DIE ZEIT: Fast täglich neue Datenskandale, Millionen von Kundendaten in falschen Händen, zuletzt bei der Deutschen Telekom und der Onlinegemeinschaft SchülerVZ. Sind wir einfach nicht reif genug für diese neue Computerwelt?

Jens Seipenbusch: Unser Datenschutz ist tatsächlich mangelhaft. Die ganze Gesellschaft hat einen sehr großen Nachholbedarf.

ZEIT: Wer genau muss denn da etwas nachholen?

Seipenbusch: Der Staat, Unternehmen und jeder Einzelne werden sich daran gewöhnen müssen, mit Daten anders umzugehen, als zu der Zeit, in der man alles in einem Leitz-Ordner abgeheftet hat. Digitale Daten sind flüchtig, sie können blitzschnell irgendwo aus einer Datenbank kopiert oder schnell mal auf einer CD entführt werden. Und andererseits sind sie sehr langlebig. Man kann sie kaum löschen. Bei Google tauchen manchmal Informationen wieder auf, die man schon lange vernichtet zu haben glaubt – weil sie an mehreren Orten zugleich gespeichert wurden.

ZEIT: Es gibt also einen Nachholbedarf, aber eine breite Debatte über Datenschutz führt niemand. Es gibt keine Bestseller zum Thema, nicht mal Wahlen kann man damit gewinnen.

Seipenbusch: Das wird für den Bürger nur interessant, wenn es ihn persönlich trifft und wenn es wirtschaftliche Auswirkungen hat.

ZEIT: Wann ist es so weit?

Seipenbusch: Wir hatten im vergangenen Jahr schon einen ersten wake up moment. Danach sollte das Datenschutzgesetz ja auch verschärft werden, aber bei Weitem nicht genug.

ZEIT: Sie sind nicht nur Vorsitzender der Piratenpartei, sondern betreuen beruflich große Datenbanken. Was sagen Sie als Techniker – wäre, was der Telekom passiert ist, überhaupt zu verhindern?

Seipenbusch: Natürlich kann man das. Es kostet nur etwas Geld. Man könnte mit einer Handvoll Leuten ein System erzeugen, in dem die Daten sicher verschlüsselt sind. Hinzu kommt, dass Sicherheit meist am Ende einer Entwicklung drangeklatscht wird. Da heißt es: "So und nicht anders wollen wir etwas machen, und nun müssen wir zusehen, dass es auch ein bisschen sicher ist." Man könnte zum Beispiel die Zugriffsrechte auf Daten und damit eine Verschlüsselung gleich an den persönlichen Datensatz koppeln. Dann kann niemand so leicht auf Millionen Daten zugreifen.