Übernahmeverhandlungen Jeder gegen jeden
Dies soll für Opel die Woche des Neuanfangs sein. Doch die Werke streiten erbittert darum, wer was opfert
© Georges Gobet/AFP/Getty Images

"Wir sind Opel": Ein deutscher Teilnehmer der Demonstration in Antwerpen, wo vor rund einem Monat Tausende gegen die Pläne von Magna protestierten, die Fabrik zu schließen
Memoranda? Memorandums? Armin Schild, Bezirksleiter der IG Metall Frankfurt und Aufsichtsrat bei Opel, hat den richtigen Plural für »Memorandum of Understanding« nicht parat, denn eigentlich war der große Singular vorgesehen. Eigentlich hatten die Betriebsräte und Gewerkschaften aller europäischen Standorte ein gemeinsames Abkommen treffen wollen mit dem künftigen Mehrheitseigner, dem Konsortium um den austrokanadischen Zulieferkonzern Magna.
Darüber, dass kein Werk in Europa schließen müsse. Dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben dürfe. Dass man die Lasten der anstehenden Sanierung der europäischen Opel-Fabriken, die mit Staatshilfe aus dem Konzernverbund von General Motors (GM) herausgekauft werden, fair unter allen Werken aufteilen wolle. Dass es auch mit dem Segen der Belegschaften zu dem großen Deal kommen könne, bei dem die Mehrheit von New Opel an Magna und seinen russischen Partner, die Sberbank, geht.
Nun sieht es ganz so aus, als ob nationale Betriebsräte und Gewerkschaften in dieser Woche der Entscheidung statt miteinander lieber gegeneinander kämpfen. Dabei müssen sie mit von der Einigungspartie sein, also könnte im Extremfall noch die Vertragsunterzeichnung scheitern, die GM und Magna für diese Woche geplant haben. In jedem Fall macht der Standortegoismus nun die Zukunft von Opel schwerer als nötig. Der bisherige Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster, der das neue Unternehmen leiten soll, wird einen Höllenjob antreten.
Als ob es bei diesem Geschäft nicht schon genug Unwägbarkeiten gäbe! Zuletzt hatte die resolute EU-Wettbewerbshüterin Neelie Kroes angedeutet, dass es bei den Staatshilfen für Opel nicht mit rechten Dingen zugehe. Also zurück auf Anfang? Das wäre vielleicht der Tod von Opel, und keiner der Beteiligten will das. Opel ist ein 4,5 Milliarden Euro teures Prestigeprojekt für den deutschen Staat und auch ein Stück Rettung für GM.
Doch der Teufel steckt im Detail. Die Solidarität der Arbeiterbewegung, die Sache mit dem gemeinsamen Abkommen aller internationalen Standorte, hat nicht funktioniert. Nicht einmal innerhalb der einzelnen Länder hat man sich einigen können.
Ein Streitfall unter vielen: das Opel-Werk in Bochum. Hier hat es den Betriebsräten und dem IG-Metall-Bezirk Nordrhein nicht gereicht, was Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz für sie herausgeholt hat. »Die Zusagen für andere Werke stehen im Widerspruch zu dem, was für Bochum in Aussicht gestellt wird«, wettert die regionale IG Metall.
- Datum 21.10.2009 - 11:22 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Proletarier aller Länder vereinigt Euch. Aber nur so lange, bis es an mein eigenes Hemd geht. Und das ist auch verständlich. Jeder Beschäftigte bei Opel hat seine eigenen Verpflichtungen, für sich selbst, für Familie, für seine Zukunft. Und da kämpft nunmal jeder für sich selbst, allein. Und so wird man den Gedanken nicht los, daß Berlin mit all den Unterstützungsmaßnahmen nichts anderes will, als nur die eigenen deutschen Standorte vor Unheil zu bewahren. Aber da wird falsch gespielt und das hat Brüssel auch erkannt. Alle deutschen Werke erhalten, Zaragoza halbieren und Antwerpen ganz dicht machen. Nein, nein Frau Merkel, so spielen wir nicht. GM soll Eisenach dicht machen und Zaragoza erhalten. In Spanien kämpft man nämlich mit einer Arbeitslosigkeit, die gegen 20% geht. Das ist wohl ein Argument, oder ?
"In Spanien kämpft man nämlich mit einer Arbeitslosigkeit, die gegen 20% geht. Das ist wohl ein Argument, oder ?"
... und in Deutschland bürgt man für und finanziert die Opel-Teilausgliederung zu 100%. Beiträge der jetzt so laut protestierenden Länder (GB, PL, ES) sind nämlich bis jetzt Fehlanzeige.
Das ist wohl auch ein Argument, oder?
"Dass jetzt in ganz Europa Werke gegeneinander ausgespielt werden ist eine Folge des protektionistischen Agierens der bundesdeutschen Regierung."
Nicht protektionistischer als beispielsweise das Verhalten Frankreichs. Oder wie würden Sie das Junktim der französischen Regierung nennen, PSA solle doch im Gegenzug für Staatshilfen statt Werken in Frankreich seine Anlagen in Rumänien schliessen?
Es gibt hierzulande ein schönes Sprichwort: "wer zahlt, schafft an". Die übrigen Länder mit Opel-Standorten haben bislang ja - im Gegensatz zu Deutschland - keinerlei Beitrag zur Rettung Opels geleistet. Wenn sie "ihre" Werke erhalten sehen möchten, wäre das wohl conditio sine qua non.
Und bezeichnenderweise fordern alle unisono den Erhalt "ihrer" Werke - und nicht das Primat der Wirtschaftlichkeit. "Gerecht" ist also, was dem jeweiligen Land nützt - und nicht der Erhalt der effizientesten Werke. Das ist beim besten Willen nur noch verlogen und heuchlerisch...
Das ist ja wohl der Hammer. Deutschland gibt ja das ganze Geld nicht aus, um weiterhin Opel-Autos auf den Straßen fahren zu sehen, sondern weil es das Geld sonst für die Arbeitslosen in Deutschland ausgeben müsste.
Hätte Spanien da früher mal mehr Geld in die Hand genommen, wäre vielleicht die Arbeitslosigkeit nicht ganz so hoch.
Ja wo kommen wir denn da hin? Aber bei diesem ganzen Hickhack bin ich mehr denn je dafür, dass man Opel einfach den Bach runter gehen lässt!
"In Spanien kämpft man nämlich mit einer Arbeitslosigkeit, die gegen 20% geht. Das ist wohl ein Argument, oder ?"
... und in Deutschland bürgt man für und finanziert die Opel-Teilausgliederung zu 100%. Beiträge der jetzt so laut protestierenden Länder (GB, PL, ES) sind nämlich bis jetzt Fehlanzeige.
Das ist wohl auch ein Argument, oder?
"Dass jetzt in ganz Europa Werke gegeneinander ausgespielt werden ist eine Folge des protektionistischen Agierens der bundesdeutschen Regierung."
Nicht protektionistischer als beispielsweise das Verhalten Frankreichs. Oder wie würden Sie das Junktim der französischen Regierung nennen, PSA solle doch im Gegenzug für Staatshilfen statt Werken in Frankreich seine Anlagen in Rumänien schliessen?
Es gibt hierzulande ein schönes Sprichwort: "wer zahlt, schafft an". Die übrigen Länder mit Opel-Standorten haben bislang ja - im Gegensatz zu Deutschland - keinerlei Beitrag zur Rettung Opels geleistet. Wenn sie "ihre" Werke erhalten sehen möchten, wäre das wohl conditio sine qua non.
Und bezeichnenderweise fordern alle unisono den Erhalt "ihrer" Werke - und nicht das Primat der Wirtschaftlichkeit. "Gerecht" ist also, was dem jeweiligen Land nützt - und nicht der Erhalt der effizientesten Werke. Das ist beim besten Willen nur noch verlogen und heuchlerisch...
Das ist ja wohl der Hammer. Deutschland gibt ja das ganze Geld nicht aus, um weiterhin Opel-Autos auf den Straßen fahren zu sehen, sondern weil es das Geld sonst für die Arbeitslosen in Deutschland ausgeben müsste.
Hätte Spanien da früher mal mehr Geld in die Hand genommen, wäre vielleicht die Arbeitslosigkeit nicht ganz so hoch.
Ja wo kommen wir denn da hin? Aber bei diesem ganzen Hickhack bin ich mehr denn je dafür, dass man Opel einfach den Bach runter gehen lässt!
falls GM sich entschliessen sollte ihre Tochter Opel zu behalten ???- Dann sehe es mit Sicherheit ganz anders aus: Produktionsverlagerung nach China mit Opelbauplänen nicht wahr!!!! - Hört endlich auf. euch gegenseitig zu behindern und sorgt für einen vernünftigen Abschluss mit Magna!!!- Gebt dieses Besitzstanddenken auf- es wird zum Stellenabbau kommen.
Wenn man das liest, kommt einem das Grausen. Es weiss doch keiner mehr, wie das alles noch enden soll. Mittlerweil wird es langsam klar, dass der Verkauf von opel mit zwielichtigsten Entscheidungskriterien erzwungen wurde. Und jetzt stellt sich langsam aber sicher die Substanz des Konzerns heraus. Und die ist gar nicht gut.
Dass jetzt in ganz Europa Werke gegeneinander ausgespielt werden ist eine Folge des protektionistischen Agierens der bundesdeutschen Regierung. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser Irrsinn bald gestoppt wird - mit moeglichste geringe Folgen fuer die gebeutelten Arbeitnehmer.
Aber eine Lehre sollte man noch ziehen: vorschnelle Rettungsansprachen der Politker sollten sich bei Unternehmenspleiten in Zukunft verbieten - das lehren Opel und Quelle.
"In Spanien kämpft man nämlich mit einer Arbeitslosigkeit, die gegen 20% geht. Das ist wohl ein Argument, oder ?"
... und in Deutschland bürgt man für und finanziert die Opel-Teilausgliederung zu 100%. Beiträge der jetzt so laut protestierenden Länder (GB, PL, ES) sind nämlich bis jetzt Fehlanzeige.
Das ist wohl auch ein Argument, oder?
"Dass jetzt in ganz Europa Werke gegeneinander ausgespielt werden ist eine Folge des protektionistischen Agierens der bundesdeutschen Regierung."
Nicht protektionistischer als beispielsweise das Verhalten Frankreichs. Oder wie würden Sie das Junktim der französischen Regierung nennen, PSA solle doch im Gegenzug für Staatshilfen statt Werken in Frankreich seine Anlagen in Rumänien schliessen?
Es gibt hierzulande ein schönes Sprichwort: "wer zahlt, schafft an". Die übrigen Länder mit Opel-Standorten haben bislang ja - im Gegensatz zu Deutschland - keinerlei Beitrag zur Rettung Opels geleistet. Wenn sie "ihre" Werke erhalten sehen möchten, wäre das wohl conditio sine qua non.
Und bezeichnenderweise fordern alle unisono den Erhalt "ihrer" Werke - und nicht das Primat der Wirtschaftlichkeit. "Gerecht" ist also, was dem jeweiligen Land nützt - und nicht der Erhalt der effizientesten Werke. Das ist beim besten Willen nur noch verlogen und heuchlerisch...
Das ist ja wohl der Hammer. Deutschland gibt ja das ganze Geld nicht aus, um weiterhin Opel-Autos auf den Straßen fahren zu sehen, sondern weil es das Geld sonst für die Arbeitslosen in Deutschland ausgeben müsste.
Hätte Spanien da früher mal mehr Geld in die Hand genommen, wäre vielleicht die Arbeitslosigkeit nicht ganz so hoch.
Ja wo kommen wir denn da hin? Aber bei diesem ganzen Hickhack bin ich mehr denn je dafür, dass man Opel einfach den Bach runter gehen lässt!
Nanu, ich dachte, wir seien alle eine harmonische EU-Gemeinschaft, und es gebe keine spanischen oder belgischen Jobs mehr, sondern nur noch europäische. Mir scheint, wegen der Krise ist der ganze EU-Kram längst wieder vergessen -- jeder für sich, keiner für alle. So war es auch nach der Krise von 1932 mit dem Aufstieg des Nationalismus und Ende des Völkerbunds.
Wer die Geschichte vergisst, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren