Internet Höfische Gesellschaft 2.0

Wer schweigt, zählt nicht: Soziale Netzwerke wie Facebook erzeugen einen neuen Menschentypus. Ein Kommentar von ZEIT-Redakteur Adam Soboczynski

Die Geschichte kennt Revolutionen leiser Natur. Es müssen zur gesellschaftlichen Umwälzung keineswegs die Köpfe rollen. Es verändern sich mitunter die Gesten und Redeweisen, die Balance zwischen Nähe und Ferne, der Sex und die Liebe, kurzum: das soziale Bindegewebe, die Ordnung der Affekte.

Mit Empörung hätten Politiker noch vor gut einer Dekade eine Einladung zu Stefan Raabs Bundestagswahl-Diskussionsrunde ausgeschlagen. Aus Angst vor der Inflation ihrer Ausstrahlung und der Beschädigung ihrer Würde. Es wäre das Todesurteil eines Marlon Brando gewesen, hätte er seinen Tagesablauf inszeniert wie die Stars allerneuester Prägung, die – wie der amerikanische Präsident – im Internet in Sozialen Netzwerken sich der Allgemeinheit offenbaren. Charisma lässt sich nicht mehr durch zeitweilige Abwesenheit steigern, sondern offenbar nur durch Dauerpräsenz in Dauerkommunikation. Das ahnen all jene Abteilungsleiter, Politiker, Musiker und Blogger, die sich einen Freundeskreis auf Facebook, Myspace oder aSmallWorld errichten. Sie ahnen völlig zu Recht, dass Zurückgezogenheit nicht mehr als Ausdruck veredelten Charakters verstanden wird oder gar als Signum schillernder Geheimnisse. Sondern als Arroganz überkommener Macht.

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Lange Zeit standen wir im Bann jener Umwälzungen des 18. Jahrhunderts, die man leichthin Aufklärung nennt. Sie etablierte nicht nur das Volk als Souverän, sondern veränderte radikal das Alltagsverhalten der Individuen. Die allseitige erotische Reizbarkeit an den Höfen wurde in ruhende Scham überführt, zeremonielles Gehabe in unschuldige Intimität, öffentliche Exaltiertheit, das stolze Präsentieren des parfümierten Körpers war privater Häuslichkeit gewichen. Die bürgerliche Gesellschaft etablierte Schwellen, die unhintergehbar wurden und die man nicht ohne Grund als Doppelzüngigkeit brandmarkte: Die Affäre mit der Haushälterin hütete sich der Studienrat, öffentlich zu machen wie der Arbeiter seinen Lesezirkel. Was sich hinter den eigenen vier Wänden abspielte, war den Herrschenden verborgen. Die Stellungen im ehelichen Bett wie die Geselligkeit seiner Untertanen waren, sobald sie die Tür hinter sich zuzogen, seinen Blicken verwehrt. Dort herrschte eh nur Moral, die von der Verstellungskunst der Politik unbeschmutzt blieb – so jedenfalls das hehre wie verlogene Selbstverständnis zumindest des deutschen Bürgers, der sich dergestalt Freiräume erkämpfte. Indem er sich durch den Fetisch der Moral und der Verherrlichung des Privaten unpolitisch gab, löste er sich vom absolutistischen Herrscher, der durch sein öffentliches Handeln per se korrumpiert schien. Die vermeintlich unpolitische Gesinnung und die propagierte Unverstelltheit einer Liebe als Passion zersetzte à la longue vordemokratische Staatsräson.

Es zeichnete vor dem Hintergrund privater Schutzräume den Mächtigen in der bürgerlichen Gesellschaft aus, dass er seine Sichtbarkeit wohl dosierte. Erst durch allerlei Vorzimmer gelangte der Angestellte zum Fabrikbesitzer, wenn er ihn überhaupt je zu Gesicht bekam. Der Intellektuelle umgab sich mit der Aura undurchsichtiger Schwermut. Das Herz der biederen Bürgerstochter war eine schwer zu erobernde Festung, die mit verzärtelten Briefchen und Blicken bedrängt werden wollte.

Heute ist bekanntermaßen allumfassender sozialer Austausch das Paradigma der Zeit, der Erfolg etwa von Facebook gewaltig. 200 Millionen Mitglieder hatte das Netzwerk zur Jahreswende. Nun sind es mehr als 300. Es ist heute schlechterdings ein Sonderling, wer es nicht nutzt, vergleichbar mit jenen Verirrten, die einst zögerten, sich ein Handy anzuschaffen, als es längst an der Zeit war. Wer noch vor wenigen Monaten zu behaupten wagte, es verwirklichten sich in Sozialen Netzwerken picklige Nerds oder übereifrige Avantgardisten, ahnt mittlerweile, dass nunmehr die Skeptiker des Web 2.0 Ewiggestrige sind. Sie haben die Zeichen der Zeit so albern überhört wie Honecker den Gezeitenwechsel auf den Feierlichkeiten zum 40. Gründungstag der DDR.

Der Reiz Sozialer Netzwerke ist unmittelbar einleuchtend. Die Freunde, die man dort um sich versammelt, sind in der Regel sorgsam ausgewählt, nicht jeden lässt man hinein in seinen Freundeskreis. Nur Politiker oder Musiker mit Geltungsdrang lassen jeden auf ihre Pinnwand blicken. Soziale Netzwerke sind in der Regel elitär: Die meisten Nutzer versammeln so an die 80 bis 150 ausgewählte Bekannte, denen sie Einblick in ihr Leben gewähren. Man überbietet sich mit Schlagfertigkeit. Das YouTube-Video, das man auf seine Pinnwand anbringt, zeugt vom erlesenen Geschmack wie der Kommentar auf das aphoristische Posting eines Kollegen zur schwarz-gelben Koalition vom Schnelldenkertum. Man möchte teilhaben an sozialen Kreisen, die als besonders geistreich gelten, möchte unbedingt auf die Pinnwand der attraktiven Kollegin aus der Personalabteilung blicken und stellt ihr eine Freundesanfrage, die natürlich unbeantwortet bleibt.

Grundsätzlich aber gilt – innerhalb verhältnismäßig abgeschotteter sozialer Kreise im Netz wie für die sich möglichst auskunftsfreudig gerierenden Politiker und Semi-Stars: Wer schweigt, zählt nicht. Wer schweigt, dem wird die Freundschaft aufgekündigt. So wie man des Hofes sozialdarwinistisch verwiesen wurde, wenn man die Gäste langweilte. Das Hofleben war ein Minenfeld, hier tobte ein omnipräsenter Kampf um Geltung, in der die Gefahr des schamvollen Statusverlusts eingeschrieben war, genauer: die Gefahr einer unkontrollierten Äußerung oder des peinlichen Schweigens im Gespräch. Man attestierte den sozial Unbeholfenen seinerzeit »Blödigkeit«.

Die Behauptung, dem Web 2.0 hafte Demokratiefreundlichkeit an, ist ein verlogenes Marketingversprechen, ist Teil eines utopistischen Verblendungszusammenhangs. Ausgerechnet die vom Bürgertum seit je misstrauisch beäugte Macht der Rhetorik, das Auseinanderklaffen von verführerischer Form und Inhalt, von Schmuck und Argument, ist der ausgesprochen unterhaltsame Wesenskern Sozialer Netzwerke. Ihnen ist eine negative Anthropologie unterlegt, die aristokratischen Selektionsmechanismen folgt: Missliebige Kontaktaufnahmen klickt man kalt weg, jene, die sich aufdringlich oft zu Wort melden, werden kommentarlos ausgeschaltet. Man bewertet Redebeiträge umgehend, indem man anklickt, ob sie einem gefallen. Dem Sozialen wird damit ein Dezisionismus unterlegt, der Eros und Gewitztheit beflügelt. Exaltiertheit schlägt Scham, Schlagfertigkeit stille Größe, Präsenz Zurückgezogenheit, Theatralität Wahrhaftigkeit, Affektkontrolle Unverstelltheit. Der schweigsame Sonderling, dem man einst – ob berechtigt oder nicht – Intellektualität unterstellte und Seelentiefe, findet im Netz keine Ausdrucksform. Soziale Netzwerke bilden ein Reich von Höflingen, die galant auf sich aufmerksam machen. Sie sondern den Zögerlichen, den Nachdenklichen, den Schüchternen aus. Die Affektschwellen, die das Bürgertum zum individuellen Selbstschutz, zur kollektiven Machtsteigerung und zur vermeintlichen moralischen Vervollkommnung errichtet hatte, sind weggebrochen.

Die Umwälzung des kollektiven Affekthaushalts ist eine Revolution, die mit handfesten politischen Forderungen flankiert wird. Es ist keineswegs kokett, dass die politisch bewegte Internetgemeinde, die immerhin auf Anhieb zwei Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl auf sich vereinen konnte, als Piratenpartei firmiert. Ihr Fanal ist einer des Ungehorsams, der Mief, den sie bekämpft, sind die bürgerlichen Institutionen der Presse und der tradierten politischen Meinungsbildung, sind das Urheberrecht und jene Eliten, die sich noch der Vernetzung entsagen und damit ihrer aggressiven Selbstvermarktung. Die Netzavantgarde gibt sich betont egalitär und sucht die Oligarchisierung, die sich im Internet herausgebildet hat, zu verschleiern. Ihre Fürsten sind jene Betriebe, die erstmals in der Geschichte umfassend das Alltagsverhalten strukturieren. Facebook gibt die Regeln vor, nach denen eine Freundschaftsanfrage abgewehrt wird, ein Link gesetzt werden kann oder eine Kontaktaufnahme vollzogen wird. Der Konzern formalisiert damit für über 300 Millionen Nutzer das soziale Leben. Google liefert den Algorithmus für Suchergebnisse, strukturiert Relevanz. Die Enzyklopädie Wikipedia dominiert längst ein Wächterrat, der Einträge zensiert und Qualitätssicherung betreibt. Das Netz ist so umfassend reglementiert wie die Libertinage in Versailles durch rigide Etikette.

Die irrige Annahme, Soziale Netzwerke stärkten demokratische Meinungsbildung, mag der hämischen Beobachtung entsprungen sein, dass dort bislang Mächtige desavouiert werden. Die Anbiederung der politischen Klasse an die Netzwelt, die emsige Twitterei von Bundestagsabgeordneten, der Facebook-Auftritt der Kanzlerin zeigt willfährige Knechte des Internets, keineswegs machtvolle Protagonisten. Berühmtheiten stellen sich darin aus, um Freier buhlend, wie die Nutten auf Ausfallstraßen. Prominenz verkommt sogleich zur Semiprominenz. Bisher Einflussreiche sind verfangen in einem unauflöslichen Doublebind: Je mehr sie sich im Internet anpreisen, desto rasanter vollzieht sich die Inflation ihrer Ausstrahlung; entsagen sie sich aber dem Sozialen Netz, haftet ihnen der fatale Anschein von Gestrigkeit an. Wahre Stars im Netz sind jene nur, die auch das Netz gebar. Es nährte der Internetwahlkampf des Barack Obama kurzweilig die Illusion, das Internet tauge zum Verstärker althergebrachter politischer Institutionen und zur Steigerung des Charismas eines demokratischen Anführers. In der evozierten Suggestion, im ständigen Austausch mit seiner Anhängerschaft zu stehen, nutzte Obama das Internet allerdings so traditionell wie einst Roosevelt und andere Politiker seiner Zeit das Radio avantgardistisch: Der Gesellschaft wurde ein sozialistisches Gemeinschaftsgefühl implementiert. Lauschten Wähler am Kaminfeuer einer Radioansprache, fühlten sie sich tatsächlich persönlich angesprochen. Wie in der Frühzeit des Internets man tatsächlich eine eigentümlich persönliche E-Mail des Präsidentschaftskandidaten erhalten zu haben glaubte – und nicht die seines straff durchorganisierten Wahlkampfteams. Derlei nutzt sich ab und dürfte, wie die jüngsten Wahlkämpfe zeigen, kaum wiederholbar sein.

Das Web 2.0 ist vor- und zugleich nachdemokratisch. Es hebelt nicht nur nationale Gesetzgebung aus, formale Strukturen politischer Partizipation, es verdrängt nicht nur die alten Medien, sondern lässt einen neuen, gleichsam alten Menschentypus auf die Bühne treten: den sozial hyperaktiven, den um Status und Witz kämpfenden Höfling, den reaktionsschnellen und bewertungssüchtigen, den geistreichen Parvenü. Er verachtet all jene, die nicht aus der Deckung kommen. Sie werden eh hinweggefegt werden: die Geisteswissenschaftler altväterlicher Manier mit klobigen Büchern, die ängstlichen Journalisten, die sich an ihre Festanstellung klammern, die verbildet Hochnäsigen, die im gewitzten sozialen Austausch im Netz nur Oberflächlichkeit wittern. Das ist die alte, die durch und durch unerotische Welt, die immer noch nicht begreift, dass die Programmierer weniger, aber rasant wachsender Internetkonzerne die neuen Sonnengötter sind. Der Souverän ist nicht mehr souverän. Die Zeit scheint eine neue Ordnung der Dinge herbeiführen zu wollen, und wir werden davon zunächst nichts als bloß den Untergang der alten erleben.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. es stimmt zwar, dass "individuelle Markenbildung" ein wichtiger Bestandteil bei der Nutzung Sozialer Netzwerke ist und dies bei weitem nicht nur positive Effekte hat. Dennoch empfinde ich Ihren Text als einseitig: Es fehlt zum Beispiel der Hinweis, dass Soziale Netzwerke für viele Nutzer inzwischen ein wichtiges Werkzeug zur Informationsbeschaffung geworden sind. Auch die häufig zu hörende These von der "Demokratiefreundlichkeit" Sozialer Netzwerke als reines "Marketingversprechen" und den Obama-Wahlkampf als Eintagsfliege abzutun, halte ich für gewagt und ist mir persönlich zu kurz gegriffen. (Falls es interessiert: Mehr dazu habe ich unter http://www.thorstena.de/?... geschrieben)

  2. Muss denn jeder neuen Erscheinung gleich eine Gesellschaftstheorie aufgebügelt werden?

    Da gibt es eine neue Mode mit neuen Möglichkeiten. Dazu altneue Eitelkeiten, neue Unmöglichkeiten sowie ein ganzer Batzen hilfloser Einsamkeit, an Irrungen und Wirrungen. Was hier cool und angesagt ist, schon 100 Meter weiter gelten andere Gesetze.

    Das Internet, auch 2.0, ist ein Flickenteppich unzähliger Fürstentümer je ganz eigener Merkwürdigkeiten. Der Artikel klingt da ein bisschen so, als stehe uns ein Umbruch der Geistesgeschichte bevor oder sowas - naja wer solche Theorien mag solls glauben.

    Der Unterschied zu Vor-Internet Zeiten ist nicht eine vollkommen neue soziale Entwicklung oder gar noch deren Einheitlichkeit. Lediglich der Stil mag ein besonderer sein und verdient wie im Artikel geschehen Aufmerksamkeit. All das Gewurschtel, für das man früher weit laufen und weit hören musste, ist nun nur noch einen click entfernt. Das Internet ist das Weltauge für bequeme Leute. Aber auch mit einem click können selbst in unseren Zeiten noch Denkwelten und soziale grand canyons überschritten werden. Die bisherige Welt wird ins Netz kopiert und beschleunigt. Ob in der dadurch entstehenden Dynamik aber etwas Eigenes oder gar Neues entsteht, ist aber noch gar nicht mal so sicher.

  3. Blödigkeit kann jeden mal passieren. Gut erkannt wurde das schon lange bekannte Wikipedia Dilemma, welches jetzt (danke einiger „Privatpersonenblogs“) auch in der Zeit thematisiert wird.

    Diese Artikel finde ich besser, wobei ich zugeben muss, dass ich ihn diesmal nur überflogen habe, da es momentan so viele andere interessante Debatten gibt.

    Traurig finde ich, dass immer wieder die Angst nicht mehr „wichtig zu sein“ zwischen den Zeilen auftaucht. Hierdurch wirkt es wieder so, als würde eine persönliche Befindlichkeit des Autors (oder von vielen Journalisten generell?), die durchaus wichtige Behandlung der Themen „Risiken, Trends und Nachteile virtueller sozialer Netzwerke oder kann man dort überhaupt richtig kommunizieren?“ und „Wie bündelt man wichtige The
    men und Debatten im Zeitalter des Internets“ erheblich schwächen.

    Schade, den die virtuellen sozialen Netzwerke haben mal eine ordentliche und analytische Kritik seitens DER ZEIT verdient.

    Gerade weil es vermutlich durch die hier gefühlte Verschlechterung der Diskussionskultur bald Versuche geben könnte evtl. zwischen der Online-Version der Zeit und den VZ-Diensten „Synergien“ herzustellen…

  4. ...dann heißt das doch im eigentlichen Sinne nur noch:

    I´m at Google therefore i am

    Also mich nerven diese selbstdarstellerischen suchmaschinenoptimierenden Viral-Marketeers in eigener Sache, die nicht wirklich einen Dialog suchen sondern nur nach Möglichkeiten, sich im Netz zu verankern um von Google besser gefunden zu werden.
    Ist Kommunikation noch Kommunikation, wenn sie eigentlich nicht mehr auf einen Empfänger sondern an eine Suchmaschine gerichtet ist?

    Mein Kommentar zum Artikel übrigens ausführlicher hier auf meinem Blog:
    http://www.machtfrisch.co...

    mfG

    Stefan Frisch

  5. Herr Soboczynski arbeitet sich ein weiteres Mal (http://www.zeit.de/2009/2...) an einem Netz-Thema ab. Warum tut er sich das an?

    Die Eröffnungsseite des gedruckten ZEIT-Feuilletons füllt er wortreich mit Überlegungen zu Anthropologie, Gesellschaftsstruktur, dem Status von Intelekktuellen. Dabei offenbart er dem Leser nur eins: sein eigenes Unverständnis der Materie, über die er da schreibt. Manifestiert unter anderem in der Behauptung, in sozialen Netzwerken seien "die Freunde, die man [...] um sich versammelt [...] in der Regel sorgsam ausgewählt". Das ist natürlich ein Unfug sondergleichen, ebenso wie die Behauptung, dass "der schweigsame Sonderling, dem man einst – ob berechtigt oder nicht – Intellektualität unterstellte und Seelentiefe [...] im Netz keine Ausdrucksform [findet]". In diesem Auszug setzt der Autor obendrein ganz nonchalant "das Netz" mit sozialen Netzwerken gleich.

    Neben Unverständnis offenbart dies einen offensichtlichen Unwillen, sich ernsthaft mit dem Medium Internet auseinanderzusetzen, denn dort, wo es fast interessant würde, ergeht sich der Autor in denselben Phrasen wie so manch anderer, dem das Netz per se wenn nicht unheimlich so doch zumindest unangenehm ist.

  6. Soboczynskis Haltung zu allen Netzthemen erinnert mich an ein Zitat des Autors Douglas Adams, der schon 1999 anlässlich der Internetskepsis einiger Journalisten folgendes schrieb:

    "I suppose earlier generations had to sit through all this huffing and puffing with the invention of television, the phone, cinema, radio, the car, the bicycle, printing, the wheel and so on, but you would think we would learn the way these things work, which is this:

    1) everything that’s already in the world when you’re born is just normal;

    2) anything that gets invented between then and before you turn thirty is incredibly exciting and creative and with any luck you can make a career out of it;

    3) anything that gets invented after you’re thirty is against the natural order of things and the beginning of the end of civilisation as we know it until it’s been around for about ten years when it gradually turns out to be alright really.

    Apply this list to movies, rock music, word processors and mobile phones to work out how old you are."

    Quelle:
    http://www.douglasadams.c...

  7. Die vielen "Experten" die hier kommentieren haben einfach mal übersehen, dass wir erst am Beginn sind.
    Herr Soboczynsk übersieht natürlich einige Dimensionen von Social Networks, dennoch ist es ein guter Ansatz für weitere theoretische Überlegungen.
    Ich finde es einfach mühsam, wenn über Facebook und Co. so gesprochen wird, als würde hier etwas unglaublich Neues entstehen. Gesellschaft ist nichts anderes als Kommunikation und das Medium Internet ist endlich zu einem Interaktionsmedium geworden. Deshalb wird sich nicht gleich ein neuer Mensch entwickeln.
    Aber es wird auf jeden Fall spannend zu beobachten sein, wie die zukünftige Gesellschaftstheorie mit der Praxis Social Networks umgehen wird und hier schadet es nicht, wenn auch mal eine kontroverse These aufgebracht wird.
    Und noch ein Wort zu den "bösen" Suchmaschinenoptimierer. Solange man noch wirklich sinnvolle Kommentare schreibt und man auf seinem Blog wirklich dieses Thema behandelt, ist es doch einfach Kommentare 2.0, wenn ich hier meinen Link zu einer Diskussion auf einem anderen Medium platzieren.
    Ich würde mich freuen, wenn die Diskussion bei mir http://profilneurosen.com... und anderswo weitergehen würde.

  8. Schon wieder ein konservativer kulturpessimistischer Reflex auf die neuen Kommunikationsverhältnisse. Wieder einmal wird der Untergang des Abendlandes beschworen.

    Das theoretische Rüstzeug aus dem Grundkurs Soziologie gibt dem Text den nötigen bildungsbürgerlich-elitären Sound.

    Der Autor täte gut daran sich nicht nur mit dem Thema Internet differenzierter auseinanderzusetzen. Es würde ihm auch gut stehen sich mit der neueren Literatur der Soziologie auseinanderzusetzen, die durchaus auch etwas zum Thema Internet zu sagen hat.

    Alles andere wirkt wie Adorno beim Fasching:
    http://bit.ly/170Dk4

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