Aggression und Gewalt Die Wurzeln des Bösen

Eine Gedankenreise in die Vorgeschichte unserer Art zeigt, was uns zu Menschenfeinden macht

Sie sind absolut friedfertig. Die Stammesangehörigen der Mangyan können keiner Fliege etwas zuleide tun. Im Hochland der philippinischen Insel Mindoro leben diese Eingeborenen zwischen Süßkartoffel- und Maniokfeldern und kennen weder Mord noch Totschlag. Sie arbeiten nur gemächlich, statten sich häufig gegenseitig Besuche ab, verschwatzen generell viel Zeit.

In großen Häusern leben fünf Familien unter einem Dach, ohne Wände, aber mit vielen Feuerstellen. Zwanzig Mal am Tag wird gekocht. Gegenseitig biete man sich dann dampfende Süßgerichte an, berichtet der Völkerkundler Jürg Helbling. Eine poetische Szene, fast zärtlich, während draußen kalter Nebel und Regen den Blick auf die bewaldeten Berge nehmen. Gibt es das Paradies also doch? »Dieses Volk ist die absolute Ausnahme«, sagt Helbling. Dreimal hat er die Ureinwohner besucht, sie beobachtet und insgesamt zwei Jahre lang bei ihnen gelebt. »Danach«, sagt der Anthropologieprofessor der Universität Luzern, »hat mich dann die Regel interessiert.«

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Die Betrachtung des Regelfalls wirkt indessen desillusionierend: Nahezu alle noch existierenden Naturvölker dieser Erde führen ein Leben voller Aggression und Gewalt. Ob bei den südamerikanischen Siriono, den Yaghan in Patagonien, den Kitlinermiut der Arktis oder den Mbuti-Pygmäen im Kongo – das Risiko, als Ureinwohner eines gewaltsamen Todes zu sterben, ist erschreckend hoch; es liegt sogar, wie Helbling ermittelt hat, deutlich höher als das durchschnittliche Risiko in allen Großstädten der USA, die wahrlich kein Hort der Harmonie sind. Für seinen interkulturellen Zensus hat Helbling jahrelang alle Daten zusammengetragen, die Ethnografen über Kämpfe, Kriege und deren Opfer aufgezeichnet haben.

Derzeit arbeitet er am Manuskript zu einem nicht minder schockierenden neuen Buch, sein Arbeitstitel lautet: »Vom taktischen Einsatz der Grausamkeit in Stammeskriegen«. Wer bislang noch dachte, fernab der Zivilisation herrschten paradiesische Urzustände, der wird gründlich eines Besseren belehrt werden.

3.

3. Jahrhundert – Als Erster formuliert der Kirchenlehrer Augustinus die Idee, »das Böse« komme durch den freien Willen des Menschen in die Welt.

13.

13. Jahrhundert – Thomas von Aquin erklärt »das Böse« als Missbrauch dieses freien Willens. Einen freien Menschen, der nie sündigte, hätte Gott gar nicht erschaffen können.

17.

17. Jahrhundert – Erste empirische Versuche, aus der Physiognomie auf Charaktereigenschaften zu schließen, kommen in Mode: Der Zürcher Pfarrer Johann Lavater liest in den Gesichtszügen eines Menschen dessen »Bösartigkeit«.

18.

18. Jahrhundert – Der Philosoph und Naturforscher Jean-Jacques Rousseau postuliert: Erst mit dem Entstehen von Kultur und Gesellschaft trete »das Böse« in die Welt. Das rechtfertigt Rousseaus Staatstheorie, ist aber auch als romantisches Motiv einflussreich.

19.

19. Jahrhundert – Der italienische Psychiater Cesare Lombroso mixt aus Physiognomik, Atavismustheorie und Zoologie die Theorie vom geborenen Verbrecher: Das Böse hafte ihm als animalisches Merkmal an.

20. Jahrhundert

20. Jahrhundert: Nachdem sie als Reporterin den Prozessauftakt gegen den NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Jerusalem verfolgt hat, prägt Hannah Arendt 1963 den Begriff von der Banalität des Bösen

Ebenfalls in den sechziger Jahren erforschen Psychologen wie Stanley Milgram und Philip Zimbardo in spektakulären Experimenten (Elektroschockversuche, Gefängnisnachbau im Keller der Universität Stanford), wie die Macht der Situation ganz normale Menschen zu Grausamkeiten verführt.

Pädagogen zeigen: Nichts bestimmt das Delinquenzrisiko eines Einzelnen mehr als kindliche Prägung. Häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch, Bindungsarmut oder Entwicklungsstörungen sind einflussreicher als jeder andere Faktor.

In jüngerer Zeit suchen auch Neurowissenschaftler nach der Signatur des Bösen. Sie finden Auffälligkeiten in den Gehirnen einiger Gewalttäter, darunter die Unfähigkeit zur Empathie aufgrund eines Schadens am vorderen Stirnlappen.

Einzelne Psychiater wie Michael Stone (»The Anatomy of Evil«) führen den Begriff des »Bösen« wieder in die Fachdebatte ein. Die meisten Forscher lehnen ihn aber ab. Es gibt keine verbindliche Definition.

Forschungsarbeiten wie diese sind nicht allein deshalb verstörend, weil es ein deprimierender Gedanke ist, dass die letzten Vertreter bedrohter Völker sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Sie erschüttern uns auch, weil wir im archaischen Verhalten der Stammesvölker gleichsam unsere eigene Vergangenheit erblicken und damit konfrontiert werden, dass auch unsere Vorfahren einst mordend, raubend und brennend ihr Unwesen trieben. Und es beschleicht uns die Ahnung, dass wir beim Blick auf Naturvölker etwas Urzeitliches zu sehen bekommen, etwas Erschreckendes, das älter ist als unsere Zivilisation, stärker möglicherweise als unsere gegenwärtige Moral – etwas, für das seit Jahrhunderten der Begriff des »Bösen« geprägt wurde.

In der aufgeklärten Moderne scheint dieses Konzept keinen Platz mehr zu haben. Und doch blitzt es selbst in unserer zivilisierten Gesellschaft immer wieder bedrohlich auf – etwa wenn Halbwüchsige in der Münchner S-Bahn im Gewaltexzess grundlos einen Mann tottreten, wenn – wie im April in Eislingen – zwei Jugendliche eine Familie auslöschen oder wenn uns wieder einmal ein besonders grauenhafter Fall von Kindesmissbrauch erschreckt. Sicher gibt es in einzelnen Fällen klare Pathologien, tragische Krankheitsbilder, die schreckliche Handlungen rational erklären können. Um sie geht es hier nicht, sondern um all das andere Unfassbare, das einzuordnen uns so schwerfällt.

Nicht jeder vermag sich dann an die Tröstungen der Religion zu halten, die das Böse der menschlichen Natur schon in der Erbsünde angelegt sieht. Und nicht jeder mag sich mit dem Hinweis zufriedengeben, dass Gewalt und Boshaftigkeit nun einmal Grundkonstanten des Lebens sind, gleichsam jenes mythische Garn, aus dem große Erzählungen gesponnen werden, gleich, ob sie nun von Shakespeare oder Stephen King stammen. Philosophen – von Thomas Hobbes bis Hannah Arendt – regte die Frage des »Bösen« zu grundlegenden Betrachtungen des menschlichen Wesens an, die Bände füllen. Bis hin zur provokanten Nietzscheschen Verdrehung, das »Böse« sei »des Menschen beste Kraft«.

Circa 35 AD, Augustus Germanica Gaius Caesar, better known as the Roman Emperor Caligula (12 - 41 AD).

Natur- oder Sozialwissenschaftler neigen von Hause aus zu nüchterneren Betrachtungen. Doch auch sie treibt der Begriff des »Bösen« immer wieder um. Und Beiträge wie der Blutzoll-Zensus der letzten Urvölker erlauben ihnen allmählich, jene Frage zu beantworten, die unsere Spezies seit Anbeginn aller Religionen und Moralsysteme beschäftigt: Was hat den Menschen zum Menschenfeind gemacht? Woher kommt unser Gewaltpotenzial? Wie lautet die moderne, wissenschaftliche Version der alten Geschichte von Kain und Abel?

Solche Fragen standen auch auf dem Programm, als die schweizerische Academia Engelberg Ende vergangener Woche zur Klausur lud, um über Gewalt in menschlichen Gesellschaften nachzudenken. Dabei zeigte sich zwar, dass die Meinungen in der Wissenschaft zum Teil weit auseinandergehen, was das Jetzt betrifft; doch im Hinblick auf unsere Evolution sieht die Sache anders aus. Da schält sich allmählich ein Konsens heraus, der sich wie ein Puzzle aus den Arbeiten von Völkerkundlern, Psychologen, Genetikern und Anthropologen zusammensetzt und die Nacherzählung der Aggressionsgeschichte unserer Art erlaubt. Es ist eine gedankliche Zeitreise in fünf Schritten:

Leser-Kommentare
    • xpol
    • 26.10.2009 um 19:50 Uhr

    ... von Phänomenen setzt deren korrekte Beschreibung voraus.

    Jegliche Art von Gruppenverhalten - als Gruppe und in der Gruppe - könnte als Ergebnis einer Vereinbarung gedeutet werden. Die Fähigkeit zur Kommunikation wäre dann die grundlegende menschliche Eigenschaft, die "böse" Verhaltensweisen ermöglicht, "gute" allerdings auch.

    Bezeichnenderweise führen individualisierte Gesellschaften, für die Egoismus eine angemessene Verhaltensweise darstellt, zu friedfertigem und tolerantem Umgang.

  1. da wird am Ende wieder eher auf Klimaschädlinge und einzelne jugendliche Gewalttäter abgehoben. Dabei haben wir heute eine strukturelle Gewalt sondersgleichen! Für jeden Erdenbürger gibt es quasi nicht nur eine Kugel, sondern gleich eine ganze Waffenkammer! Dass diese nur sehr beschränkt, punktuell, zum Einsatz kommt, liegt einzig und allein daran, dass man sich sonst massiv selbst gefährdet! Das Gewaltpotential ist da, es wird aber immer und immer wieder gern ignoriert. Da schwafelt dann auch ein Herr Obama von der Abrüstung - wie und wann aber, im Falle der A-Waffenberge - nun aber genau, das bleibt unklar. Da arbeitet man dann gleichzeitg(!) auch auch einem militärisch nutzbarem Shuttle, an anderen hochmodernen Waffen. Die A-Waffen werden nur deshalb und insofern reduziert, das Gewaltpotential nur deshalb umgebaut, weil man sich so eben (und dies so sicher quasi unnötig) selbst gefährdet.
    Erst wenn die Sicherheitsfrage für alle gut gelöst ist - das geht aber eben nur in einem Weltstaat(!) -kann bzw. könnte- man auch die globalen Umweltfragen auch angehen.
    All dies widerspricht nun aber eben unserem tiefsten Fühlen und Denken, unseren Anlagen eben, es ist dies in gewisser Weise etwas Perverses. Deshalb kam u. kommt es so schnell auch nicht dazu, sondern nur unter dem Druck von Zwängen, von sich daraus ergebenden Gefahren wie Klimaschäden oder eben A-Waffen-Terroristen bzw. schwer kontrollier- und berechenbaren Klein - und Mittelstaaten wie dem Irak und Nordkorea.

  2. Das in allen Bereichen tonangebende linksliberale Bürgertum hat in den vergangenen Jahrzehnten die zivilisierende Kraft des Staates und die herkömmliche Moral untergraben, die Wirtschaft fast ruiniert.
    Die Gewalt steigt, die Unterschichten verarmen, die Bildung nimmt ab.
    Das ist die "Abgrenzung verschiedener Gruppen voneinander", die uns wirklich angeht.
    Was wir in diesem Elend nicht brauchen, ist der Erlösungsglaube an eine menschheitstümelnde Zivilreligion mit ökologischem Antlitz, wie sie Stefan Schmitt hier propagiert.

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    Ich würde es so sagen, es ist nicht die Zukunft, die von der Zusammenarbeit aller Menschen abhängt, sondern die Frage der Art und Weise des Endes der Menschheit. Die Zukunft besteht ja eben, wie dargestellt und immer noch sehr klar zu sehen, immer im Kampf um Ressourcen, im Kampf dann eben auch gegen mittlerweile Milliarden von Konkurrenten. Wenn man nun sieht, nicht mehr übersehen kann, dass dies in einem katastrophalen Ende münden muss, dann kann es nur noch darum gehen, zumindest ernsthaft zu prüfen, ob man dieses katastrophale Ende nicht anders gestalten kann, wovon dann auch alle gleichermaßen etwas haben - nämlich das friedlich-wohlorganisierte(!) Aussterben.
    Das kann man nun aber eben nicht so einfach passieren lassen, (ja, unser linksliberales Bürgertum (wozu ich auch die FDP rechne, die Union sowieso) das merkt(e) bis vor kurzem zumindest ja nicht mal die Katastrophe im eigenen Land!, sondern nur äußere, die rechteren, nationaleren, überesehen aber eher die globalen Katastrophen und Unordnungen). Das katastrophale oder nichtkatastrophale Ende, muss man aktiv und weltöffentlich kommunizieren, wie Jesus und die frühen Christen, die Jerusalemer Urgemeinde, dies (in ihrer Welt) ja auch versucht haben. Sonst würde man ja nicht wirklich an die katastrophale Endvariante glauben, von der man die anderen (mitfühlend ja auch dies!) bewahren möchte!
    Auch dass man schon solange so denkt, dies dann so lange hochgehalten hat, zeigt, dass wir hier offenbar so denkveranlagt sind.

    ...wenn man sich in unserem Land von Linksliberalen umstellt sieht?

    "menschheitstümelnd" - wasn das? eine Menschheit, die tümelt? Sakra.
    "herkömmliche Moral" - wasn das? und noch dazu eine untergrabene. wie schrecklich. Ja, dann muss ja die Welt bald untergehen. Und sowieso alles nur wegen der linksliberalen....ja, echt kein Wunder.

    Ich fang auch gleich das Tümeln an.

    Ich möchte Ihnen danken, dass Sie auch zu wissen meinen, was ich, als freundlicher Einbezug in Ihr "wir" benötige. Danke. Selten heute findet sich solch warmherziges Einen.

    Eine der Kernaussagen des Artikels ist:
    Die zivilisatorische und kulturelle Entwicklung führt, laut den angegebenen Statistiken zu einer besseren Überlebenschance des Einzelnen.
    Wenn ich fast tagtäglich die Horden bildungsfern gemachter und gewaltbereiter Jugendlicher an den U-Bahnhöfen sehe, dann schwillt mir der Kamm und meine innere Aggression wird eher noch dadurch verstärkt, dass ich es so genau weiß: Ich wäre genau so und schlimmer, hätte mich Familie, Schule und Gesellschaft nicht vor mir selbst beschützt.

    Und deshalb muss man Leute, die Ideen wie: Bildung für Alle, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Ökologie lächerlich machen, die dann ausgerechnet das „Linksliberale Bürgertum“ für Fehlendwinklungen verantwortlich zu machen suchen, wohl auch zu den sehr Bildungsfernen rechnen.

    Es waren die schwarzgelben Vertreter der so genannten „geistigen und moralischen Wende“, die uns behutsam ins Zeitalter der "Bimmbes-Repulik", zu den „jüdischen Vermächtnissen“ und ins neoliberale Finanzdesaster führten. Und auch verführten.
    Und jetzt wieder führen.
    Und alles andere ist Partygeschwätz von Partykatern.

    In die Stammesgesellschaft wie die der Mangyan können wir schwerlich zurück. Aber dass es sie gibt/gab, lässt doch ein wenig hoffen. Und wenn wir es schaffen sollten, Bildung (nicht nur Wissen al`a Jauch), Hummanität und Solidarität wieder in Politik umzusetzen, sehe ich,
    sogar für Sie,
    mittelfristig noch eine Chance.
    Gruß. JS

    Ich würde es so sagen, es ist nicht die Zukunft, die von der Zusammenarbeit aller Menschen abhängt, sondern die Frage der Art und Weise des Endes der Menschheit. Die Zukunft besteht ja eben, wie dargestellt und immer noch sehr klar zu sehen, immer im Kampf um Ressourcen, im Kampf dann eben auch gegen mittlerweile Milliarden von Konkurrenten. Wenn man nun sieht, nicht mehr übersehen kann, dass dies in einem katastrophalen Ende münden muss, dann kann es nur noch darum gehen, zumindest ernsthaft zu prüfen, ob man dieses katastrophale Ende nicht anders gestalten kann, wovon dann auch alle gleichermaßen etwas haben - nämlich das friedlich-wohlorganisierte(!) Aussterben.
    Das kann man nun aber eben nicht so einfach passieren lassen, (ja, unser linksliberales Bürgertum (wozu ich auch die FDP rechne, die Union sowieso) das merkt(e) bis vor kurzem zumindest ja nicht mal die Katastrophe im eigenen Land!, sondern nur äußere, die rechteren, nationaleren, überesehen aber eher die globalen Katastrophen und Unordnungen). Das katastrophale oder nichtkatastrophale Ende, muss man aktiv und weltöffentlich kommunizieren, wie Jesus und die frühen Christen, die Jerusalemer Urgemeinde, dies (in ihrer Welt) ja auch versucht haben. Sonst würde man ja nicht wirklich an die katastrophale Endvariante glauben, von der man die anderen (mitfühlend ja auch dies!) bewahren möchte!
    Auch dass man schon solange so denkt, dies dann so lange hochgehalten hat, zeigt, dass wir hier offenbar so denkveranlagt sind.

    ...wenn man sich in unserem Land von Linksliberalen umstellt sieht?

    "menschheitstümelnd" - wasn das? eine Menschheit, die tümelt? Sakra.
    "herkömmliche Moral" - wasn das? und noch dazu eine untergrabene. wie schrecklich. Ja, dann muss ja die Welt bald untergehen. Und sowieso alles nur wegen der linksliberalen....ja, echt kein Wunder.

    Ich fang auch gleich das Tümeln an.

    Ich möchte Ihnen danken, dass Sie auch zu wissen meinen, was ich, als freundlicher Einbezug in Ihr "wir" benötige. Danke. Selten heute findet sich solch warmherziges Einen.

    Eine der Kernaussagen des Artikels ist:
    Die zivilisatorische und kulturelle Entwicklung führt, laut den angegebenen Statistiken zu einer besseren Überlebenschance des Einzelnen.
    Wenn ich fast tagtäglich die Horden bildungsfern gemachter und gewaltbereiter Jugendlicher an den U-Bahnhöfen sehe, dann schwillt mir der Kamm und meine innere Aggression wird eher noch dadurch verstärkt, dass ich es so genau weiß: Ich wäre genau so und schlimmer, hätte mich Familie, Schule und Gesellschaft nicht vor mir selbst beschützt.

    Und deshalb muss man Leute, die Ideen wie: Bildung für Alle, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Ökologie lächerlich machen, die dann ausgerechnet das „Linksliberale Bürgertum“ für Fehlendwinklungen verantwortlich zu machen suchen, wohl auch zu den sehr Bildungsfernen rechnen.

    Es waren die schwarzgelben Vertreter der so genannten „geistigen und moralischen Wende“, die uns behutsam ins Zeitalter der "Bimmbes-Repulik", zu den „jüdischen Vermächtnissen“ und ins neoliberale Finanzdesaster führten. Und auch verführten.
    Und jetzt wieder führen.
    Und alles andere ist Partygeschwätz von Partykatern.

    In die Stammesgesellschaft wie die der Mangyan können wir schwerlich zurück. Aber dass es sie gibt/gab, lässt doch ein wenig hoffen. Und wenn wir es schaffen sollten, Bildung (nicht nur Wissen al`a Jauch), Hummanität und Solidarität wieder in Politik umzusetzen, sehe ich,
    sogar für Sie,
    mittelfristig noch eine Chance.
    Gruß. JS

  3. Die großen Endzeit-Religionen, Religionen, die also ein Ende der Menschheit, ein irgendwie nichtnatürliches Ende, uns (in Bälde) vorhersag(t)en.
    Gerade das Christentum hat mit d. Übernahme d. schon vorher entwickelten Apokalypse-Vorstellungen (Ähnliches gab es ja aber auch bei den Germanen!) schon vorhergesagt, dass sich d. Mensch immer mehr in Widersprüchen u. Gewalt verfängt, bis dass es zum Ende d. gesamten Menschheit kommt. Man hat dann halt noch die Vision der anderen, der nichtirdischen u. gewaltfreien Welt entwickelt - die aber eine geistige, eine überirdische ist. Dort vermehrt sich keiner mehr! (Jesus: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt!"). Es geht seither, wenn man so will, quasi nur noch darum, wie man möglichst gut u. angenehm definitiv, also (wie Jesus) ohne Nachwuchs, von dieser Welt geht - und viele von uns sind heute ja wohl auch auf diesem Weg, auch Atheisten und viele Andersgläubige. Das Böse u. die Unzufriedenheit, das ist - bzw. wäre - auch in einem Weltstaat eben nicht von der Welt geschafft, es würde sich dann in genau diesem Verhalten, dieser ja eben auch widernatürlichen Haltung, ausdrücken. Das Böse würde sich also in eine tiefen und allgemeinen, einer wirklich alle Menschen umfassenden, philosophischen Unzufriedenheit ausdrücken. Man weiß und kommuniziert offen, dass man, dass alle Menschen, zur Boshaftigkeit neigen (müssen), gesteht sich aber gleichzeitig offen ein, dass dies für alle unmöglich und auch für alle höchst unheilvoll geworden ist.

    • kayob
    • 26.10.2009 um 21:00 Uhr

    was mir bei diesem artikel und ähnlichen bemühungen von evolutionären mechanismen fehlt ist die genauigkeit bei der überprüfung der verwendeten kozepte:
    alturismus ist nicht definiert egoismus auch nicht, der einfachheit halber werden daraus gegensatzpaare gebildet, für aggresion und kooperation gilt dasselbe. und was soll uns das sagen? dass diese "eigenschaften" oder "eigenheiten" in uns miteinander ringen? oder in gruppen? solche vereinfachungen sind sinnvoll um in der forschung erste schritte gehen zu können, für ERGBENISSE allerdings taugen sie wenig. warum?
    weil soziale interaktionsprozesse mit solchen ideen nicht abgebildet werden können. die umgebung von ur-gruppen, deren soziale religiöse alters und erfahrungsstruktur und unzählige andere faktoren bestimmten wie die welt gedeutet wurde, und wie individuelles oder gruppen verhalten darin eingebettet wurden. ein raubtier angriff, oder ein unfall konnten "gesellschaftsumstürzende" folgen haben. das ist aber kulturell und nicht biologisch bedingt. wir haben uns von einer biologischen evolution gleich am anfang massiv abgekoppelt und sie durch soziale kriterien und kulturelle leistungen zum teil ersetzt, z.b. "sexualpartnerwahl". biologisch ist alles zwischen menschen, weil die biologie es möglich macht. das erklärt aber so gut wie nichts. denn bei allem fokus auf s vermeintlich "böse": 90 prozent des lebens laufen vermeintlich "gut" ab, oder wie oft wird man kriegs- mord- oder gewaltopfer? erklärung? biologie? magie?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und zu verstehen versuchen, sag ich mal, oder die diversen Relgionen und deren Heilsbotschaften und Unheils-Analysen. Wir haben heute, so schrieb ich, nicht weniger, sonder mehr strukturelle Gewalt, in Form der heutigen (A-)Waffenberge - die kommt nicht zum Ausbruch, weil man sich sonst erheblich selbst schädigt, weil keiner mehr wirklich siegen kann - weil man sonst einen atomaren Genozid riskiert! Der Abbau dieser Gewaltpotentiale ist unter der gegegeben allweltlichen Lebensphilosophie, dem der "Zukunftssicherung" nämlich, (was ja sicher auch natürlich bei uns wie allen anderen Lebewesen ja auch angelegt ist) aber eben nicht möglich, wie man sieht - und sich auch sehr gut und leicht ableiten kann. Wir können aber eben schon auch unsere Fortpflanzung steuern, heute mehr und leichter denn je, und auch sehr intensiv und schnell uns geistig und sogar global auch austauschen. So gering wie auch Sie es hier nun nochmal uns einreden wollen, sind die Gewaltpotentiale m.E. nicht!

    und zu verstehen versuchen, sag ich mal, oder die diversen Relgionen und deren Heilsbotschaften und Unheils-Analysen. Wir haben heute, so schrieb ich, nicht weniger, sonder mehr strukturelle Gewalt, in Form der heutigen (A-)Waffenberge - die kommt nicht zum Ausbruch, weil man sich sonst erheblich selbst schädigt, weil keiner mehr wirklich siegen kann - weil man sonst einen atomaren Genozid riskiert! Der Abbau dieser Gewaltpotentiale ist unter der gegegeben allweltlichen Lebensphilosophie, dem der "Zukunftssicherung" nämlich, (was ja sicher auch natürlich bei uns wie allen anderen Lebewesen ja auch angelegt ist) aber eben nicht möglich, wie man sieht - und sich auch sehr gut und leicht ableiten kann. Wir können aber eben schon auch unsere Fortpflanzung steuern, heute mehr und leichter denn je, und auch sehr intensiv und schnell uns geistig und sogar global auch austauschen. So gering wie auch Sie es hier nun nochmal uns einreden wollen, sind die Gewaltpotentiale m.E. nicht!

  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Leviathan_(Thomas_Hobbes)

    Frdl. Gruß
    Pf.

  5. Ich würde es so sagen, es ist nicht die Zukunft, die von der Zusammenarbeit aller Menschen abhängt, sondern die Frage der Art und Weise des Endes der Menschheit. Die Zukunft besteht ja eben, wie dargestellt und immer noch sehr klar zu sehen, immer im Kampf um Ressourcen, im Kampf dann eben auch gegen mittlerweile Milliarden von Konkurrenten. Wenn man nun sieht, nicht mehr übersehen kann, dass dies in einem katastrophalen Ende münden muss, dann kann es nur noch darum gehen, zumindest ernsthaft zu prüfen, ob man dieses katastrophale Ende nicht anders gestalten kann, wovon dann auch alle gleichermaßen etwas haben - nämlich das friedlich-wohlorganisierte(!) Aussterben.
    Das kann man nun aber eben nicht so einfach passieren lassen, (ja, unser linksliberales Bürgertum (wozu ich auch die FDP rechne, die Union sowieso) das merkt(e) bis vor kurzem zumindest ja nicht mal die Katastrophe im eigenen Land!, sondern nur äußere, die rechteren, nationaleren, überesehen aber eher die globalen Katastrophen und Unordnungen). Das katastrophale oder nichtkatastrophale Ende, muss man aktiv und weltöffentlich kommunizieren, wie Jesus und die frühen Christen, die Jerusalemer Urgemeinde, dies (in ihrer Welt) ja auch versucht haben. Sonst würde man ja nicht wirklich an die katastrophale Endvariante glauben, von der man die anderen (mitfühlend ja auch dies!) bewahren möchte!
    Auch dass man schon solange so denkt, dies dann so lange hochgehalten hat, zeigt, dass wir hier offenbar so denkveranlagt sind.

    • kayob
    • 26.10.2009 um 21:19 Uhr

    schön sie zu lesen,
    nur ist der leviathan ein kunstgriff,
    ganz und gar unhistorisch, und was wichtiger ist, unpsychologisch, der versuch, nach den wirren und verunsicherungen der britischen bürgerkriege eine gesellschaft zu begründen.
    die annahmen hobbes über den ur-zustand, sind so historisch, wie die von marx über den ur-markt.
    philosophisch für seinen zweck sinnvoll, aber eben nur eine konstruktion.
    ich meine das schon ernst, eine weltbevölkerung könnte sich trotz kriege und naturkatastrophen nicht so vermehren, wie unsere es seit 200 000 jahren tut, wenn "in der biologie" soviel "böses" steckte, allein das sollte schon ausreichen, um biologische begriffe zurückzustutzen, auf das was sie sind.
    wir sind ja nicht wegen der "bösen bösen aggression" so viele, sondern wenn, dann trotz.

    weil sie sind, mal nen gruß

    beste grüße

    kayob

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