Kunstmarkt Ist es schon wieder so weit?

Auf den Londoner Auktionen und der Messe Frieze sehnt man sich nach dem Boom.

Mehr als 150 Galerien aus 30 Ländern stellen auf der Messe Frieze aus

Mehr als 150 Galerien aus 30 Ländern stellen auf der Messe Frieze aus

Richtig viel Geld kann man in London offenbar nur noch mit Berlin-Sujets machen. Ein Gemälde von Martin Kippenberger, das die Berliner Paris Bar von innen zeigt, wurde am vergangenen Freitag bei Christie’s in der King Street für 2.281.250 Pfund versteigert. Das durch die Krise auf dem Kunstmarkt verängstigte Auktionshaus hatte den Wert der Interieur-Studie zuvor nur halb so hoch geschätzt.

Kippenberger hatte 1991 in der von ihm stark frequentierten Paris Bar einige Werke von Künstlern wie Albert Oehlen und Werner Büttner ausgestellt, die er selbst sammelte. Dann hatte der Künstler die mit Bildern vollgehängte Restaurantwand und die gedeckten Tische davor selbst auf eine zwei mal vier Meter große Leinwand gebannt und das große Stück nach der Ausstellung in der Bar hängen lassen. Jetzt wurde es für den zweithöchsten Preis versteigert, der je für ein Werk Kippenbergers auf einer Auktion gezahlt wurde. Auch ein weiteres Gemälde von Kippenberger verkaufte sich gut, das Bild Stellwerk von Neo Rauch erzielte sogar einen Weltrekord: Noch nie zuvor hat jemand einen Rauch für 900.000 Pfund ersteigert. Ist die Krise auf dem Kunstmarkt also vorbei? Bricht erneut eine Zeit der Rekorde an?

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Wohl eher nicht. Denn obwohl Christie’s auf der Abendauktion am Freitag beinahe sein komplettes Angebot verkaufen konnte, setzte man insgesamt nur gut elf Millionen Pfund um. Noch vor einem Jahr, mitten in den turbulenten Wochen nach dem Fall von Lehman Brothers, waren es auf der gleichen Auktion für zeitgenössische Kunst immerhin noch 32 Millionen Pfund gewesen, im Jahr 2007 sogar knapp 40 Millionen Pfund. Konkurrent Sotheby’s hat in diesem Jahr seine Abendauktion für Hochpreisiges gleich ganz ausfallen lassen. Um bis zu 80 Prozent sind die Preise für die Werke bestimmter Künstler im vergangenen Jahr gesunken.

Besonders gelitten hat darunter der Standort London. Auf der Kunstmesse Frieze – die vergangene Woche wieder ihr Zelt im Regent’s Park aufschlug – waren Kunst, Mode und Neues Geld in den Jahren des Booms eine öffentlichkeitswirksame Verbindung eingegangen, das Milieu der Young British Artists, der smarten Galeristen und der russischen Sammler wurde hegemonial. Diesmal waren zahlreiche Händler, Sammler und Beobachter aus dem Ausland aber gar nicht erst angereist, allein aus Deutschland hatten elf prominente Galerien den Messetermin abgesagt. Diejenigen, die gefahren waren, berichteten am Ende von vorsichtigen Käufern, von einer ruhigen Stimmung und einem zarten Hoffungsschimmer. Doch an die Geschäfte von vor zwei Jahren konnte man nicht anknüpfen. Von der Baisse profitieren die jungen Galerien, die sich vor zwei Jahren noch auf Nebenmessen tummeln mussten. Diesmal räumten die Frieze-Direktoren den Nachwuchshoffnungen eine eigene Sektion frei: die Frame mit günstigen Standmieten für günstige Kunst.

Auch der mit einem feinen Gespür fürs Ökonomische ausgestattete Damien Hirst hat längst erkannt, dass sich etwas ändern muss. Er lässt nicht mehr von Hunderten Assistenten Punkte auf Leinwände malen oder Tierkadaver in Formaldehyd einlegen, nein, er arbeitet nun ganz allein mit Ölfarben vor der Staffelei. Herausgekommen sind dabei die Blue Paintings , Studien von Totenköpfen, Schmetterlingen und anderen bekannten Hirst-Motiven, das Ganze im Stile von Francis Bacon. Gezeigt werden diese blaustichigen, eher schwachen Gemälde jetzt in der gediegenen Londoner Wallace Collection, einem Museum, in dem ansonsten Werke von Tizian und Rembrandt zu bestaunen sind. Ob die Nachbarschaft zu den Altmeistern hilft? Hirst-Händler berichten, dass es für die große Masse seiner Werke derzeit kaum noch einen Markt gebe.

Dass Kippenbergers Paris Bar jetzt überhaupt versteigert werden konnte, hat übrigens auch mit einer Finanzkrise zu tun, allerdings keiner globalen. Die Berliner Paris Bar war schon 2004 in Schwierigkeiten geraten, und so musste Michel Würthle, der Wirt, mehrere Stücke aus seiner Sammlung veräußern. Gekauft hatte das Bild damals der ebenfalls für sein Kunstgespür berüchtigte Londoner Sammler und Galerist Charles Saatchi. Nun ging es an einen anonymen Telefonbieter.

 
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