Fotografie Im Paradies
Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln
© Judith Schalansky, Atlas der abgelegenen Inseln, mare 2009

Die Campbell-Inseln - eine von "fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde", so die Autorin Judith Schalansky
Zärtlich gleiten die Finger über die Landkarten; der Blick verliert sich in der Schönheit filigraner Linien, Punkte und Buchstaben. Wir riechen das Meer, hören Brandung und Möwen, sehen Eisberge und Felsen. Und unter den Füßen spüren wir feinen Sand.
Wer das wohl bezauberndste Buch dieses Herbstes aufschlägt, dürfte wie einst Robinson Crusoe der Welt für eine Weile abhandenkommen. Denn die 1980 geborene Autorin und Gestalterin Judith Schalansky offenbart sich als große Verführerin, typografisch und topografisch: Während einer Weltumrundung entführt sie uns auf fünfzig Inseln, die so märchenhafte Namen wie Einsamkeit, Pukapuka, Fangataufa oder Inseln der Enttäuschung tragen.
Jedes Eiland wird von ihr kunstvoll kartografiert und in Kurzporträts vorgestellt. Wir lesen über den Leuchtturmwärter, der sich zum brutalen König der Insel Clipperton erklärt. Wir ängstigen uns vor den monströsen Spinnerameisen auf der Weihnachtsinsel, die massenhaft Rote Landkrabben töten. Und wir lernen den Remscheider August Gissler kennen, der sechzehn Jahre nach Piratenschätzen auf der Kokos-Insel buddelte – vergeblich.
Landkarten seien kühne Interpretationen, meint Judith Schalansky und erklärt ihre insularen und kartografischen Obsessionen seit Kindertagen: Im Atlas könne man das Detail suchen und zugleich das Ganze "gottgleich überblicken". Und unsere gleitenden Finger auf der Karte seien natürlich eine erotische Geste. "Die Kartografie sollte endlich zu den poetischen Gattungen und der Atlas selbst zur schönen Literatur gezählt werden": Wie berechtigt ihre Forderung ist, hat sie mit dieser bibliophilen Paradiesinsel bewiesen. Wir raten zu. Alexander Cammann
- Datum 26.10.2009 - 18:46 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
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Eine sehr schöne Idee und ein sehr schönes dazugehöriges Interview.
Nur warum taucht es unter Fotografie auf?
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