GPS Auf die digitale TourSeite 2/2
Am Abend stelle ich mich auf den Balkon, um meine Nachbarschaft mit Qype Radar zu scannen, eine App, die auf Inhalte der Bewertungs-Community Qype zugreift. Ich tippe das hellblaue Symbol an. Prompt erscheinen Orte auf dem Display, die ich nie bemerkt hatte, hinter Mauern, in Innenhöfen, gleich um die Ecke. Ich weiß nicht, dass ein Café eine Straße weiter frische Croissants verkauft; es seien die besten im Kiez, schreibt da jemand. Allein in Berlin findet der Qype Radar mehr als 144.000 Kneipen, Restaurants und andere POIs mit rund 55.000 Nutzerbewertungen, weltweit sind es um die drei Millionen Einträge und gut eine Million Kommentare. Man kann Bewertungen lesen, wenn man schon vor einem Restaurant steht, oder Hotelkritiken schreiben, während man noch an der Rezeption auf die Rechnung wartet. Solche ständig aktualisierten Community-Reiseführer könnten eine wichtige Informationsquelle sein. Bei Lonely Planet plant man, die Nutzer bei den mobilen Städteführern mitschreiben zu lassen – in Beiträgen, die vom redaktionellen Teil getrennt sind und von der Redaktion gefiltert werden. Reisende könnten dann unterwegs Tipps anderer Reisender abrufen und Kommentare einstellen oder neue »Points of Interest« anlegen. Mit einem GPS-Handy in der Tasche ist das fast überall auf der Welt möglich. Auch Urlaubsfotos und -videos lassen sich mit GPS-Koordinaten (sogenannten Geotags) versehen.
Mir aber wird das alles schon nach ein paar Tagen zu viel. Immer bin ich vernetzt, verortet – und besorgt, ob der Akku bis zum Abend reicht, was er fast nie tut. Ständig starre ich aufs Display, hetze hin und her zwischen all den coolen Kneipen und sehenswerten Orten, die mein Handy empfiehlt. Vor Kurzem noch habe ich sie bemitleidet, die Touristen am Brandenburger Tor, die in herkömmlichen Reiseführern blätterten. Jetzt fällt mir ein, wie entspannt sie dabei ausgesehen haben. Für den nächsten Urlaub kaufe ich mir einen Reiseführer aus Papier. Das iPhone lasse ich vorerst zu Hause.
- Datum 23.10.2009 - 18:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
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... daß über solchen Beiträgen das Wörtchen "Anzeige" zu stehen hat? Zumindest wäre ein Schlußsatz angebracht:
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