Siebeck Die Gasthöflichkeit

Das Dorf Schwarzenberg im Bregenzerwald verdient nicht nur einen Schönheitspreis, findet Wolfram Siebeck. Seine Gasthöfe überraschen die Besucher mit ungewohntem Service.

Die Speisekarte des Gasthofs Adler verrät sogar den Namen des Mannes, der die Pilze gesammelt hat

Die Speisekarte des Gasthofs Adler verrät sogar den Namen des Mannes, der die Pilze gesammelt hat

Es ist nicht nur der Käse, der mich für den Bregenzerwald begeistert, sondern im gleichen Maß auch die Gastronomie. Natürlich gibt es in ganz Österreich gemütliche Gasthäuser. Aber hier, in dieser Region des westlichsten österreichischen Bundeslandes, gibt es besonders viele davon. Ihre mit Holzschindeln verkleideten Fassaden sind so typisch für den Bregenzerwald wie die Kuckucksuhren für den Schwarzwald. Und die in den ebenfalls hölzernen Stuben dargebotene Gastlichkeit gehört zum einmaligen Reiz dieser Region. Auf mich übt sie eine ungeheure Anziehungskraft aus.

Wenn deutsche Gastronomen über schlechte Geschäfte jammern, sollten sie bitte in den Bregenzerwald fahren. Hier können sie lernen, wie man Gäste zufriedenstellt, hier wird demonstriert, was eine gepflegte Gastlichkeit ausmacht und wie man eine Regionalküche erfolgreich vermarktet, ohne in Originalitätskrampf zu verfallen. Häuser wie der Hirschen und der Adler in Schwarzenberg, das Schiff und die Krone in Hittisau, das Kanisfluh in Mellau könnten den deutschen Wirten und Hoteliers ein Vorbild sein.

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Dass der Schönheitspreis an das Dorf Schwarzenberg geht, weiß jedes Reisebüro. In geradezu theatralisch schöne Natur eingebettet, enthält es mit dem Hotel Gasthof Hirschen ein Juwel, dessen ursprüngliche Herkunft aus dem Jahr 1812 sich noch in den antiken Türschlössern manifestiert. Dafür, dass in diesem prächtigen Haus seit damals kaum etwas verändert wurde, ist den Besitzern (auch posthum) gar nicht genug zu danken. Nebenan, im Adler, genießt man die beste regionale Küche.

Und macht, wenn man die Speisekarte herumdreht, eine Entdeckung. Dort sind alle Lieferanten mit Namen und Adresse aufgeführt, von denen die Restaurantküche ihre kontrollierten Produkte bezieht. Da ist die Molkerei für den Ziegenquark ebenso genannt wie der Pilzsammler, der für die köstlichen Pfifferlinge sorgte, oder der Kaninchenzüchter.



Diese Lieferantenliste fand ich auch auf Speisekarten weiterer Gasthöfe. Dabei handelt es sich, wie ich erfuhr, um eine Initiative, welche regionale Produkte fördern und gleichzeitig den Bio-Gedanken unterstützen soll. Nach wenigen Tagen, wenn man beginnt, die Herkunft der jeweiligen Frischmilch herauszuschmecken, fragt man sich immer ungeduldiger, womit unsere Landwirtschaftsminister eigentlich ihre Zeit verbringen. Und warum sie nicht auf solche Ideen kommen.

Hotel Gasthaus Hirschen
A-6867 Schwarzenberg, Tel. 0043-5512/2944

Restaurant Gasthof Adler
A-6867 Schwarzenberg, Tel. 0043-5512/2966

 
Leser-Kommentare
    • tages
    • 30.10.2009 um 17:42 Uhr

    Sehr geehrter Herr Siebeck,
    was hat es mit der Höflichkeit zu tun, wenn ich weiß wer die Pilze gesammelt hat oder wer der Kaninchenzüchter ist.Das ist ein sehr netter Marketinggedanke, aber auch nicht mehr.Ein Landwirtschaftsminister hat wohl andere Aufgaben als ein Restaurantkritiker.

  1. Sehr geehrter Herr Siebeck,
    der Gedanke einer Lieferantenliste gefällt mir, doch denke ich, dass sich die meisten Gastronomen in Deutschland blamieren, wenn sie ihre Lieferanten veröffentlichen. Denn ein Großteil der Restaurantbesitzer hat den regionalen Gedanken nicht verinnerlicht und denkt in erster Linie an Kalkulation. Wenn dann die Lieferantenliste aus Metro, Selgros, Aldi etc. bestehen würde, wäre das bestimmt keine gute Werbung...

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  • Serie Siebeck
  • Quelle ZEITmagazin, 22.10.2009 Nr. 44
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  • Schlagworte Wolfram Siebeck | Tourismus | Schwarzwald | Österreich
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