Als Alfredo Häberli im Alter von 14 Jahren mit seinen Eltern von Argentinien aus in die Schweiz emigrierte, nahm er nur eine Schachtel mit Matchbox-Autos mit. Er besitzt sie noch heute. Eines der Autos gefiel ihm besonders gut. Es war das Modell eines Iso Grifo, das war ein Coupé des italienischen Sportwagenherstellers Iso Rivolta. Es war schnittig und elegant, nicht nur für die Geschwindigkeit gebaut wie die anderen Autos. Dieser Wagen schien mehr vom Leben zu verstehen und machte den jungen Alfredo neugierig auf dieses Mehr. Es war das erste Mal, dass Industriedesign ihn beeindruckt hatte.

Erst als erwachsener Mann sollte er feststellen, dass diese Faszination eine Vorahnung war. Der Iso Grifo war vom Autodesigner Giorgio Giugiaro gestaltet worden, Alfred Häberles großem Idol. Noch heute bewahrt er das kleine Coupé auf, genau wie alle anderen Autos aus seiner Kiste. Einmal baute er für eine Designausstellung ein ganzes Arrangement aus den Matchbox-Autos seiner Kindheit.

Spiel und Design hängen eng zusammen. Häberli ist einer der erfolgreichsten Industriedesigner in Europa, er richtet für die Schuhmarke Camper Läden ein, entwirft für Iittala Geschirr und für den dänischen Heimtextil-Hersteller Kvadrat Vorhänge. Aber immer wieder gestaltet er auch Spielzeug – und immer wieder Spielzeugautos. Etwa den »Pickup«, eine Mischung aus Schaumstoffhocker und Kindertruck. Und auch als er auf Bitten des ZEITmagazins ein Spielzeug für seinen zehnjährigen Sohn entwarf, wurde es ein Auto: ein Papp-Unimog, also ein Allzwecktraktor, den man aus einem riesigen Bastelbogen heraustrennt und dann Schritt für Schritt zu einem Lastwagen zusammenbaut.

Alfredo Häberli ist einer von sieben Designern, die exklusiv für das ZEITmagazin Spielzeug entworfen haben. Die Gestalter, die bei diesem Projekt mitgewirkt haben, kommen aus sehr verschiedenen Richtungen. Sie wurden bekannt durch fast grafisch anmutende Eichenbetten wie Philipp Mainzer, durch den innovativen Umgang mit Materialien wie Stefan Diez oder weil sie ausgeklügelte Lampen entwarfen wie der Schweizer Michael Niederberger. Sie alle haben aber eines gemeinsam: Kinder. Das Leben mit ihrem Nachwuchs hat ihnen den Blick für neue Fragen geöffnet: Wie lernen Kinder, Gegenstände zu ordnen? Wie schaffen sie sich Zufluchten? Was fasziniert sie am Malen, und welches Spielzeug wäre geeignet, sie dabei zu begleiten? Das Ergebnis sind sieben Beispiele dafür, dass modernes Spielzeug keinen Computerchip braucht und Gegenstände aus Holz keineswegs aussehen müssen wie für den Waldorfkindergarten gemacht. Ihre Überlegungen schildern die Designer auf den folgenden Seiten.

Im Fall von Alfredo Häberli ist es übrigens besonders wichtig, dass das Spielgerät auch den Eltern gefällt. Der Unimog aus Pappe misst anderthalb Meter im Quadrat. Ein auffälligeres Möbel dürfte es wohl in kaum einer Wohnung geben.

Wenn Sie sich für eines der Spielzeuge interessieren, können Sie es im ZEIT-Shop vorbestellen