Briefwechsel Ein schöner Fall von PhilotainmentSeite 3/3

Beide Briefpartner sind intelligent genug, zu erkennen, dass es sich um Paranoia handeln muss, wenn sich zwei Schriftsteller, die von ihren Auflagen her zu den größten kulturellen Exportartikeln ihres Landes gehören, als Opfer empfinden. In einem Atemzug stellt sich der verhasste BHL in eine Reihe mit: Sartre, Camus, Cocteau. Und Houellebecq beneidet ihn um sein, wie Lévy selbst schreibt, feuersicheres, gepanzertes Ego, das jedem Angriff standhält. Ihr Umgang mit ihrer offensichtlich schmerzlichen Berühmtheit – der eine im Steuerparadies Irland, der andere mitten in Saint-Germain – zeigt gleichzeitig, dass sich die literarische Öffentlichkeit Frankreichs verändert hat. Der Leser will nicht mehr nur Bücher. Er will Figuren dazu, people. Die »Peopolisierung der Politik«, von der in Paris seit Sarkozy gern die Rede ist, hat längst auch den Literaturbetrieb erreicht.

Beide Autoren haben auf ihre Art dazu beigetragen. Aber Houellebecq ist ein Steuerflüchtling, der im Grunde auch vor der Öffentlichkeit fliehen wollte. Ihm ging es, das sagt er selbst, anfangs nur ums Geld: »Für mich hat sich ab dem Moment der Veröffentlichung von Elementarteilchen alles innerhalb weniger Tage abgespielt, innerhalb weniger Tage begriff ich, dass sich mir eine Chance eröffnete, eine kleine Chance, dem Arbeitsleben zu entkommen.« Damals hat er offensichtlich nicht geahnt, dass auch das einen Preis hat.

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Lévy ging es um etwas anderes. Geldsorgen hat er nie gekannt. Er wollte wohl und will bis heute zwanghaft testen, wie kugelsicher sein Ego wohl sein mag. Seine pathetische Figur wird einem am Ende fast ein wenig sympathisch. Houellebecq hingegen ist wirklich der kluge Narr, den er jetzt spielen muss. Er leidet ein wenig an sich, noch mehr an der Welt, die das Bild nicht mehr sehen will, dass er ihr in seinen Büchern entgegenhält. Beide punkten auf ihre Weise in diesem Match. Doch am Ende gewinnt der Schwächere, siegt die verhuschte Schonungslosigkeit des Literaten über die moralische Überlegenheit des Philosophen.

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