Impfstoff-Diskussion Streit um die richtige Impfung
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Die Firmen verdienen an den Impfstoffen

Kekulé: Damit stärkt man die Position der Hersteller. Denen ist es doch gerade recht, wenn sie die Staaten gegeneinander ausspielen können. Wenn der Hersteller Deutschland frühzeitig ein höheres Kontingent an Antigen verkauft hätte – wie es vertraglich zugesichert war –, dann hätte er weniger Ländern etwas verkaufen können.

Löwer: Nein, Herr Kekulé, die Verträge waren anders. Die Hersteller verkaufen primär Prozentsätze ihrer Produktion, natürlich mit einer mengenmäßigen Obergrenze. Damit wird erreicht, dass alle Abnehmer gleichmäßig bedient werden können. Die ursprüngliche Idee war, diesen Prozentsatz an der Abnahme des saisonalen Impfstoffs auszurichten und nicht etwa an der Kaufkraft.

Kekulé: Das heißt, wenn man immer brav den saisonalen Impfstoff gekauft hat, bekommt man auch jetzt mehr Schweinegrippe-Impfstoff. Damit bestätigt sich: Wir dürfen uns von denen nicht so abhängig machen!

ZEIT: Ist nicht auch eine zu große Nähe der staatlichen Institutionen zur Industrie ein Problem?

Löwer: Ich wäre mit solchen pauschalen Vorwürfen vorsichtig. Dass in Bezug auf die Abhängigkeit von der Wirtschaft auch das Paul-Ehrlich-Institut betroffen wäre, muss ich heftig zurückweisen.

Kekulé: Viel wichtiger ist die Frage der Abhängigkeiten von Gremien. Ich habe mir die Studien für die Zulassung von Pandemrix angeschaut. Zwei Mitglieder der Stiko sind bei den Zulassungsstudien beteiligt gewesen, eines davon sogar in leitender Funktion. Ich finde, es muss klar sein: Jemand, der an der Studie beteiligt war, kann hinterher nicht in der Kommission sitzen und über die Anwendung des Impfstoffes entscheiden.

Löwer: Herr Kekulé, Sie sollten wissen, dass jedes Mitglied der Stiko Interessenkonflikte erklären muss und dass diese Personen von der Diskussion zu diesem Thema ausgeschlossen werden.

ZEIT: Nach Analystenauskunft haben die Impfhersteller Margen von 50 Prozent. Ist das angemessen?

Löwer: Bei den Verhandlungen wurde damals ausgerechnet, dass der Preis niedriger als beim saisonalen Impfstoff ist. Also hat man schon auf den Preis geachtet.

Kekulé: Die Firmen verdienen mit den Impfstoffen natürlich richtig satt. Grundsätzlich finde ich es in Ordnung, wenn eine Pharmafirma mit hoch innovativen Produkten Geld verdient. Aber hier ist der Gewinn vielleicht überproportional hoch.

ZEIT: Wagen Sie beide zum Schluss eine Prognose, wie es im März mit der Schweinegrippe aussieht? Und: Lassen Sie sich impfen?

Kekulé: Ich lasse mich impfen. Ich glaube, momentan wird die pure Zahl der Infektionen unterschätzt. Dieses Virus trifft, wenn wir nicht effektiv impfen, in Deutschland eine Vielzahl von Menschen. Überdies wird immer unterschätzt, dass eine Grippe erst im Winter zu voller Form aufläuft. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass wir im Winter eine ernst zu nehmende Welle bekommen, die zu einer hohen Zahl von Krankheitsfällen führen wird.

Löwer: Eine Hochrechnung ist wirklich schwierig. Aber der Staat hat die Verantwortung, Vorsorge zu treffen auch für Fälle, die dann nicht eintreten. Ich werde zu den Personen gezählt, die in der Pandemie gebraucht werden, also werde ich mich impfen lassen. Und um es ehrlich zu sagen: Ich würde es jetzt gerne auch mal am eigenen Körper spüren, nachdem das Adjuvans so infrage gestellt wird.

 
Leser-Kommentare
    • Crest
    • 29.10.2009 um 16:23 Uhr

    Kritisert wird unisono die Kommunikation. Und dann so etwas:

    Aus heutiger Sicht glaube ich in der Tat, dass es der falsche Impfstoff ist.

    Gute Güte, ein Laie, der das liest, der hat doch beim Adjektiv "falsch" sofort ganz andere Assoziationen als das, was es später heißen soll:

    Es ist die stärkere Waffe, die aber jetzt nicht notwendig ist.

    Der Impfstoff ist also gar nicht "falsch", sondern es würde sich unter speziellen Gesichtspunkten ein anderer eventuell besser anbieten. Gehen tun beide.

    So wird der "Endverbraucher" laufend ins Bockshorn gejagt. (Aber man ist ja - die Diskussionen etwa um Gorleben bieten ein schönes Beispiel - in dieser Hinsicht intellektuell abgehärtet.)

    Herzlichst Crest

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • xipho
    • 29.10.2009 um 21:22 Uhr

    Habe heute (in Bayern schon möglich als nicht-systemrelvanter) Pandemrix bekommen und bin 3,5h danach offensichtlich noch in der Lage, Kommentare zu schreiben. Komme beruflich täglich in viele "pandemie-kritische" Orte, da habe ich keine Lust, auf aktive Virensuche zu gehen und dann Virenschleuder zu spielen. Damit kann ich mir jetzt die Pandemie ziemlich gelassen ansehen. (Standard-grippeimpfung wie jedes Jahr hatte ich übrigens am 8.10.)
    Die Stunde Heimweg vorher auf der vollen AB bei leichtem Nebel und Dunkelheit war sicher um ein x-faches gefährlicher als es eine Impfung je sein kann. Traut euch!

    • xipho
    • 29.10.2009 um 21:22 Uhr

    Habe heute (in Bayern schon möglich als nicht-systemrelvanter) Pandemrix bekommen und bin 3,5h danach offensichtlich noch in der Lage, Kommentare zu schreiben. Komme beruflich täglich in viele "pandemie-kritische" Orte, da habe ich keine Lust, auf aktive Virensuche zu gehen und dann Virenschleuder zu spielen. Damit kann ich mir jetzt die Pandemie ziemlich gelassen ansehen. (Standard-grippeimpfung wie jedes Jahr hatte ich übrigens am 8.10.)
    Die Stunde Heimweg vorher auf der vollen AB bei leichtem Nebel und Dunkelheit war sicher um ein x-faches gefährlicher als es eine Impfung je sein kann. Traut euch!

    • xipho
    • 29.10.2009 um 21:22 Uhr

    Habe heute (in Bayern schon möglich als nicht-systemrelvanter) Pandemrix bekommen und bin 3,5h danach offensichtlich noch in der Lage, Kommentare zu schreiben. Komme beruflich täglich in viele "pandemie-kritische" Orte, da habe ich keine Lust, auf aktive Virensuche zu gehen und dann Virenschleuder zu spielen. Damit kann ich mir jetzt die Pandemie ziemlich gelassen ansehen. (Standard-grippeimpfung wie jedes Jahr hatte ich übrigens am 8.10.)
    Die Stunde Heimweg vorher auf der vollen AB bei leichtem Nebel und Dunkelheit war sicher um ein x-faches gefährlicher als es eine Impfung je sein kann. Traut euch!

    Antwort auf "Kommentar"
  1. ... zur Impfung. Ich habe auch schon einen Termin gemacht.
    Die Impfdiskussion wird von einem Bewusstsein geprägt, dass sich nur Menschen erlauben dürfen, die dank Lohnfortzahlung für das Auskurieren bezahlt werden: 2 Tage im Bett und 3 vor dem Fernseher und das sogar bei vollem Lohnausgleich ist doch mal ganz nett.
    Ich kann und will mir keine Krankheit leisten.
    Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

  2. Das Fazit "Ist also nicht so schlimm, dass wir den wirkverstärkten Impfstoff bestellt haben" ist NICHT richtig. Denn die Schwangeren, die als Hauptrisikogruppe gelten, können damit nicht geimpft werden, weil niemand die Verantwortung übernehmen darf. Ich habe als chronisch Kranke UND Schwangere versucht, beim Gesundheitsamt oder einer der impfenden Arztpraxen eine Impfung zu erhalten - vergeblich. Das wird natürlich nirgendwo kommuniziert, würde sich ja schlecht machen.

    Ich will mir auch keine Krankheit leisten (zumal ich wegen ständiger Reisen, beruflicher Kontakte und kleiner Kinder ein hohes Ansteckungsrisiko habe), aber mir bleibt wohl nicht viel übrig.

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