Schwarz-Gelb »Unser größtes Projekt«

Wie setzt man das Recht im Internet durch? Und wie macht man als Liberale mit Konservativen Politik? Ein Gespräch mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

DIE ZEIT: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, haben Sie nach fast drei Wochen Koalitionsverhandlungen schon ein schwarz-gelbes Gefühl?

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Ach, ich halte nichts von gefühligen Überhöhungen einer Regierungskoalition. Schwarz-Gelb ist weder Liebesheirat noch Zwangsehe, sondern ein Bündnis zwischen drei eigenständigen Parteien. Die Wählerinnen und Wähler haben uns den Auftrag zur Regierungsbildung gegeben, und den wollen wir erfüllen.

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ZEIT: Mit schwarz-gelben Befindlichkeiten kennen Sie sich aus: In der Regierung Kohl waren Sie Bundesjustizministerin, bis Sie 1996 wegen des großen Lauschangriffs zurückgetreten sind. Wird das Regieren nun mit einer Merkel-CDU einfacher?

Leutheusser: Die CDU unter Kohl ist gesellschaftspolitisch sehr konservativ gewesen. Die heutige CDU ist aufgeschlossener, in der Familienpolitik zum Beispiel hat sie sich der gesellschaftlichen Realität geöffnet. Diese Entwicklung ist vor allem ein Verdienst von Angela Merkel.

ZEIT: Aber neben einer CDU, die sich in der gesellschaftlichen Mitte breitmacht, ist es für die FDP doch schwerer, sich zu profilieren.

Leutheusser: Für die FDP ist da noch genug Raum, vor allem, wenn es um das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern geht. Das Freiheitsverständnis der Liberalen unterscheidet sich deutlich von dem der Union.

ZEIT: Sehr viel haben Sie davon aber nicht durchsetzen können, wenn wir recht sehen: Die FDP war zum Beispiel gegen die Onlinedurchsuchung, trotzdem wird sie bleiben.

Leutheusser: Moment mal, die liberale Handschrift ist deutlich erkennbar. Bei der Onlinedurchsuchung haben wir eine entscheidende Einschränkung durchgesetzt. Bisher konnte ein Amtsrichter eine Onlinedurchsuchung genehmigen, künftig darf das nur noch ein Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof.

ZEIT: Die BGH-Richter sind in der Regel geneigt, solche Anträge zu genehmigen.

Leutheusser: Warten wir mal ab. Durch das neue Verfahren wird auf jeden Fall mehr Schutz gewährt. Zudem haben wir die Forderung der Union abgewehrt, die Onlinedurchsuchung auch zur Strafverfolgung zu nutzen. Und wir haben durchgesetzt, dass die Privatsphäre besser geschützt wird. Hier werden wir ein Gesetz auf den Weg bringen, das den Kernbereich der privaten Lebensführung, wie das Bundesverfassungsgericht das nennt, genau definiert und damit verbessert.

Leser-Kommentare
  1. "Leutheusser:Aber eins ist klar: Es darf nicht der Eindruck entstehen, wir wollten zensieren."

    Wie wäre es stattdessen mit: Es darf keine Zensur stattfinden!

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    • keox
    • 25.10.2009 um 15:27 Uhr

    sind Sie wahnsinnig, das wäre ja Grundgesetzkonform.

    • keox
    • 25.10.2009 um 15:27 Uhr

    sind Sie wahnsinnig, das wäre ja Grundgesetzkonform.

  2. "Mit der Vorratsdatenspeicherung ist eine EU-Richtlinie umgesetzt worden, ....."
    Diese Richtlinien basieren auf der Zustimmung der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten und wenn die Richtlinien kritisiert werden, wird von den Politikern immer so getan, als ob sie nichts damit zu tun hätten!
    Ein schönes Beispiel ist der Krümmungsgrad von Gurken. Hier wurde ein Forderung des Handels umgesetzt, der anschließend so tat, als ob er damit nichts zu tun hätte.

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    • keox
    • 25.10.2009 um 16:02 Uhr

    Es geht um die Bündelung wirtschaftlicher Interessen unter Umgehung jeglicher demokratischer Legitimation.

    Die beängstigenden Demokratiedefizite der europäischen Nationalstaaten werden in diesem Konstrukt der europäischen €liten potenziert.

    Es wäre ehrlicher, man hätte es beim Begriff der EWU, der Europäischen Wirtschafts-Union belassen.

    Daß Deutschland dominiert sollte niemanden wundern, die deutschen €liten haben die Strategie geändert.

    Kann man Europa nicht militärisch beherrschen, über die Rechtsetzung und entsprechende Verträge rückt das in greifbare Nähe.

    Die totalitäre Konzeption dieses Europa wird Manchem klarer werden, wenn er im Netz nach INDECT sucht.

    Es mutet an wie eine Vision Schickelgrubers auf Koks, ist aber bitterernst gemeint.

    Ein Europa der Völker - allemal, ein €uropa der €liten - niemals.

    • keox
    • 25.10.2009 um 16:02 Uhr

    Es geht um die Bündelung wirtschaftlicher Interessen unter Umgehung jeglicher demokratischer Legitimation.

    Die beängstigenden Demokratiedefizite der europäischen Nationalstaaten werden in diesem Konstrukt der europäischen €liten potenziert.

    Es wäre ehrlicher, man hätte es beim Begriff der EWU, der Europäischen Wirtschafts-Union belassen.

    Daß Deutschland dominiert sollte niemanden wundern, die deutschen €liten haben die Strategie geändert.

    Kann man Europa nicht militärisch beherrschen, über die Rechtsetzung und entsprechende Verträge rückt das in greifbare Nähe.

    Die totalitäre Konzeption dieses Europa wird Manchem klarer werden, wenn er im Netz nach INDECT sucht.

    Es mutet an wie eine Vision Schickelgrubers auf Koks, ist aber bitterernst gemeint.

    Ein Europa der Völker - allemal, ein €uropa der €liten - niemals.

    • keox
    • 25.10.2009 um 15:27 Uhr

    sind Sie wahnsinnig, das wäre ja Grundgesetzkonform.

    • keox
    • 25.10.2009 um 16:02 Uhr

    Es geht um die Bündelung wirtschaftlicher Interessen unter Umgehung jeglicher demokratischer Legitimation.

    Die beängstigenden Demokratiedefizite der europäischen Nationalstaaten werden in diesem Konstrukt der europäischen €liten potenziert.

    Es wäre ehrlicher, man hätte es beim Begriff der EWU, der Europäischen Wirtschafts-Union belassen.

    Daß Deutschland dominiert sollte niemanden wundern, die deutschen €liten haben die Strategie geändert.

    Kann man Europa nicht militärisch beherrschen, über die Rechtsetzung und entsprechende Verträge rückt das in greifbare Nähe.

    Die totalitäre Konzeption dieses Europa wird Manchem klarer werden, wenn er im Netz nach INDECT sucht.

    Es mutet an wie eine Vision Schickelgrubers auf Koks, ist aber bitterernst gemeint.

    Ein Europa der Völker - allemal, ein €uropa der €liten - niemals.

  3. Zitat:
    "ZEIT: Sie wollen lieber auf die Durchsetzung des Rechts im Netz verzichten, als die Netzgemeinde zu verprellen?"

    Die Frage der ZEIT selbst ist schon vergiftet, wer nicht zensiert verzichtet nicht auf Durchsetzung des Rechts.

    Das Problem ist immer noch das Folgende:
    Das Internet ist die gelebte, brutale Globalisierung, die Widersprüche lokaler Gesetzgebung werden gnadenlos aufgedeckt.

    Beispiel 1, Nazipropaganda:
    - Sie ist in den USA legal, Punkt.
    - Sie ist in Deutschland verboten, Punkt.

    Beispiel 2, gezeichneter Kinderpornographie:
    (hier ist der Begriff korrekt, da keine realen Dinge gezeigt werden, sondern Fiktion, eben Pornographie)
    - Sie ist in den USA legal, Punkt.
    - Sie ist in Deutschland verboten, Punkt.

    Diese Widersprüche zwischen zwei gleichermassen freien, demokratischen Ländern sind nicht aufhebbar, entweder die Deutsche oder die US-Amerikanische Position wird ad absurdum geführt.

    Ich behaupte allerdings kühn, das die deutsche Position absurd ist.

    Solange derartige Inhalte materiell über Grenzen kamen, konnte man das Problem via Zoll lösen, das Internet bewirkt aber eine Situation, als würde man mit einem Teleskop und einem Spiegel ein Buch lesen, das in den USA aufgeschlagen auf einem Tisch liegt.

    Das Internet zwingt letztendlich jedes Land, über seine Gesinnungsgesetze nachzudenken.

    Dann kann man sie abschaffen.
    Oder man zensiert, aber zwischen Gesinnungsgesetzen der Chinesen und der Deutschen besteht kein Unterschied.

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