Banken

Notwendige Blase

Die Märkte heizen sich wieder auf – doch das hilft der Wirtschaft

Szene an der New Yorker Börse: Die Kurse steigen wieder, die Bankgewinne sprudeln

Szene an der New Yorker Börse: Die Kurse steigen wieder, die Bankgewinne sprudeln

Der Dax schwingt sich zu neuen Höhen auf, der Dow ebenfalls, das Erdöl wird teurer, die Banken scheffeln wieder Gewinne – und all das mitten in einer der schwersten Wirtschaftskrisen aller Zeiten.

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Kann das gut gehen?

Es muss. Gewiss, was sich derzeit an den Finanzmärkten abspielt, hat mit einer gesunden Wirtschaftsweise nichts zu tun. Weil die Zentralbanken alle Schleusen geöffnet haben, können die Banken praktisch zum Nulltarif Geld leihen. Mit diesem Geld kaufen sie höher rentierliche Aktien und Anleihen – und kassieren den Differenzbetrag. Man muss dazu nicht einmal besonders schlau sein. Eine Banklizenz ist in diesen Tagen eine Gelddruckmaschine.

Das ist ein Skandal, ohne Frage, aber ein notwendiger. Die Banken verteilen das Geld der Zentralbanken und sorgen auf diese Weise dafür, dass es bei den Unternehmen ankommt. Wenn zum Beispiel die Deutsche Bank mit dem Geld von der Europäischen Zentralbank eine BMW-Anleihe kauft, dann bedeutet das, dass für den Autohersteller die Finanzierungskosten sinken. Tatsächlich haben sich zuletzt viele Firmen zu günstigen Konditionen mit dringend benötigtem Kapital versorgen können. Ähnlich wirken steigende Aktienkurse.

Auch dass die Banken bei diesen Geschäften einen guten Schnitt machen, ist gesamtwirtschaftlich gesehen sinnvoll. Bei vielen Instituten ist die Kapitaldecke knapp – und weil die Regierung, was die sauberste Lösung wäre, nicht bereit ist, sie mit Staatsgeld zu stützen, müssen sie ihre Kapitalpuffer über den Umweg höherer Gewinne aufbauen. Sonst können sie keine Kredite mehr vergeben.

Die Aufsichtsbehörden müssen aber sicherstellen, dass die Einnahmen tatsächlich für die Sanierung der Bilanzen verwendet und nicht etwa an Manager und Aktionäre ausgeschüttet werden – zur Not per Dekret. Die Gewinne der Banken sind derzeit kein Ausdruck unternehmerischer Leistung. Sie sind zu einem großen Teil das Ergebnis der staatlichen Hilfen – und damit im Grunde öffentliches Eigentum. Der Staat darf bei der Verwendung des Geldes mitreden, und er sollte es auch tun.

Es ist schon richtig: Die großzügige Liquiditätsversorgung nährt die nächste Blase – und es gibt Marktsegmente, in denen Preise bereits nichts mehr mit der ökonomischen Realität zu tun haben. Allerdings brauchen wir diese Blase derzeit. Durch sie nimmt die Wirtschaft wieder Fahrt auf, wegen ihr bleiben gefährdete Jobs erhalten. Wer jetzt die Notenbanken auffordert, das überschüssige Geld einzusammeln, der nimmt in Kauf, dass die Arbeitslosigkeit dramatisch steigt.

Wenn die Notenbanken zu lange warteten, würde die Spekulationswut die Grundlagen für die nächste Krise legen und Inflation erzeugen. Davor braucht man sich indes nicht allzu sehr fürchten. Die Erfahrung lehrt, dass Zentralbanker eher zu früh als zu spät die Zügel anziehen.

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Leser-Kommentare

  1. Leider wird es nur so sein, dass eine in absehbarer Zukunft notwendig erscheinende Bekämpfung des Ausuferns dieser neuen Blase die Wirtschaft in eine neue Krise stürzen wird.

    Leider haben die Akteure anscheinend wenig gelernt: die EZB macht sich wieder für Hedge-Fonds stark, die Banken wollen schon wieder Boni und vermeintliche Gewinne ausschütten, bevor alle faulen Kredite und Papiere abgeschrieben sind. Die weitere Anfeuerung der aktuellen Blase, an der sich der Finanzsektor wieder ein goldenes Näschen verdienen kann, geht vor einer seriösen Eigenkapitalunterlegung der Geschäfte.

    Eine Zinserhöhung, die die EZB irgendwann für notwendig erachten könnte, führt in einem solchen Umfeld in die nächste Katastrophe.

    Besser wäre es in der Tat, die Wirtschaft würde nicht durch periodisch wiederkehrende Kapitalmarktblasen stimuliert, sondern durch einen expansiven, ökologisch und sozial orientierten Nachfragebeitrag des Staates. Der ließe sich dann auch ungefährlicher zurückführen, als das, was das internationale Casino wieder anzettelt.

  2. Ich möchte noch hinzufügen: Die zig Milliarden, mit denen die EZB unser Bankensystem sozusagen subventioniert, wären beim Staat besser aufgehoben. Er müßte sich nur seiner neuen Rolle bewußt werden: dass nämlich der Staat die oberste Instanz ist, nicht die Wirtschaft.

    • 24.10.2009 um 13:08 Uhr
    • tsss
    3. Analog

    In der "Blase" wurde und wird Geld verbrannt; das dann weg ist. Jetzt geht die Feuerwehr (Steuergeldverwalter) hin und stattet die Brandstifter mit Benzinkanistern (Rettungs- Milliarden) aus und begründet das so: Wir müssen ein Gegenfeuer (angeblich notwendige Blase) starten um das Hauptfeuer (Subprime, Derivate etc. Blase) löschen. Nur dass dieselben Brandstifter das Benzin in den bestehenden Brand kippen und sich weiterhin am warmen Feuerchen erfreuen, solang es denn noch brennt. Der Autor des Artikels, Mark Schieritz, sagt auch eindeutig, was er davon hält: Kann das gut gehen? Es muss. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt...

  3. Alan Greenspan hat der Autor schon wieder vergessen ?

  4. nicht auch gleichzeitig den Bürgern, respektive den Arbeitern, Angestellten und denen, die sich dereinst einmal zu diesem Teil der Bevölkerung hinzurechnen konnten und die jetzt ihr jämmerliches Dasein in Hartz IV oder als miserabel bezahlter Leiharbeits-Sklave fristen müssen.

    Das was der Wirtschaft schadet (auch nur vermeintlich schadet) wird sogleich auf dem Buckel der Erwerbstätigen ausgetragen und über ihnen abgeladen.
    Was der Wirtschaft hingegen nutzt, kommt, wenn überhaupt, nur tröpfchenweise auch "unten" an; Es füllen sich immer und an allererster Stelle stets die Taschen der Reichen und Aberreichen!
    So wurden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Inhaber von auskömmlich honorierter Festarbeitsplätzen schlicht weg kapitalisiert und schlechter gestellt, wenn nicht gar daraus resultierend, zur staatlich verordneten Armut verurteilt, damit die Rendite wieder stimmt!

    Und unsere herrschenden Politiker, die halten auch noch den Steigbügel, wenn nicht noch mehr :(((

  5. Diese Zocker- und Daddelbuden nennen sich faelschlicherweise "Banken". Die sauberste Loesung waere es gewesen, diesen schwerstsuechtigen Geldgluecksspielern keinen einzigen Cent zu geben und sie ihre Spielschulden selbst bezahlen zu lassen!

    Den Zocker- und Daddelbuden Geld zu geben, ist genauso, als wenn man einem schwest Heroinabhaegnigen Heroin geben wuerde nur weil er verspricht, ab sofort clean zu sein!

    Aber jetzt machen diese Verbrecher weiter!!!

    Es wird Zeit, dass wir Buerger mit diesen Banden mal so richtig aufraeumen und Schluss machen! Und zwar, bevor die uns alle voellig ruiniert haben!

  6. Das sollte wohl jedem der einigermaßen bei Verstand klar sein.
    Wachstum um jeden Preis.Wie hoch wird der Preis sein ?
    Für die dritte Welt ist es jetzt schon ein Horror.
    Der westlichen Welt hat keine Wahl mehr, macht einer Schulden müssen alle anderen auch Schulden machen allein schon wegen dem Wechselkurs.

    Inflation ? klopft doch schon an ! Gold Rohstoffe und Aktienkurse steigen und entwerten doch schon jetzt die Währungen.

    Aber mit Geschick und Sachverstand läßt sich selbst diese Krise meistern.
    Aber die Mehrzahl wird wohl wie schon in der Vergangenheit auf der Strecke bleiben.

  7. Liebe Zeit, ich bitte euch geht in euch und denkt bitte über das nach, was ihr schreibt.

    Der Staat ist garant für das Geldsystem und hat die Banken vor wenigen Monaten vor dem Ende gerettet. Natürlich wäre damit auch erstmal unsere Wirtschaft zusammengebrochen, wie auch unsere Kapitallebensversicherungen und andere Spareinlagen futsch gewesen.

    Aber offensichtlich hat das alte System einen kleinen Fehler - es ist nicht nachhaltig. Kurz, wenn die Zockerkönige in Frankfurt, London, New York usw. zocken ist das nicht für unser aller Wohl, führt nicht langfristig zu einem Wohlstand für alle, sondern endet immer in der Katastrophe - DAS ist doch auch eine Lehre aus 1929 und der WWK! Wie lange hat es gedauert bis nach den GEsetzesänderungen von Clinton in den 90er das gleiche passiert ist, wie in den 20er Jahren?!? Komische Sache, zwei so ähnliche Krisen!

    Banken schöpfen ihren Gewinn, siehe Joffe, aus dem verleihen von Geld vom Staat (EZB / FED (staatl. garantierte Zahlungsmittel) an den Staat) 0% gegen 5% Geldschöpfung!

    Dieses Geschäft kann jeder mit Gewinn abschließen - es ist kurz:

    Die Zwangsabgabe der Steuerzahler an die Banken, welche damit alleine in New York 140 Milliarden an ihre Mitarbeiter ausschütten!!!!

    Eig. müssten diese Jungs für min. 2-3 Jahre 0 Gehalt bekommen, dafür das der Staat Sie vor der Selbstjustiz der Massen gerettet hat, welche ihr Vermögen verloren hätten - ohne Staat.

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  • Von Mark Schieritz
  • Datum 24.10.2009 - 09:15 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
  • Kommentare 16
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  • Schlagworte Bank | Finanzmarkt | Finanzkrise
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