Kulturetat Der große KahlschlagSeite 2/2

Das Sparen bei der Kultur schwächt die Städte gerade in jenem Bereich, der für ihren zukünftigen Erfolg so wichtig ist. Jeder Offizielle in den Kommunen kennt inzwischen die Studien, die die Rolle der sogenannten »kreativen Klasse« (Richard Florida) für das erfolgreiche Wirtschaften in einem »ästhetischen Kapitalismus« (Gernot Böhme) betonen. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent in München, sieht die Gefahr nicht nur im Verlust von Standortvorteilen im wirtschaftlichen Wettbewerb, für ihn steht die Zukunft der städtischen Gesellschaft auf dem Spiel. »Wir sind nach den Einsparungen der vergangenen Jahre an einer Grenze angekommen, die wir nicht mehr unterschreiten können«, sagt Küppers, der auch Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Städtetages ist: »Es sei denn, wir schließen Einrichtungen und gehen an die Substanz der Kultur. Aber das darf nicht passieren. Die Bürger müssen auch in Zukunft aktiv und passiv an Kultur teilhaben können.«

Die meisten kommunalen Haushalte werden im Dezember verabschiedet. Es ist noch ein wenig Zeit für öffentlichen Widerstand. In Köln haben sich die Kulturproduzenten zu einem Komment zusammengeschlossen. Im ruhigen Stuttgart gehen Bürger und Künstler am 19. November auf die Straße. Inzwischen geht es längst ums Ganze.

 
Leser-Kommentare
  1. Die herrschende kultur ist die kultur der herrschenden! Eure opern, eure theater, eure museen eure konzerte haben von ein paar aufklärerischen quoten-orchideen für salonlinke doch schon seit ein,zwei jahrzehnten die gehirnwindungen in den därmen des kapitals.Dann laßt sie euch doch auch komplett von sponsoren finanzieren.

  2. Deutschland sollte mal grundsätzlich die Art und Weise seiner Kulturfinanzierung überdenken.

    Zu oft wird das Geld an der falschen Stelle ausgegeben. Zu oft kommt es nicht auf Qualität, sondern auf das Netzwerk zu den Finanztöpfen an. Zu oft wird Geld für Dinge ausgegeben, die keinerlei kulturellen Wert haben.

    Gerade bei Kultur wäre Basisdemokratie richtig und wichtig.

    Wie wäre es z.B. wenn nicht mehr Parlamente und Kulturausschüsse über die Mittelverwendung entscheiden, sondern der Bürger selbst?

    Wie wäre es, wenn der Bürger bei seiner Steuererklärung entscheiden kann, ob ein kleiner Teil seiner Steuerschuld weiter in den allgemeinen Haushalt fließt oder eben dieser prozentuale Anteil gezielt einem bestimmten Kulturprojekt aus einer Auswahlliste zufließt? Das würde viel Spreu vom Weizen trennen. Zudem wäre die Verantwortung für Kultur dann wieder dort, wo sie hingehört: Beim Volk, und nicht bei weltfremden oft korrupten Dezernenten.

    Ob Kunst gut oder schlecht ist, sollten nicht die Künstler selbst, sondern die Bürger entscheiden.

    Eine weitere Säule wäre das bisher stiefmütterlich behandelte Stiftungswesen.

    • Crest
    • 31.10.2009 um 13:37 Uhr

    hatte sich eine Gesellschaft nach klassischer Meinung einst zu entscheiden.

    Diese Zeiten haben sich - Gott sei Dank - geändert, aber vergleichbare Entscheidungen sind immer wieder zu treffen: Heutzutage ist es mehr die Frage nach "Kultur oder Hartz IV ?".

    Eine unfaire Alternative, finden Sie? Das sollte anders sein? Finde ich auch. Lieber reich und gesund als arm und krank! Diesem Standpunt widersprechen die Tatsachen? Um so schlimmer für die Tatsachen.

    Da diese Argumente ja alles andere als neu sind, nochmals von vorn:

    Es wird ja nicht alles, was zur Kultur zählt, "kaputtgespart". CERN bleibt uns erhalten und die internationale Raumstation auch. Das hat nichts mit "Kultur" zu tun" sagen Sie? Aber genau da sind wir jetzt beim Kern der Sache. Kultur hat so viele Facetten, dass es "die" Kultur nicht gibt. Und bei genauerer Betrachtung denke ich, dass es in der Geschichte viele "Fadenrisse" im Kulturschaffen gegeben hat.

    Um hier nicht als Bilderstürmer dazustehen: Ich fände es bedauerlich, wenn Konzerte, Opernhäuser, etc. schließen müssten. Abei in einem hat mein Vorkommentator schon recht: Der Begriff "Kultur" ist von einer selbst ernannten und "real existierenden Elite" ursurpiert worden. Ich bin zwar bereit, in der Bewahrung dieser (speziellen) Traditionen einen Sinn zu sehen.

    Aber: Was aber von unserer Kultur noch in Milliarden (!) Jahren Zeugnis geben wird, sind vielleicht weniger die Fugen Bachs sondern:

    die Voyager Sonden der NASA.

    Herzlichst Crest

  3. "Kultur" ist ein weites Feld. Jeder genießt unterschiedliche Kulturformen und hält unterschiedliche Kulturaspekte für erhaltenswert. Deshalb sollte auch jeder für seinen Geschmack selbst bezahlen. Der Staat sollte sich weitestgehend aus der Kulturfinanzierung zurückziehen. Wenn die Menschen bestimmte Theater, Museen und Opern schätzen, denn werden diese Einrichtungen ausreichend zahlende Kunden und Spender finden. Ich sehe es nicht ein, dass ich mit meinem Steuergeld die Eintrittskarten der oft betuchten Theater- und Opernbesucher subventionieren muss. Für ihre Unterhaltung sollten sie doch bitte selbst zahlen.

  4. Zweifellos ist es ein Irrglaube zu denken, dass es ohne Staatsgelder in Deutschland keine Kultur gäbe. Andere Länder besitzen schließlich auch Opernhäuser. Allerdings richten diese sich meist etwas mehr nach dem Publikumsgeschmack. Bei uns hingegen genießen die Opernproduzenten absolute Narrenfreiheit. Sie können nach Belieben die unsinnigsten und skurrilsten Projekte auf die Bühne bringen, weil ihnen die Millionen seitens der braven Steuerzahler absolut garantiert sind -- und zwar Steuerzahler, die noch nie ein Opernhaus von innen gesehen haben.

    • heirei
    • 31.10.2009 um 17:52 Uhr

    Bei jeder Disskussion um die Kulturetats kommt doch immer mehr zur Sprache, wie facettenreich all deren dazugezählten Bereiche mittlerweile sind. Das führt aber auch zu einem etwas peinlichen Stellungskrieg. Beispielsweise die grossen Häuser: sie werden zum Glück nicht mehr als Pflicht des Kulturbürgertums begriffen, aber verschanzt man sich heute hinter wirtschaftpolitischen Argumenten.
    Dagegen die "Graswurzelinitiativen", die stets Volksnähe bezeugen, (welches sie ja in der Tat so wichtig machen) jedoch damit die Frage der Wichtigkeit und Bedeutung nur zwischen "Volks" und "Grosser" Kultur hin und herschieben, und damit noch einen Beigeschmak erhalten, die dem Bürger oft eine rechte Nähe schwer machen.
    Dabei ist aber vor allem schade, das diese Diskussionen der Funtionäre um diese eigentlich wichtigen Foren der Gesellschaft an dieser vorbeigeht. Viele die sich langsam wieder von den Flimmerkästen trennen wollen, finden sie sich in einer Diskussion mit völlig abstrakten Argumentationsketten um Wirtschaflichkeit oder wohl profane Unterhaltung wieder.
    Das es dahinter auch um unsere Lebenskultur, oder unsere öffentliche Kultur geht, sieht man oft durch dieses Dickicht nicht mehr. Und für die braucht man vor allem kein Geld, sondern Aufmerksamkeit. Vielleicht würde solche Betrachtung zu noch grösseren Verteilungskriegen führen, aber vielleicht auch zu anderen Lösungen, denn hier gehts ja nicht nur um ein Wirtschaftsgut oder Unterhaltung, sondern schlicht um unsere Kultur!

  5. Das Argument, es werde Geld für etwas ausgegeben, das man selbst nicht nutzt, zieht nicht. Jeder Steuerzahler unterstützt mit seinem Geld Dinge, die er selbst nicht nutzt oder für unsinnig hält. Von mir aus etwa müsste man kein einziges Stadion bauen und keine einzige Olympiabewerbung unterstützen. Trotzdem finanziere ich zum Beispiel die Bundesliga mit meinen Rundfunkgebühren mit. Die europäische Landwirtschaftspolitik ist ein Steuerfresser ersten Ranges. Also die Kultur ist doch wirklich nicht der einzige Bereich der subventioniert wird, es gibt ja bei uns fast nichts, dass nicht direkt oder indirekt mit Steuergeldern mitfinanziert wird.
    Natürlich ist auch ein ganz anderes Modell denkbar. Der Staat zieht sich bei den Subventionen zurück (nicht nur bei der Kultur) und überlässt die Entscheidung dem einzelnen. Voraussetzung ist natürlich, dass alle Menschen ordentlich für ihre Arbeit entlohnt werden und nicht die Armen immer ärmer und die Reichen reicher werden. Im Moment sichern die Subventionen immerhin, dass sich auch ärmere Kultur leisten können. In Stuttgart etwa kann man für 8 Euro in die Oper gehen. Ohne Subventionen gäbe es das nicht.

  6. Zum „Verstehen“ von Kultur: Was im CERN vor sich geht, verstehe ich auch nicht. Will ich es genauer wissen, muss ich mir Mühe geben. Ich denke, auch die Kultur hat etwas Mühe verdient. Der „Ring“ ist halt nicht so leicht zu verstehen wie ... (na, ich will niemanden beleidigen, sagen wir: wie viele kommerziell ausgerichtete Produkte). Trotzdem ist ein Stück, mit dem man sich ein Leben lang beschäftigen kann und das einem immer wieder neue Aha-Erlebnisse beschert. Allerdings muss ich zugestehen: Manche Regisseure treiben es schon zu arg, da komme selbst ich als Opernfan, der durchaus fürs Moderne offen ist, nicht mehr mit. Ich denke allerdings, die Zeit der ganz krassen Regieeinfälle ist vorbei. Erstens ist da vieles ausgereizt, zweitens werden die Opern und Theater – Subventionen oder nicht – sich mehr am Publikum orientieren müssen. Und der Einfluss der Sänger und Musiker wird wieder größer ...

    Aber eigentlich diskutieren wir hier am Thema vorbei. Die großen „Tanker“ werden ja nicht untergehen, es sind die kleinen Orchester und Theater, die bedroht sind. Da geht es oft nur um 2000 oder 3000 Euro.

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