Neues Buch von Dan Brown Die Welträtsel tragen Frack
Dan Browns neuer Thriller ist große Unterhaltung und kesser Obskurantismus.
Machen wir uns nichts vor: Dies wird keine Rezension. Dies wird die notgedrungene Beschreibung einer medialen und globalen Lawine. Denn wir haben kein Buch vor uns, sondern einen Hype, keinen Bestseller, sondern einen quasiliterarischen Ausnahmezustand, von dem die ganze westliche Welt erfasst ist.
Der neue Dan Brown mit dem Titel Das verlorene Symbol, der schon Amerika überflutet hat, kommt nun als eine überschwappende Konjunkturwoge aus Wörtern und Chiffren über Deutschland. Der hiesige Verlag spricht von einem "Aufbruchssignal für den Buchhandel", und der Börsenverein spürt "eine große psychologische Wirkung für die Branche". 1,2 Millionen Exemplare werden für den ersten Lesehunger in Deutschland bereitgestellt. Man denke: Eine Menschenmenge, die zwanzig Fußballstadien füllen könnte, schmökert sich durch die 768 Seiten eines Fantasieprodukts. Es wird in den nächsten Wochen still werden im Land, wenn eine gebannte Leserschaft sich in ein neues rätselhaftes Labyrinth des amerikanischen Erfolgsschriftstellers vertieft. So wie Dan Brown.
Der scheue Autor, der zurückgezogen lebende, bescheidene Mittvierziger, der Einsiedler aus dem amerikanischen New Hampshire, hat sich unter der Last der Welterfolge von Illuminati und Sakrileg/The Da Vinci Code fünf Jahre lang in sein neues Welterlösungspuzzle vertieft. Jeden Morgen um halb fünf hat er sein großes Haus in Exeter verlassen und ist hinüber in die kleine Gartenhütte gepilgert, wo er sich dem Sog seines Computers überließ und nicht nur Handlungsfäden, dünn wie Seide, spann und irgendwie verknüpfte, Konflikte schärfte und Cliffhanger selbst da setzte, wo keinerlei Klippen erkennbar waren, sondern wo er vor allem die gute alte gruselige Schnitzeljagd wieder veranstaltete, die sein Markenzeichen ist.

Größte Mühe muss er dabei gehabt haben, den eigenen alten Verliesen selbst zu entkommen, der Spurensuche in den Katakomben des Vatikans und in den tiefsten Kammern des Louvre, denn vieles im neuen Buch erinnert an die Gedanken- und Irrgänge der älteren, an jene besessene Abenteuerei, die er mit so viel Erfolgsdusel seit einem guten Jahrzehnt betreibt. Da finden wir aufs Neue die obsessive Feier von Zahlenmystik und Code-Äquilibristik, von Kabbala und Symbolkult. Und auch die Instanz eines anonymen Bösen treffen wir hier, diesmal tätowiert und in vielerlei Masken, in furchterregender Verlässlichkeit wieder.
Einige Jahre, sagte Dan Brown, habe er allein für die Recherchen gebraucht, sodass er, quasi als Motto, seinem Buch den tautologischen Satz voranstellen durfte: "…die aufgeführten wissenschaftlichen Fakten entsprechen den Tatsachen". Vor allem aber hat er, bis in den letzten Winkel, seinen neuen Schauplatz erkundet. Wir sind in Obama-Nähe, in Washington, in den heiligen Hallen (und schaurigen Kellern) der großen amerikanischen Staatsbauten. Wir dringen ein in die tiefsten Geheimnisse der Freimaurerei, und wir nähern uns wieder einmal dem tiefsten Wissen der ältesten Zeiten. Dann wieder erklärt uns Dan Brown in der einfachen Gestalt eines Touristenguides die Kuppel des Kapitols und die Library of Congress und manch andere Sehenswürdigkeit auf liebenswürdigste Art und Weise.
Dies alles nebenbei. Denn vor allem will uns der Autor, unter dem älteren Stichwort Noetik, eine neue Vision präsentieren, eine verteufelt gute Idee, die rettende Chance für die Menschheit. Schon im Interview (mit dem Stern) hatte er behauptet, dass der Mensch Kontrolle über die Materie besitze und zum Beispiel durch konzentrierte Blicke eine Krebszelle heilen könne. Das Buch breitet die schöne Aussicht zu einem groß angelegten Experiment aus, zu einer Art Gravitationsgesetz für Gedanken und Emotionen.
"Bald wird sich alles ändern", raunt eine kursiv gesetzte Zeile bedeutungsvoll, ehe wir mit Details über die Arbeit der Wissenschaftlerin Katherine Solomon versorgt werden: "Die unfassbaren Erkenntnisse, die Katherine gewonnen hatte, würden die Dämme brechen lassen…, würden zu einem Katalysator werden, der die Menschheit inspirierte, jenes Wissen wiederzuerlangen, das sie Äonen zuvor verloren hatte…" Unfassbar, fürwahr. Denn: "Was sie tat, war wissenschaftlich so weit fortgeschritten, dass es nicht mehr wie eine Wissenschaft aussah." Ein Kinderspiel also demnächst, das Wachstum von Pflanzen durch konzentriertes Denken zu steuern und die chemischen Reaktionen im eigenen Körper zu beeinflussen. Ein messbares Yes we can.
Gibt es da irgendetwas zu spotten? Wer sollte denn an solche Wunder glauben dürfen, wenn nicht ein Autor, der nun schon eine gefühlte Ewigkeit lang erfährt, dass er mit seinen einsamen Tüfteleien die ganze Welt in Atem hält und Lastwagenkolonnen mit seinen Bücher-Backsteinen in Bewegung setzt? Muss so einer nicht im Ernst davon überzeugt sein, dass das menschliche Bewusstsein "eine Energie höchster Ordnung (ist), in der Lage, die physische Welt zu verändern"?
Immer geht es bei Dan Brown ja um Geheimnisse, Geheimbünde, um verschwiegene Zirkel, unzugängliche Gesellschaften: Welträtsel im Frack. Diesmal, wie gesagt, sind die Freimaurer sein großes Thema, aber sie figurieren nicht als Gegenspieler, Missetäter, Entlarvungsopfer, sondern als eine diskrete Gemeinschaft großer Männer, der Gründungsväter Amerikas.
Der Grundstein des Kapitols, so erfahren wir, wurde von George Washington, Thomas Jefferson und dem Baumeister nach freimaurerischem Ritus gelegt; selbst Lessing wusste in seinen späten Freimaurergesprächen (Ernst und Falk) davon, "dass der Kongress jene Loge ist; dass da endlich die Freimaurer ihr Reich mit gewaffneter Hand gründen". Und als konkretestes Indiz seiner Recherche nimmt Brown ein Allerweltspapier: Noch heute zeigt der Dollarschein eine abgestumpfte Pyramide als Symbol für den erst noch zu vollendenden Ausbau der großen freien Vereinigten Staaten von Amerika. Um dieses fehlende Teil, diesen sogenannten Deckstein, geht es nun im Buch, an diesen spitzen kleinen Korpus klammern sich Hände und Handlung.
Es geht tückisch los: Professor Robert Langdon, der Mann mit dem Tweedjackett, dem Rollkragenpullover und dem Spezialwissen in Symbolistik, wird von seinem Freund Peter Solomon aus seiner sonntäglichen Harvard-Ruhe aufgeschreckt und dringend zu einem Vortrag nach Washington gerufen, mit Privatjet eingeflogen, mit Luxuslimousine ins Kapitol chauffiert, wo er aber den Vortragssaal, das Nationalheiligtum Sculpture Hall, leer findet – bis auf eine Hand mitten in der Rotunde, eine blutende Menschenhand, die da auf den Fliesen liegt, auf ein Holzbrett genagelt und mit einem Ring, den Langdon sofort als den seines Freundes erkennt.
- Datum 26.10.2009 - 11:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
- Kommentare 11
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findet auch, dass die Bücher von Dieter Bohlen die beste Lektüre seit der Bildzeitung sind.
Aber der Hype ist nicht verwunderlich, ist doch das amerikanische Volk mindestens genauso unintelligent, und daher für hierzulande passenderweise im Groschenroman-Verlag Lübbe erschiene Trivialliteratur genauso anfällig.
Also, wie schafft man es, mit Schund ordentlich Kohle zu verdienen?
Man labert etwas von abstrusen Ideen, die beim geneigten Leser ein mystisches Gefühl erwecken. Dazu klickt man mal ein paar mal bei Wikipedia auf "zufällige Seite". Dann baut man die Kirche mit ein. Die Katholen haben immer was zu verbergen, alt wie die sind.
[Anmerkung: Bitte vermeiden Sie sinnlose Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/vv]
Nachfolgend bemüht man sich einer "Mary-Sue" als Romanheld, die alle gestellten Aufgaben mit Bravour meistert. Ein Dan Brown als Harrison Ford in Tweed, der aus Hubschraubern fallen kann, und überlebt, weil er sich mit seiner supertollen Tweedjacke abbremsen konnte.
Hat man so sein Thema gefunden, schreibt man etwas blödes mit einfachen Rätseln, die man aus irgendwelchen Rätselheften und Indiana-Jones-Filmen geklaut hat. Bleibt man mal stecken, hilft das Allheilmittel des Krangottes weiter. Zudem vergewissert man sich noch, dass man seine Sprache möglichst primitiv vergewaltigt. Ich sage nur: "Renowned" am Beginn eines Buches.
Und fertig ist der möglichst einfach gebaute Bestseller, den selbst Makaken verstehen können.
"…die aufgeführten wissenschaftlichen Fakten entsprechen den Tatsachen"
Na, wenn das zutrifft, wäre dies für Herrn Brown tatsächlich eine Innovation.
Spannend geschrieben sind die Vorgänger zum Teil. Wer aber meint, dass ihm all die Informationen aus Browns Werken zu einer besseren Allgemeinbildung helfen, der sollte sich nicht bemühen selber Recherchen anzustellen.... sein Luftschloss könnte einstürzen.
"1. Wer Dan Brown liest,
findet auch, dass die Bücher von Dieter Bohlen die beste Lektüre seit der Bildzeitung sind.
Aber der Hype ist nicht verwunderlich, ist doch das amerikanische Volk mindestens genauso unintelligent, und daher für hierzulande passenderweise im Groschenroman-Verlag Lübbe erschiene Trivialliteratur genauso anfällig. "
Mit Verlaub, ich fühle mich von Ihnen beleidigt. Aber seis drum. Ja, ich lese Dan Brown. Allerdings nur der Unterhaltung wegen. Nicht mehr und nicht weniger. Es soll Menschen geben, die haben alle James Bond Filme gesehen, ich nicht einen. Bücher sollen mich in erster Linie unterhalten. Und wenn sie das tun, haben sie ihren Zweck erfüllt. Die einen lesen Rosamunde Pilcher, ich lese u.a. Dan Brown, Michael Connnely, Lee Child, John Grisham (ja auch den) und frage nicht bei jdem der Autoren nach ihrem intellektuellen Hintergrund. Ist es möglich, triviale Literatur zu lesen, ohne gleich als unintelligent zu gelten? Das muss doch möglich sein, oder?
Wer allerdings anfängt, Dan Brown zu nutzen, um sich eine bessere Allgemeinbildung zu verschaffen, sollte in der Tat andere Bücher lesen. Dan Brown ist einfach nur Unterhaltung, mehr nicht.
Wenn man weiß, dass "…die aufgeführten wissenschaftlichen Fakten entsprechen den Tatsachen". nicht stimmt, dann ist Dan Brown ganz unterhaltsam, ansonsten würde man sich nur ärgern.
Dan Brown ist ein Paradebeispiel für die gegenwärtigen Lesegewohnheiten der westlichen Welt. Wissenschaft ist out - Unterhaltung ist in. Dass auch Wissenschaft unterhaltsam sein kann wird geschickt verdrängt.
Wo liegen mögliche Ursachen dieser verallgemeinerten Volksverdummung?
- Nur ein dummes Volk bleibt der Arbeitsmotivation der Wirtschaft zugänglich
- Nur ein dummes Volk lässt sich ständig weiter manipulieren und ausbeuten
- Nur ein dummes Volk erträgt Fehlentscheidungen seiner Chefs mit der notwendigen Gelassenheit
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[Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die Redaktion/vv]
Niemand weiss ob der Büchermarkt wirklich von dunklen Gestalten manipuliert wurde dass er heute so unbefriedigend ist wie er ist oder ob selbst die Eliten von der Entwicklung überrollt wurden. Die Lesegewohnheiten eines Volkes sind nicht von heute auf morgen veränderbar. Wir sollten aber trotzdem daran arbeiten dass wieder mehr Wert auf Wissenschaft gelegt wird anstatt auf Bücher wie die von Dan Brown. Ob Werbung da noch genügt?
Oh man, mir wir wirklich schlecht. Dan Brown schreibt Romane über Verschwörungstheorien, Sie schreiben Kommentare über Verschwörungstheorien. Ist es nicht möglich, sich in seiner Freizeit einfach mal berieseln zu lassen, ohne intellektuellen Hintergrund und sich trotzdem nicht von wildfremden Menschen in Internet-Foren beleidigen zu lassen, weil man gelegentlich mal einen Schmöker liest?
Anscheinend nicht. In Kommentar 1 wird gleich ein ganzes Volk für unintelligent gehalten und in Kommentar 5 gleich die ganze Welt. Geht es auch eine Nummer kleiner?
Oh man, mir wir wirklich schlecht. Dan Brown schreibt Romane über Verschwörungstheorien, Sie schreiben Kommentare über Verschwörungstheorien. Ist es nicht möglich, sich in seiner Freizeit einfach mal berieseln zu lassen, ohne intellektuellen Hintergrund und sich trotzdem nicht von wildfremden Menschen in Internet-Foren beleidigen zu lassen, weil man gelegentlich mal einen Schmöker liest?
Anscheinend nicht. In Kommentar 1 wird gleich ein ganzes Volk für unintelligent gehalten und in Kommentar 5 gleich die ganze Welt. Geht es auch eine Nummer kleiner?
Oh man, mir wir wirklich schlecht. Dan Brown schreibt Romane über Verschwörungstheorien, Sie schreiben Kommentare über Verschwörungstheorien. Ist es nicht möglich, sich in seiner Freizeit einfach mal berieseln zu lassen, ohne intellektuellen Hintergrund und sich trotzdem nicht von wildfremden Menschen in Internet-Foren beleidigen zu lassen, weil man gelegentlich mal einen Schmöker liest?
Anscheinend nicht. In Kommentar 1 wird gleich ein ganzes Volk für unintelligent gehalten und in Kommentar 5 gleich die ganze Welt. Geht es auch eine Nummer kleiner?
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Komisch. Sie lesen in Ihrer 'Freizeit' Verschwörungstheorien von Dan Brown + Co. und werfen mir vor ich würde seine Verschwörungstheorien ernst nehmen. Was eine Verschwörungstheorie wirklich ist haben wir beide noch nicht geklärt. Wahrscheinlich haben Sie auch keine Lust mit mir überhaupt Argumente auszutauschen. Sie legen nur wert darauf in Ihrer 'Freizeit' zu schmökern. Wenn Ihnen das gefällt hat niemand irgendetwas dagegen. Meine Frau und eine meiner Töchter liest diese Dinger auch - sollen sie doch...
Sagen Sie bloss nicht ich hätte Sie beleidigt. Immerhin bellt der getroffene Hund. Für unintelligent kann ich Sie nicht halten weil ich Sie nicht kenne. Ich sage nur: Es lässt in gewisser Beziehung Rückschlüsse zu ob jemand ZEIT liest oder BILD. Mehr nicht. Mein Vater war Industriearbeiter und hat BILD gelesen - ich würde ihn nie für unintelligent halten. Er hat mir ermöglicht zu studieren - mit Hilfe staatlicher Stipendien. Dafür bin ich ihm sehr dankbar weil ich dadurch einen geistigen Aufstieg machen konnte, der mir ermöglicht ZEIT zu lesen und nicht BILD.
Fakt ist: Wer mit den Händen arbeitet hat weniger Zeit für den Geist.
Fakt ist auch: Wir brauchen wissenschaftliche Bildung - keine Unterhaltung. Erst die Arbeit dann das Vergnügen. Ob Dan Brown ein Vergnügen ist weiss ich nicht. Ich werde ihn nie lesen.
Gruss
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