Stilkolumne Vom Rücken der Pferde
Der Nerz als Statussymbol hat ausgedient. Es gibt jedoch bereits einen designierten Nachfolger: das Pony!
Alle Jahre wieder, wenn Marken wie Max Mara und Escada ihre Mode präsentieren, finden sich auch ungebetene Gäste ein. Wütende Demonstranten. Ob Nerze und Silberfüchse dafür sterben sollen, dass reiche Menschen nicht frieren, ist eine der ganz großen Streitfragen der Mode. Nun hat Max Mara längst nur noch wenige Pelze im Angebot, weil es mittlerweile viel weniger Menschen gibt, die Pelze tragen, als solche, die dagegen demonstrieren. Das Haus Escada hat ohnehin zurzeit ganz andere Probleme. Der Marke geht es womöglich selbst an den Kragen.
Das sollte man besser keinem Pferd flüstern: Diese Stiefeletten von Martin Margiela sind aus Ponyfell
Der Nerz als Statussymbol hat also ausgedient. Was wiederum ein Problem für seine Beschützer ist. Dabei werden Schweinen und Rindern in viel größeren Ausmaß die Häute abgezogen. Allerdings sind sie auch überhaupt nicht niedlich. Und sie sind nicht ausschließlich ein Prestigeobjekt der Reichen.
Es gibt jedoch einen designierten Nachfolger des Nerzes: das Pony. Immer mehr Ponyfell ist in der Mode zu sehen. Offenbar kommt für viele Menschen das Glück dieser Erde vom Rücken der Pferde. Giorgio Armani schustert Loafer mit Elementen aus Ponyfell, Tod’s hat Pony-Stiefeletten im Angebot. Rick Owens hat für den Mann sogar eine ganze Ponyfell-Hose geschneidert.
Nun ist das Pony in Zeiten, wo es in jeder Stadt eine »Pony-Bar« gibt und Bücher Das Leben ist kein Ponyhof heißen, ein absoluter Sympathieträger. Und man mag gar nicht glauben, dass auch das Leben sehr beliebter Tiere mal zu Ende geht und sie schließlich beim Abdecker landen, weil der Ponyhof keinem müden Klepper seinen Lebensabend finanzieren will.
Ponyfell und Pferdeleder zählen zu den besten Tierhäuten überhaupt. Sie sind nicht nur schön und weich, sondern auch überaus strapazierfähig. Glücklicherweise gibt es keine Ponyfarmen, auf denen die Tiere ihres Fells wegen gequält werden.
- Datum 21.10.2009 - 15:12 Uhr
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- Serie Stilkolumne
- Quelle ZEITmagazin, 22.10.2009 Nr. 44
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pferdefleisch soll ja sehr lecker sein, also sind die viecher gleich doppelt nützlich und den ponyfarmen steht nichts im wege...
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