Banken Zähmen statt zerschlagen

Es hilft nichts, die Banken aufzuspalten. Wenn das Finanzsystem stabiler werden soll, muss der Staat die Institute strenger regulieren

Die Idee klingt verführerisch: Warum nicht die Banken einfach zerschlagen, die uns den ganzen Ärger eingebrockt haben? Genau das hat jetzt der britische Notenbankchef Mervyn King vorgeschlagen. Das Problem: Die Aufspaltung ist keine Gewähr für mehr Sicherheit im Finanzsektor.

Die Banken haben seit je eine Sonderrolle in der Wirtschaft inne. Kein Land kann es sich erlauben, wichtige Geldinstitute untergehen zu lassen. Sie sind so stark mit dem Rest der Wirtschaft vernetzt, dass sie diese im Krisenfall mit in den Abgrund reißen würden.

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Die disziplinierende Wirkung des Marktes, der im Regelfall dafür sorgt, dass individuelles Gewinnstreben der Gemeinschaft insgesamt zugute kommt und Fehlleistungen bestraft werden, ist damit außer Kraft gesetzt. Es greift vielmehr eine implizite Staatsgarantie. Das ist nicht erst seit dieser Krise so. Auch früher schon haben die Regierungen größere Bankenpleiten zumeist verhindert. Durch ihr 2008 gegebenes Versprechen, keine systemrelevante Bank Pleite gehen zu lassen, haben die Regierungen diese implizite Garantie nur in eine explizite verwandelt.

Das ist nicht nur unfair, weil der Steuerzahler im Notfall die Zeche zahlt, die Gewinne aber bei den Banken und ihren Aktionären anfallen – es führt auch zu Verzerrungen am Markt. Wer den Banken Geld leiht, der kann sich sicher sein, dass er keine Verluste fürchten muss, denn im Ernstfall springt ja der Staat ein. Genau deshalb können sich viele Institute heute zu günstig finanzieren. Das bedeutet nichts anderes, als dass zu viele volkswirtschaftliche Ressourcen in den Finanzsektor fließen.

Daran würde sich jedoch nicht viel ändern, wenn man die Banken jetzt zerschlüge. In einer Finanzkrise kann auch der Kollaps eines mittelgroßen Hauses die Stabilität des Finanzsystems gefährden. Die IKB war nicht besonders groß, trotzdem musste sie 2007 gestützt werden.

Auch die jetzt diskutierte Trennung der Kreditsparte von den Kapitalmarktaktivitäten – der Staat würde dann nur das Kreditgeschäft streng überwachen und dafür garantieren – löst das Problem nicht. Hinter dieser Idee steht die Vorstellung, die Regierung könne die Zocker ihrem Schicksal überlassen, da sie keine Kundeneinlagen verwalten. Das ist aber nicht so.

Allein schon die Unterscheidung von Kasino und Kreditgeschäft ist schwierig. Wo hört die schützenswerte Dienstleistung auf, und wo fängt das schädliche Kasino an? Die radikale Abgrenzung bestünde darin, unter nützlichem Bankgeschäft das Verleihen von Spareinlagen an Kreditkunden zu verstehen. Die künstlichen Kredithebel würden ausgeschaltet, das System wäre stabil. Das würde allerdings Wachstum kosten. Eine einfache Agrargesellschaft mag mit solchen Banken existieren können. Das Kreditvolumen, das zur Finanzierung einer komplexen Volkswirtschaft nötig ist, lässt sich auf diese Weise aber nicht mobilisieren. Es ist kein Zufall, dass die Industrialisierung und die Entwicklung eines modernen Finanzsektors miteinander einhergingen.

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