Gesellschaftskritik Über die Prominenz der Herta M.
Einmal im Jahr müssen die erschrockenen Medien mit einem Literaturnobelpreisträger umgehen. Im Fall von Herta Müller brachte das preisverdächtige Zeitungsprosa hervor. Von Jens Jessen
Glück und Elend des Literaturnobelpreises: dass mit dem prämierten Autor unversehens auch ein Publikum konfrontiert wird, das von ihm noch nie etwas gehört hat und höchstens eine vage Ahnung hat, worum es bei Literatur überhaupt geht. Zu diesem einmal im Jahr tödlich überraschten Publikum muss auch die Boulevardpresse gerechnet werden, die sich gezwungen fühlt, mit ihren Mitteln etwas beizutragen. Was sind diese Mittel? Klatsch, Tratsch und Homestory, also das, was in diesen Blättern "Hintergrund" genannt wird.
Das muss nicht unangemessen sein, vorausgesetzt, es handelt sich um einen Autor, der solchen Hintergrund produziert, in Form von Affären, Skandalen, politischen Auftritten. Heinrich Böll hatte in diesem Sinne durchaus Hintergrund, vor allem natürlich für die Springer-Presse, die den linken "Nestbeschmutzer" schon auf ihrem Index hatte.
Aber was sollte man mit Herta Müller anfangen? Einer zierlichen, eher versteckt lebenden Person, die zierlich verrätselte Prosa geschrieben hat, die vor dem Massenpublikum gut versteckt publiziert wurde? Man hätte die aufgescheuchten Reporter aus der Reporterwelt durchaus bedauern können, wenn das nicht geheißen hätte, ihre Findigkeit gefährlich zu unterschätzen. Es zeigte sich nämlich, dass auch die zierlichsten und bestversteckten Schriftstellerinnen durchaus robuste und gut auffindbare Mütter haben. Wir zitieren wörtlich aus einem bunten Berliner Blatt: "Exklusiv in der B.Z. erzählt ihre Mutter Catarina, wie Berlins Super-Literatin wurde, wer sie ist. Ein schmuckloses Charlottenburger Mehrfamilienhaus. Die alte Dame sitzt in einem grünen Sessel mit Heizkissen und Decke."
Chapeau! Auch das ist, auf andere Weise, nobelpreisverdächtige Prosa. Man sieht die alte Dame vor sich, die denn auch sogleich barsch verkündet, was Mütter so über ihre unverbesserlichen Töchter denken: "Hoffentlich ist sie jetzt zufrieden. Ich wünsch mir, dass sie endlich zur Ruhe kommt." Und was sagt sie über ihr problematisches Kind noch? "Sie trägt nur Schwarz und hat immer sehr viel geraucht. Darüber haben wir uns gestritten, schließlich ist ihr Vater mit 52 an Lungenkrebs gestorben. Aber sie sagt immer: 'Mutti, das ist mein Leben.'" Und so wird es wohl auch sein. Schmähen wir also nicht die Boulevardpresse. Auch sie produziert Wahrheiten.
- Datum 21.10.2009 - 17:57 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
- Kommentare 8
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ist aber auch tatsächlich sehr gefährlich!
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Immernin gefällt mir Ihr Foto von der nobelpreisgekrönten Autorin sehr gut. Fast immer wirkt Herta Müller sehr ernst bis streng, was sicher mit ihrer Lebensgeschichte zu tun hat.Gelesen habe ich leider bisher nie etwas von ihr wie auch nicht von Elfriede Jellinek, die aber mit ihren zum Teil provokativen Texten eher skandalträchitg war. Bei Herta Müller war die Reaktion stets leiser und verhaltener.Jeder Leser findet die Autorin, den Autor, der zu seinem eigenen Lebensgefühl am besten passt. Ich muss mir jetzt kein Buch von Herta Müller kaufen, aber viele werden es tun, "um mitreden zu können", und das ist auch gut so zur Freude der Autorin, die nun ihre Gedanken einem größeren Publikum bekannt machen kann.
zur Freude der Autorin.
Jedem ist eigentlich klar, dass die Welt (Leser, Journalisten etc.) auf eine erschrockene Frau Müller losgelassen wurde. Man muss sich die Frau nur mal anschauen. Sie schreibt für sich, sie ist auf der Suche. Sie sieht aus als ob sie spazierengehen würde wenn's draußen regnet.
Herr Jessen dreht das Ganze auf humoristische Weise um. Frau Müller wird auf eine erschrockene Welt losgelassen. Erschrocken weil es etwas Neues gibt, von dem sie nichts wissen. Vor allem die Welt, die über alles ständig Bescheid wissen muss, kriegt da erstmal einen Schreck. Man muß sich ein Buch von ihr besorgen und lesen. Und wenn man keinen Zugang zur Literatur hat, dann ist das keine angenehme Sache. Es ist Arbeit.
Da stellt sich für mich die Frage, was das Nobelpreiskomitee da eigenlich tut. Es läßt Menschen aufeinander los, die gar nicht zueinander passen, gar keinen Draht zueinander haben sozusagen.
Ein schlechter Kuppler.
zur Freude der Autorin.
Jedem ist eigentlich klar, dass die Welt (Leser, Journalisten etc.) auf eine erschrockene Frau Müller losgelassen wurde. Man muss sich die Frau nur mal anschauen. Sie schreibt für sich, sie ist auf der Suche. Sie sieht aus als ob sie spazierengehen würde wenn's draußen regnet.
Herr Jessen dreht das Ganze auf humoristische Weise um. Frau Müller wird auf eine erschrockene Welt losgelassen. Erschrocken weil es etwas Neues gibt, von dem sie nichts wissen. Vor allem die Welt, die über alles ständig Bescheid wissen muss, kriegt da erstmal einen Schreck. Man muß sich ein Buch von ihr besorgen und lesen. Und wenn man keinen Zugang zur Literatur hat, dann ist das keine angenehme Sache. Es ist Arbeit.
Da stellt sich für mich die Frage, was das Nobelpreiskomitee da eigenlich tut. Es läßt Menschen aufeinander los, die gar nicht zueinander passen, gar keinen Draht zueinander haben sozusagen.
Ein schlechter Kuppler.
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zur Freude der Autorin.
Jedem ist eigentlich klar, dass die Welt (Leser, Journalisten etc.) auf eine erschrockene Frau Müller losgelassen wurde. Man muss sich die Frau nur mal anschauen. Sie schreibt für sich, sie ist auf der Suche. Sie sieht aus als ob sie spazierengehen würde wenn's draußen regnet.
Herr Jessen dreht das Ganze auf humoristische Weise um. Frau Müller wird auf eine erschrockene Welt losgelassen. Erschrocken weil es etwas Neues gibt, von dem sie nichts wissen. Vor allem die Welt, die über alles ständig Bescheid wissen muss, kriegt da erstmal einen Schreck. Man muß sich ein Buch von ihr besorgen und lesen. Und wenn man keinen Zugang zur Literatur hat, dann ist das keine angenehme Sache. Es ist Arbeit.
Da stellt sich für mich die Frage, was das Nobelpreiskomitee da eigenlich tut. Es läßt Menschen aufeinander los, die gar nicht zueinander passen, gar keinen Draht zueinander haben sozusagen.
Ein schlechter Kuppler.
Ihr Kommentar bringt mich zum Nachdenken. Ich glaube Sie haben da etwas sehr Wahres erkannt.Aber meinen Sie im Ernst, ein Autor schreibe nur für sic selbst und denke dabei nicht auch an das Publikum?
Leider denken zu viele sogenannte Erfolgsschriftsteller nur an das Publikum und möchten am liebsten vielleich auch noch ihr Werk verfilmt sehen? Aber wer möchte nicht auch von seinen Werken leben können? Der "arme Poet" ist ja immer noch häufige Realität.Nicht jeder war so privilegiert wie Goethe, schon Schiller hat das Schicksal ziemlich übel mitgespielt.
Ihr Kommentar bringt mich zum Nachdenken. Ich glaube Sie haben da etwas sehr Wahres erkannt.Aber meinen Sie im Ernst, ein Autor schreibe nur für sic selbst und denke dabei nicht auch an das Publikum?
Leider denken zu viele sogenannte Erfolgsschriftsteller nur an das Publikum und möchten am liebsten vielleich auch noch ihr Werk verfilmt sehen? Aber wer möchte nicht auch von seinen Werken leben können? Der "arme Poet" ist ja immer noch häufige Realität.Nicht jeder war so privilegiert wie Goethe, schon Schiller hat das Schicksal ziemlich übel mitgespielt.
Immerhin ist Frau Herta trendsetzend fürs Friseurgewerbe. Aber mehr dürfte kaum sein.
Ihr Kommentar bringt mich zum Nachdenken. Ich glaube Sie haben da etwas sehr Wahres erkannt.Aber meinen Sie im Ernst, ein Autor schreibe nur für sic selbst und denke dabei nicht auch an das Publikum?
Leider denken zu viele sogenannte Erfolgsschriftsteller nur an das Publikum und möchten am liebsten vielleich auch noch ihr Werk verfilmt sehen? Aber wer möchte nicht auch von seinen Werken leben können? Der "arme Poet" ist ja immer noch häufige Realität.Nicht jeder war so privilegiert wie Goethe, schon Schiller hat das Schicksal ziemlich übel mitgespielt.
Schluß mit diesem Draufhaun! Wir wissen doch alle, dass der NP kein Kriterium für Hochliteratur ist. Das kann keine Medien jährlich erschrecken. Alberne Bemerkung von JJ! Elytis reicht m.E auch nicht an St. John-Perse heran. Warum muss also ausgerechnet Herta-Who im Feuilleton als Schlachvieh herhalten. Es kommen härtere Tage.
Total überflüssiger Artikel von J.J und zum Teil geschmacklose, oberflächliche, respektlose Kommentare zur Person von Frau Müller.
[entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Vielen Dank. Die Redaktion/ew]
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