Richard von Weizsäcker Ein moralischer WegweiserSeite 2/2

Von seiner innerparteilichen Überzeugungsarbeit ist in seinem neuen Buch kaum etwas zu finden. Wenngleich es sich um ein sehr persönliches und bewegendes Buch handelt, so bleibt der Autor doch im Hintergrund. Wohl aber gibt er in dreißig relativ kurzen, aber prägnanten Kapiteln ein großes zusammenhängendes Mosaik. Man kann die Kapitel durchaus einzeln lesen, einige sind kleine Meisterwerke. Das gilt beispielsweise für das Kapitel, das sich der Frage widmet: Woher kommt die deutsche Nation? Dagegen ist das Kapitel über unseren Nachbarn Polen zu kurz geraten. 

Im Anschluss an das Mosaik erörtert der Autor am Schluss des Buches die Möglichkeiten, die für die Zukunft Deutschlands und Europas gegeben sind, und die Maximen, die dafür gelten sollen. Dabei ist das Kapitel über Europas Aufgaben in der Welt zugleich Skizze eines Überblicks über die heutigen Weltprobleme. Der Autor hält fest an der eigenen Nation und an ihrer Einheit, zugleich aber sollen die Deutschen sich selbst einbetten in das Gefüge der europäischen Staaten. Er weiß aber, dass die deutsche Einheit noch nicht »vollendet« ist und dass der in der Weltgeschichte einmalige Zusammenschluss der europäischen Nationen von seiner Vollendung noch sehr weit entfernt ist. So wie Richard von Weizsäcker als Bundespräsident in seinen Reden die öffentliche Meinung immer auf Anstand und innere Moral orientiert hat, ohne deshalb die tatsächliche Wirklichkeit aus dem Blick zu verlieren, so ist es auch mit diesem Buch. Wer an der Einheit der Nation und zugleich an der Einheit der Europäer arbeitet, der gehorcht der Moral, die sich aus der Geschichte der Deutschen und aus der Geschichte Europas als notwendig ergeben hat.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 24.10.2009 um 18:28 Uhr

    ...mochte ihn sehr. Ich empfand seine moralisierende Art als unerträglich. Seine Standpunkte schienen manchmal inkonsistent und fast immer vollkommen vorhersehbar.

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