Heiraten in Afghanistan Torte à la Kabul
Die Hochzeitstortenbäcker haben in der Hauptstadt Afghanistans dieser Tage viel zu tun. Denn alle wollen heiraten!
© John Moore/Getty Images

Tanz auf einer teuren Hochzeitsfeier in Kabul
Ramadan ist vorbei, damit auch das Fasten, die sexuelle Enthaltsamkeit, das Rauchverbot. Und trotz der Raketen der Taliban oder gerade ihretwegen: "Die ganze Stadt ist verrückt, alle wollen heiraten." Das sagt Samir, dem das Afghan Paris gehört, eine der 40 Hochzeitshallen in Kabul. Vor Ramadan hatte er jeden Tag zwei Feiern, mittags und abends, auch jetzt, vor dem Winter, kommen noch viele. Nach 30 Jahren Bürgerkrieg in einem der ärmsten Länder der Welt zahlen seine Gäste 10.000 Dollar und mehr, verschulden sich auf Jahrzehnte für ein rauschendes Fest. Sie wollen lachen, träumen, tanzen, musizieren, zwölf Gänge essen und natürlich die Torte. Keine Hochzeit ohne Torte.
Und wer auf sich hält in Kabul, der bestellt bei Obaidulah, dem Bäcker in der Flower Street. Wie jeden Nachmittag kniet er im Hinterhof seines Ladens und macht die fünfstöckigen Träume seiner Kunden wahr, die in weißer Seide heiraten. Seine Hände hat er tief in Mehl, Eiern und Butter vergraben, viel Zeit hat er nicht mehr. 500 Kilo Torte muss er bis zum Abend backen, zwölf Hochzeiten beliefern, er arbeitet 17 Stunden am Tag.
Grün und rot sind seine Finger, die den Teig kneten. Grün von der Lebensmittelfarbe für die Torten, rot vom Henna. Er selbst hat gerade erst geheiratet, dafür wurden dem Brautpaar nach alter Sitte die Hände bemalt. Er strahlt, als er davon erzählt. Am Hochzeitstag hat er seine Frau das erste Mal sehen dürfen. Sie standen zusammen unter einem Schleier und erblickten einander in einem Spiegel, während der Mullah aus dem Koran zitierte.
"Schah nannten sie mich an diesem Abend", sagt er, "und dafür habe ich die schönste Torte von allen gebacken." Manwato taufte er sie, persisch für "du und ich". 60 Kilo Sahne, 200 Dollar, fünf Stunden Arbeit. Obaidulah ist erst Mitte zwanzig und schon eine kleine Berühmtheit in der Stadt. Seit seinem neunten Lebensjahr backt er Hochzeitstorten. Sein Vater war Bäcker, sein Großvater war Bäcker, für ihn stellte sich die Frage nach seiner Berufsentscheidung nicht. "Ich mag backen", sagt er, "es ist einfache Arbeit."
Seine Torten sind international. Die Eier kommen aus Iran, die Milch aus Pakistan, die Butter aus Malaysia, der Zucker aus Dubai, das Mehl aus den USA. In Afghanistan ist es billiger, etwas zu importieren, als die Waren aus dem eigenen Land zu kaufen. Zu wenig wird hier produziert.
Morgens hat Obaidulah die Zutaten auf dem Basar gekauft, jetzt stellt er den Teig in einen großen Lehmofen. Er hat ihn mit seinem Vater gebaut, über der Ofenklappe ritzte er ein: "Allah ist groß." Das soll Glück bringen. Sein Neffe Rashed, 14, holt die heißen Kuchenbleche wieder heraus und schneidet für die Torten passende Stücke zurecht. Als Unterlage dienen ihm Styroporplatten, die er aus dem Militärflughafen der Amerikaner herausgeschmuggelt hat. "Sonst kriegt man die Dinger kaum", sagt er und grinst.
- Datum 26.10.2009 - 14:25 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
- Kommentare 2
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is das ne homo-hochzeit?
ich seh auf dem bild nur kerle feiern!
ich dachte das ist in kabul verboten. sind sie vielleicht doch nicht so intolerant?
Hallo
Doch, sie sind es.
Aber da sie nur ihre eigene Frau sehen dürfen, bleiben die Männer eben auch beim feiern unter sich.
Btw. Junge Männer die sich besonders feminin bewegen können tanzen auf solchen Hochzeiten/Festen quasi als "Frauenersatz" und verdienen Höchstgagen.
Gruss
Rene
Hallo
Doch, sie sind es.
Aber da sie nur ihre eigene Frau sehen dürfen, bleiben die Männer eben auch beim feiern unter sich.
Btw. Junge Männer die sich besonders feminin bewegen können tanzen auf solchen Hochzeiten/Festen quasi als "Frauenersatz" und verdienen Höchstgagen.
Gruss
Rene
Hallo
Doch, sie sind es.
Aber da sie nur ihre eigene Frau sehen dürfen, bleiben die Männer eben auch beim feiern unter sich.
Btw. Junge Männer die sich besonders feminin bewegen können tanzen auf solchen Hochzeiten/Festen quasi als "Frauenersatz" und verdienen Höchstgagen.
Gruss
Rene
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