Ende eines Traditionsunternehmens Maximaler SchadenSeite 3/3

Die Gewährleistung für diese Geräte soll bei der Firma Profectis liegen, die zur Quelle-Gruppe gehört. Sie erledigte bislang den Service und die Reparaturen für den Versandhändler, ist ebenfalls von der Insolvenz betroffen, arbeitet aber erst einmal weiter. Genaueres war zu Beginn der Woche nicht zu erfahren. Verbraucherschützerin Gromek macht auf jeden Fall eines klar: »Wenn der Kunde die Geräte woanders reparieren lässt, kann er die Rechnung zwar beim Insolvenzverwalter einreichen, aber als nachrangiger Gläubiger dürfte er wenig Chancen auf Erstattung haben.«

Dass kaum noch Substanz im Unternehmen ist, stellte Insolvenzverwalter Görg schon vor Wochen fest. Er bezog das auf den Mutterkonzern Arcandor. Für finanzielle Erleichterung wird – ein letztes Mal – Thomas Cook sorgen. Das Unternehmen wurde inzwischen von jenen Gläubigern verkauft, die ein Pfandrecht an den Aktien der Reise-Tochtergesellschaft von Arcandor hatten, um damit ihre Kredite an die Muttergesellschaft abzusichern. Auch hier ist die Commerzbank wieder mit von der Partie, ebenso wie die Royal Bank of Scotland. Federführend agiert in dem Konsortium aber die BayernLB, die Mitte September Vollzug melden konnte.

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Etwas über eine Milliarde Euro soll der Verkauf der Aktien eingebracht haben. Wie viel davon nach Abzug der Restschuld in die Insolvenzmasse von Arcandor fließen wird, ist noch unklar. »Die Endabrechnung steht noch aus«, sagte jüngst ein Sprecher des Insolvenzverwalters.

Weil der Reisekonzern an der Londoner Börse notiert ist, geht es in den Verhandlungen mit den Banken unter anderem darum, welcher Wechselkurs angesetzt wird. Außerdem streitet man angeblich noch um die Höhe jener Gebühren, welche die Geldinstitute für die Verwertung kassieren dürfen, nachdem sie sich für ihre Kredite schadlos gehalten haben.

Für die Karstadt-Mitarbeiter ist das Ende von Quelle ein schlechtes Zeichen. Wie es mit den Warenhäusern weitergeht, wird Mitte November klar werden, wenn der Gläubigerausschuss tagt. Über potenzielle Investoren hält sich Görg bedeckt. Zwar hatte sich der Metro-Konzern als Fusionspartner ins Spiel gebracht, kurz nachdem Arcandor um staatliche Hilfe gebeten hatte. Allerdings ist man dort jetzt wieder auf dem Rückzug.

»Wir wollten doch nur eine Bürgschaft«, sagt eine Arcandor-Mitarbeiterin enttäuscht, »nicht mal einen Kredit.« Stattdessen wird bei Quelle jetzt abverkauft, das heißt, die Lager werden leer geräumt. Danach ist der Name Quelle Geschichte – genau wie der Kunstbegriff Arcandor. Der steht schon jetzt nur noch für die größte Firmenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Mitarbeit: Jutta Hoffritz

 
Leser-Kommentare
    • hardob
    • 21.10.2009 um 15:54 Uhr

    wie Quelle hat(te), der braucht sich vor Heuschrecken nicht mehr zu fürchten. Wenn ein Betrieb nur noch zu dem Zweck des Sharholdervalues betrieben wird, mit dem einzigen Ziel. seinen Managern und in (zweiter Linie) Eigentümern die Taschen voll zu stopfen, dann ist er bald kahl gefressen. Wenn Mitarbeiter und Kunden nur noch lästige Kostenverursacher sind, dann lässt sich ein Versand-Handels-Geschäft nicht mehr durchführen.

    Aber das ist ja nur die eine Seite. Die Banken, die Originalwirtschafter, denen jetzt das Risiko zu groß geworden ist, sind die andere. Weil der kurzfristige Gewinn nicht den überspannten Erwartungen entspricht, muss man den Geldsack zuschnüren. Man braucht Reserven zum Mitspekulieren in der nächsten Blase. Den Rest regelt "der Staat".

    Und die Investoren? Längerfristig hätte in dem Modell Quelle sicher Geld gesteckt. So schlecht war sie nicht aufgestellt, wenn sie endlich aus der Primondo-Arcondor-Falle befreit worden wäre. Aber gegenwärtig muss sich alles schnell-schnell und hoch und höher rentieren, sonst macht man schon gar keine weiteren Gedanken. Es fehlt an Unternehmern in diesem Milieu-. Sind alles nur Pokerspieler.

    Und die Politik? vuz Guttenberg hat seine Insolvenzchance. Soll er zeigen, worin sie besteht. Er wird sich denken, was geht mich das an, ich bin doch Wirtschaftsminister, ich halt mich fein raus. Ja, wozu braucht es noch die Politiker? Wofür erhalten Sie ihr Einkommen? Ehrlich gesagt, ich habe da keine Ahnung.

  1. ... ein familiengeführtes Unternehmen in die Hände von fusionsgeilen und maximalprofiterheischenden Managern legt, was soll dabei herauskommen?
    Das ist Marktwirtschaft. Holzmann, Nokia, Opel etc. den letzten beißen die Hunde.
    Wenn das Konzept des Managments nicht mehr in die Zeit passt, muss ein Schnitt her.
    In meinem Ort gibt es ein Karstadt-Warenhaus. Ich hatte auch eine Karstadt-Karte. War toll, ich konnte bei Kauf 1 oder 2 Stunden kostenlos parken. Macht sich im Zentrum gut. Wurde abgeschafft. Also kann ich auch in anderen Warenhäusern parken und einkaufen.
    Vor ein paar Jahren wollte ich für ca. 500 € privat Festnetztelefone kaufen. Frage nach einem Rabatt wurde negativ beschieden. Hätte man mir 5 % (25 €) gegeben, wäre das für mich ok gewesen. So habe ich im Internet eingekauft, für 420 €.
    Wenn der Kunde bei einem Handelskonzern nicht interessiert, wie denn?
    Es ist schockierend für jeden, der aus einer Mißwirtschaft heraus arbeitslos wird und das auch noch vor dem Fest der Nächstenliebe. Ich habe es selber erleben müssen. Aber für mich ist kein Poltiker ans Mikrofon getreten und hat angekündigt, dass die Entlassenen pünklich ihr ALG bekommen. Ich musste 2 Monate auf Insolvenzgeld warten.
    Das tollste an der Insolvenz ist aber der "massive Versuch" der Anteilseigner Schickedanz u. Goldmann Sachs mit allen Mitteln "ihren Wertschöpfern" zu helfen. Von deren selbstlosen Einsatz bin ich zutiefst beeindruckt.
    Sollte jemand Ironie finden, darf sie behalten.

  2. Das Traditionelle Versandgeschäft des Quelle Konzerns übernimmt nun Amazon. Obwohl der Quelle Konzern eigentlich einen Vorsprung in Logistik und Lagerung und eine Stammkundschaft hatte, haben Sie es nicht geschaft einen Konurrenzfähigen Onlineshop zu entwickeln.

    Meiner Ansicht nach totales Versagen des Managements.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen, warum der nichts getaugt hat, oder?

    Der vom Otto-Versand ist aber auch nicht besser, stammt von der selben Firma ;-). Ehrlich, hier zeigt sich auch, woran das Manager-System noch krankt: An der Fachkompetenz. Gemeinsam auf die gleichen Schwindler 'reinfallen, das klappt bei unseren Herdentier-Managern nämlich ganz gut. Wie im Sonntags-Dilbert auch kürzlich zu lesen war, funktioniert der Ersatz von Mitarbeitern durch trainierte Hühner eben nur bei den Aufgaben, die der pointy haired Boss erledigt ;-).

    Da braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen, warum der nichts getaugt hat, oder?

    Der vom Otto-Versand ist aber auch nicht besser, stammt von der selben Firma ;-). Ehrlich, hier zeigt sich auch, woran das Manager-System noch krankt: An der Fachkompetenz. Gemeinsam auf die gleichen Schwindler 'reinfallen, das klappt bei unseren Herdentier-Managern nämlich ganz gut. Wie im Sonntags-Dilbert auch kürzlich zu lesen war, funktioniert der Ersatz von Mitarbeitern durch trainierte Hühner eben nur bei den Aufgaben, die der pointy haired Boss erledigt ;-).

    • wowman
    • 21.10.2009 um 16:51 Uhr

    ...darf, nach Meinung mancher Menschen, heutzutage offenbar nicht mehr Pleite gehen. Warum denn nicht?

  3. Unser adliger noch Wirtschaftsminister wurde doch schon bei Opel nicht müde, auf die Chancen des modernen, deutschen Insolvenzrechts hinzuweisen.

  4. Da braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen, warum der nichts getaugt hat, oder?

    Der vom Otto-Versand ist aber auch nicht besser, stammt von der selben Firma ;-). Ehrlich, hier zeigt sich auch, woran das Manager-System noch krankt: An der Fachkompetenz. Gemeinsam auf die gleichen Schwindler 'reinfallen, das klappt bei unseren Herdentier-Managern nämlich ganz gut. Wie im Sonntags-Dilbert auch kürzlich zu lesen war, funktioniert der Ersatz von Mitarbeitern durch trainierte Hühner eben nur bei den Aufgaben, die der pointy haired Boss erledigt ;-).

    • Didde
    • 21.10.2009 um 18:40 Uhr

    Man hätte besser die 50 Millionen für den Katalog an die 7500 Mitarbeiter verteilen sollen, dann hätte jeder wenigstens 6.666,66 mit nach Hause genommen.
    Ebenso sollte man die 5,5 Milliarden für Opel besser an die zigtausend Mitarbeiter auszahlen, anstatt sie so in den Sand zu setzen wie den Quellekatalog. Didde

  5. 8.

    Bei Quelle habe ich, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, das letzte mal vor etwa 12 Jahren etwas gekauft. Ein sterbendes Unternehmen mit einem sterbenden Geschäftsmodell, das, wie überraschend, nun endgültig gestorben ist. Schuld ist natürlich wieder einmal der übliche Verdächtige, nämlich der freie Markt, der zulässt, dass ein Unternehmen pleite geht, von dem einfach niemand mehr etwas kaufen wollte. Sowas aber auch. Gottseidank war die Regierung sich noch kurzfristig ihrer sozialen Verantwortung bewusst und hat noch 50 Mio. für den Druck der letzten Kataloge locker gemacht. Jetzt haben die Quelle-Mitarbeiter für den Winter wenigstens noch was zum heizen und das auch noch klimaneutral!

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