Ausstellung Hoch hinaus

Fernsehtürme dienen nicht nur dem Senden von TV-Signalen. Sie sind zugleich Wahrzeichen, Statussymbole, Touristenmagneten, wie eine Ausstellung in Frankfurt am Main zeigt

Der Berliner Fernsehturm

Der Berliner Fernsehturm

Was hat der Berliner Fernsehturm nicht alles mitgemacht: Zu DDR-Zeiten haben ihn Jungpioniere besungen. Bei der WM wurde seine Glitzerkugel als Fußball verkleidet. Über 40 Millionen Gäste hat er in seinen Liften befördert, zur Aussichtsplattform oder ins Drehrestaurant. Pünktlich zu seinem 40. Geburtstag widmet sich eine Frankfurter Ausstellung nun ihm und 24 anderen Fernsehtürmen in aller Welt. Dabei erweist sich, dass Funktion niemals die Hauptsache war. Fernsehtürme sind Schaustücke: In sozialistischen Ländern baute man sie zum Beweis, dass man die kapitalistische Konkurrenz überragte. Heute zeigt ihre Errichtung, dass ein Land Industrienation sein will. In der chinesischen Stadt Guangzhou etwa entstand gerade der höchste Fernsehturm der Welt, sanft gerundet und mit taillierter Mitte – eine Türmin, spotten manche. Die Ausstellung zeigt aber auch, wie die Bürger sich die protzigen Wahrzeichen zu eigen machen: als Maskottchen und Souvenirs. Es gibt Türme aus güldenem Garn und aus Plüsch, als Käsespieß, Plätzchenform und quiekende Gummifigur. Der Berliner Fernsehturm wird für die Ausstellung gar mit einem anderen hauptstädtischen Wahrzeichen vereint: Auf einem Dönerspieß drehen sich zum Turm geformte Fleischlappen. Das Statussymbol wird Fladenbrot-Füllung.

»Fernsehtürme – 8.559 Meter Politik und Architektur«, bis 14. März 2010 im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt am Main, www.dam-online.de

 
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