Goldman Sachs meldet fürs dritte Quartal ein Ergebnis von 3,2 Milliarden Dollar. © Chris Hondros/ Getty Images

Die Altvorderen kennen noch den »Stamokap«, wonach der Staat als Reparaturbetrieb des Kapitalismus agiere. Schiere Agitprop, aber nicht ganz falsch in diesen Tagen, da die US-Investmentbanken Geld scheffeln, als könnten sie es selber drucken. Goldman Sachs meldet fürs dritte Quartal ein Ergebnis von 3,2 Milliarden Dollar, viermal mehr als vor einem Jahr. Die Boni für 2009 werden im Durchschnitt 700.000 für jeden der 32.000 Angestellten betragen. J.P. Morgan meldet gar 3,6 Milliarden Gewinn.

Eigentlich müsste der Staat den fettesten Bonus kriegen. Einmal, weil noch Bush das Haus Lehman hochgehen ließ und so den schärfsten Rivalen von Goldman und Co. wegräumte. Zwar hatte die Fed (Zentralbank) Bear Stearns zu helfen versucht, aber nur halbherzig, und deshalb konnte J.P. Morgan den Konkurrenten für ein Dreizehntel seines einstigen Wertes schlucken. Washington Mutual, die sechstgrößte Bank, wurde vom Bund an Morgan für ein Butterbrot zwangsverkauft. Fazit: Je weniger Konkurrenz, desto mehr Gewinn.

Für den zweiten Grund sorgte Obama. Die Großen konnten sich an zwei staatlichen Trögen zu lächerlichen Zinsen laben – bei der Fed direkt und anderswo mithilfe öffentlicher Bürgschaften. Wer billiges Geld teuer verleiht, sogar an den Staat selber (etwa die US-Gliedstaaten), wird nicht darben. Da muss man nicht einmal mit jenen Risikopapieren jonglieren, die in der Krise eine Hauptrolle gespielt haben.

Und wer darbt? Die kleineren Unternehmen, denen die klassischen Banken nichts geben wollen. Die Kreditklemme verlängert den Weg zum Aufschwung, derweil die Großen einen windfall in Milliardenhöhe einstreichen. (Das ist ein Profit, der nicht auf eigenem Können beruht, sondern in diesem Fall auf einem Geschenk des Steuerzahlers.) Ein guter Marktwirtschaftler sagt hier: Ein windfall gehört weggesteuert, was aber wiederum den Sinn der Billionengabe konterkarieren würde: die Banken mit Kapital auszustatten, damit sie es für jobträchtige Projekte verleihen.

Das Erstere hat geklappt; die Banken sind nicht mehr so hoch verschuldet wie vor der Krise. Das Zweite aber läuft weder in Amerika noch in Deutschland. Goldman hat das meiste Geld im Rohstoff- und Devisenhandel verdient – und wenig mit Eigeninvestitionen, die die Konjunktur beflügeln.

Sollte der Staat wenigstens die Boni kappen, damit mehr Eigenkapital in den Banken bleibt? Dann werden sie die Gehälter erhöhen. Der Hebel müsste dort ansetzen, wo die Aktionäre mitreden. Durch den US-Kongress läuft gerade eine Vorlage, die es den Besitzern erlauben soll, jährlich über die Entlohnungspolitik ihrer Unternehmen abzustimmen. Dazu muss diese gnadenlos offengelegt werden.