Personenrätsel Lebensgeschichte
Manchmal verblüffte er mit seiner Selbstironie. So bilanzierte er in einem Interview anlässlich eines runden Geburtstages: »Ich bin 60, sitze in diesem Hotelzimmer und versuche abzunehmen. Das ist ein Fiasko.« Und doch war er überzeugt: Die Jahre von 50 bis 70 sind die besten eines Mannes. Und wie zum Beweis zeugte er noch einmal Nachwuchs, ein Halbgeschwisterchen für drei bereits erwachsenen Töchter. Aber vielleicht täuschte er sich in seiner Einschätzung bezüglich der besten Jahre; zumindest sahen einige Kritiker das anders. Zunehmend vermissten sie den Glanz der frühen Auftritte. Vergleichbar einem Fußballspieler, der irgendwann seinen Zenit überschreitet, musste eben auch er das Nachlassen der Kräfte hinnehmen. Und da er selber in seiner Jugend einen ganz passablen Kicker und Torwart abgegeben hatte, ahnte er die biologische Uhr vielleicht ja doch.
Die Leidenschaft für das runde Leder teilte er übrigens mit fast allen seiner Landsleute. Überhaupt spiegelte sein Lebenswerk die Kulturgeschichte seiner Heimat wider, der er sich auch kulinarisch verbunden fühlte. Aber zugleich war er längst Weltbürger geworden, und dem Wohlergehen der Welt fühlte er sich verpflichtet: Mit Benefizauftritten versuchte er die Not zu lindern, an Orten, wo sie am größten war, etwa in Kriegs- und Krisenregionen.
Das brachte ihm quer über den Globus Sympathien ein – und eine gewisse Nachsicht mit seinen offensichtlicher werdenden Schwächen, die er lange kaschieren konnte, indem er zwei ebenbürtige Mitstreiter auf die Bühne holte. Wieder glückte ihm so die Fusion seiner Leidenschaften: Der Volkssport traf die Hochkultur. Kein Zufall, die Unterscheidung in E und U hatte er nie akzeptiert, versuchte im Gegenteil, das E populär zu machen und dem U mit seinen Mitteln neue Seiten abzugewinnen. Es waren – nach den Triumphen der jungen Jahre – seine erfolgreichsten Projekte, sie machten ihn zum Megastar.
Und wohl auch zum reichen Mann. Allerdings brachte ihm das Ärger mit dem Fiskus ein – ein etwas peinliches Kapitel im Lebensbuch des Bäckersohns. Aber letztlich hing er nicht allzu sehr an irdischen Dingen, wie er selber sagte: »Geh’ raus in einer klaren Sternennacht und versuch dir vorzustellen, dass dies nicht das einzige Sternensystem des Universums ist. Das schaffst du nicht. Dein Gehirn packt das nicht. Da verstehst du, wie klein du bist … und dass es eine größere Instanz geben muss.«
Carpe diem, das schien sein Motto all die Jahre. Als er merkte, dass seine Tage gezählt sein würden, plante er wie zum Trotz noch einmal eine lange Reise. Doch die Krankheit war stärker als er, der stets so groß und unbezwingbar gewirkt hatte. Half ihm sein Glaube, nun auch den letzten Weg zu gehen? Im Himmel, da war er sich sicher, wartete schon ein Teller Spaghetti auf ihn – mit einer ganz einfachen Tomatensauce.
Wer war’s?
Lösung aus Nr. 43:
Gianlorenzo Bernini (1598 bis 1680) war eigentlich Bildhauer, Papst Urban VIII. jedoch machte ihn zum Baumeister des Petersdoms. Als einer der geplanten Zwillingstürme bereits enthüllt war, traten Risse in der Fassade des Doms auf. Auf Betreiben seines Rivalen, des Architekten Borromini, wurde der Turm abgerissen. Bernini entwarf den Brunnen auf der Piazza Navona, gestaltete maßgeblich den Petersplatz sowie insgesamt das barocke Gesicht der Ewigen Stadt
- Datum 19.10.2009 - 16:16 Uhr
- Serie Lebensgeschichte
- Quelle DIE ZEIT, 22.10.2009 Nr. 44
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