Impfstoff-Diskussion Streit um die richtige Impfung
Warum scheuen die meisten Deutschen die Schweinegrippe-Impfung? Haben wir das richtige Serum? Ein Streitgespräch zwischen dem Mikrobiologen Alexander Kekulé und dem Impfstoff-Experten Johannes Löwer

Wenig Andrang: Ein Großteil der Deutschen will sich nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen
DIE ZEIT: Herr Kekulé, Herr Löwer: Warum sind die Deutschen so impfmüde? Nur zwölf Prozent der Bevölkerung wollen sich gegen die neue Grippe impfen lassen, selbst beim medizinischen Personal sind es nur etwa 20 Prozent.
Johannes Löwer: Das ist einfach nachzuvollziehen: Der Erfolg des Impfens ist sein eigener größter Feind. Wenn man Krankheiten nicht kennt oder sie als harmlos einschätzt, dann lässt man sich nicht impfen. Wenn durch die Impfung die Krankheit verschwunden ist, hält man sich eher mit den Fragen auf, welcher Schaden von der Impfung droht.
ZEIT: Aber Ärzte sollten um die Gefahr wissen…
Löwer: …genauso wie Krankenschwestern und Hebammen, aber offensichtlich sind die eben auch nur Menschen. Bei der Schweinegrippe ist oft gesagt worden, es handele sich nur um eine milde Erkrankung. Wenn das stimmt, wäre die Zurückhaltung nachvollziehbar.
Alexander Kekulé: Sicher ist man in Deutschland besonders kritisch gegenüber Impfstoffen. Und viele verwechseln die Grippe immer noch mit Erkältungskrankheiten. Bei der Aufklärung über die neue Influenza ist einiges nicht optimal gelaufen. Es gibt ja Ärzte und sogar ganze Ärztekammern, die erst einmal nicht impfen wollen.
Aus heutiger Sicht glaube ich in der Tat, dass es der falsche Impfstoff ist
Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Halle-Wittenberg
ZEIT: Kein Wunder, dass die Deutschen verwirrt sind: Sogar der Präsident der deutschen Allgemeinmediziner hat sich gegen das Impfen ausgesprochen. Ist die Kommunikation nicht ordentlich vorbereitet worden?
Löwer: Nach jeder Krise wird die Kommunikation kritisiert. Aber zu der gehören bekanntlich mindestens zwei: einer, der etwas sagt, und einer, der zuhört. Als ich vor der Bundesärztekammer einen Vortrag über die Pandemieimpfstoffe gehalten habe, hat die Hälfte nicht zugehört. Jetzt ist die Kammer mit dem Vorgehen nicht einverstanden. Keiner der Ärztevertreter hat sich erkundigt, welche Daten uns als Zulassungsbehörde vorliegen. Da wurde vieles einfach nachgeplappert. Bedauerlich.
Kekulé: Man muss schon ein bisschen spezifischer sein. In Deutschland wurde sehr früh die Entscheidung für den adjuvantierten Impfstoff, also mit Wirkverstärker, gefällt. Man hätte früher und deutlicher sagen müssen: Wir wollen auf eine ganz besonders gefährliche Situation reagieren und greifen daher zu unüblichen Mitteln. Das ist auch in Fachkreisen zu wenig diskutiert worden – und erst zu einem Zeitpunkt, als es zu spät war, um noch den Kurs zu ändern, weil man Impfstoffe nicht mal eben an der nächsten Ecke besorgen kann.
ZEIT: Herr Kekulé, Sie haben kürzlich im Tagesspiegel geschrieben, dass Deutschland den falschen Impfstoff bestellt hat.
Kekulé: Aus heutiger Sicht glaube ich in der Tat, dass es der falsche Impfstoff ist. Nicht dass ich jemandem einen Vorwurf machen will, man konnte ja nicht hellseherisch sein. Zunächst hatten wir damit eine bessere, gründlichere und für eine gefährliche Grippe wirksamere Vorbereitung getroffen als etwa die USA. Ein Impfstoff mit Adjuvans wäre gegen ein Grippevirus notwendig gewesen, welches stärker von den normalen saisonalen Viren abweicht. Es ist die stärkere Waffe, die aber jetzt nicht notwendig ist.
- Datum 29.10.2009 - 16:07 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.10.2009 Nr. 45
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Kritisert wird unisono die Kommunikation. Und dann so etwas:
Aus heutiger Sicht glaube ich in der Tat, dass es der falsche Impfstoff ist.
Gute Güte, ein Laie, der das liest, der hat doch beim Adjektiv "falsch" sofort ganz andere Assoziationen als das, was es später heißen soll:
Es ist die stärkere Waffe, die aber jetzt nicht notwendig ist.
Der Impfstoff ist also gar nicht "falsch", sondern es würde sich unter speziellen Gesichtspunkten ein anderer eventuell besser anbieten. Gehen tun beide.
So wird der "Endverbraucher" laufend ins Bockshorn gejagt. (Aber man ist ja - die Diskussionen etwa um Gorleben bieten ein schönes Beispiel - in dieser Hinsicht intellektuell abgehärtet.)
Herzlichst Crest
Habe heute (in Bayern schon möglich als nicht-systemrelvanter) Pandemrix bekommen und bin 3,5h danach offensichtlich noch in der Lage, Kommentare zu schreiben. Komme beruflich täglich in viele "pandemie-kritische" Orte, da habe ich keine Lust, auf aktive Virensuche zu gehen und dann Virenschleuder zu spielen. Damit kann ich mir jetzt die Pandemie ziemlich gelassen ansehen. (Standard-grippeimpfung wie jedes Jahr hatte ich übrigens am 8.10.)
Die Stunde Heimweg vorher auf der vollen AB bei leichtem Nebel und Dunkelheit war sicher um ein x-faches gefährlicher als es eine Impfung je sein kann. Traut euch!
Habe heute (in Bayern schon möglich als nicht-systemrelvanter) Pandemrix bekommen und bin 3,5h danach offensichtlich noch in der Lage, Kommentare zu schreiben. Komme beruflich täglich in viele "pandemie-kritische" Orte, da habe ich keine Lust, auf aktive Virensuche zu gehen und dann Virenschleuder zu spielen. Damit kann ich mir jetzt die Pandemie ziemlich gelassen ansehen. (Standard-grippeimpfung wie jedes Jahr hatte ich übrigens am 8.10.)
Die Stunde Heimweg vorher auf der vollen AB bei leichtem Nebel und Dunkelheit war sicher um ein x-faches gefährlicher als es eine Impfung je sein kann. Traut euch!
Habe heute (in Bayern schon möglich als nicht-systemrelvanter) Pandemrix bekommen und bin 3,5h danach offensichtlich noch in der Lage, Kommentare zu schreiben. Komme beruflich täglich in viele "pandemie-kritische" Orte, da habe ich keine Lust, auf aktive Virensuche zu gehen und dann Virenschleuder zu spielen. Damit kann ich mir jetzt die Pandemie ziemlich gelassen ansehen. (Standard-grippeimpfung wie jedes Jahr hatte ich übrigens am 8.10.)
Die Stunde Heimweg vorher auf der vollen AB bei leichtem Nebel und Dunkelheit war sicher um ein x-faches gefährlicher als es eine Impfung je sein kann. Traut euch!
... zur Impfung. Ich habe auch schon einen Termin gemacht.
Die Impfdiskussion wird von einem Bewusstsein geprägt, dass sich nur Menschen erlauben dürfen, die dank Lohnfortzahlung für das Auskurieren bezahlt werden: 2 Tage im Bett und 3 vor dem Fernseher und das sogar bei vollem Lohnausgleich ist doch mal ganz nett.
Ich kann und will mir keine Krankheit leisten.
Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Das Fazit "Ist also nicht so schlimm, dass wir den wirkverstärkten Impfstoff bestellt haben" ist NICHT richtig. Denn die Schwangeren, die als Hauptrisikogruppe gelten, können damit nicht geimpft werden, weil niemand die Verantwortung übernehmen darf. Ich habe als chronisch Kranke UND Schwangere versucht, beim Gesundheitsamt oder einer der impfenden Arztpraxen eine Impfung zu erhalten - vergeblich. Das wird natürlich nirgendwo kommuniziert, würde sich ja schlecht machen.
Ich will mir auch keine Krankheit leisten (zumal ich wegen ständiger Reisen, beruflicher Kontakte und kleiner Kinder ein hohes Ansteckungsrisiko habe), aber mir bleibt wohl nicht viel übrig.
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