Klimajahr 2009 Die Welt retten? Gern, aber nur mit eurer Hilfe
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 Der Süden erwartet eine historische Zäsur

Bei aller Sorge um ihren Haushalt sollten die Industrieländer eines nicht unterschätzen: die Wut der Armen. Sie war selten größer als in den Wochen vor Kopenhagen. »Wir lassen nicht zu, dass Verhandler und Regierungen weiter das menschliche Leid des Klimawandels ignorieren«, sagt stellvertretend Bruno Sekoli, Vorsitzender der Gruppe besonders armer Länder. Er weiß natürlich, dass Beschlüsse in den Vereinten Nationen nur einstimmig zustande kommen, und er sorgt sich um die Landstriche in Afrika und Südostasien, die den Klimawandel schon heute spüren.

In Bangladesch drückt der anschwellende Meeresspiegel ins Landesinnere, Reisfelder drohen zu versalzen. In Ostafrika, berichtet Hirsch von Brot für die Welt, rechneten Menschen vor 50 Jahren alle sieben Jahre mit dem Ausfall einer Regenzeit, »heute kämpfen Landwirte dort alle drei Jahre mit anhaltender Dürre«. Und die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen rechnete gerade vor, dass die Zahl der Hungernden weltweit in diesem Jahr erstmals die Milliardengrenze überschritten habe.

Delegierte wie Sekoli, der für Lesotho zu den Verhandlungen reist, haben auch deshalb das Vertrauen in den Norden verloren, weil die Industrieländer unverbindliche Zahlungsversprechen immer wieder gebrochen haben. Zuletzt jenes der Entwicklungshilfe. 0,7 Prozent ihres jährlichen Bruttoinlandsprodukts wollten die reichen Länder bis 2015 für den Kampf gegen Armut mobilisieren, geflossen sind zuletzt gerade einmal 0,28 Prozent. »Die Entwicklungsländer werden sich nicht auf die Gründung einiger neuer Placebo-Fonds einlassen«, vermutet Oxford-Ökonom Müller.

Der Süden erwartet eine historische Zäsur. Die Chance, dass dies ausgerechnet in diesem Jahr gelingt, ist jedoch schlecht. Nicht, weil der Westen den Handlungsdruck verkennt, sondern weil der Totalausfall des größten potenziellen Gebers droht. »Die Vereinigten Staaten haben ein Timing-Problem«, sagt ein Kenner der US-Position. Barack Obama ist zwar gewillt, die Finanzierung der Klimalasten zu sichern. Doch vor Kopenhagen wird der US-Kongress kaum über die nationalen Klimagesetze abstimmen. Sie gelten aber als Voraussetzung dafür, dass Obama seine Versprechen auch einlösen kann. Zugleich ist es schwierig, »nach dem Feuer der Finanzkrise gleich den nächsten Holzscheit an Dollarverpflichtungen nachzulegen«, sagt der Kenner der US-Szene.

Selbst wenn der US-Präsident im Dezember vorpreschen sollte, stößt er in der Heimat auf ein Mentalitätsproblem. »Die USA mögen typischerweise keine Verpflichtungen, sie bevorzugen freiwillige Fonds«, sagt der Insider. Und so favorisiert Amerika einen Fonds, der auf freiwilligen Einzahlungen beruht. »Das ist schon ein deutlich anderer Zugang, als ihn die EU wählen würde«, kommentiert Europas Verhandler Runge-Metzger.

Der EU-Beamte will Mittler sein zwischen den Extremen China und USA. Und der moralische Druck hilft ihm dabei. Jedes Jahr Zögern und Zaudern führt nach Schätzung der Internationalen Energiebehörde dazu, dass die Staatengemeinschaft weitere 500 Milliarden Dollar für Investitionen in den Energiesektor aufbringen muss, weil die Ziele dann in noch kürzerer Zeit erreicht werden müssen.

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Leser-Kommentare
    • pioja
    • 27.10.2009 um 20:05 Uhr

    Es ist eines der größten Dilemmas unserer Zivilisation, dass das Geld den Rang der wertvollsten Recource einnimmt. Dabei handelt es sich "nur" um ein universelles Zahlungsmittel, welches meist aus ein wenig Kunststoff, Papier und Farbe besteht.

    Die viel wichtigere Frage ist, wie viel natürliche Recourcen ein Wandel unserer Lebensweise kosten wird, und wie ein Szenario aussieht in dem ein solcher Wandel nicht stattfindet. Doch leider müssen wir mit dem "Grund allen Übels" wirtschaften..

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    Geld, wie wir es kennen, besitzt Eigenschaften, die es zu einem Problem machen - allem voran: Zinsen.
    Schuldenberge werden auf diese Weise niemals abgebaut.

    Die tatsächlichen Werte liegen in der menschlichen Kraft und Kreativität, in der Produktion von Lebensmitteln und Gütern, die wir wirklich brauchen.
    Geld ist nicht notwendig, um Projekte zu verwirklichen.
    Es braucht eine Währung, mit der man Waren und Dienstleistungen tauschen kann, ja.
    Aber die Währung selbst ist doch nichts wert.
    Warum schaffen wir nicht eine Währung, die diese Aufgaben erfüllt anstatt den Forderungen der Geldwirtschaft hinterherzuhecheln, die niemals erfüllt werden können?
    Ein Schuldenberg von 600 Mio. Dollar - wie soll der jemals zurückgezahlt werden?
    Und der deutsche Staatshaushalt....Wie soll ein Wirtschaftswachstum aussehen, dass diesen Schuldenberg wieder abbaut?!? Das ist doch einfach nicht möglich.

    Geld, wie wir es kennen, besitzt Eigenschaften, die es zu einem Problem machen - allem voran: Zinsen.
    Schuldenberge werden auf diese Weise niemals abgebaut.

    Die tatsächlichen Werte liegen in der menschlichen Kraft und Kreativität, in der Produktion von Lebensmitteln und Gütern, die wir wirklich brauchen.
    Geld ist nicht notwendig, um Projekte zu verwirklichen.
    Es braucht eine Währung, mit der man Waren und Dienstleistungen tauschen kann, ja.
    Aber die Währung selbst ist doch nichts wert.
    Warum schaffen wir nicht eine Währung, die diese Aufgaben erfüllt anstatt den Forderungen der Geldwirtschaft hinterherzuhecheln, die niemals erfüllt werden können?
    Ein Schuldenberg von 600 Mio. Dollar - wie soll der jemals zurückgezahlt werden?
    Und der deutsche Staatshaushalt....Wie soll ein Wirtschaftswachstum aussehen, dass diesen Schuldenberg wieder abbaut?!? Das ist doch einfach nicht möglich.

  1. "Zu zwei Dritteln ist das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) aus Industrieschloten und Kraftwerken in Europa, Nordamerika, Japan und Australien gestiegen."

    Dies bezieht sich auf mehr als 150 Jahre.

    "Weil dort aber nur ein Sechstel der Weltbevölkerung wohnt"

    Stand: heute.
    Im 19. Jahrhundert war das Bevölkerungsverhältnis noch nicht so ungleich wie heute, was im extremen Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern begründet ist. Die Übernutzung natürlicher Ressourcen trägt zum Klimawandel bei, wie die Dürre in Darfur, wo sich in den letzten 50 Jahren die Bevölkerung verSIEBENfacht hat. In Kenia wurden großflächig Wälder abgeholzt und nun wundern sich die Bewohner über das Ausbleiben der Regenfälle.

    Nun soll der Westen das Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt weiter finanzieren? Hier haben viele Menschen nicht mehr genug Geld, um eine eigene Familie zu gründen, Jobs werden nach Ostasien & Co. verlagert und wir sollen dann noch mehr Geld schicken? Ich erwarte von der Dritten Welt einschneidende Maßnahmen zur Regulierung des Bevölkerungswachstums, Chinas erfolgreiche Ein-Kind-Politik ist hier ein nachahmenswertes Vorbild.

    Die Zeit hat im September 2009 richtig geschrieben:
    http://www.zeit.de/2009/4...

    "Der Energieverschwendung müssten die Industrieländer Einhalt gebieten, dem Bevölkerungswachstum hingegen die Entwicklungsländer, meinen die Autoren. Sonst werde die Welt den Klimawandel und seine Folgen nicht in den Griff bekommen."

  2. ist sehr oft enormer Armut, schlechter Aufklärung, oder ungenügendem Zugang zu Verhütungsmitteln geschuldet. Ich finde es zynisch der so genannten "3.Welt" so etwas vorzuwerfen. WIr müssen endlich ernsthafte Vorstöße wagen um die Armut zu beseitigen (Schuldenerlass!!). SO lassen sich auch ökologische Probleme ernsthaft und auf Augenhöhe begegnen.

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    Sie schrieben:
    "extremer Bevölkerungswachstum....
    ist sehr oft enormer Armut, schlechter Aufklärung, oder ungenügendem Zugang zu Verhütungsmitteln geschuldet."

    Im von mir zitierten Zeit-Artikel findet sich folgender Absatz:
    http://www.zeit.de/2009/4...

    "Und gilt nicht wachsender Wohlstand als bestes Mittel gegen übermäßige Fruchtbarkeit? Dem ist nicht so. Auch in armen Gemeinschaften beobachteten Forscher, wie die Geburtenrate ohne Druck von außen sank. Es reichte, wenn Verhütungsmittel und medizinische Versorgung frei zugänglich waren. Sie vorzuenthalten ist unfair, sie bereitzustellen gebietet die Menschlichkeit. »Macht jede Geburt zu einer gewollten Geburt«, fordern jetzt die Autoren in den Proceedings – bestürzend banal."

    Sie haben im Bezug auf Verhütungsmittel vollkommen Recht, was die Armut angeht, allerdings nicht. Ein hohes Bevölkerungswachstum erzeugt gerade Armut, weil die Infrastruktur eines Staates (medizinische Versorgung, Bildungswesen, Arbeitsplätze) nicht mitwachsen kann.

    Die Bereitstellung von Verhütungsmitteln scheitert allerdings an religiösen Betonköpfen, seien es Katholiken, Moslems, Evangelikale und andere.

    Sie schrieben:
    "extremer Bevölkerungswachstum....
    ist sehr oft enormer Armut, schlechter Aufklärung, oder ungenügendem Zugang zu Verhütungsmitteln geschuldet."

    Im von mir zitierten Zeit-Artikel findet sich folgender Absatz:
    http://www.zeit.de/2009/4...

    "Und gilt nicht wachsender Wohlstand als bestes Mittel gegen übermäßige Fruchtbarkeit? Dem ist nicht so. Auch in armen Gemeinschaften beobachteten Forscher, wie die Geburtenrate ohne Druck von außen sank. Es reichte, wenn Verhütungsmittel und medizinische Versorgung frei zugänglich waren. Sie vorzuenthalten ist unfair, sie bereitzustellen gebietet die Menschlichkeit. »Macht jede Geburt zu einer gewollten Geburt«, fordern jetzt die Autoren in den Proceedings – bestürzend banal."

    Sie haben im Bezug auf Verhütungsmittel vollkommen Recht, was die Armut angeht, allerdings nicht. Ein hohes Bevölkerungswachstum erzeugt gerade Armut, weil die Infrastruktur eines Staates (medizinische Versorgung, Bildungswesen, Arbeitsplätze) nicht mitwachsen kann.

    Die Bereitstellung von Verhütungsmitteln scheitert allerdings an religiösen Betonköpfen, seien es Katholiken, Moslems, Evangelikale und andere.

  3. Den obigen Kommentaren kann ich nur unumwunden zustimmen.
    Alle 40 Jahre verdoppelt sich die Weltbevölkerung.
    Bei gleichbleibender Vermehrung leben im Jahr 2050 14 Mia Menschen auf diesem Planeten hier.

    Gegenüber den durch die Bevölkerungsexplosion voraussehbar bevorstehenden katastrophalen (Über-)Lebensbedingungen der nächsten Generation ist ein Klimawandel um 1 oder 2 Grad Celsius nur eine unwesentliche kleine Randnotiz.

  4. Eine grosse Finanzierung von den entwickelten Laendern in den o.g. Groessenordnungen wird und kann es nicht geben.
    Laender wie CHina und Indien haben gewaltige Ressourcen, auch die wichtige Ressource Geld, die sie bei gutem Willen fuer die Bekaempfung des Klimawandels einsetzen koenne. Es ist utopisch und volkswirtschaftlich noch unklug, diesen Laendern ihre Modernisierung zu bezahlen.
    Und die wirklich armen Laender in Afrika und z.T. in Asien muessen auf jeden Fall konkrete Ideen und Projekte zur Bekaempfung des Klimawandels vorstellen. Ueber die Finanzierung kann man dann reden. Aber das wird wahrscheinlich besser ueber die freie Wirtschaft und Kredite an den Kapitalmaerkten funktionieren als ueber Transferzahlungen der Industrielaender.
    MAn darf nicht vergessen, dass in diesen Laendern oftmals jedes Verstaendis und Bewusstsein fuer den Klimawandel fehlt. Ein solches aufzubauen ist aber ein langer Weg. Jeder Staat wird am Ende seinen Co2 Ausstoss reduzieren muessen. DAs ungeloeste Problem hierbei ist aber das oben angesprochene Bevoelkerungswachstum. Wenn dies nicht gestoppt wird, bleiben alle Anstrengugen wirkungslos.

  5. sondern auch die Bedingungen der politischen Kooperationen endlich von dieser "darwinistisch geprägten Ausbeutermentalität" abkoppeln.
    Im Nigerdelta verschmutzen die Ölfirmen ein Paradies ohne Gewissensbisse, Regenwald roden im großen Stil (vorher schön die Einheimischen mit Gummigeschossen und Tränengas vertreiben), Gold und Diamanten für teuren Schmuck von Kinderhänden aus der Erde graben lassen, das und vieles mehr zerstört die Strukturen (soziale und finanzielle) der Länder die wir ausbeuten.
    Außerdem subventionieren wir nach "protektionistischer sozialistischer" nicht marktwirtschaftlicher Mentalität unsere Agrar- und Industriezweige, damit diese mit den Produkten auf dem Weltmarkt nicht nur konkurrieren, sondern diese preislich noch unterbieten können. Das bedeutet dann das unerbittliche aus vieler Existenzen und auch zur Zerstörung des "Marktes" und der relevanten finanziellen und sozialen Sicherheit.

    Zur Überbevölkerung und die Ängste so mancher Autoren:
    Die Stadt Wien wirft täglich so viele Lebensmittel weg, wie die Stadt Salzburg zum Leben benötigte. Wir könnten mit unserem weltweiten Nahrungsmittelanbau ca. 10 Mrd. Menschen ernähren, nur die Verschwendung der Nahrungsmittel/Ressourcen lässt die Menschen verhungern. Was auf dieser Erde unmöglich ist, dass alle Menschen der Welt so "schmarotzend" leben, wie die so sich "selbstlobende westliche Welt"!

    Herzliche Grüße

  6. Durch bessere Technologie und effizientere Logistik - bspw. in den Bereichen Häuserbau, Kühlschränke, Autos, LKW-Transport - gäbe es enorme Potenziale zur Einsparung Treibhausgasen. Dieser Punkt wird in der Klima-Debatte leider so oft vergessen. Technologisch sind die Lösungen längst auf dem Tisch (s. Ernst Ulrich v. Weizscäker: Faktor 4; sowie Pacala/ Socolow: Stabilization Wedges, Science 2004). Dennoch gelangen wir zu keiner Einigung. In den reichen Ländern heißt es so oft "wir können nichts tun, denn die Bevölkerung in den armen Ländern wächst so schnell". Aber dieses Bevölkerungswachstum ist nicht am Klimawandel schuld, denn die Länder, die am schnellsten wachsen (z.B. Nigeria) haben einen sehr geringen pro-Kopf Verbrauch.
    Für diesen Umstieg auf effiziente Technologien braucht es globale CO2 Steuern, vorranging auch auf Kerosin. Für die Anpassungskosten ärmerer Länder können die Einnahmen aus einer globalen Tobin-Steuer verwendet werden. Kurz, es braucht einen Global Contract.

  7. Geld, wie wir es kennen, besitzt Eigenschaften, die es zu einem Problem machen - allem voran: Zinsen.
    Schuldenberge werden auf diese Weise niemals abgebaut.

    Die tatsächlichen Werte liegen in der menschlichen Kraft und Kreativität, in der Produktion von Lebensmitteln und Gütern, die wir wirklich brauchen.
    Geld ist nicht notwendig, um Projekte zu verwirklichen.
    Es braucht eine Währung, mit der man Waren und Dienstleistungen tauschen kann, ja.
    Aber die Währung selbst ist doch nichts wert.
    Warum schaffen wir nicht eine Währung, die diese Aufgaben erfüllt anstatt den Forderungen der Geldwirtschaft hinterherzuhecheln, die niemals erfüllt werden können?
    Ein Schuldenberg von 600 Mio. Dollar - wie soll der jemals zurückgezahlt werden?
    Und der deutsche Staatshaushalt....Wie soll ein Wirtschaftswachstum aussehen, dass diesen Schuldenberg wieder abbaut?!? Das ist doch einfach nicht möglich.

    Antwort auf "Recource Geld"

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