Tatort Fernsehen »Tempelräuber«

Kommissar Thiel flitzt durch Münster wie ein Erdmännchen, und Prof. Boerne bricht sich beide Arme: Ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Fernsehkrimi.

Er schnitt das Brot mit gebrochenen Armen: Jan Josef Liefers als Professor Boerne

Er schnitt das Brot mit gebrochenen Armen: Jan Josef Liefers als Professor Boerne

Der Regens des St. Vincent Priesterseminars wird über den Haufen gefahren; bei dem Versuch, das zurücksetzende Taxi mit bloßen Händen aufzuhalten, bricht sich Professor Boerne beide Arme. Mord ist Mord – Thiel pfeift auf die höhere Räson, auf die ihn die Staatsanwältin einschwören will. Nicht nur die Pfaffen summen zum Einlullen einen Singsang, das weiß der herrliche Rüpelbulle Thiel wohl. Bald sitzt er Hans Wolff gegenüber, dem zweiten Mann im Haus der Gottesdiener. Ein Feingeist, der die Tasse geräuschlos auf die Untertasse zu setzen weiß; Thiel möchte ihm am liebsten die Nase abbeißen. Seine Gehilfin Nadeshda erklärt derweil dem Seminaristen Bott, wie toll der Sex sei. Diesem Jüngling Jesu glühen die Augen aber nicht ob der Pracht des Weibes.

Thiel schlägt die Mausoleumsstimmung auf die Laune, er haut ab, zieht sich ein St.-Pauli-Shirt über und trinkt Bier. Und findet eine Haushälterin mit Sohn für den Prof. Ich war mit mir ganz allein, brüllt Boerne, das war schön, und jetzt habe ich Frau und Kind am Hals. Jedem Junggesellen seine Bude, denken wir und wundern uns: Wir haben noch keine einzige Mandel aus Langeweile zerkaut; wir schwörene, wir hätten es beim ersten Anflug von Desinteresse an der Story getan. Thiel flitzt wie ein Erdmännchen von Ort zu Ort, er wühlt und gräbt und stößt auf den Namen Lena Henning. Eine exaltierte Person, sagt Schwester Agathe, sie erotisierte das Priesterseminar, der Regens hat sie entlassen. Das Alphabet der Gottesdiener geht natürlich von A wie Abtreibung bis Z wie Zölibat.

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SERIE: TATORT FERNSEHEN. Klicken Sie auf das Bild, um alle Besprechungen von Feridun Zaimoglu zu lesen

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Wer Gott gehorcht, hasst die Lüge, doch Thiel wird langsam sauer, weil man ihn belügt, als wäre er der Depp vom Dienst. Es lässt keiner die Maske fallen, also wird er rabiat. Er erfährt, dass man die Priesterkinder kleine Tempelräuber nennt, dass sie der Kirche die Priester »rauben«. Diese Kinder sind der Fluch einer Kirche, die auf Leib und Seele ihrer Tempeldiener Anspruch erhebt. Sie sollen sich schließlich totschuften für das Himmelreich; wehe dem, der sich zur heimlichen Liebe zur Haushaltshilfe offen bekennt, er wird aus dem Tempel verjagt.

Und die Frauen? Sie gelten als Konkubinen, man setzt sie, so sie denn für die Kirche arbeiten, einfach vor die Tür. Es gelten im Seminar die Regeln der Armut, Keuschheit und des Gehorsams. Thiel weiß: Es wird ihm nichts geschenkt; er lebt allein, ohne dass er hätte ein Gelübde ablegen müssen. Und er gehört auch nicht zu den Armleuchtern, die ein Leben lang Regeln befolgen. Kollegin Nadeshda gibt seufzend auf, der schöne Jüngling ist an Jesus vergeben. Auch der Professor gibt sich geschlagen, er wird die Haushälterin mit Gebrüll nicht vergraulen können. Nur der Rüpel Thiel bleibt dran – den lieben Gott kennt er vom Hörensagen, und selten holt den Mörder der Teufel. Auch wir blieben dran, und essen, weil wir gut unterhalten wurden, grinsend die Schüssel leer.

ARD, Sonntag, 25. Oktober, 20.15 Uhr

 
Leser-Kommentare
  1. Wozu bezahl ich alle drei Monate 60 Euro GEZ ?
    Weil alle drei Monate der neue Tatort Münster kommt.

    Mal hoch gerechnet,: wenn das Jeder so machen würde wie ich, dann hätte so eine Tatort-Münster-Folge ein Budget von etwa 2 Milliarden Euro.

    Es ist mir klar, daß da noch etwas Verwaltungsgebühr abgeht und meiner Kenntnis nach legt die GEZ weder Produktionskosten noch Verwaltunsgebühren offen.

    Mein Kommentar zum Kommentar:
    Der Kommentar hat recht !
    60 Euro für einen alle 3 Monate ausgestrahlten neuen GEZ-Tatort sind allerdings recht teuer. Das kann und will sich nicht jeder leisten.

    Und von den 2 Milliarden Euro Einnahmen der GEZ als Produzent haben Herr Tiefenbacher ( und die Schauspieler vermutlich abzüglich der Verwaltungsgebühr ) nicht viel abbekommen.

    Ich denke, man könnte auch im Dorf zusammenlegen damit einer GEZ bezahlt und wir alle 3 Monate den neuen Tatort Münster sehen können.

    Statt daß hier jeder 59.90 für NIX WEITER bezahlt.
    ( 60 Euro minus 59.90 = 10 Cent mal 20 Millionen = 2 Millionen Euro für einen neuen Tatort Münster, was ich für gerechtfertigt erachte. )

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