Klimajahr 2009 Die Welt retten? Gern, aber nur mit eurer Hilfe

Sollen die Entwicklungsländer den Klimakollaps verhindern, müssen die Industrieländer sie mit Hunderten Milliarden Euro unterstützen.

Es sind vor allem die Länder des Südens, welche die Lasten des Klimawandels zu spüren bekommen. Madagaskar verliert schon heute zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, auch weil der Mensch wertvolle Wälder für den Ackerbau opfert

Es sind vor allem die Länder des Südens, welche die Lasten des Klimawandels zu spüren bekommen. Madagaskar verliert schon heute zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, auch weil der Mensch wertvolle Wälder für den Ackerbau opfert

Mama Konaté will Geld. Viel Geld. Es geht ihm um 600 Millionen Dollar für seine Heimat Mali. So viel ist nach Berechnungen von Experten des afrikanischen Landes nötig, um Mali vor den schlimmsten Folgen des Klimawandels zu bewahren. »Wir brauchen anderen Dünger, mehr Brunnen und hitzeresistentes Saatgut«, zählt Konaté einige der wichtigsten Investitionen auf. Und Konaté hat auch schon ein Datum vor Augen, an dem seinen Wünschen Taten folgen sollen. Es ist der 18. Dezember. An diesem Tag endet in Kopenhagen die Klimakonferenz der Vereinten Nationen.

Konaté ist Meteorologe in seiner Heimat. Zugleich vertritt er Malis Interessen bei der Versammlung in Dänemark. Vordergründig versuchen die über 10000 Teilnehmer einen Pakt zu schmieden, der den Klimakollaps bis Mitte dieses Jahrhunderts verhindern soll. Doch um dieses Ziel zu erreichen, ist die größte Umverteilung der Geschichte nötig.

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Schon kurzfristig, das zeigt das Beispiel Mali, müssen jährlich einige Milliarden Euro und Dollar in den Süden fließen, damit sich arme Länder an bereits spürbare Klimaveränderungen anpassen können. Langfristig sind noch nie da gewesene zusätzliche Finanzhilfen erforderlich, um die Volkswirtschaften rasant wachsender Schwellenländer wie Brasilien, Indien und China technisch derart aufzurüsten, dass sich ihr Ausstoß von Treibhausgasen möglichst minimieren lässt.

Bis 2030 werden je nach Prognose zwischen 140 und 675 Milliarden Dollar jährlich fällig – für neue Stromnetze, bessere Industriefilter oder effizientere Kraftwerke. Bereits 2020 erwartet die EU-Kommission Finanztransfers in Höhe von 100 Milliarden Euro jährlich. Allein das entspräche einer Verdoppelung der Entwicklungshilfe aller OECD-Staaten, wie Eric Heymann von der Deutschen Bank berechnet hat.

Für Jason Anderson, Kampagnenchef der Naturschutzorganisation WWF in Brüssel, geht es um nicht weniger als »die schnellste industrielle Revolution in der Geschichte«. Eine Revolution hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Nur so lässt sich verhindern, dass sich die Erde bis 2050 um nicht mehr als zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten aufheizt. Mehr Hitze sorgt für kaum kontrollierbare Wirbelstürme in der Karibik, steigende Wasserpegel in Bangladesch oder Dürreperioden in Mali.

Über all das herrscht Einigkeit unter den 192 UN-Mitgliedsländern. Nur: Wer soll die Anpassung und Neuausrichtung dieser Volkswirtschaften finanzieren? Um diese Frage ringen Reich und Arm, West und Ost, ja sogar die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) untereinander.

Aus Sicht der Entwicklungsländer, die sich in der UN zur Gruppe der 77 formiert haben und zu denen sich auch China zählt, ist die Lage klar: Es geht um die Begleichung einer historischen Schuld. Zu zwei Dritteln ist das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) aus Industrieschloten und Kraftwerken in Europa, Nordamerika, Japan und Australien gestiegen. Weil dort aber nur ein Sechstel der Weltbevölkerung wohnt, sollen diese Länder nun zahlen. Der 18. Dezember ist aus Sicht der Armen auch ein Tag der Abrechnung, ein Tag der Buße für frühere Sünden.

Über die genaue Aufteilung der Lasten debattieren derzeit Delegationen in der ganzen Welt, in dieser Woche dann auch die Regierungschefs der EU in Brüssel. Das Treffen könnte ein Meilenstein auf dem Weg nach Kopenhagen werden. Die schwedische Präsidentschaft würde gern mit konkreten Vorschlägen der EU zur Finanzierung vorpreschen. Doch die Bremser sitzen beim Abendessen nicht weit von Schwedens Präsidenten Fredrik Reinfeldt entfernt.

Auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel soll dazugehören, weil die deutsche Seite davor warne, »die Karten zu früh auf den Tisch zu legen«, wie man von Diplomaten hört. Merkel fürchtet den Mikadoeffekt: Wer zuerst zuckt, verliert das Verteilungsspiel und zahlt, verglichen mit den USA und anderen Industrieländern, womöglich zu viel. Zugleich fordert Polen sogar innerhalb der EU massive Umverteilungen zugunsten des Ostens. Auch diese Forderung wird nächste Woche beim Regierungsgipfel hochkochen.

Weil sich die Europäer dennoch in der Führungsrolle sehen, präsentierte die Brüsseler Kommission, die beim Klimapoker für die Europäer verhandelt, im September erstmals konkrete Zahlen: Für das Jahr 2020 errechnete sie einen weltweiten Finanzbedarf von jährlich 100 Milliarden Euro. Einen Teil davon sollen die Entwicklungsländer selbst aufbringen, einen weit größeren Teil aber die Industrieländer – über staatliche Transfers von bis zu 50 Milliarden Euro, zu denen die EU bis zu 15 Milliarden Euro beisteuern soll. 40 Prozent des Gesamtbedarfs soll der internationale Handel mit Kohlendioxidzertifikaten beisteuern.

Unternehmen sollen sich demnach schon bald weltweit Verschmutzungsrechte kaufen müssen, wenn sie beim Betrieb von Stahl- oder Kohlekraftwerken Treibhausgase emittieren. Für die gesamte Finanzierung legte Umweltkommissar Stavros Dimas einen Verteilungsschlüssel zugrunde, der sich an der heutigen Wirtschaftskraft und der derzeitigen Verschmutzung orientiert.

Das gut gemeinte Vorpreschen kam schlecht an im Ausland. Es wurde als ein Affront gegenüber den Entwicklungsländern gewertet. Thomas Hirsch, Klimaexperte bei Brot für die Welt, nannte die EU-Beiträge »erbärmlich«. Speziell in China, dem selbst ernannten Sprecher der G77, stößt Europas Vorschlag auf Widerstand. »Der Westen hat viel geredet, aber jetzt handelt er zu wenig. In China werden Debatten genau umgekehrt geführt«, sagt Changhua Wu, die Pekinger Büroleiterin der Organisation The Climate Group. Auch Chinas Ideen sind bekannt. Das Land fordert einen globalen Klimafonds. Zusätzlich zur Entwicklungshilfe sollten verpflichtend mindestens 0,5 Prozent der nationalen Bruttoinlandsprodukte in den Verteilungstopf fließen. 2007 hätte das umgerechnet 185 Milliarden Dollar entsprochen.

»Die großen Profiteure dieses Topfes werden China und Indien sein. Für Europäer und Amerikaner ist das ein psychologisches Problem«, sagt Wu nüchtern. Denn mit dem größten Teil des Geldes sollen nicht nur Deiche gebaut, sondern ganze Volkswirtschaften fit gemacht werden – für eine kohlenstoffarme Zukunft. Allein in China werden sich bis 2020 die PKW-Zulassungen auf 150 Millionen im Jahr verdreifachen. Die Regierung fördert nun – auch mit Hilfe aus dem Westen – vor allem die Entwicklung verbrauchsarmer Modelle. Die Zementindustrie muss ebenso modernisiert werden wie Kohlekraftwerke, während bereits heute riesige Solarfelder Vorboten des technologischen Wandels sind.

Auch die ärmsten Länder müssen diesen Pfad einschlagen, soll ein Klimadesaster verhindert werden. Wegen des enormen Wachstumspotenzials sind zwei Drittel künftiger Einsparungen in Entwicklungsländern nötig.

Europäer, Japaner und Amerikaner haben das erkannt. Doch Bares wollen sie nur gegen Zusagen der G77 geben. »Die Entwicklungsländer hätten gern direkten Zugriff auf das Geld, wir favorisieren eine Finanzierung konkreter Programme unter internationaler Beteiligung«, sagt Artur Runge-Metzger, Verhandlungsführer der EU beim weltweiten Feilschen um den Klimaschutz. Doch schon in Brüssel bezweifeln Beobachter, ob sich China auf ein Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip einlassen würde. »Das chinesische Verhalten in den nächsten Wochen ist kaum vorauszusehen«, sagt ein Mitarbeiter des Europäischen Rats.

Christian Egenhofer vom Center for European Policy Studies kann sich kaum vorstellen, »dass Schwellenländer wie Brasilien als Gegenleistung für Finanztransfers die Hoheit über Teile des Regenwalds an die Vereinten Nationen abtreten«. Geschieht das aber nicht, sinkt die Zahlungsbereitschaft der Reichen. Benito Müller vom Oxford Institute for Energy Studies glaubt, dass hiesigen Steuerzahlern noch vermittelt werden kann, wenn mit ihrem Geld zwei Krankenhäuser in Entwicklungsländern finanziert werden, »aber wie sieht das bei 100 Krankenhäusern aus?«

Bei aller Sorge um ihren Haushalt sollten die Industrieländer eines nicht unterschätzen: die Wut der Armen. Sie war selten größer als in den Wochen vor Kopenhagen. »Wir lassen nicht zu, dass Verhandler und Regierungen weiter das menschliche Leid des Klimawandels ignorieren«, sagt stellvertretend Bruno Sekoli, Vorsitzender der Gruppe besonders armer Länder. Er weiß natürlich, dass Beschlüsse in den Vereinten Nationen nur einstimmig zustande kommen, und er sorgt sich um die Landstriche in Afrika und Südostasien, die den Klimawandel schon heute spüren.

In Bangladesch drückt der anschwellende Meeresspiegel ins Landesinnere, Reisfelder drohen zu versalzen. In Ostafrika, berichtet Hirsch von Brot für die Welt, rechneten Menschen vor 50 Jahren alle sieben Jahre mit dem Ausfall einer Regenzeit, »heute kämpfen Landwirte dort alle drei Jahre mit anhaltender Dürre«. Und die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen rechnete gerade vor, dass die Zahl der Hungernden weltweit in diesem Jahr erstmals die Milliardengrenze überschritten habe.

Delegierte wie Sekoli, der für Lesotho zu den Verhandlungen reist, haben auch deshalb das Vertrauen in den Norden verloren, weil die Industrieländer unverbindliche Zahlungsversprechen immer wieder gebrochen haben. Zuletzt jenes der Entwicklungshilfe. 0,7 Prozent ihres jährlichen Bruttoinlandsprodukts wollten die reichen Länder bis 2015 für den Kampf gegen Armut mobilisieren, geflossen sind zuletzt gerade einmal 0,28 Prozent. »Die Entwicklungsländer werden sich nicht auf die Gründung einiger neuer Placebo-Fonds einlassen«, vermutet Oxford-Ökonom Müller.

Der Süden erwartet eine historische Zäsur. Die Chance, dass dies ausgerechnet in diesem Jahr gelingt, ist jedoch schlecht. Nicht, weil der Westen den Handlungsdruck verkennt, sondern weil der Totalausfall des größten potenziellen Gebers droht. »Die Vereinigten Staaten haben ein Timing-Problem«, sagt ein Kenner der US-Position. Barack Obama ist zwar gewillt, die Finanzierung der Klimalasten zu sichern. Doch vor Kopenhagen wird der US-Kongress kaum über die nationalen Klimagesetze abstimmen. Sie gelten aber als Voraussetzung dafür, dass Obama seine Versprechen auch einlösen kann. Zugleich ist es schwierig, »nach dem Feuer der Finanzkrise gleich den nächsten Holzscheit an Dollarverpflichtungen nachzulegen«, sagt der Kenner der US-Szene.

Selbst wenn der US-Präsident im Dezember vorpreschen sollte, stößt er in der Heimat auf ein Mentalitätsproblem. »Die USA mögen typischerweise keine Verpflichtungen, sie bevorzugen freiwillige Fonds«, sagt der Insider. Und so favorisiert Amerika einen Fonds, der auf freiwilligen Einzahlungen beruht. »Das ist schon ein deutlich anderer Zugang, als ihn die EU wählen würde«, kommentiert Europas Verhandler Runge-Metzger.

Der EU-Beamte will Mittler sein zwischen den Extremen China und USA. Und der moralische Druck hilft ihm dabei. Jedes Jahr Zögern und Zaudern führt nach Schätzung der Internationalen Energiebehörde dazu, dass die Staatengemeinschaft weitere 500 Milliarden Dollar für Investitionen in den Energiesektor aufbringen muss, weil die Ziele dann in noch kürzerer Zeit erreicht werden müssen.

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Leser-Kommentare
    • pioja
    • 27.10.2009 um 20:05 Uhr

    Es ist eines der größten Dilemmas unserer Zivilisation, dass das Geld den Rang der wertvollsten Recource einnimmt. Dabei handelt es sich "nur" um ein universelles Zahlungsmittel, welches meist aus ein wenig Kunststoff, Papier und Farbe besteht.

    Die viel wichtigere Frage ist, wie viel natürliche Recourcen ein Wandel unserer Lebensweise kosten wird, und wie ein Szenario aussieht in dem ein solcher Wandel nicht stattfindet. Doch leider müssen wir mit dem "Grund allen Übels" wirtschaften..

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    Geld, wie wir es kennen, besitzt Eigenschaften, die es zu einem Problem machen - allem voran: Zinsen.
    Schuldenberge werden auf diese Weise niemals abgebaut.

    Die tatsächlichen Werte liegen in der menschlichen Kraft und Kreativität, in der Produktion von Lebensmitteln und Gütern, die wir wirklich brauchen.
    Geld ist nicht notwendig, um Projekte zu verwirklichen.
    Es braucht eine Währung, mit der man Waren und Dienstleistungen tauschen kann, ja.
    Aber die Währung selbst ist doch nichts wert.
    Warum schaffen wir nicht eine Währung, die diese Aufgaben erfüllt anstatt den Forderungen der Geldwirtschaft hinterherzuhecheln, die niemals erfüllt werden können?
    Ein Schuldenberg von 600 Mio. Dollar - wie soll der jemals zurückgezahlt werden?
    Und der deutsche Staatshaushalt....Wie soll ein Wirtschaftswachstum aussehen, dass diesen Schuldenberg wieder abbaut?!? Das ist doch einfach nicht möglich.

    Geld, wie wir es kennen, besitzt Eigenschaften, die es zu einem Problem machen - allem voran: Zinsen.
    Schuldenberge werden auf diese Weise niemals abgebaut.

    Die tatsächlichen Werte liegen in der menschlichen Kraft und Kreativität, in der Produktion von Lebensmitteln und Gütern, die wir wirklich brauchen.
    Geld ist nicht notwendig, um Projekte zu verwirklichen.
    Es braucht eine Währung, mit der man Waren und Dienstleistungen tauschen kann, ja.
    Aber die Währung selbst ist doch nichts wert.
    Warum schaffen wir nicht eine Währung, die diese Aufgaben erfüllt anstatt den Forderungen der Geldwirtschaft hinterherzuhecheln, die niemals erfüllt werden können?
    Ein Schuldenberg von 600 Mio. Dollar - wie soll der jemals zurückgezahlt werden?
    Und der deutsche Staatshaushalt....Wie soll ein Wirtschaftswachstum aussehen, dass diesen Schuldenberg wieder abbaut?!? Das ist doch einfach nicht möglich.

  1. "Zu zwei Dritteln ist das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) aus Industrieschloten und Kraftwerken in Europa, Nordamerika, Japan und Australien gestiegen."

    Dies bezieht sich auf mehr als 150 Jahre.

    "Weil dort aber nur ein Sechstel der Weltbevölkerung wohnt"

    Stand: heute.
    Im 19. Jahrhundert war das Bevölkerungsverhältnis noch nicht so ungleich wie heute, was im extremen Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern begründet ist. Die Übernutzung natürlicher Ressourcen trägt zum Klimawandel bei, wie die Dürre in Darfur, wo sich in den letzten 50 Jahren die Bevölkerung verSIEBENfacht hat. In Kenia wurden großflächig Wälder abgeholzt und nun wundern sich die Bewohner über das Ausbleiben der Regenfälle.

    Nun soll der Westen das Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt weiter finanzieren? Hier haben viele Menschen nicht mehr genug Geld, um eine eigene Familie zu gründen, Jobs werden nach Ostasien & Co. verlagert und wir sollen dann noch mehr Geld schicken? Ich erwarte von der Dritten Welt einschneidende Maßnahmen zur Regulierung des Bevölkerungswachstums, Chinas erfolgreiche Ein-Kind-Politik ist hier ein nachahmenswertes Vorbild.

    Die Zeit hat im September 2009 richtig geschrieben:
    http://www.zeit.de/2009/4...

    "Der Energieverschwendung müssten die Industrieländer Einhalt gebieten, dem Bevölkerungswachstum hingegen die Entwicklungsländer, meinen die Autoren. Sonst werde die Welt den Klimawandel und seine Folgen nicht in den Griff bekommen."

  2. ist sehr oft enormer Armut, schlechter Aufklärung, oder ungenügendem Zugang zu Verhütungsmitteln geschuldet. Ich finde es zynisch der so genannten "3.Welt" so etwas vorzuwerfen. WIr müssen endlich ernsthafte Vorstöße wagen um die Armut zu beseitigen (Schuldenerlass!!). SO lassen sich auch ökologische Probleme ernsthaft und auf Augenhöhe begegnen.

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    Sie schrieben:
    "extremer Bevölkerungswachstum....
    ist sehr oft enormer Armut, schlechter Aufklärung, oder ungenügendem Zugang zu Verhütungsmitteln geschuldet."

    Im von mir zitierten Zeit-Artikel findet sich folgender Absatz:
    http://www.zeit.de/2009/4...

    "Und gilt nicht wachsender Wohlstand als bestes Mittel gegen übermäßige Fruchtbarkeit? Dem ist nicht so. Auch in armen Gemeinschaften beobachteten Forscher, wie die Geburtenrate ohne Druck von außen sank. Es reichte, wenn Verhütungsmittel und medizinische Versorgung frei zugänglich waren. Sie vorzuenthalten ist unfair, sie bereitzustellen gebietet die Menschlichkeit. »Macht jede Geburt zu einer gewollten Geburt«, fordern jetzt die Autoren in den Proceedings – bestürzend banal."

    Sie haben im Bezug auf Verhütungsmittel vollkommen Recht, was die Armut angeht, allerdings nicht. Ein hohes Bevölkerungswachstum erzeugt gerade Armut, weil die Infrastruktur eines Staates (medizinische Versorgung, Bildungswesen, Arbeitsplätze) nicht mitwachsen kann.

    Die Bereitstellung von Verhütungsmitteln scheitert allerdings an religiösen Betonköpfen, seien es Katholiken, Moslems, Evangelikale und andere.

    Sie schrieben:
    "extremer Bevölkerungswachstum....
    ist sehr oft enormer Armut, schlechter Aufklärung, oder ungenügendem Zugang zu Verhütungsmitteln geschuldet."

    Im von mir zitierten Zeit-Artikel findet sich folgender Absatz:
    http://www.zeit.de/2009/4...

    "Und gilt nicht wachsender Wohlstand als bestes Mittel gegen übermäßige Fruchtbarkeit? Dem ist nicht so. Auch in armen Gemeinschaften beobachteten Forscher, wie die Geburtenrate ohne Druck von außen sank. Es reichte, wenn Verhütungsmittel und medizinische Versorgung frei zugänglich waren. Sie vorzuenthalten ist unfair, sie bereitzustellen gebietet die Menschlichkeit. »Macht jede Geburt zu einer gewollten Geburt«, fordern jetzt die Autoren in den Proceedings – bestürzend banal."

    Sie haben im Bezug auf Verhütungsmittel vollkommen Recht, was die Armut angeht, allerdings nicht. Ein hohes Bevölkerungswachstum erzeugt gerade Armut, weil die Infrastruktur eines Staates (medizinische Versorgung, Bildungswesen, Arbeitsplätze) nicht mitwachsen kann.

    Die Bereitstellung von Verhütungsmitteln scheitert allerdings an religiösen Betonköpfen, seien es Katholiken, Moslems, Evangelikale und andere.

  3. Den obigen Kommentaren kann ich nur unumwunden zustimmen.
    Alle 40 Jahre verdoppelt sich die Weltbevölkerung.
    Bei gleichbleibender Vermehrung leben im Jahr 2050 14 Mia Menschen auf diesem Planeten hier.

    Gegenüber den durch die Bevölkerungsexplosion voraussehbar bevorstehenden katastrophalen (Über-)Lebensbedingungen der nächsten Generation ist ein Klimawandel um 1 oder 2 Grad Celsius nur eine unwesentliche kleine Randnotiz.

  4. Eine grosse Finanzierung von den entwickelten Laendern in den o.g. Groessenordnungen wird und kann es nicht geben.
    Laender wie CHina und Indien haben gewaltige Ressourcen, auch die wichtige Ressource Geld, die sie bei gutem Willen fuer die Bekaempfung des Klimawandels einsetzen koenne. Es ist utopisch und volkswirtschaftlich noch unklug, diesen Laendern ihre Modernisierung zu bezahlen.
    Und die wirklich armen Laender in Afrika und z.T. in Asien muessen auf jeden Fall konkrete Ideen und Projekte zur Bekaempfung des Klimawandels vorstellen. Ueber die Finanzierung kann man dann reden. Aber das wird wahrscheinlich besser ueber die freie Wirtschaft und Kredite an den Kapitalmaerkten funktionieren als ueber Transferzahlungen der Industrielaender.
    MAn darf nicht vergessen, dass in diesen Laendern oftmals jedes Verstaendis und Bewusstsein fuer den Klimawandel fehlt. Ein solches aufzubauen ist aber ein langer Weg. Jeder Staat wird am Ende seinen Co2 Ausstoss reduzieren muessen. DAs ungeloeste Problem hierbei ist aber das oben angesprochene Bevoelkerungswachstum. Wenn dies nicht gestoppt wird, bleiben alle Anstrengugen wirkungslos.

  5. sondern auch die Bedingungen der politischen Kooperationen endlich von dieser "darwinistisch geprägten Ausbeutermentalität" abkoppeln.
    Im Nigerdelta verschmutzen die Ölfirmen ein Paradies ohne Gewissensbisse, Regenwald roden im großen Stil (vorher schön die Einheimischen mit Gummigeschossen und Tränengas vertreiben), Gold und Diamanten für teuren Schmuck von Kinderhänden aus der Erde graben lassen, das und vieles mehr zerstört die Strukturen (soziale und finanzielle) der Länder die wir ausbeuten.
    Außerdem subventionieren wir nach "protektionistischer sozialistischer" nicht marktwirtschaftlicher Mentalität unsere Agrar- und Industriezweige, damit diese mit den Produkten auf dem Weltmarkt nicht nur konkurrieren, sondern diese preislich noch unterbieten können. Das bedeutet dann das unerbittliche aus vieler Existenzen und auch zur Zerstörung des "Marktes" und der relevanten finanziellen und sozialen Sicherheit.

    Zur Überbevölkerung und die Ängste so mancher Autoren:
    Die Stadt Wien wirft täglich so viele Lebensmittel weg, wie die Stadt Salzburg zum Leben benötigte. Wir könnten mit unserem weltweiten Nahrungsmittelanbau ca. 10 Mrd. Menschen ernähren, nur die Verschwendung der Nahrungsmittel/Ressourcen lässt die Menschen verhungern. Was auf dieser Erde unmöglich ist, dass alle Menschen der Welt so "schmarotzend" leben, wie die so sich "selbstlobende westliche Welt"!

    Herzliche Grüße

  6. Durch bessere Technologie und effizientere Logistik - bspw. in den Bereichen Häuserbau, Kühlschränke, Autos, LKW-Transport - gäbe es enorme Potenziale zur Einsparung Treibhausgasen. Dieser Punkt wird in der Klima-Debatte leider so oft vergessen. Technologisch sind die Lösungen längst auf dem Tisch (s. Ernst Ulrich v. Weizscäker: Faktor 4; sowie Pacala/ Socolow: Stabilization Wedges, Science 2004). Dennoch gelangen wir zu keiner Einigung. In den reichen Ländern heißt es so oft "wir können nichts tun, denn die Bevölkerung in den armen Ländern wächst so schnell". Aber dieses Bevölkerungswachstum ist nicht am Klimawandel schuld, denn die Länder, die am schnellsten wachsen (z.B. Nigeria) haben einen sehr geringen pro-Kopf Verbrauch.
    Für diesen Umstieg auf effiziente Technologien braucht es globale CO2 Steuern, vorranging auch auf Kerosin. Für die Anpassungskosten ärmerer Länder können die Einnahmen aus einer globalen Tobin-Steuer verwendet werden. Kurz, es braucht einen Global Contract.

  7. Geld, wie wir es kennen, besitzt Eigenschaften, die es zu einem Problem machen - allem voran: Zinsen.
    Schuldenberge werden auf diese Weise niemals abgebaut.

    Die tatsächlichen Werte liegen in der menschlichen Kraft und Kreativität, in der Produktion von Lebensmitteln und Gütern, die wir wirklich brauchen.
    Geld ist nicht notwendig, um Projekte zu verwirklichen.
    Es braucht eine Währung, mit der man Waren und Dienstleistungen tauschen kann, ja.
    Aber die Währung selbst ist doch nichts wert.
    Warum schaffen wir nicht eine Währung, die diese Aufgaben erfüllt anstatt den Forderungen der Geldwirtschaft hinterherzuhecheln, die niemals erfüllt werden können?
    Ein Schuldenberg von 600 Mio. Dollar - wie soll der jemals zurückgezahlt werden?
    Und der deutsche Staatshaushalt....Wie soll ein Wirtschaftswachstum aussehen, dass diesen Schuldenberg wieder abbaut?!? Das ist doch einfach nicht möglich.

    Antwort auf "Recource Geld"

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