Möbeldesign Das große Stühlchenrücken
Warum schöne Möbel endlich im Kinderzimmer Einzug halten.
© [M] Vitra

Knallbunte Plastikmöbel, die nicht nur Kindern gefallen: der "Children' Chair" und der "Mini Panton"
Eigentlich gab es sie schon immer, die Designermöbel für Kinder. Es gab nur nicht die Erwachsenen, die dafür Geld ausgeben wollten. Als die Firma Vitra vor etlichen Jahren bei der Witwe des Möbeldesigners Verner Panton anfragte, ob sie etwas dagegen habe, wenn man eine verkleinerte Version des legendären Panton Chair auf den Markt bringen würde, war die Antwort überraschend: Panton habe schon immer vorgehabt, seinen Stuhl für Kinder zu bauen. Nur seien die erwartbaren Stückzahlen zu gering gewesen, um in Produktion zu gehen. Für Vitra wurde der Kinder-Panton ein solcher Hit, dass man die niederländische Designerin Hella Jongerius damit beauftragte, einen passenden Kindertisch dazu zu entwerfen.
Einige Jahre zuvor hatte Vitra schon einmal Spitzendesign für Kinder auf den Markt gebracht: den Children’s Chair des Designerehepaars Charles und Ray Eames. Der Entwurf stammt zwar von 1945, allerdings war der Stuhl nie in nennenswerten Mengen verkauft worden. Genauso ging es dem Plywood Elephant, dem roten Elefanten aus Sperrholz. Mittlerweile hat sich das geändert, jeder Möbelhersteller hat Designermöbel für Kinder im Programm.
Das Label Ligne Roset hat von seinem erfolgreichen Stuhl Togo von Michel Ducaroy einen Mini Togo als Version fürs Kinderzimmer gebaut. Mittlerweile gibt es auch einen Schaukelstuhl namens Mini Dada – der allerdings gar keine große Ausgabe zum Vorbild hat. Wenn man als Erwachsener mal in den Genuss des Schaukelns auf diesem Einrichtungsstück kommen möchte, muss man im Kinderzimmer um Erlaubnis fragen.
Gewiss wurden schon immer Tische, Stühle, Schränke für das Kinderzimmer gebaut. Aber stets gab es eine genaue Vorstellung davon, was kindgerecht sei. Kinder brauchten Möbel in Pastellfarben und knubbeligen Designs. Es sollten Möbel sein, die aussahen wie Eisenbahnen, Piratenschiffe und Prinzessinnenschlösser.
Dabei entspringt die rosa-hellblaue Welt, die Eltern für ihren Nachwuchs einrichten, nur der Vorstellung Erwachsener, die sich weigern, ihren Nachwuchs ernst zu nehmen. Kinder brauchen gar keine Möbel, die auf ihre Phantasiewelt zugeschnitten sind. Im Gegenteil: Das engt sie nur ein. Sie haben genügend Vorstellungskraft, um alles zu Schlössern und Galeeren zu machen, was sie vorfinden. Wer die Wohngegenstände in Wirklichkeit mögen soll, sind die Erwachsenen. "Immerhin müssen sie auch mit den Möbeln der Kinder leben", sagt der britische Designer Alexander Taylor, der für Thorsten van Elten den Schaukelstuhl Kids Rock entworfen hat.
Kindermöbel sind mittlerweile das am schnellsten wachsende Segment im Designmarkt. Träger prominenter Namen beschäftigen sich damit, Ron Arad zum Beispiel, Karim Rashid, Marcel Wanders und Terence Conran. "Es sind nicht nur die Erwachsenen, die die schönen Dinge im Leben schätzen, Kinder tun das genauso", sagt der Designer Tom Dixon.
Der italienische Möbelhersteller Magis beschäftigt sich schon geraume Zeit mit Möbeln für Kleine. Sie sind nicht eine bloße Miniaturausgabe alter Meister, sondern werden eigens für Spielbedürfnisse kreiert.
- Datum 21.10.2009 - 18:04 Uhr
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- Quelle ZEIT Magazin Nr. 44, 22.10.2009
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schön und gut und wem es gefällt und wenn man es sich leisten kann, bitte.
Allerdings wird einem Aspekt sowohl in Möbeln für Erwachsene, als auch für Kinder, in meinen Augen viel zu wenig Beachtung geschenkt.
Es geht mir um das Wissen, was gut für den Körper und dessen Haltung ist und was nicht.
Kinder (und Erwachsene) sitzen immer mehr, was zum Teil an Schule (bzw. Beruf) und an den sich verändernden Hobbys liegt.
Daher sollte Design zwar auch eine Rolle spielen, man muss sich schließlich wohl fühlen, aber wichtiger ist es noch, dass es bequem ist und keine körperlichen Schäden verursacht.
Leider gehören solche Möbelstücke meiner Beobachtung nach noch zu einem geringen Prozentsatz.
Denn Design hin oder her:
Wenn das Kind, nachdem es seine Hausaufgaben gemacht und vielleicht ein wenig gemalt hat, furchtbare Rückenschmerzen hat, wird es sich auch in der geschmackvollsten Einrichtung nicht wohl fühlen.
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