

    • Sikumu
    • 23.10.2009 um 20:23 Uhr

    Mit allem gebotenen Respekt, in diesem Fall ist ihnen ihr chronischer Mangel an Hintergrundswissen (Profil) wohl zum Verhängnis geworden.

  4. Ob der DL nun normal ist oder nicht und ob er das geld, das er verdient oder kriegt, verdient oder nicht - auf welch merkwürdige Ebene geht denn das? Tibet war doch das thema, und die politik von China; und da finde ich es wirklich schwierig undere Haltung als westliche Industrieländer sauber zu definieren. Wirtschaflticher Wohlstand gegen kulturelle und religiöse Selbstbestimmung aufzurechnen, das steht denen zu, um die es geht, und sicher nicht uns. Menschenrechte und kulturelle Autonomie sind Werte an sich und nicht gegen Brot und Butter verrechenbar.

    • Nadi
    • 23.10.2009 um 15:29 Uhr

    [Entfernt.Werbung ist im Forum der ZEIT nicht erwünscht. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • Sikumu
    • 23.10.2009 um 20:23 Uhr

    Mit allem gebotenen Respekt, in diesem Fall ist ihnen ihr chronischer Mangel an Hintergrundswissen (Profil) wohl zum Verhängnis geworden.

    • Sikumu
    • 23.10.2009 um 21:09 Uhr
    8. zu 7.

    #7. war Antwort auf #4.

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